East India Company. Welchen Einfluss hatte die EIC auf den Textilhandel im 17. Jahrhundert?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und theoretische Voriiberlegungen

2. Ostindien-Kompanien
2.1 Vereenigte Oostindische Compagnie (VOC)
2.2 East India Company (EIC).S
2.3 Der Handel der EIC

3. Die Textilindustrie in England
3.1 Konsumenten-Nachfrage
3.2 Konflikt zwischen Import und Wollindustrie

4. Zusammenfassung und Schlussbemer kungen

5. Bibliographie

1. Einleitung und theoretische Voriiberlegungen

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts etablierten sich die Ostindien-Kompanien als neue Form der europaischen Expansion. 1 Herausgebildet haben sich die britische East India Company (EIC) und die niederlandische Vereenigten Oostindischen Compagnie (VOC) in Indien, der arabischen Halbinsel, am persischen Golf und der Meerenge von Malakka, in der malaiischen Inselwelt, am Kap der Guten Hoffnung und zusatzlich in den verschlossenen Reichen Chinas und Japans. Ein solch groges Handelsgebiet ermoglichte es der EIC sowie der VOC ein breites Spektrum an Waren.2

Die zentrale Intention der Griindung der EIC - so Chaudhuri - war die Bildung einer Gesellschaft, die den festgefahrenen Gewiirzhandel, vor allem der Handel mit Pfeffer, wiederbelebe, da dieser der lukrativste Handelszweig gewesen sei. 3

Durch politische Legitimitat erhielten die staatlich privilegierten Kompanien das Monopol zur einzigen handelstreibenden Kraft ihres Landes mit Ostindien.4 Dadurch war es den Kompanien moglich, hohe Gewinne zu erzielen. Eines der wichtigsten Handelsgiiter der East India Company waren indische Textilien, wie Baumwolle oder auch Seide, die nach England exportiert wurden. Sogar in den Textilzentren orientierte man sich an der europaischen Nachfrage.5

In diesem Zusammenhang wird in der folgenden Arbeit der Frage nachgegangen werden, wie hauptsachlich die East India Company und der Import von indischen Textilien im Wechselspiel durch die Gesellschaft und die Textilindustrie beeinflusst wurde. Dies soll anhand von zwei Analysen geschehen. Im ersten Teil der Arbeit sollen die beiden Ostindien-Kompanien und deren historische Entwicklung skizziert werden, wie die EIC sich auf dem Subkontinent etablierte, wahrend der zweite Teil sich dem ersten grogen ,Standbein" (Vgl. Nagel 2007, S.82) der EIC, dem Textilhandel, widmet, somit der Import von Textilgiitern, deren Nachfrage und dem resultierenden Konflikt zwischen der East India Company und der in England ansassigen Textilindustrie.

2. Die Ostindien-Kompanien

2.1 Verenigden Oostindischen Compagnie (VOC)

Die Verenigden Oostindischen Compagnie, kurz auch VOC genannt, war eine in den Niederlanden ansassige Handelsgesellschaft, die als Ziel den Fernhandel mit Landern im asiatischen Raum hatte. In einer damaligen von der iberischen Halbinsel6 dominierten Welt forderte der Rechtsgelehrte und Politiker Hugo Grotius in seiner Schrift Mare Liberum (,Die Freiheit der Meere") die erste Form des Freihandels, dass es jedem gestattet sei, ein anderes Land aufzusuchen, um mit diesem Handel zu betreiben.7

Im Jahre 1602 erliegen die Generalstande der Niederlande ein Oktroi 8 fiir einen Zusammenschluss bereits bestehender niederlandischer Ostindien-Kompanien, die zuvor schon Expeditionen nach Asien unternahmen, sodass der Gewiirzhandel fokussiert wurde, da die Einfuhr erschwert wurde durch englische Piraten.9 Erster Angelpunkt der VOC war die geplante Hafenstadt Banten, die durch die Handler multiethnischer Herkunft charakterisiert wurde. Der Sultan von Balten widerstrebte der VOC, weil dessen Intention eines konkurrenzfahigen Handels im Hafen dem Monopoldenken der VOC entgegenstand. 10 So fiel die kleine Stadt Jayakarta den Niederlanden ins Auge und nach mehreren Auseinandersetzungen sowohl mit den Einheimischen, dem Sultan von Banten als auch der East India Company, errichtete die VOC die Hafenstadt Batavia als politisches Zentrum und Umschlagsplatz ihrer Waren. 11 Ebenso waren viele autonome chinesische Handler in der Stadt vertreten, die den Weg in das verschlossene Kaiserreich ebneten, sodass die VOC auch Waren wie Keramik, Tee, Porzellan und chinesische Seide als lukrative Exporte verzeichnen konnte. 12

Der Niedergang der VOC lieg sich schon seit Ende des 17. Jahrhunderts in den sinkenden Gewinnen erkennen, obwohl die VOC zeitweise den Gewiirzhandel monopolisieren konnte. Die Nachfrage nach Pfeffer, Muskatnuss und anderen asiatischen Gewiirzen bestand weiterhin, der europaische Markt jedoch besag eine grogere Nachfrage nach Textilien, Kaffee und Tee. Um diesen Markt ebenfalls abdecken zu konnen, ware ein unmittelbarer Konflikt mit der East India Company in Kauf zu nehmen, die in Indien den Textilmarkt kontrollierte. Nicht nur die administrativen Elemente stiegen in den Unterhaltskosten, auch die Einverleibung der Vereinigten Niederlande zu Frankreich unter Napoleon fiihrten schlieglich zu dem Niedergang der VOC, deren Oktroi nicht mehr verlangert wurde. Die Korruption unter den Angestellten der VOC, die im eigenen Sinne Handel trieben und dem egoistischen Verhalten auf Gewinne der fiihrenden Kaufleute der VOC, schwachten die Stellung dieser maggeblich. Somit kann man Schulden, die Schwachung der eigenen Marktposition und Korruption als wesentliche Griinde des Niedergangs sehen.13

2.2 Die East India Company (EIC)

Die Griindung der East India Company ging mit den Zusammenschliissen mehrerer Kaufleute aus der Londoner City einher, die die Kosten und das Risiko fiir die abenteuerlichen Expeditionen nach Asien auf mehrere Beteiligte verteilten. In der Charter vom 31.12.1600 erhielten diese Zusammenschliisse von englischen Kaufleuten die Privilegien fiir den Handel mit Ostindien und Teilen Asiens iiber 15 Jahre.1415

Nach Wilhelm Hartung kann man die Entwicklung der Administration der EIC durch die Erneuerungen der Charter in Phasen beschreiben:16 Die erste Phase war bereits 1609, weil die EIC die in der Charter verliehenen Rechte auf ewig zuerkannt wurden mit der Ausnahme einer drei jahrigen Kiindigungsfrist. Ihr erstes verfolgtes Ziel war die Niederlassung von Stiitzpunkten im asiatischen Raum. Zeitgleich mussten die Mitglieder der East India Company sich gegen andere englische Kaufleute behaupten. Unter Wilhelm III. von Oranien entstand eine konkurrierende Company, nachdem sich die EIC schlieglich nicht auf ein Angebot des Konigs einlieg, ihr Kapital zu verzinsen und dem Staat zur Verfiigung zu stellen. Diese neue Company konnte jedoch keine Gewinne einfahren, da die EIC ihr jegliche Unterstiitzung versagte. So kam es zum Zusammenschluss beider Kompanien im Jahre 1709 und einer Offnung der EIC, sodass jeder Mitglied werden konnte, der Anteile kaufte. 17 Im Jahre 1683 war das Hauptquartier der EIC Bombay. 18Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts sprach man von dem ,Britisch Empire in India", ein Wandel der EIC von einem kaufmannischen Unternehmen zu einer Territorialmacht. Nach Streitigkeiten um die Erbfolge in Indien, ausgelost durch den Tod eines indischen Fiirsten, bewahrte die EIC ihre Interessen und verhalf einem ihnen zugewandten Prinzen zum Thron. So erhielt die Kompanie mehr politische Gewalt und iibernahm Herrschaftsgebiete wie Bengalen, in denen sie Zolle und Steuern als zusatzliche Einnahmequelle verschreiben konnte.19 Im North Regulating Act 1773 wurde ein Generalgouverneur von der Regierung ernannt, der in Zusammenarbeit mit vier ebenso von der Regierung ernannten Mitgliedern die Verwaltung der Territorien in Indien kontrollieren und iiberwachen sollte. Im Jahre 1784 wird der India Act verabschiedet, der alle territorialen Angelegenheiten der EIC in staatliche Verwaltung legte. In jedem weiteren Act of Parliament wurde die Macht und der Einfluss der EIC weiter beschnitten, sodass im Jahre 1858 durch den Goverment of India Act rein formal alle Macht und Herrschaft auf den Staat iibergingen, der in die Verpflichtungen der EIC eintrat.

[...]


1 Wende 2009, S. 6S.

2 Nagel 2007, S.9.

3 Schorowsky 1978, S. 22.; Die Levant Company, der Vorreiter der EIC, wurde 1S81 gegriindet, um sich auch im Gewiirzhandel zu etablieren. Nagel 2007, S. 71.

4 Bei illegalen Fahrten wurden finanzielle Strafen gesetzlich auferlegt und die Ertrage dieser Fahrt auf die englische Krone und die Kompanie gleichmagig aufgeteilt. (Vgl. Nagel 2007, S.40)

5 Nagel 2007, S. 78.

6 Die Papstbullen von 1492 bis 1493 sowie der Vertrag von Tordesillas (1494) legitimierten die Expansion der Spanier und Portugiesen auf der ganzen Welt. (Vgl. zu Schnurmann 2001, S.108.)

7 Nagel 2007, S.38f.

8 Dieses Oktroi war anfanglich fiir 21 Jahre giiltig. Die VOC musste fiir das durch das Oktroi schriftlich gegebene Privileg, als alleinige Gemeinschaft mit Ostindien Handel betreiben zu diirfen, bezahlen. (1602: 2S.000 Gulden; 1,S Mio. Gulden im Jahr 1647 und 3 Mio. Gulden im Jahre 1696 und 1700) (Vgl. Nagel 2007, S. 41.)

9 Hartung 2000, S.49.

10 Nagel 2007, S.104.

11 Ebd., S.113.

12 Nagel 2007, S.114.

13 Ebd., S.122-124.

14 Die englische Charter gleicht dem niederlandischen Oktroi und verleiht beiden Ostindienkompanien die Monopolrechte ihres Landes zum Handel im asiatischen Raum.

15 Hartung 2000, S.20f.

16 Ebd., S.21-31.

17 Parry 1983, S.118. Wahrend Hartung die Meinung vertritt, dass nach der Fusion der beiden rivalisierenden Kompanien die neu entstandene Kompanie frei zuganglich war fiir jedermann, der ausschlieglich Anteile erwarb, betont Schorowski weiterhin die Exklusivitat der Gesellschaft, diese sei bastanden geblieben. (Vgl. Schorowski 1978, S.26.)

18 Nach der Eheschliegung Karls II. mit der portugiesischen Prinzessin Katharina von Braganza im Jahre 1662 (P. Wende nennt das Jahr 1661) kommt Bombay als deren Mitgift unter die Herrschaft der britischen Krone. (Vgl. Hartung 2000, S.26.; Braudel 1986, S.23S.; Wende 2009, S.66.)

19 Der englische Staat wollte ebenso von der neuen Einnahmequelle profitieren und beschnitt damit die Souveranitat der EIC weiterhin. (Vgl. Hartung 2000, S.27.)

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Details

Titel
East India Company. Welchen Einfluss hatte die EIC auf den Textilhandel im 17. Jahrhundert?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V515002
ISBN (eBook)
9783346117441
ISBN (Buch)
9783346117458
Sprache
Deutsch
Schlagworte
east, india, company, welchen, einfluss, textilhandel, jahrhundert
Arbeit zitieren
Tom Schäfer (Autor), 2017, East India Company. Welchen Einfluss hatte die EIC auf den Textilhandel im 17. Jahrhundert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515002

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