Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Nursing Science - Miscellaneous

Die 'Verstehende Diagnostik' als erster Schritt im professionell geführten Pflegeprozess bei Demenzerkrankten

Title: Die 'Verstehende Diagnostik' als erster Schritt im professionell geführten Pflegeprozess bei Demenzerkrankten

Seminar Paper , 2001 , 20 Pages , Grade: 2

Autor:in: Dipl. Berufspädagoge der Pflegewissenschaft Oliver Finck (Author)

Nursing Science - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die erklärende und verstehende Diagnostik beschäftigt sich mit der Rekonstruktion von individuell menschlichen Entwicklungsverläufen aus der Vergangenheit und Gegenwart und der Rehistorisierung der eigenen persönlichen Lebensgeschichte zur Möglichkeit von verstehenden und humanitären Momenten auf beiden Seiten der beteiligten Personen im diagnostischen Prozess. Zielsetzung ist es, die sozial isolierenden Bedingungen und die veränderte soziale Entwicklungsmöglichkeit transparent darzustellen und die jeweilige individuelle Entwicklungslogik des Betroffenen als Diagnostiker sich erklären und verstehen zu können. Die Wertschätzung und der eigenen Spiegelung als Diagnostiker im Betroffenen erzielt einen „Fall von meinesgleichen“, womit die rehistorisierende und soziale Zugehörigkeit auf der Seite des Betroffenen ihr Ziel findet. Diese diagnostische Methode verfährt nach einer wissenschaftlichen Symdromanalyse und befindet sich zuerst auf der abstrakten Beschreibungsebene des psychosozialen „abweichenden“ Verhaltens. Im zweiten Schritt wird die Symptomatsierung auf die konkreten sozialen Lebensprozesse des Betroffenen angewandt, womit die jeweilige individuelle Entwicklungslogik des Betroffenen feststellbar wird. Der dritte diagnostische Schritt beinhaltet den Aspekt der kognitiven und emotionalen Verstehensleistung des Diagnostikers, welcher im kommunikativen, dialogisierten und interaktiven Austausch die Rehistorisierung beim Betroffenen herbeiführen kann. Über diesen diagnostischen Prozess ist eine individual basierende Pflegebedarserhebung mit der Integration der eigenen Entwicklungslogik und –niveau, Realitätsbestimmung und Kompetenzverhalten zu den verschiedenen AEDL –Strukturkomponenten möglich, womit Pflege mit Menschen mit Demenz gemeinsam plan- und gezielt handelbar wird. Verstehende Pflege resp. sich dem Betroffenen verstehend anzunehmen, die Problematik in der Lebenssituation zu verstehen, sich gemeinsam verstehend auszutauschen und nach dem Realitätsbewusstsein und Entwicklungsniveau des Betroffenen zu handeln ist das verstehende Pflegeleitprinzip in der Pflege für Menschen mit Demenz, die diesen Betroffenen menschlich würdevollen und anerkennenden Respekt verleiht und rehabilitative Persönlichkeitsförderung auf der Ebene der eigenen Lebens- und Alltagskompetenz impliziert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Beschreiben des psychosozialen Verhaltens von Menschen mit Demenz (nach der Syndromanalyse Lurias mit dem Aufsteigen ins Abstrakte)

III. Erklären: Interpretation der empirischen Daten durch den Diagnostiker (das Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten: Das Syndrom in der Fülle des Seins)

IV. Verstehen des Syndroms in der konkreten Lebensgeschichte durch empathische und kontrollierte Verstehensleistung des Diagnostikers

V. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Ziel der Arbeit ist es, die Methodologie der erklärenden und verstehenden Diagnostik nach Jantzen als professionelles Instrumentarium für die Pflege von Menschen mit Demenz vorzustellen, um eine biografieorientierte und kompetenzbasierte Lebensbegleitung zu ermöglichen.

  • Rekonstruktion individueller Entwicklungsverläufe (Rehistorisierung)
  • Überwindung defizitorientierter Sichtweisen zugunsten einer kompetenzorientierten Pflege
  • Anwendung der Syndromanalyse nach Luria zur Beschreibung psychosozialen Verhaltens
  • Die Rolle der empathischen und kontrollierten Verstehensleistung durch den Diagnostiker
  • Integration der persönlichen Lebensgeschichte in den Pflegeprozess

Auszug aus dem Buch

III. Erklären: Interpretation der empirischen Daten durch den Diagnostiker (das Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten: Das Syndrom in der Fülle des Seins)

Nach dem ersten Schritt der Syndrom- bzw. Faktorenanalyse, welche eine ausgehende und verständige Abstraktion bezogen auf seine soziale Entwicklungsmöglichkeiten und der integrierten Entwicklungslogik eines Menschen darstellt, folgt in dieser Phase des diagnostischen Prozesses die projektive Anwendung auf den konkreten sozialen Lebensprozess mit der Entwicklungslogik des Betroffenen. Damit wird die Position des äußeren Beobachters mit der unverständlichen Oberfläche des anderen endgültig verlassen, sie wird zur inneren und somit entsteht ein Wandel vom defizitorientierten zum entwicklungsbezogenen Menschenbild (Wechsel von der abstrakten Buten- zur menschennahen Binnenperspektive).

Das Erklärungswissen erläutert das relationale Austauschverhältnis zwischen dem Betroffenen und den sozialen Lebensbedingungen und seiner Entwicklungslogik mit der Generierung von rekonstruktivem Wissen. Damit wird über die erklärende Verstehensleistung des Diagnostiker eine Rekonstruktionsleistung vollbracht, der die persönlichbedeutenden Entwicklungsprozesse des Betroffenen anspricht und über Kommunikation, Interaktion, Dialog die Rehistorisierung einleitet (unter Beachtung des momentanen Entwicklungsniveaus mit Vermeidung von Über- und Unterstimulation).

Anhand einer tätigkeitstheoretischen Reflexionstheorie des austauschenden Handelns des betroffenen Menschen (Tätigkeitstheorie des funktionellen Systems mit emotional motivational-sinnhaften Regulation nach Decker, 2000) entsteht die Möglichkeit ansatzweise die Problematik eines Betroffenen zu erklären, warum er sich so verhält wie er sich verhält, und dass das Verhalten eine entwicklungsbezogene Gültigkeit und subjektive Entwicklungslogik impliziert. Symtomatisiertes Verhalten ist kompetentes Verhalten und muss „als sinnvolle Lösungsversuche und als Kompetenz verstanden werden. Als Kompetenz in der sich radikal veränderten sozialen Entwicklungssituation“ (vgl. Decker, 2001), weshalb das Verhalten dann selbst nach unserem Verständnis begründet und höchst sinnvoll erscheint.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Methodologie der verstehenden Diagnostik vor und definiert das Ziel, durch ein professionelles Instrumentarium den Alltag von Menschen mit Demenz würdevoll und kompetenzorientiert zu gestalten.

II. Beschreiben des psychosozialen Verhaltens von Menschen mit Demenz (nach der Syndromanalyse Lurias mit dem Aufsteigen ins Abstrakte): Hier wird das beobachtbare Verhalten als Ausgangspunkt genutzt, wobei der Wandel vom defizitorientierten Blick hin zur Anerkennung der persönlichen Entwicklungslogik des Betroffenen gefordert wird.

III. Erklären: Interpretation der empirischen Daten durch den Diagnostiker (das Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten: Das Syndrom in der Fülle des Seins): Dieses Kapitel erläutert, wie durch das Erklärungswissen eine Rekonstruktionsleistung vollbracht wird, die das Verhalten als kompetenten Lösungsversuch in einer veränderten sozialen Situation begreift.

IV. Verstehen des Syndroms in der konkreten Lebensgeschichte durch empathische und kontrollierte Verstehensleistung des Diagnostikers: Das Kapitel beschreibt den Prozess, in dem der Diagnostiker durch Selbstreflexion und emotionale Berührung zur Brücke für den Patienten wird, um dessen Würde und Identität zu stärken.

V. Fazit: Die abschließende Betrachtung betont, dass verstehende Pflege als Entwicklungsbegleitung fungiert, die soziale Isolation mindert und den Menschen als aktives Subjekt seiner eigenen Lebensgeschichte betrachtet.

Schlüsselwörter

Verstehende Diagnostik, Pflegeprozess, Menschen mit Demenz, Rehistorisierung, Entwicklungslogik, Kompetenzorientierung, Syndromanalyse, Pflegeverständnis, Biografiearbeit, soziale Isolation, Persönlichkeitsförderung, Kommunikation, subjektive Realität, Lebensgeschichte, professionelle Begleitung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit einer professionellen diagnostischen Herangehensweise in der Pflege von Menschen mit Demenz, die über reine Defizitorientierung hinausgeht und den Menschen in seiner individuellen Entwicklungslogik versteht.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Kernpunkten gehören die Rehistorisierung der Biografie, die Arbeit nach der Syndromanalyse nach Luria, die Bedeutung der professionellen Beziehung sowie die Förderung der verbleibenden Alltagskompetenzen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, Pflegenden ein methodisches Instrumentarium an die Hand zu geben, um Demenzkranke verstehend zu begleiten, ihr Verhalten als kompetente Anpassung an die Lebenswelt zu interpretieren und so soziale Isolation zu verhindern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Methodologie der erklärenden und verstehenden Diagnostik (nach Jantzen) verwendet, die sich auf tätigkeitstheoretische Ansätze und eine kognitiv-reflexive Einschätzung stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei diagnostischen Schritte: die Beschreibung des Verhaltens, das Erklären der Hintergründe durch Interpretation der empirischen Daten und das Verstehen des Syndroms innerhalb der konkreten Lebensgeschichte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind verstehende Diagnostik, Kompetenzorientierung, Rehistorisierung, Biografiearbeit und die biopsychosoziale Einheit Mensch.

Was bedeutet der Begriff „Rehistorisierung“ in diesem Kontext?

Rehistorisierung beschreibt den Prozess, die eigene Lebensgeschichte des Betroffenen wieder zu gewinnen und im Rahmen der Pflege als Basis für Identität und Würde zu integrieren.

Wie unterscheidet sich diese Herangehensweise von konventionellen Ansätzen?

Im Gegensatz zu defizitorientierten Modellen, die Demenz nur als Abfolge von Ausfällen sehen, interpretiert dieser Ansatz auffälliges Verhalten als sinnvolle, wenn auch für den Beobachter oft unverständliche, Lösungsstrategie eines Individuums in einer schwierigen Lebenssituation.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Die 'Verstehende Diagnostik' als erster Schritt im professionell geführten Pflegeprozess bei Demenzerkrankten
College
University of Bremen  (Pflegewissenschaft)
Grade
2
Author
Dipl. Berufspädagoge der Pflegewissenschaft Oliver Finck (Author)
Publication Year
2001
Pages
20
Catalog Number
V51455
ISBN (eBook)
9783638474252
ISBN (Book)
9783638820899
Language
German
Tags
Verstehende Diagnostik Schritt Pflegeprozess Demenzerkrankten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Berufspädagoge der Pflegewissenschaft Oliver Finck (Author), 2001, Die 'Verstehende Diagnostik' als erster Schritt im professionell geführten Pflegeprozess bei Demenzerkrankten , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51455
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint