Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben. Rehabilitation und Prävention


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Situation

3. Definition
3.1 Depression
3.2 Angststörung

4. Berufswelt
4.1 Mobbing
4.2 Depressionen im Arbeitsalltag

5. Vorurteile, Diskriminierung und Stigmatisierung

6. Die Rehabilitationsklinik

7. Prävention

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Psychische Erkrankungen werden in der Gesellschaft stärker wahrgenommen als früher. Rund 33 % der Bevölkerungen weisen im Jahr eine psychische Störung auf. Junge Leute und Frauen sind häufiger betroffen. Bei Frauen werden Depressionen sowie Angststörungen vermehrt diagnostiziert. Die psychischen Erkrankungen treten oftmals zusammen mit anderen Erkrankungen auf, wodurch sich die Krankheitstage häufen. Insgesamt hat die Zahl der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren jedoch nicht zugenommen (Vgl. Jachertz (12.06.2019), Internetquelle). In meiner Arbeit möchte ich herausarbeiten, wie betroffenen Personen bei psychischen Erkrankungen und der Stigmatisierung unterstützt werden können. Dazu möchte ich zunächst die Situation aus meinem Praktikum erläutern, die mich auf die Idee dieser Ausarbeitung gebracht hat. Danach folgt die Definition psychischer Erkrankungen, wobei ich besonderes auf Depressionen eingehen werde, da diese am häufigsten in der Klinik behandelt worden sind. Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt waren Angststörungen, über die ich auch berichte. Darauf folgt die Erklärung psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben sowie die dazugehörigen Ursachen. Des Weiteren erläutere den Begriff der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen sowie die Selbststigmatisierung. Anschließend werde ich verschieden Präventionsmöglichkeiten vorstellen. Der letzte Punkt ist das Fazit.

2. Situation

Meine Theorie-Praxis-Arbeit bezieht sich auf eine Situation in einer Gruppengesprächsrunde aus meinem Praktikum. In meinem Praktikum habe ich mit Frauen gearbeitet, die sich in einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik befanden. Die Frauen hatten alle eine psychische Erkrankung, weswegen sie sich oft in ihrem Arbeitsleben diskriminiert gefühlt haben. Dadurch, dass eine psychische Erkrankung nicht sichtbar ist, im Gegensatz zu einem gebrochenen Bein, werden sie meist nicht so akzeptiert oder nachvollzogen. Die Frauen hatten oft mit Stigmatisierungen zu kämpfen. In den Gruppengesprächsrunden kam oft das Thema auf und wurde von vielen bestätigt. Die Frauen fühlten sich zuvor oft allein gelassen. Das Verständnis auf Seiten des Arbeitgebers sowie den Kollegen/innen fehlte oftmals.

3. Definition

Psychische Störungen gehen mit einem Leid für die Betroffenen einher. Sie können zu erheblichen Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen führen. Auslöser können neben psychosomatischen Ursachen auch soziale sowie biologische Faktoren sein. Viele psychische Erkrankungen werden von körperlichen Erkrankungen begleitet. Insgesamt sind psychische Störungen sehr verbreitet, etwa die Hälfte aller Menschen erkrankt einmal in ihrem Leben an einer psychischen Störung. Darauf folgt eine Beeinträchtigung der sozialen Teilhabe am Leben. Die Gleichstellung von psychischen Erkrankungen zu den körperlichen Erkrankungen liegt noch nicht vor, wodurch Personen mit psychischen Störungen oft stigmatisiert oder diskriminiert werden (Vgl. Kröger (2017), S. 673). Die häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit sind Depression sowie Angststörungen. Diese Störungen können bis zum Suizid führen. Etwa 65-90 %, der im Jahr begangenen Suizide, werden im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen gesehen (Vgl. Krüger (2017), S. 673f.).

3.1 Depression

Die Klassifikation von Depressionen nach ICD-10 sind F 32 (Depressive Episode) und F 33 (Rezidivierende depressive Störung). Diese werden in verschiedene Schweregraden (leichte, mittelgradige und schwere depressive Episode) unterteilt (vgl. Laux; Möller (2008), S.90). Es gibt jedoch bestimmte Merkmale, die zu allen drei passen. Dazu zählen eine „niedergedrückte und pessimistische Grundstimmung mit allgemeiner Lust- und Antriebslosigkeit (Fröhlich-Gildhoff (2017), S. 168).“ Weitere Symptome sind neben Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten auch Schlafstörungen oder Appetitverminderung sowie Gewichtsabnahme. Die Fähigkeit und die Freude auf Erlebnisse oder Tätigkeiten angemessen zu reagieren fehlt meist. Für eine Diagnose müssen diese Symptome mindestens zwei Wochen andauern. Neben den verschiedenen Schweregrade gibt es die rezidivierende depressive Störung. Hier treten die genannten Symptome phasenhaft auf. Diese kann bis zu affektiven Störungen führen. Des Weiteren gibt es Sonderformen von Depressionen, zum Beispiel die saisonale Depression, die im Winter auftreten kann. Etwa 20 % der Bevölkerung erleiden einmal in ihrem Leben eine depressive Störung. Durch das hohe Aufkommen wird von einer Volkskrankheit gesprochen. Jedoch werden Depressionen oft nicht vom Allgemeinarzt erkannt (Vgl. Laux; Möller (2008), S. 86ff.). Die Ursachen von Depressionen hängen von den Schweregraden ab. Bei den leichten Depressionen wird oft von psychosozialen Faktoren ausgegangen. Bei den Schweren von multifaktorieller Genese. Risiken für diese Erkrankung können psychisch Kranke oder suchtkranke Eltern sein. Dabei sind immer die Beziehungs- und Sozialisationserfahrungen zu berücksichtigen (Vgl. Fröhlich-Gildhoff (2017), S. 168f.). Zudem haben Frauen ein höheres Risiko an Depressionen zu erkranken. Depressionen können die Arbeitsfähigkeit sowie die Lebensqualität beeinträchtigen (vgl. Laux; Möller (2008), S. 111).

3.2 Angststörung

Die Klassifikation von Angststörungen nach ICD-10 sind F 41.0 (Panikstörung), F 41.1 (generalisierte Angststörung) und F 40.0 (Agoraphobie) (Vgl. Laux; Möller (2008), S. 34). Angst zählt „als natürliche, nützlich-schützende Emotion und Reaktion (Laux; Möller (2008), S. 32).“ Wenn sie jedoch zu oft und stark auftritt, wird sie pathologisch. Dabei kann man verschiedene Formen (Angststörung, Agoraphobie und Panikstörung) unterscheiden. Die generalisierte Angststörung und die Agoraphobie treten jeweils etwa bei 5 % der Bevölkerung in einem Jahr auf. Panikstörungen liegen bei ca. 3 %. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Symptome der Angststörung sind häufig Schwindel, Zittern, Hitzewallungen, Kälteschauer oder reduzierte Belastbarkeit. Es gibt verschiedene Ursachen. Genetische (erhöhte Ängstlichkeit als Wesenszug), Neurobiologische, Lerntheoretische Belastungen oder Traumata (z.B. ein Hundebiss). Folgen der Angststörungen können die Angst vor der Angst sein, Vermeidungsverhalten oder soziale Isolation. Angststörungen und Depressionen treten häufig zusammen auf (Vgl. Laux; Möller (2008), S. 32ff.)

4. Berufswelt

Die Berufswelt ist ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Durch Anerkennung und sinnhafte Tätigkeiten können Arbeitsbelastungen besser entgegengetreten werden (vgl. Alsdorf; Engelbach; u.a. (2017), S. 21). In der Berufswelt besteht ein hoher Leistungsdruck. Durch Mobbing am Arbeitsplatz leiden immer mehr Menschen an psychische Erkrankungen. Mobbing kann durch den Konkurrenzkampf und Leistungsdruck entstehen. Die dadurch entstandene psychische Belastung kann zu einer Gesundheitsgefährdung führen. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufgrund psychischer Störungen ist in den letzten Jahren steigend. Eine häufige psychische Erkrankung, die durch Mobbing entsteht, ist die Depression.

4.1 Mobbing

Mobbing wird als „Kränkung von Kollegen oder Vorgesetzten am Arbeitsplatz meist mit dem Ziel der Aufgabe des Arbeitsplatzes (Laux, Möller (2008), S. 168)“ definiert. Die Prävalenzrate liegt bei 1-10 % in Industrienationen. Besonders betroffen sind soziale Berufe und Berufe im Gesundheitsbereich. Durch Mobbing kommt es oft zu somatischen oder psychischen Störungen (Vgl. Laux; Möller (2008), S. 168f.). Angestellte werden am häufigsten von ihren Vorgesetzten gemobbt. An zweiter Stelle der Mobbingopfer stehen Arbeiter gefolgt von Beamten. Weitere Täter/innen können Kollegen/innen sein sowie eine Mischung von Vorgesetzten und Kollegen/innen. Die Branchen, in der die meisten Mobbingfälle vorkommen, sind privatwirtschaftliche Dienstleistungen. Darauf folgen der öffentliche Dienst, der Handel sowie die Industrie. Im Handwerk und in kirchlichen-karitativen Einrichtung sind am wenigsten Mobbingvorfälle bekannt. Die Mobbinghandlungen reichen von ständiger Kritik über persönliche Angriffe bis zu Manipulationen von Unterlagen (Vgl. Saßmannshausen; Wessels; Deilmann (2012), S. 29ff.) Während dem Mobbingprozess suchen viele Betroffene ihre/n Arzt/Ärztin auf. Es ist wichtig, dass die Personen sich verstanden und angenommen fühlen. Der/die Arzt/Ärztin kann eine Diagnose stellen und so arbeitsplatzbedingte gesundheitliche Störungen feststellen. Zu den gesundheitlichen Störungen zählen zum einen der „psychosomatisch Störungskomplex“ und zum anderen der „psychiatrische Störungskomplex“ (Vgl. Teuschel (2012), S. 165-167). Unter psychosomatischen Erkrankungen werden jene körperlichen Erkrankungen gesehen, die durch psychische Faktoren ausgelöst oder geprägt worden sind. Ein großer Faktor, der den Einfluss der Psyche erklärt, ist Stress und die Reaktion des Körpers. Wenn Stress lang anhält, kann es zum Wegfall der Erholungsphasen kommen. Die häufigste mobbingbedingte Erkrankung ist die Herz-Kreislauferkrankung. Orthopädische Erkrankungen oder Infektionserkrankungen treten ebenfalls häufig bei Mobbingopfer auf. Unter psychiatrischen Erkrankungen werden depressive Syndrome sowie Angststörungen gezählt. Wenn eine Person bereits eine depressive Störung hatte und gemobbt wird, kann es zu einer rezidivierenden depressiven Störung kommen. Dabei ist jedoch nicht klar, ob Mobbing der Auslöser oder die Ursache dafür ist. Zu den bereits erwähnten Angststörungen, kann in diesem Fall die Arbeitsplatzphobie mit einbezogen werden. Diese Angststörung ist spezielle auf den Arbeitsplatz gerichtet. Durch Abwesenheit vom Arbeitsplatz werden die Symptome meist geringer. Neben dieser Angststörung gibt es die „posttraumatischen Verbitterungsstörung“, die das Trauma als einschneidende persönliche Erfahrung definiert. Viele Mobbingbetroffene neigen zu Verbitterung (vgl. Teuschel (2012), S. 165ff.). Die Diagnosen von dem ärztlichen Fachpersonal können entscheidend für ein Gutachten vor Gericht sein. Der Begriff „Mobbing“ sollte bei einer ärztlichen Bescheinigung jedoch vermieden werden. Ein vernetztes Arbeiten mit verschiedenen Stellen kann zusätzlich den Betroffen helfen. Zu diesen Stellen, die mit dem/der Arzt/Ärztin zusammenarbeiten oder die Arbeit ergänzen, gehören Krankenkassen, Versicherungen, Rechtsanwälte, Mobbingberatungsstellen, Selbsthilfegruppen sowie Betriebsarzt/ärztin oder Betriebs- bzw. Personalrat (vgl. Teuschel (2012), S.174f.). Eine wichtige Aufgabe, die das Unternehmen hat, betrifft das „betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM)“. Dieses hat als Ziel die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, die oft bei Mobbingopfer gefährdet ist. Voraussetzungen für ein BEM-Verfahren sind, laut § 84 Abs. 2 SGB IX eine wiederholte Arbeitsunfähigkeit in den letzten zwölf Monaten oder eine Arbeitsunfähigkeit, die länger als sechs Wochen andauert. Für die Umsetzung des BEM-Verfahrens ist eine strukturelle Voraussetzung, dass mindestens der Betroffene sowie der Arbeitgeber anwesend sind. Hierzu kommen bei Bedarf die Schwerbehindertenvertretung sowie ein Mitglied des Personalrats/ Betriebsrats. Das betriebsärztliche Fachpersonal kann bei der Maßnahme „stufenweisen Widereingliederung“ mit einbezogen werden. Weitere Maßnahmen sind die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung oder auch die Erstellung eines Anforderungs- und Fähigkeitsprofils. Weitere Fachkräfte bei einem BEM-Verfahren können Suchthelfer, Sicherheitsbeauftragte oder Mobbingbeauftragte sein. Sollte eine psychische Erkrankung als Folge von Mobbing auftreten, sollte der Vorgesetzte mit einbezogen werden. Ist jedoch der Vorgesetzte der/die Täter/in, kann der nächsthöhere Vorgesetzte hinzugezogen werden. Externe Ansprechpartner für das BEM können Therapeuten, Beratungsstellen, Integrationsfachdienste oder auch Rehakliniken sein. Der Zeitpunkt des BEM sollte möglichst früh sein und kann auch vor den gesetzlichen Voraussetzungen begonnen werden. Das BEM kann dazu führen allgemeine Strukturen zur Milderung von psychischen Belastungen im Betrieb zu überprüfen und zu verbessern. Auch die Verbesserung der mobbingbegünstigten Arbeitsbedingungen kann durch das Analyse des BEM-Verfahrens erfolgen (vgl. Kiesche (2012), S. 286ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben. Rehabilitation und Prävention
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V514802
ISBN (eBook)
9783346115102
ISBN (Buch)
9783346115119
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
psychische Erkrankung Rehabilitation
Schlagworte
stigmatisierung, erkrankungen, arbeitsleben, rehabilitation, prävention
Arbeit zitieren
Natascha Kirmes (Autor), 2019, Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben. Rehabilitation und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514802

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