Einleitung
Die heutige Schweiz gilt als ein modernes Land, welches besonders stolz auf die ausgeprägte Mitbestimmung seiner Bürger durch viele direktdemokratische Elemente ist. Der Souverän - das schweizerische Volk - wählt das Parlament, die Regierung und das oberste Gericht. Darüber hinaus entscheiden alle Stimmberechtigten über Änderungen der Verfassung und den Beitritt zu bestimmten internationalen Organisationen in einem obligatorischen Referendum und können Gesetzesänderungen und Beschlüsse zu völkerrechtlichen Verträgen mit einem fakultativen Referendum anstreben. So "haben alle mündigen Schweizerinnen und Schweizer ab 18 Jahren das aktive und passive Wahlrecht; d.h. sie dürfen sowohl wählen, als auch sich selbst zur Wahl stellen"1.
Beschäftigt man sich mit dem politischen System der Schweiz ist zu bemerken, dass selbstverständlich Männer und Frauen in schweizerischen Institutionen vertreten sind und politische Ämter innehaben. Ganz nach dem Wert der Gleichberechtigung von Mann und Frau kann sich jeder Bürger der Schweiz am politischen System partizipieren und eigene Vorschläge einbringen. Bei den letzten Nationalratswahlen im Jahr 2003 wurden 26% Frauen und 74% Männer in das Parlament gewählt. Doch war es immer so leicht für Frauen ihre Stimm- und Wahlrechte wahrzunehmen? Wie kam es dazu, dass die Schweiz erst 1971 als eines der letzten europäischen Länder das Frauenstimmrecht auf eidgenössischer Ebene einführte? Wieso mussten die Frauen 123 Jahre seit der Gründung der Schweiz auf ihre politische Gleichstellung warten?
Diese Fragen drängen sich dem Beobachter förmlich auf, wenn er sich über das politische System der Schweiz und speziell über die Rolle der Frau in diesem informiert. In meiner Hausarbeit möchte ich vor allem jene Gründe untersuchen, die diese Verzögerung der politischen Gleichberechtigung der Frauen bewirkten. Beleuchten möchte ich in diesem Zusammenhang den langen Weg zur Einführung des FSR auf eidgenössischer und kantonaler Ebene. Angefangen im 18. und 19. Jahrhundert, in denen sich erste Vorläufer des Kampfes für das FSR abzeichneten, möchte ich den anschließenden zeitlichen Verlauf in zwei Phasen unterteilen. Nachdem ich die Entwicklungen von 1900 bis 1959 dargestellt und analysiert haben werde, wird in einem zweiten Schritt der Zeitraum zwischen den beiden Volksabstimmungen 1959 und 1971 in seinen Entwicklungen darstellen werden...
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1 Schweizerische Bundeskanzlei: Der Bund kurz erklärt 2005, 27. Aufl., Bern 2005, S.16.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Kampf auf eidgenössischer Ebene
2.1 Entwicklungen des 18. und 19. Jahrhunderts
2.2 1900-1959 Vorstöße und Verschleppungstaktiken
2.3 1959-1971 Endspurt
3. Der Kampf auf kantonaler Ebene
4. Verfassungsartikel zum Stimm- und Wahlrecht der Frauen
4.1 Bundesverfassung 1848
4.2 Bundesverfassung 1874
4.3 Bundesverfassung 1999
5. Sind die Frauen heute den Männern politisch gleichgestellt? – Aktuelle Entwicklungen am Beispiel der Wahlen 2002/2003
5.1. passives Wahlrecht der Frauen
5.1.1 Nationalratswahlen 2003
5.1.2 Ständeratswahlen 2002/ 2003
5.1.3 Bundesratswahlen 2003
5.1.4 Kantonale Wahlen 2000-2003
5.2. aktives Wahlrecht der Frauen
6. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für die verzögerte Einführung des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene im Jahr 1971 und bewertet die heutige politische Repräsentation der Frauen in der Schweiz. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob die schweizerischen Frauen nach dem jahrzehntelangen Kampf ihre politische Gleichstellung tatsächlich erreicht haben.
- Historische Analyse der Frauenrechtsbewegung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert.
- Untersuchung der Einflussfaktoren auf die eidgenössischen Volksabstimmungen 1959 und 1971.
- Analyse der verfassungsrechtlichen Entwicklung des Stimm- und Wahlrechts.
- Empirische Betrachtung der Frauenanteile in den eidgenössischen und kantonalen Wahlen 2002/2003.
- Vergleich der politischen Teilhabe von Frauen und Männern in der direkten Demokratie.
Auszug aus dem Buch
2.2 1900-1959 Vorstöße und Verschleppungstaktiken
Trotz starkem Engagement der Frauenverbände bleibt ihr politischer Einfluss auf Grund des mangelnden Wahl- und Stimmrecht gering. Ab 1905 gründen sich lokale Vereine, die sich hauptsächlich für die Einführung des FSR einsetzen und 1909 entsteht der eher bürgerlich ausgerichtete überregionale Schweizerische Verband für Frauenstimmrecht. Viele Anhängerinnen anderer Vereine empfinden diese Forderung als zu hoch gegriffen und scheuen sich vor dem Ziel der vollen politischen Gleichberechtigung auf Grund des vorherrschenden traditionellen Frauenbildes. Die Verinnerlichung der im 18. Jahrhundert entwickelten Geschlechterrollen durch die Frauen selbst und ihre gemäß der Ideologie gestaltete Lebensweise erschweren die Einsicht, als Angehörige des weiblichen Geschlechtes benachteiligt zu sein und gegen diese Diskriminierung angehen zu müssen. Zentral für das Selbstverständnis der Frauen ist ihre maßgebliche Aufgabe als Hausfrau und Mutter, lediglich bei alleinerziehenden Frauen höheren Bildungsniveaus entsteht schon früher der Wunsch nach politischen Einflussmöglichkeiten. So ist nicht zuletzt der Grund für das nur langsame Fortschreiten der Frauenbewegung in den traditionellen Vorstellungen vieler Frauen zu suchen, die sich nur zögernd mit der absoluten Gleichberechtigung von Mann und Frau identifizieren konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Ausgangslage der direktdemokratischen Schweiz und stellt die zentrale Frage nach den Gründen für die späte Einführung des Frauenstimmrechts.
2. Der Kampf auf eidgenössischer Ebene: Dieses Kapitel behandelt die historische Entwicklung der Frauenbewegung von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis zur Einführung des Stimmrechts 1971.
3. Der Kampf auf kantonaler Ebene: Hier wird der langwierige Prozess der Umsetzung des Frauenstimmrechts in den einzelnen Kantonen bis ins Jahr 1990 analysiert.
4. Verfassungsartikel zum Stimm- und Wahlrecht der Frauen: Das Kapitel vergleicht die Formulierungen in den Bundesverfassungen von 1848, 1874 und 1999 im Hinblick auf die politische Gleichstellung.
5. Sind die Frauen heute den Männern politisch gleichgestellt? – Aktuelle Entwicklungen am Beispiel der Wahlen 2002/2003: Eine empirische Untersuchung zur Repräsentation von Frauen in den eidgenössischen Parlamenten und Regierungen sowie zur Wahlbeteiligung.
6. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Ursachen für die Verzögerungen zusammen und bewertet die Erreichung der politischen Gleichstellung der Frau.
Schlüsselwörter
Frauenstimmrecht, Schweiz, politische Gleichstellung, direkte Demokratie, Frauenbewegung, Nationalrat, Ständerat, Wahlbeteiligung, Bundesverfassung, Geschlechterrollen, Frauenverbände, Repräsentation, Volksabstimmung, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den historischen Kampf der Frauen in der Schweiz um das Stimm- und Wahlrecht sowie ihre heutige Rolle und Repräsentation im politischen System.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Frauenbewegung, den verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen und der statistischen Analyse der politischen Teilhabe bei aktuellen Wahlen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die verspätete Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971 zu ergründen und kritisch zu prüfen, ob die politische Gleichstellung heute tatsächlich erreicht ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine historische Analyse sowie eine Auswertung statistischer Daten aus den Wahlen 2002/2003 vorgenommen, ergänzt durch politikwissenschaftliche Sekundärliteratur.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Etappen des Kampfes auf eidgenössischer und kantonaler Ebene, eine Analyse der Verfassungstexte sowie eine empirische Bestandsaufnahme der Frauenpräsenz in Parlament und Regierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Frauenstimmrecht, direkte Demokratie, politische Partizipation und Gleichstellung definieren.
Welche Rolle spielt die direkte Demokratie bei der Verzögerung des Frauenstimmrechts?
Die Autorin argumentiert, dass die Notwendigkeit, eine konservative Mehrheit der Stimmbürger über lange Überzeugungsprozesse von einem neuen Frauenbild zu überzeugen, die Einführung des Frauenstimmrechts maßgeblich verzögert hat.
Warum ist das Ergebnis der Nationalratswahlen 2003 für die Autorin nicht zufriedenstellend?
Obwohl eine Steigerung des Frauenanteils zu verzeichnen war, liegt der Anteil von 26 % deutlich unter der Hälfte der Bevölkerung, zudem ist die Repräsentation stark von Parteipräferenzen und dem Wahlsystem (Majorz vs. Proporz) abhängig.
Welche Bedeutung hatte das Milizsystem für die politische Beteiligung von Frauen?
Das Milizsystem wird als Hindernis identifiziert, da Frauen aufgrund der Doppelbelastung durch Beruf und Kindererziehung weniger Zeit für politische Ämter aufbringen können als Männer.
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- Anonym (Author), 2005, Der Weg zum Frauenstimmrecht in der Schweiz 1971 und die heutige Repräsentation der Frauen in der Schweiz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51518