Die vorliegende Arbeit ist im Bereich der Bildungswissenschaft im Schwerpunkt Inklusion verfasst worden und vertieft die Partizipation Jugendlicher mit Behinderung beim Übergang von der (Aus-)Bildung in den Beruf nicht nur auf theoretischer, sondern auch auf praktischer Forschungsebene. Die Masterarbeit ist in das Forschungsprojekt "Kooperation für Inklusion in Bildungsübergängen" eingebettet, welches am Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien ins Leben gerufen wurde.
Den Gegenstand dieser Arbeit beschreibt die Beobachtung und Analyse des partizipativen methodischen Zuganges des Re-flektierenden Teams. Das Augenmerk bei der Beobachtung liegt auf der Ressourcenorientierung und der gesamten Gruppe als Ressource für alle Teilnehmenden. Mittels der dokumentarischen Inhaltsanalyse nach Ralf Bohnsack konnte ermittelt werden, dass der soziale Umgang für Jugendliche im Übergang von größter Wichtigkeit ist. Dieser ergibt sich aus den eruierten Typiken Leistung, Zeit, Beeinträchtigung und Verantwortung und wird in Verbindung mit den genannten Aspekten der Ressource zusätzlich bestärkt.
Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEMAUFRISS UND FORSCHUNGSZUGANG
1.1 Forschungsfrage und Zielstellung
1.2 Forschungsethische Überlegungen
1.3 Aufbau und Gliederung der Arbeit
2 THEORETISCHE EINBETTUNG
2.1 Inklusion
2.1.1 Definitionsfindung
2.1.2 Abgrenzung zur Integration
2.1.3 Umsetzung im schulischen Bereich
2.2 Übergang
2.3 Inklusiver Übergangsplanungsprozess von der SEK I in die SEK II bzw. in die Beschäftigung
2.3.1 Chancen inklusiver Übergänge
2.3.2 Grenzen inklusiver Übergänge
2.4 Partizipative Kooperation im inklusiven Übergangsplanungsprozess
2.5 Das Reflektierende Team als partizipativer methodischer Zugang
2.5.1 Systemisch-lösungsorientiertes Arbeiten in einer Gruppe
2.5.2 Rahmendbedingungen des Reflektierenden Teams
2.6 Ressourcenorientierung
2.6.1 Fokussierung und Aufmerksamkeit auf das Gesagte
2.6.2 Anerkennung des Gesagten
2.6.3 Perspektivenvielfalt und Perspektivenwechsel
2.6.4 Störungen
2.7 Resümee
3 FORSCHUNGSDESIGN
3.1 Methodischer Forschungszugang – das zweite Reflektierende Team mit Jugendlichen
3.2 Erhebungsmethode
3.2.1 Teilnehmende Beobachtung
3.2.2 Rolle der/des Beobachtenden im Forschungsfeld
3.3 Dokumentation der Daten
3.4 Auswertungsmethode: Dokumentarische Auswertung nach Ralf Bohnsack
3.4.1 Die formulierende Interpretation
3.4.2 Die reflektierende Interpretation
3.4.3 Die Diskursbeschreibung
3.4.4 Die Typenbildung
3.5 Resümee
4 DISKUSSION UND THEORETISCHE EINBETTUNG DER FORSCHUNGSERGEBNISSE
4.1 Darstellung der Forschungsergebnisse
4.2 Vergleich des zweiten mit dem ersten Reflektierenden Team
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht empirisch, wie Jugendliche mit Behinderungen im Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II oder die Beschäftigung durch den methodischen Ansatz eines "Reflektierenden Teams" unterstützt werden können, wobei der Fokus auf der Stärkung ihrer Autonomie und Partizipation liegt.
- Partizipation von Jugendlichen mit Behinderung im Übergangsprozess
- Einsatz des "Reflektierenden Teams" als systemische Methode
- Ressourcenorientierung in Gruppengesprächen
- Dokumentarische Inhaltsanalyse nach Ralf Bohnsack
Auszug aus dem Buch
2.5.2 Rahmendbedingungen des Reflektierenden Teams
Zu einem bestimmten Termin trifft sich eine Gruppe von Menschen – genannt das Interview-System –, die vor einer Hürde stehen, eine Herausforderung zu meistern haben oder Probleme bzw. Hindernisse in ihrem Umfeld erleben. Unter Anleitung der Moderation folgt ein Gruppengespräch, das von einem Team von Professionellen Beraterinnen bzw. Beratern beobachtet wird – dem Reflektierenden Team. Dieses Professionellen-Team sitzt in einem zweiten Raum hinter einer verspiegelten Wand, sodass sich die Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer des Interview-Systems nicht von ihnen gestört fühlen. Sie wissen, dass sie von Professionellen beobachtet werden, jedoch besteht keine Möglichkeit jeglicher Kommunikation mit ihnen. Die Personen im Interview-System besprechen Situationen und tauschen sich über Meinungen oder Lösungsmöglichkeiten aus, anschließend berät sich die Gruppe der Professionellen unter sich und verbalisiert eigene Beobachtungen und Anregungen. Als eines Tages Tom Andersen einer Familie vorschlägt, die Professionellen könnten doch ihre Reflexionsgedanken mit den interviewten Personen teilen, stellt sich heraus, dass die Familie diese Idee dankend annimmt mit den Worten: „We were wondering what you behind the screen were thinking about us. Now we know.“81 Schnell stellt sich heraus, dass diese Art von Reflexion großes Potenzial in sich birgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 PROBLEMAUFRISS UND FORSCHUNGSZUGANG: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Übergangs von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II für Jugendliche mit Behinderung und definiert die Forschungsfrage sowie das methodische Ziel der Arbeit.
2 THEORETISCHE EINBETTUNG: Hier werden die zentralen Begriffe Inklusion, Übergang und Ressourcenorientierung theoretisch fundiert und das Modell des Reflektierenden Teams als systemischer Ansatz eingeführt.
3 FORSCHUNGSDESIGN: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere die teilnehmende Beobachtung und die dokumentarische Auswertungsmethode nach Bohnsack, die zur Analyse des zweiten Reflektierenden Teams herangezogen wurden.
4 DISKUSSION UND THEORETISCHE EINBETTUNG DER FORSCHUNGSERGEBNISSE: Die erhobenen Ergebnisse werden hier grafisch und inhaltlich dargestellt, interpretiert und mit den Erkenntnissen des ersten Reflektierenden Teams verglichen.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert offene Fragen sowie Ansätze für zukünftige Forschungsprojekte.
Schlüsselwörter
Inklusion, Übergangsplanung, Reflektierendes Team, Partizipation, Ressourcenorientierung, Bildungswissenschaft, Kooperation, Jugendliche mit Behinderung, Dokumentarische Methode, Systemische Beratung, Selbstwert, Berufsorientierung, Gruppendynamik, Empowerment, Übergangsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Übergang von Jugendlichen mit Behinderungen aus dem Bildungssystem in den Beruf oder weiterführende Schulen und analysiert, wie ein Reflektierendes Team als partizipative Methode dabei unterstützen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Forschungsarbeit?
Die zentralen Themen sind Inklusion im Bildungswesen, die Gestaltung von Übergangsprozessen, die Bedeutung von Partizipation und Kooperation sowie die praktische Anwendung der systemischen Ressourcenorientierung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Autorität und Mitbestimmung der Jugendlichen durch eine partizipative Forschungsmethode zu stärken und zu explorieren, welche Aspekte der Unterstützung in Gruppengesprächen für die Zielgruppe besonders wirksam sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin verwendet eine teilnehmende, offene Fremdbeobachtung im künstlichen Setting sowie die dokumentarische Auswertungsmethode nach Ralf Bohnsack, um das Gruppengeschehen zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe und eine empirische Durchführung eines Reflektierenden Teams, wobei insbesondere die Rollen der Teilnehmenden und die Diskursorganisation analysiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Aspekte sind Inklusion, Partizipation, Reflektierendes Team, Ressourcenorientierung und der Übergang von der Schule in den Beruf.
Wie beeinflusst das "Reflektierende Team" die Jugendlichen konkret?
Die Methode schafft einen geschützten Lösungsraum, in dem Jugendliche eigene Erfahrungen teilen, durch die Reflexion anderer neue Perspektiven gewinnen und ihre Selbstwirksamkeit im Dialog erfahren.
Welche Rolle spielt der Faktor "Umgang" für die Forschungsergebnisse?
Die Analyse zeigt, dass ein wertschätzender und respektvoller "Umgang" aller Beteiligten als grundlegende Basistypik identifiziert wurde, die für alle anderen Themengebiete wie Leistung, Zeit und Beeinträchtigung eine zentrale Voraussetzung darstellt.
- Quote paper
- Michaela Visnovsky (Author), 2019, Aspekte der Unterstützung in einem Gruppengespräch mit Jugendlichen mit Behinderung unter Anwendung eines Reflektierenden Teams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513858