Die nachfolgende Arbeit geht der Frage nach, welche Ursachen zu dem Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führten. Dazu ist einerseits die Geschichte der Marine in den Kriegsjahren zu betrachten, unter anderem, welche Idee die Oberste Heeresleitung (OHL) mit dem Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 verfolgte. Obwohl in Kiel 1918 die Matrosen den Impuls der Revolution gaben, so ist die Rolle der Arbeiter für die Novemberrevolution nicht zu vernachlässigen. Sie gelten sogar als ausschlaggebende Kraft. Im zweiten Teil wird daher die Rolle der Bevölkerung in Kiel kurz untersucht und auf welche vorherrschenden Verhältnisse die Matrosen in Kiel stießen. Die These, dass Kiel damit nicht nur deutsche, sondern europäische Geschichte schrieb, soll zu belegen sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die deutsche Marine
2.1 Geschichte der Marine im Ersten Weltkrieg
2.2 Flottenbefehl der Kaiserlichen Marine
2.3 Befehlsverweigerung und Folgen
3. Gesellschaftliche Betrachtungen in Kiel
3.1 Politische Ebene
3.2 Zivilbevölkerung und der Hunger
4. Das Aufeinandertreffen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen des Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstandes von 1918. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie das Zusammenspiel zwischen militärischen Spannungen in der kaiserlichen Marine und den prekären gesellschaftlichen Verhältnissen in Kiel als Initialzündung für die Novemberrevolution fungierte.
- Historische Entwicklung der kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg
- Militärische Befehlsverweigerung und ihre Hintergründe
- Politische Radikalisierung in Kiel (MSPD vs. USPD)
- Auswirkungen der Lebensmittelknappheit und der "Steckrübenwinter" auf die Zivilbevölkerung
- Die Eskalation zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand
Auszug aus dem Buch
2.2 Flottenbefehl der kaiserlichen Marine
Der Flottenbefehl vom 24. Oktober zur letzten großen Seeschlacht gegen die Royal Navy in der südlichen Nordsee war keine neue Idee der Seekriegsleitung. Diese Gedanken der großen Schlacht wurden dem Kaiser bereits im Frühjahr 1917 und im April 1918 vorgetragen. Beide Male wurden jedoch durch den Kaiser die Operationspläne abgelehnt, da die Flotte für eine Entscheidungsschlacht gegen Ende des Krieges zu schonen sei. Unter Admiral Scheer und Konteradmiral von Trotha war somit der Operationsplan Nr.19 keine neu aufkommende Idee gegen Ende des Ersten Weltkrieges. Er sah vor, die gesamte deutsche Hochseeflotte zu versammeln und gemeinsam in der Nordsee – vermutlich vor der Küste der Niederlande – gegen die Royal Navy zu kämpfen. Die deutschen U-Boote sollten dabei die Schiffe unterstützen. Genauso war es Ziel, an der Themsemündung gegen jegliche feindliche Schiffe zu agieren. Wiederum hatte die Seekriegsleitung, ähnlich bei dem uneingeschränkten U-Boot Krieg, zivile Opfer in Kauf genommen.
Während eines Gesprächs zwischen Reichskanzler von Baden und Admiral Scheer machte dieser gegenüber der politischen Führung, die durch eine Verordnung des Kaisers auch dem Militär übergeordnet war, Andeutungen zu einem Flottenvorstoß gegen die Royal Navy. Den gesamten Plan jedoch legte er nicht vor. Die ausgebliebene Verneinung nahm Scheer als Zustimmung und veranlasste die Vorbereitungen für die große Schlacht. Damit agierten Scheer und von Trotha mutwillig gegen den Willen der politischen Führung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der Revolution von 1918/19 als Wendepunkt der deutschen Geschichte und benennt Kiel als Ausgangspunkt der Ereignisse.
2. Die deutsche Marine: Das Kapitel analysiert die Strategie der Hochseeflotte, den Einfluss des U-Boot-Krieges auf das Personal und die wachsende Kluft zwischen Matrosen und Offizieren.
3. Gesellschaftliche Betrachtungen in Kiel: Hier werden die politische Spaltung der Arbeiterbewegung sowie die sozialen Auswirkungen von Hunger und Versorgungsengpässen auf die Bevölkerung Kiels untersucht.
4. Das Aufeinandertreffen: Dieses Kapitel beschreibt die Eskalation der Ereignisse bei der Ankunft des III. Geschwaders in Kiel und die daraus resultierende Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten.
5. Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Rolle Kiels als Initialzündung für eine nationale Massenbewegung und bewertet die Bedeutung der Befehlsverweigerung für den Verlauf der deutschen Geschichte.
Schlüsselwörter
Kieler Matrosenaufstand, Novemberrevolution, Erster Weltkrieg, Hochseeflotte, U-Boot-Krieg, Marine, USPD, MSPD, Arbeiterbewegung, Hunger, Steckrübenwinter, Revolution, Soldatenräte, Kaiserreich, Waffenstillstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf des Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstandes von 1918 als zentralen Auslöser der Novemberrevolution.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen Situation der kaiserlichen Marine, den politischen Verhältnissen in Kiel sowie den sozialen Missständen und der Hungersnot während des Krieges.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, welche spezifischen zivilen und militärischen Ursachen dazu führten, dass in Kiel eine Massenbewegung gegen Monarchie und Krieg entstand.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und Quellen basiert, um die Kausalketten zwischen Militärstrategie und gesellschaftlicher Unzufriedenheit darzustellen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Geschichte der Marine, den kontroversen Flottenbefehl vom Oktober 1918, die politische Spaltung zwischen MSPD und USPD sowie die Auswirkungen des Steckrübenwinters auf die Kieler Bevölkerung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Kieler Matrosenaufstand, Novemberrevolution, Hochseeflotte, USPD, Soldatenräte und der "Steckrübenwinter".
Warum lehnte der Kaiser anfangs die Flottenpläne ab?
Die Flotte sollte als politisches Druckmittel für eine spätere, entscheidende Seeschlacht gegen Ende des Krieges geschont werden.
Welche Rolle spielten die Arbeiter bei der Eskalation in Kiel?
Die Arbeiter stellten das Rückgrat der Protestbewegung gegen die mangelnde Versorgung und die politische Willkür dar und schlossen sich den meuternden Matrosen als revolutionäre Kraft an.
Inwiefern beeinflusste die OHL die Ereignisse?
Durch das Eingeständnis der militärischen Niederlage und das Waffenstillstandsgesuch geriet die politische Führung unter Druck, während die Seekriegsleitung eigenmächtig versuchte, durch einen letzten Flottenvorstoß "Ehre" zu retten.
Warum war der Ausgang der Ereignisse in Kiel von europäischer Tragweite?
Die Meuterei und die anschließende Revolution beschleunigten das Kriegsende massiv, da der geplante letzte Flottenvorstoß die laufenden Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten gefährdet hätte.
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- Tom Schäfer (Autor), 2018, Der Kieler Matrosenaufstand. Welche Ursachen führten zu einer Massenbewegung gegen Monarchie und Krieg?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515004