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MERZ Typographie. Kurt Schwitters werbegraphische Arbeiten von 1923 bis 1933

Title: MERZ Typographie. Kurt Schwitters werbegraphische Arbeiten von 1923 bis 1933

Master's Thesis , 2017 , 156 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christiane Reinsch (Author)

Art - History of Art
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Summary Excerpt Details

Bei dieser Masterarbeit geht es darum, den Professionalisierungsprozess des bildenden Künstlers Kurt Schwitters im Bereich der Typographie zu verdeutlichen. Inwieweit kann der Avantgarde-Künstler Kurt Schwitters in das Berufsfeld des Typographen eingeordnet werden? Diese Leitfrage soll in der vorliegenden Arbeit beantwortet werden. Der Zeitraum von 1923 bis 1933 wird betrachtet, da Kurt Schwitters sich in dieser Zeit intensiv mit Typographie befasst hat. Die Jahreszahl 1933 steht symbolisch für die Machtergreifung der Nationalsozialisten, deren Einfluss schon Jahre davor spürbar war und dazu führte, dass der Wirkungskreis des Künstlers und seiner Kollegen zunehmend eingeschränkt wurde.

Ausschlaggebend für die Idee zu dieser Arbeit war zunächst die Beobachtung, dass es wenige detaillierte Abhandlungen über die typographischen Arbeiten von Kurt Schwitters gibt. Resultierend aus der These, dass Typographie ein Handwerk ist, das früher den Schriftsetzern und Buchdruckern vorbehalten war und seit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert von Künstlern entdeckt und professionalisiert wurde, stellt sich die Frage, ob ihre typographischen Arbeiten als Kunst zu werten, oder ob sie den handwerklichen Maßstäben der Typographen unterzuordnen sind. Ziel der Arbeit ist es, das typographische Werk von Schwitters in den Kontext der Neuen Typographie zu stellen. Es gilt zu untersuchen, inwieweit die typographische Tätigkeit von Schwitters oder den anderen Künstlern, die sich mit Neuer Typographie befasst haben, in das Berufsbild des Gebrauchsgrafikers einzuordnen ist.

Als Methode wird die typographische Analyse der drucktechnischen Werke von Kurt Schwitters gewählt. Exemplarisch wurden seine MERZ-Hefte untersucht, deren Gestaltung in vier Phasen zu unterteilen sind und den Weg zur Professionalisierung des Künstlers auf dem Gebiet der Typographie markieren. Die Untersuchung folgt der Maxime, den Umschlag und zwei Seiten jedes einzelnen Heftes zu beschreiben, die relevanten Inhalte zu nennen und am Ende eine Gegenüberstellung von Aussagen aus Lehrbüchern der Zeit zu realisieren. Weiterhin wird eine markante Schrift analysiert, die Kurt Schwitters in den späteren Jahren für seine Auftragsarbeiten benutzt hatte und für unterschiedliche Produkte einsetzte. Beide Aspekte dienen dazu, den Dualismus von Künstlern und Fachleuten zu verdeutlichen und eine Grundlage zu späteren Fachdiskussion über die Neue Typographie vorzubereiten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Forschungsstand

2 Kunst und Werbegestaltung

3 Kurt Schwitters und Werbegestaltung

3.1 Ring neuer Werbegestalter

3.2 Vorträge über Gestaltung

4 MERZ-Typographie

4.1 Eigenproduktionen

4.1.1 Dadaistische Phase

4.1.2 Erste konstruktivistische Phase

4.1.3 Experimentelle Phase

4.1.4 Zweite konstruktivistische Phase

4.2 Geometrische Schrift in den Auftragsarbeiten

4.2.1 Dammerstocksiedlung

4.2.2 Städtische Bühnen Hannover

5 Neue Typographie

5.1 Die Grotesk-Schrift

5.2 Die Asymmetrie

6 Rezeption der Neuen Typographie

6.1 Avantgarde

6.2 Gebrauchsgraphiker

6.3 Werbefachleute

6.4 Buchdrucker

Resumé

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Professionalisierungsprozess des bildenden Künstlers Kurt Schwitters im Bereich der Typographie zwischen 1923 und 1933. Ziel ist es, Schwitters’ typographisches Werk im Kontext der "Neuen Typographie" zu verorten und zu analysieren, inwieweit seine typographische Tätigkeit in das Berufsfeld des Gebrauchsgraphikers einzuordnen ist.

  • Analyse des typographischen Werks von Kurt Schwitters in vier Phasen
  • Untersuchung der gestalterischen Prinzipien und typographischen Details seiner Drucksachen
  • Vergleich von Schwitters’ Werken mit zeitgenössischen fachlichen Anforderungen
  • Rezeption der Neuen Typographie durch Avantgarde, Gebrauchsgraphiker, Werbefachleute und Buchdrucker

Auszug aus dem Buch

3 KURT SCHWITTERS UND WERBEGESTALTUNG

Zwischen der radikalen Regellosigkeit der Künstler und den Regeln oder Prinzipien der typographischen Fachwelt liegt das Spannungsfeld, in dem die typographischen Arbeiten des Künstlers Kurt Schwitters zu betrachten sind. Dieser war in den 1920er Jahren neben der Typographie in vielen Bereichen der bildenden Kunst tätig, vor allem in Assemblage und Collagen, in abstrakter sowie gegenständlicher Malerei und Skulptur, in Gebieten der angewandten Kunst wie Vortragskunst und Performance, in der Literatur sowie der Musik. Sein Schaffen ist dem einen individuellen Konzept „MERZ“ gewidmet.

Das Wort MERZ34 hat Kurt Schwitters in seiner Collagen eingefügt. Es handelte sich dabei um einen Ausschnitt aus dem Schriftzug „Kommerz- und Privatbank“. Zunächst nannte Kurt Schwitters nur dieses Werk „MERZ-Bild“, später verwendete er die Bezeichnung für alle seine künstlerischen Äußerungen, darunter „MERZ-Dichtungen“ oder der „MERZ-Bau“ und ab 1924 auch die „MERZ-Werbezentrale“. Seine Collagen und Montagebilder entstanden aus dem Material der Straße, wie Papier- und Stoffresten, Drahtstücken und schließlich Fragmenten aus Drucksachen, wie Wortsplittern, Zahlen und Buchstaben (Abb. 5) (Abb. 6).

Die vielfältigen Aktivitäten von Kurt Schwitters entsprachen seinem Ideal eines „MERZ-Gesamtweltbildes“, in dem alle Künste in der MERZ-Gestaltung vereint werden.36 MERZ gibt Bedeutendem und Banalem die gleiche Wertigkeit: „MERZ will nicht bauen, MERZ will umbauen.“ MERZ bemüht sich um Vermittlung und Synthese: „Die Aufgabe von MERZ in der Welt ist: Gegensätze ausgleichen und Schwerpunkte verteilen.“37

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Professionalisierung von Kurt Schwitters als Typograph im Kontext der Avantgarde zwischen 1923 und 1933.

1 Forschungsstand: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die bestehende Literatur und Archive zu Schwitters' Werk und dessen Rezeption.

2 Kunst und Werbegestaltung: Das Kapitel diskutiert das Spannungsverhältnis zwischen künstlerischem Anspruch und kommerzieller Werbetätigkeit in den 1920er Jahren.

3 Kurt Schwitters und Werbegestaltung: Hier wird Schwitters’ individuelle künstlerische Strategie "MERZ" und sein Bestreben nach einem Gesamtweltbild analysiert.

4 MERZ-Typographie: Die typographische Analyse der Eigenproduktionen und der Auftragsarbeiten von Schwitters steht hier im Zentrum.

5 Neue Typographie: Dieses Kapitel erläutert die formalen Elemente wie Grotesk-Schriften und Asymmetrie als Gestaltungsmittel der Zeit.

6 Rezeption der Neuen Typographie: Die unterschiedliche Wahrnehmung der neuen Gestaltungstrends durch Fachgruppen wie Buchdrucker und Werbefachleute wird hier dargelegt.

Resumé: Die abschließende Betrachtung fasst die Entwicklung von Schwitters’ typographischem Schaffen und dessen Anerkennung durch die Fachwelt zusammen.

Schlüsselwörter

Kurt Schwitters, MERZ, Typographie, Neue Typographie, Gebrauchsgraphik, Avantgarde, Werbegestaltung, Konstruktivismus, Grotesk-Schrift, Asymmetrie, Buchdruck, Werbezentrale, Gestaltung, Bauhaus, Formensprache

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den künstlerischen und beruflichen Werdegang von Kurt Schwitters im Kontext der modernen Typographie während der 1920er und frühen 1930er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Rolle von Schwitters als Typograph, seine Einordnung in die "Neue Typographie", die Beziehung zwischen Kunst und kommerzieller Werbung sowie die Wahrnehmung seiner Arbeit durch Zeitgenossen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit der avantgardistische Künstler Kurt Schwitters als Typograph in das Berufsfeld des Gebrauchsgraphikers integriert werden kann und wie sich sein Wirken zwischen freier Kunst und angewandter Gestaltung bewegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine typographische Analyse der Druckwerke von Schwitters durchgeführt, wobei diese in vier zeitliche Phasen unterteilt und mit theoretischen Anforderungen aus zeitgenössischen Lehrbüchern verglichen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit Schwitters' "MERZ"-Konzept, einer detaillierten typographischen Analyse seiner MERZ-Hefte und Auftragsarbeiten sowie der allgemeinen Entwicklung und Rezeption der Neuen Typographie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kurt Schwitters, MERZ, Neue Typographie, Avantgarde, Gebrauchsgraphik und Konstruktivismus geprägt.

Welche Rolle spielten die "MERZ-Hefte" für Schwitters?

Die MERZ-Hefte dienten als Sammelwerk für avantgardistische Kunst und experimentelle Typographie, an denen Schwitters seine gestalterischen Theorien erprobte und umsetzte.

Wie unterschied sich Schwitters' Auffassung von Typographie von der konservativen Fachwelt?

Während die konservative Fachwelt an klassischen, symmetrischen Satzregeln und der Verwendung traditioneller Schriften (wie Fraktur) festhielt, propagierte Schwitters eine asymmetrische, an visuellen Werten orientierte und radikale Gestaltung, die sich von starren Regeln löste.

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Details

Title
MERZ Typographie. Kurt Schwitters werbegraphische Arbeiten von 1923 bis 1933
College
Free University of Berlin
Grade
1,3
Author
Christiane Reinsch (Author)
Publication Year
2017
Pages
156
Catalog Number
V513982
ISBN (eBook)
9783346113221
ISBN (Book)
9783346113238
Language
German
Tags
Typographie Typografie Werbegrafik Kurt Schwitters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Reinsch (Author), 2017, MERZ Typographie. Kurt Schwitters werbegraphische Arbeiten von 1923 bis 1933, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513982
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