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Der "Inoffizielle Mitarbeiter" als gezielter Denunziant innerhalb des Systems der Staatssicherheit

Title: Der "Inoffizielle Mitarbeiter" als gezielter Denunziant innerhalb des Systems der Staatssicherheit

Diploma Thesis , 2002 , 116 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Ralph Ettrich (Author)

Politics - History of Political Systems
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Einleitung

„Seit geraumer Zeit stellt die Gauck-Behörde, die auf Initiative der letzten Volkskammer entstand und aufgrund des Gesetzes über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik vom 30. Oktober 1991 geschaffen wurde, ein Vorbild für den Umgang mit der IM-Problematik dar, [...].“1

Wie Karol Sauerland haben viele weitere Autoren – und nicht zuletzt diese Diplomarbeit – damit eine Möglichkeit, über das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit zu forschen und zu publizieren. Die Einsicht in die Akten des MfS stellte lange Zeit ein Novum unter den Sicherheitsdiensten des ehemaligen Ostblocks dar. 1999 wurde auch in Polen eine ähnliche Behörde und gesetzliche Grundlagen geschaffen.2 Weitere Öffnungen von Archiven der osteuropäischen Sicherheitsapparate sind mir nicht bekannt.
In den vergangenen Monaten jedoch ist die bis dahin übliche Praxis der Akteneinsicht – besonders die wissenschaftlich motivierte – in die Diskussion geraten.
Auslöser dafür war die Klage des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl gegen die Herausgabe seiner MfS-Akten. Das als „Berliner Richterspruch“ (04.07.2001) bekannte Urteil bestärkte Helmut Kohl in seinem Rechtsverständnis und gab der Klage statt.3
„Eine Katastrophe für die Forschung und damit für die Aufarbeitung könnte der Richterspruch auch in sofern sein, als damit der 2003 drohenden Aktenvernichtung von Stasi-Unterlagen neue Argumente geliefert werden.“4

----

1 Sauerland, 2000, S. 145.
2 Nach dem Wahlerfolg der Solidarność-Parteien 1997 in Polen wurde ein Gesetz erlassen, welches ähnlich dem Stasiunterlagengesetz Opfern, Untersuchungsorganen und Wissenschaftlern durch eine neu geschaffenes Institut für Nationales Gedächtnis die Akten des polnischen Staatssicherheitsdienstes zugänglich macht. Es trat am 09.04.1999 in Kraft. Im Gegensatz zur Gauck-Behörde hat diese Institut Rechte einer Staatsanwaltschaft. Vgl. Sauerland, 2000, S.156ff.
3 Vgl. Weber/Steinbach/Müller, 2001, S. 740f.
4 Ebenda, S. 742.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Begriffe Verrat und Denunziation

2.1 Was ist Verrat?

2.2 Was ist Denunziation?

2.3 Verrat nach Margret Boveri

3 Der „Inoffizielle Mitarbeiter“

3.1 Ein kurzer geschichtlicher Abriss

3.1.1 Der „V-Mann“ in der SBZ

3.1.2 V-Leute bei der K5

3.1.3 Der IM nach der Gründung des MfS (Feb. 1950)

3.2 IM-Kategorien

3.2.1 IM zur Sicherung bestimmter Bereiche

3.2.2 IM zur Feinbekämpfung

3.2.3 IM für logistische Aufgaben

3.2.4 Kontaktpersonen und hauptamtliche IM

4 Die Richtlinien des MfS zur Arbeit mit dem IM – Anleitung zur Denunziation?

4.1 Die Gewinnung der IM durch das MfS

4.1.1 Auswahl

4.1.2 Prüfung

4.1.3 Kontaktaufnahme

4.1.4 Rekrutierung und Verpflichtung

4.2 Warum wird einer IM?

4.3 Die Regelung der „täglichen Arbeit“ mit den IM

4.3.1 Erfassungsrichtlinie 1950

4.3.2 Richtlinie 21 (1952)

4.3.3 Richtlinie 1/58

4.3.4 Richtlinie 1/68

4.3.5 Richtlinie 1/79

4.4 E X K U R S Spontane Denunziation durch die Bevölkerung

5 E X K U R S „Jugendliche IM“

5.1 IMS „Klaus Müller“

5.2 IMB „Mark Aurelius“

6 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht das System der "Inoffiziellen Mitarbeiter" (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und analysiert, inwiefern diese Tätigkeit als gezielte Denunziation verstanden werden kann. Ziel ist es, durch eine historische und begriffliche Einordnung sowie die Analyse der internen MfS-Richtlinien zu klären, wie der Staat Denunziation als Herrschaftsinstrument systematisierte und welche Motive die IM dazu bewegten.

  • Differenzierung zwischen den Begriffen Verrat und Denunziation
  • Historische Entwicklung und Kategorisierung des Inoffiziellen Mitarbeiters
  • Analyse der MfS-Richtlinien zur Steuerung und Erziehung der IM
  • Untersuchung der Motive für die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsapparat
  • Betrachtung von Sonderformen wie jugendlichen IM

Auszug aus dem Buch

Die Richtlinien des MfS zur Arbeit mit dem IM – Anleitung zur Denunziation?

„Mielke 1975: ‚Es kann nicht ein beliebiger IM geworben und nachträglich geprüft werden, wie und für was er einsetzbar ist. Vor der Werbung, vor dem Anlegen eines IM-Vorlaufes, vor der Aufklärung und Überprüfung müssen klare Vorstellungen über die an den IM-Kandidaten zu stellenden Anforderungen vorhanden sein.’“

Aus Erich Mielkes Zitat von 1975 lassen sich zwei Grundzüge des MfS ablesen, zum einen gab es keine oder kaum Personen, die sich freiwillig dem MfS als IM anboten. Zum anderen – da ersteres nicht der Fall war – mussten potenzielle Kandidaten ausgesucht, angesprochen und rekrutiert werden.

Da die Freiwilligkeit in der Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit dem MfS eher niedrig und spontane Denunziation – im Gegensatz zur NS-Zeit – eher die Seltenheit war, müssen die, die letztendlich IM wurden, Gründe gehabt haben. Oder anders gesagt: es müssen sie Motive bewegt haben, mit dem MfS zusammenzuarbeiten.

Deshalb sollen im folgenden die Rekrutierung, im Stasi-Jargon der Vorlauf-IM bzw. IM-Vorlauf, und die Motive im Mittelpunkt stehen, bevor die Richtlinien im einzelnen dahingehend untersucht werden, inwieweit sie zur gezielten Denunziation befähigten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Akteneinsicht für die Forschung und grenzt das Thema auf die "Inoffiziellen Mitarbeiter" in der inneren Abwehr zwischen 1950 und 1989 ein.

2 Die Begriffe Verrat und Denunziation: Dieses Kapitel definiert und diskutiert die theoretischen Unterschiede zwischen Verrat und Denunziation und beleuchtet dabei auch die fachliterarischen sowie historischen Perspektiven.

3 Der „Inoffizielle Mitarbeiter“: Es erfolgt eine historische Einordnung der IM-Geschichte, beginnend mit den Vorläufern in der SBZ, sowie eine detaillierte Kategorisierung der verschiedenen IM-Typen.

4 Die Richtlinien des MfS zur Arbeit mit dem IM – Anleitung zur Denunziation?: Das Kernstück der Arbeit untersucht fünf zentrale MfS-Richtlinien (1950, 1952, 1958, 1968, 1979) hinsichtlich ihrer Anleitung zur Denunziation und erörtert die Motive der Mitarbeiter.

5 E X K U R S „Jugendliche IM“: Dieser Abschnitt widmet sich der Rekrutierung und Rolle von jugendlichen Inoffiziellen Mitarbeitern, illustriert durch zwei konkrete Fallbeispiele.

6 Resümee: Das Schlusswort zieht eine Bilanz der Aufarbeitung des MfS-Systems und reflektiert die grundlegenden Fragen zur Denunziationsbereitschaft und den Möglichkeiten des Widerstands.

Schlüsselwörter

Staatssicherheit, MfS, Inoffizielle Mitarbeiter, Denunziation, Verrat, DDR, Richtlinien, Überwachung, Spitzel, Rekrutierung, Motive, Geheimdienst, Feindbekämpfung, Jugend, Konspiration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle des Inoffiziellen Mitarbeiters (IM) im DDR-Staatssicherheitsdienst und geht der Frage nach, ob dieses System eine gezielte Form der Denunziation darstellte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung umfasst die begriffliche Abgrenzung von Verrat und Denunziation, die historische Entwicklung der MfS-Mitarbeiterstruktur, die Analyse offizieller Richtlinien zur IM-Arbeit sowie die Erforschung der Motive der IM.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das MfS durch bürokratisierte Richtlinien und gezielte Rekrutierung ein Netz aus Informanten schuf, das systematisierte Denunziation ermöglichte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturstudie, der Auswertung historischer MfS-Richtlinien und Dokumente sowie der Einbeziehung eines Zeitzeugeninterviews mit einem ehemaligen KD-Leiter.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die fünf entscheidenden Richtlinien des MfS zur Arbeit mit IM und untersucht, wie diese als "Handbuch" für die Führungsoffiziere dienten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Staatssicherheit, Inoffizielle Mitarbeiter, Denunziation, Konspiration, Feindbekämpfung und Überwachung.

Welche Rolle spielten Jugendliche im System des MfS?

Jugendliche wurden gezielt angeworben, um Informationen aus ihrem Umfeld zu sammeln, wobei das MfS nicht davor zurückschreckte, sie in labilen Lebenssituationen für seine Zwecke auszunutzen.

Wie unterschied sich die Spontandenunziation von der gezielten Denunziation?

Während spontane Denunziation auf individuellen Motiven außerhalb staatlicher Strukturen basiert, wurde die gezielte Denunziation im MfS-System durch Richtlinien, Führungsoffiziere und eine bürokratische Infrastruktur staatlich organisiert und gefördert.

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Details

Title
Der "Inoffizielle Mitarbeiter" als gezielter Denunziant innerhalb des Systems der Staatssicherheit
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Grade
2,0
Author
Ralph Ettrich (Author)
Publication Year
2002
Pages
116
Catalog Number
V51374
ISBN (eBook)
9783638473705
ISBN (Book)
9783656058045
Language
German
Tags
Inoffizielle Mitarbeiter Denunziant Staatssicherheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ralph Ettrich (Author), 2002, Der "Inoffizielle Mitarbeiter" als gezielter Denunziant innerhalb des Systems der Staatssicherheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51374
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