Gerade der Nationalsozialismus war ein System, das vehement versuchte, alle Lebensbereiche der Menschen zu kontrollieren. Beim Unterfangen, Bevölkerungspolitik im nationalsozialistischen Sinn zu machen, wurde massiv versucht, auf den „Bereich Reproduktion“ und somit auf die Sexualität der (Groß-)Deutschen Einfluß zu nehmen. Was war erwünscht, was verboten und was geduldet? Was waren die Intentionen, die Widersprüche und die Auswirkungen der Maßnahmen im NS? Frauen werden als Opfer und (Mit-)Täterinnen beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
1.1. Warum dieses Thema?
1.2. Frauen als Opfer / Frauen als (Mit-)Täterinnen
2. Intentionen, Widersprüche und praktische Auswirkungen
2.1. Intentionen
2.2. Antisemitismus
2.3. Widersprüche
2.4. Rechtfertigung des Frauenbildes
3. Erwünscht
3.1. „Pro-natalistische“ Maßnahmen:
3.1.1. Aufwertung der Mutter
3.1.2. Finanzielle Anreize
3.1.3. Aufrufe zur Zeugung
3.1.4. Organisationen
3.1.5. Ehe
3.1.6. Ergebnis
3.1.7. Die Rolle der SS
3.1.8. Lebensborn
4. Verboten
4.1. Einschränkungen:
4.1.1. Bekämpfung von „Sittenverfall“?
4.1.2. Mode
4.1.3. Rauchen
4.1.4. Tanzen
4.2. Jugend:
4.2.1. Erziehungsmaßnahmen
4.2.2. Realität
4.2.3. Kriminalisierung
4.3. Kriminalisierung:
4.3.1. „Nicht-Wertvolle“
4.3.2. Homosexualität
4.3.3. Abtreibung
4.4. Vernichtung:
4.4.1. „Anti-natalistische“ Maßnahmen
5. Erlaubt
5.1. Sonderfall Prostitution
5.2. „Artbewußte Lüsternheit“
6. Im Vergleich
6.1. Vorher
6.2. Anderswo
6.3. Nachher
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strukturellen Bedingungen der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik und deren direkten Einfluss auf das Privatleben, insbesondere auf Sexualität und Geschlechterrollen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie NS-Ideologie den Frauenkörper instrumentalisierte, ohne dabei in pauschale Opfer-Täter-Zuschreibungen zu verfallen.
- Regulierung von Sexualität und Reproduktion im „Dritten Reich“
- Propaganda pro- und anti-natalistischer Maßnahmen
- Die Rolle der SS und des Lebensborn-Vereins
- Umgang des Regimes mit „Sittenverfall“ und abweichendem Verhalten
- Kontinuitäten und Brüche in Moralvorstellungen und Geschlechterbildern
Auszug aus dem Buch
2.1. Intentionen
Die vom Rassepolitischen Amt der NSDAP veröffentlichten (für Männer und Frauen geltenden) „10 Leitsätze für die Gattenwahl“ lauteten: „1. Bedenke, daß Du ein Deutscher bist! 2. Du sollst Geist und Seele reinerhalten! 3. Halte Deinen Körper rein! 4. Du sollst, wenn Du erbgesund bist, nicht ehelos bleiben! 5. Heirate nur aus Liebe! 6. Wähle als Deutscher nur einen Gatten gleichen oder artverwandten Blutes! 7. Bei der Wahl Deines Gatten frage nach seinen Vorfahren! 8. Gesundheit ist Voraussetzung auch für äußere Schönheit! 9. Suche Dir für Deine Ehe nicht einen Gespielen, sondern einen Gefährten! 10. Du sollst Dir möglichst viele Kinder wünschen!“
Verhaltensregeln in Form von 10 Geboten waren scheinbar sehr beliebt. Auch der Reichsarzt der Hitlerjugend hatte zehn Stück davon im „Jahr der Gesundheitspflicht“ 1939 bereit. Darunter Nummer 1: „Dein Körper gehört deiner Nation, denn ihr verdankst du dein Dasein, du bist für deinen Körper verantwortlich.“ und als krönender Abschluß das 10. Gebot: „Über all deinem Handeln steht das Wort: Du hast die Pflicht, gesund zu sein!“
Das Geschlechtsleben der (Groß-)Deutschen war nicht privat. Adolf Hitler drückte seine Erwartungen in „Mein Kampf“ so aus: „Das Recht der persönlichen Freiheit tritt zurück gegenüber der Pflicht der Erhaltung der Rasse.“ „Familiengründung und Fortpflanzung sind im völkischen Staat keine Privatsache, sondern oberste Pflicht an der Gemeinschaft,“ hieß es. Nicht privat, nicht öffentlich, sondern heilig war Sexualität im Nationalsozialismus. „Heilig soll uns sein jede Mutter guten Blutes“, so steht es in den Statuten des SS-Vereins Lebensborn.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel erläutert die Motivation der Arbeit, den Fokus auf strukturelle Bedingungen statt Einzelschicksale zu legen und eine differenzierte Sichtweise auf Frauen im NS-System zu etablieren.
2. Intentionen, Widersprüche und praktische Auswirkungen: Hier werden die ideologischen Vorgaben des NS-Regimes bezüglich Sexualität, der Einfluss des Antisemitismus und die sich daraus ergebenden praktischen Widersprüche dargelegt.
3. Erwünscht: Dieses Kapitel analysiert die pro-natalistischen Maßnahmen des Regimes, inklusive der Aufwertung der Mutter, finanzieller Anreize, Zeugungsaufrufe und der Rolle von Organisationen wie dem Lebensborn.
4. Verboten: Hier werden die Einschränkungen gesellschaftlicher Freiheiten, wie die Bekämpfung von „Sittenverfall“, Modevorschriften und Kriminalisierungsmaßnahmen gegen Jugendliche und Minderheiten, behandelt.
5. Erlaubt: Dieses Kapitel thematisiert den widersprüchlichen Umgang mit Prostitution und staatlich geduldeter bzw. gelenkter „artbewußter Lüsternheit“.
6. Im Vergleich: Ein Fazit, das die Kontinuitäten patriarchaler Strukturen über das Ende des NS-Regimes hinaus reflektiert und das NS-System als radikale Zuspitzung bestehender Denkmuster einordnet.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Sexualpolitik, Bevölkerungspolitik, Frauenforschung, Lebensborn, Rassenideologie, Antisemitismus, Geschlechterrollen, Mittäterschaft, Sittenverfall, Pro-natalismus, Eugenik, Zwangssterilisation, Patriarchat, NS-Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die nationalsozialistische Sexualitäts- und Bevölkerungspolitik und deren Auswirkungen auf den Alltag und die Rolle der Frau.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die pro-natalistische Propaganda, die Kontrolle des Frauenkörpers, der Umgang mit „Sittenverfall“ sowie die Rolle der SS und des Lebensborn-Vereins.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die strukturellen Bedingungen der NS-Politik und deren Verknüpfung von Sexismus und Rassismus aufzuzeigen, ohne dabei in eine pauschale moralische Verurteilung oder Vereinfachung zu verfallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer feministischen Sichtweise und einer historischen Analyse, die strukturelle Bedingungen beleuchtet und dabei auf zeitgenössische Quellen sowie Forschungsliteratur zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die von den Nazis als „erwünscht“ oder „verboten“ definierten Verhaltensweisen, die ideologischen Widersprüche innerhalb des Regimes und die Praxis der Bevölkerungspolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Nationalsozialismus, Sexualpolitik, Rassenideologie, Lebensborn und Geschlechterrollen.
Wie bewertet der Text die Rolle des Lebensborn-Vereins?
Der Text beschreibt den Lebensborn als ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, das primär der Kontrolle und Auslese diente, anstatt – wie oft fälschlicherweise angenommen – ein „Edelbordell“ zu sein.
Wie interpretiert der Autor die Kontinuität nach 1945?
Der Autor stellt fest, dass nach 1945 in vielen Bereichen Kontinuitäten überwogen und rassistische oder sexistische Einstellungen in der Gesellschaft keineswegs sofort verschwunden sind.
- Quote paper
- Karin Lederer (Author), 1998, Nationalsozialismus und Sexualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51387