Diskursmarker sind Partikel, die nichts zum eigentlichen Inhalt einer Aussage beitragen, aber von Sprecherinnen und Sprechern genutzt werden, um im Rahmen einer Diskursstrategie Haltungen oder Emotionen zu vermitteln. Sie sind in der hispanistischen Forschung in den vergangenen Jahrzehnten stärker in den Fokus gerückt. Die vorliegende Arbeit untersucht den Gebrauch von Diskursmarkern im kubanischen Spielfilm "Guantanamera" und ordnet diesen in den Kontext des aktuellen Forschungsstandes ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pragmatische Diskursmarker im Spanischen: Definition und Funktionen
3. Diskursmarker in Guantanamera: Hypothesen
3.1. Diskursmarker im Film und ihre linguistische Analyse
3.2. Kubanisches Spanisch und kubanische Kommunikationskultur
3.3. Milieus der Sprecher
4. Pragmatische Diskursmarker in Guantanamera: die Analyse
4.1. Methodik und auftretende Schwierigkeiten
4.2. Liste der pragmatischen Diskursmarker in Guantanamera und Kommentar
5. Schlussfolgerungen / Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht den Gebrauch pragmatischer Diskursmarker im kubanischen Spielfilm Guantanamera (1995) unter Einbeziehung linguistischer Hypothesen zur Authentizität von Filmdialogen und soziolinguistischer Faktoren. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie diese Marker in der fiktiven, jedoch spontan wirkenden Sprache des Films verwendet werden und inwieweit sie mit Erkenntnissen aus dem Online-Lexikon der Diskurspartikel des Spanischen übereinstimmen.
- Linguistische Analyse von Diskursmarkern in fiktiven Filmmaterialien.
- Vergleich der Häufigkeit von Markern in Spielfilmen gegenüber spontaner Kommunikation.
- Einfluss der kubanischen Kommunikationskultur auf den Einsatz von Diskursmarkern.
- Methodische Auseinandersetzung mit der Identifikation und Zählung von Markern in Spielfilmdialogen.
- Kontrastive Betrachtung soziolinguistischer Einflüsse auf den Sprachgebrauch.
Auszug aus dem Buch
3.1. Diskursmarker im Film und ihre linguistische Analyse
Im Gegensatz zu herkömmlichen Corpora, die zumeist spontane, mündliche Kommunikation in transkribierter Form abbilden, handelt es sich bei Guantanamera um einen Spielfilm. Neben weiteren speziellen Eigenheiten, auf die im Folgenden eingegangen werden wird, ist festzuhalten, dass ein grundsätzlicher Unterschied zu anderen Corpora darin besteht, dass die veröffentlichte Version eines Films nur einen Teil des vorhandenen Materials umfasst. Das Genre der Dokumentarfilme arbeitet zwar mit authentischem Material, dieses unterliegt jedoch einer Vorauswahl – der Regisseur entscheidet sich nach künstlerischen Gesichtspunkten für oder gegen die Inkorporation des in realen Situationen aufgezeichneten Geschehens. Im Falle von Spielfilmen geht diese Selektion noch einen Schritt weiter, da der Regisseur sich nicht nur für oder gegen die Aufnahme einer Szene in die Endfassung entscheiden kann, sondern auch die Möglichkeit hat, den Take wiederholen zu lassen. In Filmszenen ist deshalb nur dann mit Versprechern, Sprechpausen oder verfehlter Kommunikation zu rechnen, wenn dies so gewollt ist – ganz im Gegensatz zu spontaner, authentischer Kommunikation.
Sieht man von speziellen Stilmitteln wie dem Brechen der vierten Wand (etwa in einem ironischen Metadiskurs) einmal ab, verfolgt die in Spielfilmen eingesetzte Sprache stets das Ziel, möglichst authentisch und natürlich zu wirken. Baumgarten (2003: S.3, eigene Übersetzung des Autors) spricht von „perfekt getarnter Fiktionalität“ – gestellt oder unnatürlich wirkende Dialogpassagen sollen also möglichst vermieden werden. Gleichzeitig ist die Kommunikation in Spielfilmen zweckmäßig und auf den Zuschauer ausgerichtet (vgl. ebd.). Dies bedeutet, dass die Dialoge nicht aus den kommunikativen Bedürfnissen der fiktiven Charaktere entstehen, sondern dazu dienen, die Handlung voranzutreiben, dem Zuschauer Informationen zu vermitteln, oder zur Charakterisierung der handelnden Personen beitragen. Obwohl Dialoge in Spielfilmen echt wirken sollen, erfüllen sie also ganz andere Funktionen als tatsächliche Gespräche. Aus diesem Grund kann angenommen werden, dass echte Gespräche und Dialoge in Filmen sich auch in Bezug auf die sprachlichen Mittel unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes (Spielfilm Guantanamera) und der Zielsetzung der Arbeit unter Bezugnahme auf das Online-Lexikon der Diskurspartikel des Spanischen.
2. Pragmatische Diskursmarker im Spanischen: Definition und Funktionen: Theoretische Einordnung von Diskursmarkern und Erläuterung ihrer Funktionen als strategische Elemente in der Kommunikation.
3. Diskursmarker in Guantanamera: Hypothesen: Herleitung von Hypothesen bezüglich des Sprachgebrauchs im Film unter Berücksichtigung von Filmtheorie und kubanischer Kommunikationskultur.
4. Pragmatische Diskursmarker in Guantanamera: die Analyse: Anwendung der Methodik auf den Film, Diskussion von Identifikationsschwierigkeiten und Präsentation einer Liste der identifizierten Diskursmarker.
5. Schlussfolgerungen / Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, Überprüfung der Hypothesen und Ausblick auf die Relevanz der Untersuchung für die linguistische Forschung.
Schlüsselwörter
Diskursmarker, Guantanamera, kubanisches Spanisch, pragmatische Funktionen, Filmlinguistik, Diskurspartikel, Kommunikationsstrategien, Höflichkeitsnormen, Fiktionalität, Sprachanalyse, Kontrastive Linguistik, Sprechmilieu, Soziolinguistik, Interkulturelle Kommunikation, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Gebrauch von pragmatischen Diskursmarkern in dem kubanischen Spielfilm Guantanamera und analysiert deren Funktion sowie Häufigkeit im Vergleich zu realer Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Filmlinguistik, der Theorie der Diskursmarker im Spanischen, der kubanischen Kommunikationskultur und der Frage, wie Sprache in fiktionalen Medien authentisch gestaltet wird.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung, ob im Film spezifisch kubanische Diskursmarker verwendet werden, die in existierenden Standard-Lexika bisher fehlen, und wie sich die fiktive Sprache zur natürlichen Sprache verhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, bei dem der Film gesichtet, alle vorkommenden Diskursmarker registriert und im Kontext ihrer Verwendung analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Aufstellung von Hypothesen zur Sprache im Film sowie die konkrete Analyse und Kommentierung der gefundenen Diskursmarker.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Diskursmarker, kubanisches Spanisch, Filmlinguistik, Kommunikationsstrategien und Fiktionalität.
Wie unterscheidet sich die Sprache im Film von der Alltagssprache laut Autor?
Der Autor stellt fest, dass Spielfilmdialoge zwar authentisch wirken sollen, aber funktional auf den Zuschauer ausgerichtet sind und daher einer strengen Selektion unterliegen, was den Einsatz natürlicher Diskursmarker beeinflussen kann.
Welche Rolle spielt das Online-Lexikon der Diskurspartikel (DPDE)?
Das DPDE dient als Referenzwerk, an dem der im Film beobachtete Sprachgebrauch gemessen wird, um festzustellen, welche Marker dort bereits erfasst sind und welche als regional oder spezifisch kubanisch gelten könnten.
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- Jakub Duch (Autor), 2016, Der Gebrauch pragmatischer Diskursmarker im kubanischen Spanisch am Beispiel des Spielfilms "Guantanamera", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514400