Helena als selbstständige Person. Vergleich der Figur Helena in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg" und in der Netflix-Serie "Troja - Untergang einer Stadt"


Hausarbeit, 2018

13 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung der Helena in Konrad von Würzburgs Trojanerkrieg

3. Einführung Helena in der Netflix Serie Troja - Untergang einer Stadt

4. Vergleich der beiden Darstellungen

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit befasse ich mich mit der Einführung der Person Helena in Konrad von Würzburgs: Trojanerkrieg und in der aktuellen Fernsehserie Troja – Untergang einer Stadt des Onlineanbieters Netflix.

Ich untersuche die Darstellung der Helena zunächst sowohl im Hinblick auf den Aspekt ihrer äußerlichen Erscheinung als auch auf ihre Persönlichkeit. Ich werde die beiden Versionen der Helena miteinander vergleichen und so versuchen Konrads Werk besser verstehbar zu machen.

Durch die Analyse möchte ich Helenas zentrale Rolle in Konrads Werk herausstellen und diese unter Berücksichtigung der Netflix Fassung festigen. Natürlich ist sie durch ihre Liebe zu Paris der Auslöser des Trojanerkriegs. Ich möchte aber zeigen, dass Helena mehr als das ist. Deshalb werde ich vor allem auf ihre Beziehung zu Paris eingehen und an dieser aufzeigen, dass sie als eigenständige Person zu sehen ist und ihre eigenen Entscheidungen trifft.

2. Einführung der Helena in Konrad von Würzburgs Trojanerkrieg

In Konrads Schilderung nimmt Helena eine zentrale Figur ein. Ihrer Person widmet er sich mit einer besonderen Intensität. Elisabeth Lienert macht diese Gegebenheit in ihrer Arbeit ebenfalls deutlich. „Keine Beschreibung indes ist derart umfangreich und überschwänglich wie die Helenas.“1

Vor allem anhand der hohen Versanzahl (V. 19900-20281)2 wird deutlich, wieviel Bedeutsamkeit Konrad Helenas Darstellung beimisst.

Konrad bedient sich bei Helenas Beschreibung nicht nur vieler Elemente aus der Natur, wie zum Beispiel die Vergleiche mit dem Schwan, der Rose, der Lilie oder dem Schnee, sondern verwendet vor allem auch farbliche Vergleiche um sie genauer zu beschreiben.

Mit denen von ihm verwendeten Farben in Bezug auf Helenas Schönheit verknüpft man sofort bedeutsame Begriffe - wie die Farbe Rot mit der Liebe und Weiß mit der Unschuld. So formt sich im Kopf schon bei der Beschreibung ihres Äußeren das Bild ihres Charakters.

Konrad beschreibt den gesamten Körper Helenas sehr detailreich. Es gibt einige Körperteile, die besonders stark betont werden. Dies sind vor allem Mund, Augen, Haare, Gesicht und Hände.

„Unter den Gesichtszügen Helenas fallen ein paar Angaben auf, die sich alle auf Mund und Lippen beziehen.“3 Beispielsweise beschreibt Konrad, dass ihr Mund strahlend wie ein Rubin sei. Auch ihre Augen „si truoc der schœnsten ougen zwei“ (V. 19918)4 sind die schönsten.

„Helena und Paris begegnen einander das erste Mal in einem Tempel der Venus, wobei der Ort ihres Treffens auf ihre Schutzgöttin hinweist und ihre Bestimmung füreinander symbolisiert.“5

Helenas Erscheinen wird in dieser Situation mit der strahlenden Sonne verglichen „si kam reht als diu sunne“ (V. 19880)6 - also dem hellsten Stern im Universum, um den sich alle Planeten drehen. Konrad spricht ihr damit die größtmögliche Bedeutsamkeit zu.

„Bei Konrad türmen sich Superlative und Unzulänglichkeitsbeteuerungen, der Name Helena wird feierlich verkündet, Helena wird als schönste Frau aller Zeiten gepriesen.“7

All dies beeindruckt Paris so sehr, sodass er Helena unruhig und zaghaft gegenübertritt. Erst nachdem ihre Amme Helena auf Paris‘ auffälliges Verhalten aufmerksam gemacht hat, nimmt auch sie ihn stärker unter Beobachtung.8 Da Menelaos in den Krieg aufbricht haben Paris und Helena Zeit sich näher kennenzulernen. Sie kommen sich nur langsam näher und Paris provoziert ein intensiveres Kennenlernen keineswegs. (V. 20671 – 21480)9

„Die Initiative geht […] nicht von Paris aus, sondern von Helena: Sie fordert ihn auf, ihr den wahren Zweck seines Aufenthalts zu gestehen und provoziert so sein Liebesgeständnis.“10

Helena weist Paris daraufhin ab, beruft sich auf ihre Ehe und wirkt dabei sehr unnahbar (V. 21481 – 22374).11 Dies zeigt, dass sie ihrer Ehe sehr reserviert gegenübersteht und sich lediglich auf die Verpflichtungen, die eine Ehe mit sich bringt beruft und nicht auf die Liebe. Sie bezieht sich vor allem auf das Ehegelöbnis, das sie ihrem Mann Menelaos gegeben hat und „beteuert, ihren Mann nie betrogen zu haben“.12

Konrad zeichnet ein Bild von Helena, die hin und hergerissen ist, zwischen der Liebe zu Paris und der Schande des Ehebruchs auf der anderen Seite.13

Aber vor allem stellt er sie als eine treue Ehefrau und mitfühlende Geliebte dar.14

Paris entführt Helena nach Troja. Dieser Raub und sein Verhalten sind auf reiner Lust begründet. Helena hat ihm zuvor eindeutig vermittelt, dass sie nicht mit ihm gehen will, was einen Raub für Paris notwendig gemacht hat.

Auch nach dem Raub stellt Konrad Helena als vorbildliche Ehefrau dar, die sich selbst bedauert, weil nun ihretwegen Schande über ihre Familie gebracht wurde. Dieser bleibende Widerstand trägt zu ihrer moralischen Entlastung bei, da sie Menelaos treu bleiben wollte.15

Erst nachdem sie mit Paris geschlafen hat, kann sie sich seiner Liebe völlig hingeben. Auch Paris ist danach so überwältigt, dass „alle anderen Werte an Bedeutung verlieren […] und Paris lieber auf sein ganzes Land und seine Verwandten verzichtet hätte, als Helena aufzugeben.“16

[...]


1 Lienert, Elisabeth: Helena - thematisches Zentrum von Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg'. In: Hans-Dieter Mück und Ulrich Müller (Hrsg.): Jahrbuch der Oswald-von-Wolkenstein-Gesellschaft. Band 5. Marbach 1988/1989. S. 411

2 von Würzburg, Konrad: Trojanerkrieg: Ms. germ. fol. 1 , 1445. https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN756657482&PHYSID=PHYS_0399&DMDID=DMDLOG_0002

3 Pastré, Jean-Marc: Typologie und Ästhetik. Das Porträt der Helena im 'Trojanerkrieg' Konrads von Würzburg. In: Mück, Hans-Dieter/ Müller, Ulrich (Hrsg.): Jahrbuch der Oswald-von-Wolkenstein-Gesellschaft. Band 5. Marbach 1988/1989. S. 399

4 von Würzburg, Konrad: Trojanerkrieg: Ms. germ. fol. 1 , 1445. https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN756657482&PHYSID=PHYS_0399&DMDID=DMDLOG_0002

5 Toepfer, Regina: Von der Kunst des Liebens zum Affekt des Tragischen. Die Beziehung von Paris und Helena in Ovids Heroides und Konrads von Würzburg Trojanerkrieg. In: Toepfer, Regina (Hg.): Tragik und Minne. Heidelberg 2017. S. 189

6 von Würzburg, Konrad: Trojanerkrieg: Ms. germ. fol. 1 , 1445. https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN756657482&PHYSID=PHYS_0399&DMDID=DMDLOG_0002

7 Lienert, Elisabeth: Geschichte und Erzählen. Studien zu Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg‘. Wiesbaden 1996. S. 99

8 Vgl. Lienert, Elisabeth: Geschichte und Erzählen. Studien zu Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg‘. Wiesbaden 1996.S. 102

9 von Würzburg, Konrad: Trojanerkrieg: Ms. germ. fol. 1 , 1445. https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN756657482&PHYSID=PHYS_0399&DMDID=DMDLOG_0002

10 Lienert, Elisabeth: Geschichte und Erzählen. Studien zu Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg‘. Wiesbaden 1996. S. 103

11 von Würzburg, Konrad: Trojanerkrieg: Ms. germ. fol. 1 , 1445. https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN756657482&PHYSID=PHYS_0399&DMDID=DMDLOG_0002

12 Lienert, Elisabeth: Geschichte und Erzählen. Studien zu Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg‘. Wiesbaden 1996. S 111

13 Vgl. Lienert, Elisabeth: Geschichte und Erzählen. Studien zu Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg‘. Wiesbaden 1996. S 114

14 Vgl. Toepfer, Regina: Von der Kunst des Liebens zum Affekt des Tragischen. Die Beziehung von Paris und Helena in Ovids Heroides und Konrads von Würzburg Trojanerkrieg. In: Toepfer, Regina (Hg.): Tragik und Minne. Heidelberg 2017. S. 191

15 Vgl. Toepfer, Regina: Von der Kunst des Liebens zum Affekt des Tragischen. Die Beziehung von Paris und Helena in Ovids Heroides und Konrads von Würzburg Trojanerkrieg. In: Toepfer, Regina (Hg.): Tragik und Minne. Heidelberg 2017. S.192

16 Toepfer, Regina: Von der Kunst des Liebens zum Affekt des Tragischen. Die Beziehung von Paris und Helena in Ovids Heroides und Konrads von Würzburg Trojanerkrieg. In: Toepfer, Regina (Hg.): Tragik und Minne. Heidelberg 2017. S. 193

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Helena als selbstständige Person. Vergleich der Figur Helena in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg" und in der Netflix-Serie "Troja - Untergang einer Stadt"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V514404
ISBN (eBook)
9783346098962
ISBN (Buch)
9783346098979
Sprache
Deutsch
Schlagworte
helena, untergang, troja, netflix-serie, trojanerkrieg, würzburgs, konrad, figur, vergleich, person, stadt
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Helena als selbstständige Person. Vergleich der Figur Helena in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg" und in der Netflix-Serie "Troja - Untergang einer Stadt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514404

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Helena als selbstständige Person. Vergleich der Figur Helena in Konrads von Würzburg "Trojanerkrieg" und in der Netflix-Serie "Troja - Untergang einer Stadt"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden