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Der Tod der Gazelle als zentrale Textstelle und Auslöser des Dualismus der Erkenntnisinstanzen des Hayy ibn Yaqzan

Title: Der Tod der Gazelle als zentrale Textstelle und Auslöser des Dualismus der Erkenntnisinstanzen des Hayy ibn Yaqzan

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 17 Pages

Autor:in: Oliver Borszik (Author)

Orientalism / Sinology - Islamic Studies
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In der vorliegenden Hauptseminararbeit wird die Transkription nach der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) verwendet. Zitate werden jedoch unverändert übernommen.

Der Titel der Arbeit weist bereits auf die zu untersuchende Hauptthese hin. Der Tod (al-maut) der Gazelle ist eine zentrale Textstelle, denn er ist der Auslöser für den Dualismus der Erkenntnisinstanzen – Philosophie (Falsafa) und Mystik (TaÈawwuf) – Hayy ibn YaqãÁns im gleichnamigen Traktat von AbÚ Bakr ibn þAbd al-Malik ibn Muhammad Ibn Óufail al-QaisÍ, besser bekannt als Ibn Óufail (ca. 510/1116-581/1185).

Der junge Inselbewohner Hayy ibn YaqãÁn wird bis zu seinem siebten Lebensjahr von einer Gazelle herangezogen und begleitet. Sie erfüllt für ihn die Rolle einer Mutter und der Junge baut zu ihr eine emotionale Bindung auf. Er entwickelt sich rasch, erwirbt allerlei handwerkliche und kognitive Fähigkeiten und zieht Rückschlüsse aus vielerlei Beobachtungen. Hayy beginnt zudem, die Laute der Gazelle zu imitieren. Da er jedoch ohne jeglichen menschlichen Kontakt heranwächst, spricht Hayy keine Sprache. Allmählich wird ihm bewusst, „[…] dass er von einer ganz anderen Art war als alle anderen Arten von Lebewesen, daß er zu einem anderen Zweck geschaffen worden und zu etwas Großartigem bestimmt war, wie sonst keine andere Art unter den Lebewesen.“ Im Unterschied zu den Tieren, die ihn umgeben, verfügt er – nicht zuletzt aufgrund seines hervorragenden Verstands/Intellekts (þaql) – über die menschliche Veranlagung zur rationalen Erkenntnis und über einen „Göttlichen Funken“ („Divine Spark“) in seiner Seele (an-nafs), die Gott durch die Erfahrung der Mystischen Einheit erkennen und sich ihm zuwenden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tod der Gazelle

3. Das Sezieren der Gazelle als Allegorie des Erkenntnisprozesses von Hayy ibn Yaqzan

4. Zum Spannungsverhältnis zwischen Philosophie (Falsafa) und Mystik (Tasawwuf) bei Ibn Tufail

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Todes der Gazelle im Traktat des Ibn Tufail als Katalysator für den erkenntnistheoretischen Dualismus zwischen Philosophie und Mystik. Im Zentrum steht die Frage, wie der Protagonist Hayy ibn Yaqzan durch diesen Einschnitt von einer rein rationalen Naturbeobachtung zu einer mystischen Gotteserfahrung gelangt und wo die Grenzen dieser Erkenntnisinstanzen liegen.

  • Erkenntnistheoretischer Dualismus: Philosophie versus Mystik
  • Die Allegorie des Gazellen-Sezierens als Erkenntnismethode
  • Einfluss des neoplatonisch geprägten Aristotelismus auf das Weltbild
  • Die Rolle der mystischen Erfahrung (daug) als Ziel menschlichen Wissens
  • Harmonisierung oder Antagonismus der Erklärungsinstanzen

Auszug aus dem Buch

3. Das Sezieren der Gazelle als Allegorie des Erkenntnisprozesses von Hayy ibn Yaqzan

Die Verzweiflung des Jungen über den toten Körper der Gazelle vergeht schnell und er beginnt, ihn zu sezieren, um den Ort des Schadens zu finden. Bei seiner Suche, die von Beobachtungen, Experimenten und Analogieschlüssen begleitet wird, stößt der junge Inselbewohner auf den Sitz des „entschwundenen“ Lebensgeistes der Gazelle: das Herz (al-qalb). Diesem Organ misst er zunächst aufgrund seiner schönen Form (sura) und Beschaffenheit und seiner Funktion als lebenserhaltendes Organ eine allen anderen Organen übergeordnete Rolle zu. Unser Autor kann somit aus einem anatomischen Standpunkt heraus mit dem griechischen Philosophen Aristoteles (384 v. Chr.-322 v. Chr.), al-Gazali (450/1058-505/1111) und Ibn Sina (370/980-429/1037) in Verbindung gebracht werden, die die besondere Rolle und Funktion des Herzens in ähnlicher Art und Weise hervorhoben.

Das Sezieren der Gazelle durch Hayy ist ein Prozess, der bildhaft für den Erkenntnisprozess des Jungen in der gesamten Rahmenhandlung steht: vom Beobachten und Untersuchen, über das theoretische Erfassen (idrak nazari) – als philosophische Erkenntnisinstanz – bis hin zur Mystischen Erfahrung (dauq) als Wahrnehmungsinstanz übersinnlicher Phänomene, wie der Existenz Gottes und der menschlichen Seele. Die Brisanz folgender Textpassage liegt meiner Meinung nach in ihrer Funktion als Abbild des gesamten Textes:

Der ganze Körper erschien ihm darauf erbärmlich und wertlos gegenüber jenem Ding, von dem er annahm, daß es dem Körper eine Zeitlang innewohnte und ihn danach aber verließ. Fortan kreiste sein Denken nur noch um folgende Fragen zu jenem Ding: Was ist es? Wie ist es? Womit war es mit diesem Körper verbunden? Wohin war es gegangen? Wo hindurch entwich es aus dem Körper? […]

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Transkription, die Hauptthesen und den literarischen Kontext des Traktats von Ibn Tufail ein.

2. Der Tod der Gazelle: Das Kapitel beleuchtet den Tod der „Ersatzmutter“ als psychologischen Wendepunkt und Initialzündung für die metaphysischen Fragestellungen des Protagonisten.

3. Das Sezieren der Gazelle als Allegorie des Erkenntnisprozesses von Hayy ibn Yaqzan: Hier wird das anatomische Experiment als methodische Allegorie für den Übergang von empirischer Beobachtung zu mystischer Erkenntnis gedeutet.

4. Zum Spannungsverhältnis zwischen Philosophie (Falsafa) und Mystik (Tasawwuf) bei Ibn Tufail: Dieses Kapitel analysiert die theoretische Spannung zwischen aristotelischer Logik und mystischer Unmittelbarkeit in Ibn Tufails System.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Erkenntnisprozess Hayys in der mystischen Vereinigung gipfelt, wobei Philosophie als notwendige Stufe, aber nicht als Ziel begriffen wird.

Schlüsselwörter

Hayy ibn Yaqzan, Ibn Tufail, Philosophie, Mystik, Erkenntnisinstanzen, Gazelle, Dualismus, Falsafa, Tasawwuf, Gotteserkenntnis, Seele, Neoplatonismus, Emanation, al-Gazali, Aristoteles

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Traktat „Hayy ibn Yaqzan“ von Ibn Tufail und analysiert den Erkenntnisweg des Protagonisten nach dem Tod seiner tierischen Ziehmutter.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die islamische Philosophie, die Mystik (Sufismus), neoplatonische Einflüsse und die erkenntnistheoretische Frage nach dem Verhältnis von Vernunft und Intuition.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Ibn Tufail durch die Metapher des Todes der Gazelle einen Dualismus zwischen rationaler Philosophie und mystischer Erfahrung konstruiert und harmonisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine textnahe Analyse des Traktats sowie auf den Vergleich mit zeitgenössischen und antiken philosophischen Quellen zur Einordnung des Wissenschaftskanons.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Erkenntnisprozess Hayys in vier Stufen unterteilt und das Spannungsverhältnis zwischen den erkenntnistheoretischen Instanzen kritisch beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Hayy ibn Yaqzan, Philosophie, Mystik, Erkenntnisinstanzen und Gotteserkenntnis.

Warum ist das Sezieren der Gazelle für die Interpretation so bedeutsam?

Es fungiert als Allegorie für den Übergang vom bloßen Beobachten des Materiellen zur Suche nach dem immateriellen Ursprung allen Seins.

Wie unterscheidet sich Ibn Tufails Konzept der Seele von al-Gazali?

Während al-Gazali die Seele als von Gott erschaffen betrachtet, sieht Ibn Tufail sie als einen „Göttlichen Funken“, der in einem Emanationsprozess in den Menschen gelangt.

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Details

Title
Der Tod der Gazelle als zentrale Textstelle und Auslöser des Dualismus der Erkenntnisinstanzen des Hayy ibn Yaqzan
College
University of Hamburg  (Asien-Afrika-Institut)
Course
Ibn Tufayl
Author
Oliver Borszik (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V51395
ISBN (eBook)
9783638473873
ISBN (Book)
9783656814535
Language
German
Tags
Gazelle Textstelle Auslöser Dualismus Erkenntnisinstanzen Hayy Yaqzan Tufayl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Borszik (Author), 2005, Der Tod der Gazelle als zentrale Textstelle und Auslöser des Dualismus der Erkenntnisinstanzen des Hayy ibn Yaqzan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51395
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