In dem Spannungsfeld zwischen Glorifizierung auf der einen und den Negativschlagzeilen auf der anderen Seite geht diese Examensarbeit der Frage auf den Grund, welchen Beitrag der Sport zum Erwerb interkultureller Kompetenz und somit beim Integrationsprozess leisten kann.
Als leidenschaftlicher Sportler mit Erfahrungen in der sportlichen Völkerverständigung war und ist es dem Verfasser noch eine Herzensangelegenheit, zu erkunden, welchen Beitrag der Sport leisten kann, um interkulturelle Kompetenzen zu fördern und so das menschliche Miteinander zu verbessern. Der Sport gilt vielerorts als Stütze für die Integration. Im Kontrast dazu stößt man im Sport auch immer wieder auf negative Schlagzeilen. Nationalismus und Rassismus werden auf den Sportplätzen und in den Stadien offen zur Schau getragen.
Das Thema Interkulturalität ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen in den Fokus gerückt. Durch weltweite Krisen befinden sich immer mehr Menschen auf der Flucht, Tendenz steigend. Im Rahmen global politischer Entwicklungen nimmt die Migrationsbewegung zu. Fast alle westlichen Industrienationen entwickeln sich zu multikulturellen Gesellschaften. Durch die Vielzahl an Einwanderern sind interkulturelle Begegnungen in Deutschland allgegenwärtig.
Zu Beginn der Arbeit wird die Problemstellung skizziert, die sich aus der Begegnung von Fremden im Zuge von Wanderbewegungen ergeben, gefolgt von einigen Begriffsklärungen. Auf deren Grundlage wird erläutert, welche Möglichkeiten bestehen, sich die unterschiedlichen Kompetenzen anzueignen. Welche Chancen birgt ein kompetenter interkultureller Umgang und welchen unangenehmen Folgen könnte man wie aus dem Weg gehen? In einem weiteren Schritt geht es um den Versuch, erworbene interkulturelle Kompetenz messbar zu machen. In welchem Rahmen ist das bereits gelungen und an welcher Stelle stoßen die heute bekannten Methoden an ihre Grenzen?
Einen zentralen Punkt dieser Arbeit bildet der Sport und seine Ambivalenz bezüglich der Vermittlungspotentiale. Die Eigenlogik des Sports neigt zur Selektion und zur Bildung von Hierarchien, die der Integration entgegenstehen. Trotz seiner negativen Tendenzen wird nach einem Weg gesucht, die positiven Kräfte zu bündeln und der Integration gewinnbringend zuzuführen. Abgerundet wird die Arbeit durch eine vom Verfasser in Südafrika durchgeführte Umfrage. Geschlossen wird die Examensarbeit mit der Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf die weitere Entwicklung der Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemstellung
3 Begriffsklärung
3.1 Kultur
3.2 Multikulturalität
3.3 Interkulturalität
3.4 Transkulturalität
4 Interkulturelle Kompetenz
4.1 Modelle interkultureller Kompetenz
4.1.1 Listenmodell
4.1.2 Strukturmodelle
4.1.3 Prozessmodelle
4.1.4 Kohäsionsmodell
4.1.5 Zwiebelmodell
4.2 Zusammenfassende Betrachtung
4.3 Erwerb interkultureller Kompetenz
4.4 Messbarkeit interkultureller Kompetenz
5 Integration im Sport
5.1 Sport im Verein
5.2 Sport in der Schule
6 Umfrage
6.1 Rahmenbedingungen
6.1.1 Auf Ballhöhe
6.1.2 Hout Bay
6.1.3 Hout Bay United Football Community
6.2 Fragebogenkonstruktion
6.3 Durchführung der Befragung
6.4 Erfüllbarkeit der Gütekriterien
6.5 Ergebnisse
6.6 Diskussion
7 Fazit
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Beitrag des Sports zum Erwerb interkultureller Kompetenz, insbesondere im Kontext von Integrationsprozessen in multikulturellen Gesellschaften, wobei eine empirische Studie in Südafrika als zentrales Fallbeispiel dient.
- Grundlagen von Kultur, Multikulturalität und interkultureller Kompetenz
- Modelle und Erwerbsprozesse interkultureller Kompetenz
- Sport als Instrument der Integration in Verein und Schule
- Empirische Untersuchung der Hout Bay United Football Community
- Kritische Diskussion der Messbarkeit interkultureller Kompetenz
Auszug aus dem Buch
3.1 Kultur
Da der Kulturbegriff auch umgangssprachlich verwendet wird, fühlt sich im Grunde jeder in der Lage sich dazu zu äußern. Daneben gibt es im Feld der interkulturellen Bildung eine Vielzahl wissenschaftlicher Definitionen, welche miteinander konkurrieren. Ursprünglich leitet sich der Begriff Kultur von dem lateinischen Wort „colere“ ab, was hegen, pflegen, bebauen oder ausbilden bedeutet. Er bezeichnet die landwirtschaftliche Pflege des Bodens und wurde später von Cicero auf die Pflege spezifisch menschlicher Fähigkeiten übertragen. Ein enger Kulturbegriff bezieht sich primär auf künstlerische Ausdrucksformen, während der erweiterte Kulturbegriff eher lebensweltlich orientiert ist. Die meisten Definitionen gehen von einer Beschreibung anhand einzelner Faktoren und Merkmalen wie beispielsweise Werten, Verhalten, Codes, Gewohnheiten und Zeichen aus. Sie ist laut dem Psychologen Thomas ein vom Menschen geschaffenes System zur Orientierung, das Gesellschaften, Gruppierungen oder Nationen behilflich sein soll. Durch dieses Orientierungssystem entstehen sogenannte Kulturstandards, die durch Handlungen und Bewertungen erkennbar werden. Um mit anderen Kulturen erfolgreich zu interagieren ist es entscheidend, deren Kulturstandards zu kennen. Möchte man sich das Phänomen Kultur bildlich vorstellen, wird häufig ein Eisberg oder eine Zwiebel verwendet. Sie symbolisieren, dass es einen sichtbaren Teil der Kultur gibt, wie beispielsweise Objekte oder erkennbare Handlungen und nicht sichtbare Anteile. Hierzu gehören Werte, Normen und Grundhaltungen. Im Laufe der Zeit wurde dieses Modell weiterentwickelt zum sogenannte „Rucksackmodell“. Es soll symbolisieren, dass eine Kultur bereit ist Einflüsse aus anderen Kulturen zuzulassen und anzunehmen. Wie Gepäck führen die Menschen ihre Kultur mit sich und können Teile ihres Gepäcks umpacken und austauschen. Hervorzuheben ist, dass nicht nur das Herkunftsland Einfluss auf die Kultur hat, sondern ebenso die Lebensweisen und Lebenseinstellungen innerhalb von Kollektiven. Es zeigt sich, dass die Gleichsetzung von Kultur und die Zugehörigkeit zu einer Nation nicht zutreffend ist, da die Möglichkeit, zu mehreren Kulturen zu gehören, ignoriert wird. Die Globalisierung und die beständigen Migrationsbewegungen führen dazu, dass sich verschiedene Kulturen gegenseitig beeinflussen. Die Zugehörigkeit zu einer speziellen Kultur ist dadurch heute nicht mehr eindeutig zu bestimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Interkulturalität aufgrund globaler Migrationsbewegungen und skizziert das Forschungsinteresse an der integrativen Rolle des Sports.
2 Problemstellung: Dieses Kapitel thematisiert die historischen und aktuellen Herausforderungen durch Wanderbewegungen und die daraus resultierenden Spannungsfelder zwischen Fremdheit und Integration in der Gesellschaft.
3 Begriffsklärung: Hier werden zentrale Begriffe wie Kultur, Multikulturalität, Interkulturalität und Transkulturalität definiert und deren wissenschaftliche sowie alltagssprachliche Verwendung erläutert.
4 Interkulturelle Kompetenz: Es erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Modellen interkultureller Kompetenz sowie deren Erwerb und der Problematik ihrer Messbarkeit.
5 Integration im Sport: Dieses Kapitel untersucht das integrative Potenzial des Sports, differenziert zwischen Vereins- und Schulsport und diskutiert die Ambivalenz des Sports bezüglich Inklusion und Exklusion.
6 Umfrage: Das Kernstück der empirischen Arbeit beschreibt die Rahmenbedingungen, die Konstruktion und Durchführung einer Befragung in der Hout Bay United Football Community in Südafrika sowie die Analyse der gewonnenen Ergebnisse.
7 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der transkulturellen Perspektive im Sport.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Sport, Integration, Migration, Kulturstandards, Hout Bay, Fußballgemeinschaft, Interkulturalität, Fremdheit, Empowerment, Sozialisation, Persönlichkeitsentwicklung, Messbarkeit, Empirische Untersuchung, Transkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag Sport zu der Entwicklung interkultureller Kompetenzen leisten kann und inwieweit diese Prozesse zur Integration in einer multikulturellen Gesellschaft beitragen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung interkultureller Kompetenz, die Rolle des Sports als Integrationsmedium sowie die praktische Überprüfung dieser Annahmen mittels einer Befragung in Südafrika.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Einfluss sportlicher Aktivität auf den Erwerb interkultureller Kompetenzen zu analysieren und kritisch zu prüfen, ob Sportvereine oder sportliche Gemeinschaften hierbei tatsächlich eine stützende Funktion einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine schriftliche, quantitative Befragung mittels eines strukturierten Fragebogens durchgeführt, deren Daten anschließend mit IBM SPSS Statistics ausgewertet und mittels Regressions- und Faktorenanalysen untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle zur interkulturellen Kompetenz vorgestellt, die Rolle des Sports im Verein und in der Schule analysiert und schließlich eine empirische Untersuchung in der Hout Bay United Football Community dargelegt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Interkulturelle Kompetenz, Sport als Medium, Integration, Fremdheitserfahrung und empirische Testverfahren.
Warum wurde gerade die Hout Bay United Football Community als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Die Region zeichnet sich durch eine hohe kulturelle Vielfalt aus, was sie prädestiniert für die Untersuchung interkultureller Interaktionen, und die Fußballgemeinschaft bietet einen spezifischen, sozialen Rahmen für diese sportpädagogische Studie.
Zu welcher Schlussfolgerung gelangt der Autor bezüglich der Messbarkeit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Messung interkultureller Kompetenz mittels Fragebögen aufgrund der Komplexität des Konstrukts und der Tendenz zu sozial erwünschten Antworten methodisch eingeschränkt ist und eher indirekt erfolgt.
- Citation du texte
- Johannes Schröpfer (Auteur), 2019, Welchen Beitrag leistet der Sport zum Erwerb interkultureller Kompetenz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514042