Legasthenie in der Schule. Wie gelingt eine besondere Förderung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
15 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition einer umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung

Ursachen für eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung
Das Arbeitsgedächtnis
Das Langzeitgedächtnis

Schulische Fördermöglichkeiten für eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung
Förderung der phonologischen Bewusstheit
Festigung der Graphem-Phonem-Korrespondenz
Gezieltes Silbentraining

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Legasthenie ist eine anerkannte Krankheit in Deutschland und sollte besonders bei Lehrkräften bekannt sein, damit diese eine angemessene Förderung für die betroffenen Schülerinnen und Schüler (SuS) bieten können.

Die Schullaufbahn soll eine schöne, angenehme Zeit für die SuS darstellen. Leiden diese jedoch an einer Lese- und Rechtschreibstörung, haben sie häufig zusätzlich emotionale und persönliche Probleme, die sie einschüchtern. Dies ist ein wichtiger Grund, warum Lehrkräfte möglichst viel über eine Legasthenie wissen und ausreichend ausgebildet sein sollten, diese zu erkennen und sinnvoll fördern zu können. Es ist essenziell, dass die Schwäche so früh wie möglich erkannt und anerkannt wird, damit sie wirksam behandelt werden kann. Mit einigen Übungen, die bereits im Kindergartenalter beginnen, kann einer Lese- und Rechtschreibschwäche vorgebeugt werden und der Einstieg in die Schuleingangsphase erleichtert werden.

Es gibt unterschiedliche Ausprägungen dieser Erkrankung. Einige SuS unterliegen lediglich einer leichten Lese- und Rechtschreibschwäche, welche mit gezielten Übungen schnell verbessert werden kann. Es gibt allerdings auch die umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung. Diese ist nur schwer zu beheben, da es eine angeborene Krankheit ist und viele verschiedene Ursachen haben kann.

Diese Arbeit soll mögliche Fördermaßnahmen für SuS mit einer umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung aufzeigen und untersuchen. Es soll herausgefunden werden, ob und inwiefern den Kindern, die an einer solchen Störung leiden, geholfen werden kann.

Daher wird zuerst eine Definition der umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung gegeben, um die Krankheit verständlich zu machen. Anschließend soll auf zwei wichtige Ursachen eingegangen werden, damit der Hintergrund und die Entstehung der vorliegenden Schwierigkeiten verstanden werden kann. Im Hauptteil sollen Fördermaßnahmen erläutert werden, die den Kindern den Einstieg in die Schuleingangsphase und insbesondere in das Erlernen von Lese- und Schreibkompetenzen erleichtern können. Zum Schluss wird ein Fazit gezogen, welches Aufschluss über die bei einer Lese- und Rechtschreibstörung zu beachtenden Faktoren gibt. Es soll herausgefunden werden, inwiefern diese Fördermöglichkeiten den SuS tatsächlich weiterhelfen können.

Definition einer umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung

„Das Hauptmerkmal dieser Störung ist eine umschriebene und eindeutige Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht allein durch das Entwicklungsalter, durch Visus-Probleme oder unangemessene Beschulung erklärbar ist.“ (Dilling 2010: 298).

Zusätzlich zu den Lesestörungen, welche das Leseverständnis und das Wiedererkennen und Vorlesen von Wörtern beinhalten, kommen häufig Rechtschreibstörungen hinzu. Der Störung geht häufig eine Entwicklungsstörung des Sprechens sowie der Sprache voran.

Eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung liegt dann vor, wenn die Lese- und Rechtschreibleistungen des Kindes ein niedrigeres Niveau erreichen, als es von ihrer Altersklasse, der allgemeinen Intelligenz und der Beschulung zu erwarten wäre.

Häufig beginnt eine Lesestörung damit, dass Kinder Probleme haben, Buchstaben korrekt zu benennen, Reime zu bilden und Laute zu analysieren. Beim späteren Vorlesen machen sich die Probleme bemerkbar, indem die betroffenen Kinder Worte auslassen, hinzufügen oder verändern. Sie lesen in einem langsamen Tempo und sind meistens nicht fähig, das Gelesene wiederzugeben und Zusammenhänge festzustellen.

Größer als die Leseprobleme sind im fortgeschrittenen Alter häufig die Rechtschreibprobleme. Diese sind die meistens auf Fehler in der phonetischen Genauigkeit zurückzuführen.

Eine Lese- und Rechtschreibstörung wird vielfach von emotionalen Störungen begleitet, welche besonders in der frühen Schulzeit zu einem niedrigen Selbstwertgefühl führen können (vgl. Dilling 2010: 298ff.).

Ursachen für eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung

Warum es beim Schriftspracherwerb zu Problemen kommt, hängt mit vielen Faktoren zusammen, die bereits erforscht wurden. Die Problematik kann nicht lediglich auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden, sondern wird als komplexes Zusammenwirken verschiedener Faktoren angenommen. Bei jedem Individuum können diese Faktoren in unterschiedlichem Maße vorhanden und gewichtet sein. Insgesamt ist allerdings zu sagen, dass einerseits genetische Faktoren häufig eine große Rolle spielen, andererseits können die Ursachen aber auch in der visuellen und auditiven Informationsverarbeitung liegen. Zudem können auch die schulische Unterrichtsmethode, die emotionale Unterstützung des sozialen Umfeldes und viele weitere Faktoren einen Einfluss auf die Entwicklung der Lese- und Rechtschreibstörung nehmen (vgl. Schulte-Körne 2004: 67). Im Folgenden soll sich auf zwei Ursachen beschränkt werden, zu denen im Laufe der Zeit besonders aussagekräftige Ergebnisse gefunden wurden. Zum einen liegt bei Personen mit einer umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung eine Schwäche im Arbeitsgedächtnis vor, zum anderen gibt es Probleme im Langzeitgedächtnis.

Das Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis ist eine Funktion im menschlichen Gehirn, in der Inhalte und Wahrnehmungen aus dem Kurzzeit- und dem Langzeitgedächtnis zusammen geführt werden. Es besteht aus dem visuell-räumlichen Zwischenregister, das ein räumliches Situationsmodell im inneren Auge für einige Sekunden aufrecht erhalten kann, der phonologischen Schleife, die akustische Informationen für eine kurze Zeit speichert und der zentralen Exekutive, welche alle aufgenommenen Informationen koordiniert und zusätzlich im Austausch mit dem Langzeitgedächtnis steht (vgl. Sokolowski 2013: 212f.). Die phonologische Schleife spielt bei der umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung eine bedeutende Rolle. Sie kann erneut in zwei Einheiten, den phonetischen Speicher und den artikularischen Kontrollprozess, eingeteilt werden. Normalerweise werden im phonetischen Speicher Informationen für einige Sekunden aufrecht erhalten und von dem artikularischen Kontrollprozess innerlich wiederholt, um eingehende Informationen länger zu erhalten. Bei Personen mit einer umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung ist dieser Austausch zu langsam und gehörte Informationen können daher nicht schnell genug verarbeitet werden. Das kann dazu führen, dass die aufgenommenen Informationen eventuell nicht wahrgenommen oder verstanden werden können. Dies bereitet vor allem beim Schriftspracherwerb Probleme. Das Kind muss die gelesenen Grapheme in Laute übersetzen, was eine hohe Speicherkapazität erfordert und auch die Sicherung dieser Informationen ist Voraussetzung für das Verstehen des Gelesenen. Da diese Voraussetzung durch die Schwäche der phonologischen Schleife nicht gegeben ist, entstehen gravierende Probleme für die Kinder beim Schriftspracherwerb. Beim Erlesen von neuen Wörtern, bei denen sie jeden Buchstaben und den damit zusammenhängenden Laut erarbeiten müssen, sind die ersten Buchstaben bei Erarbeitung der späteren Buchstaben häufig bereits vergessen, da die phonologische Schleife diese Informationen nicht aufrecht erhalten kann. Das Arbeitsgedächtnis ist mit diesen Informationen überfordert und die Kinder haben große Probleme beim Schriftspracherwerb (vgl. Bredel et. al. 2011: 180f.).

Das Langzeitgedächtnis

Anders als beim Arbeitsgedächtnis werden im Langzeitgedächtnis Informationen dauerhaft abgelegt. Beim Schriftspracherwerb sollen Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert werden, damit gelernte Buchstaben oder Buchstabenfolgen beim Schreib- und Leseprozess schnell wiedererkannt und abgerufen werden können. Im Normalfall können die Informationen in Millisekunden abgeglichen und weiterverarbeitet werden. Dies ist allerdings bei Kindern, die an einer umschriebenen Lese- und Rechtschreibstörung leiden, nicht der Fall. Bei ihnen ist auch dieser Zugriff verlangsamt, da die Einheiten in ihrem Gedächtnis nicht gut geordnet sind und sie daher länger nach den bereits gespeicherten Informationen „suchen“ müssen. Diese Unordnung im Langzeitgedächtnis und die damit zusammenhängende langsame Verarbeitung der empfangenen Informationen erschwert und bremst den Schriftspracherwerb zusätzlich (vgl. Bredel et. al. 2011: 182). Kinder mit umschriebener Lese- und Rechtschreibstörung zeigen daher häufig bereits Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung. Ihr Wortschatz wird langsamer erworben als bei Gleichaltrigen und sie brauchen mehr Zeit, um Gegenstände, Buchstaben, Wörter oder ähnliches zu benennen, da ihr Zugriff auf die gespeicherten Informationen im Langzeitgedächtnis gestört ist (vgl. Born/Oehler 2009: 135f.).

Schulische Fördermöglichkeiten für eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung

Förderung der phonologischen Bewusstheit

Eine gut ausgebildete phonologische Bewusstheit gilt als Voraussetzung für den erfolgreichen Schriftspracherwerb und ist normalerweise bei Kindern bereits im frühen Kindesalter vorhanden. Diese entwickelt sich im Laufe der Zeit auf natürliche Art und Weise. Die phonologische Bewusstheit beschreibt die Fähigkeit, die eigentliche Bedeutung eines Wortes zu ignorieren und sich lediglich auf die Struktur von Wörtern und Lauten zu konzentrieren. Das bedeutet, dass Kinder fähig sind, Sätze in die Wörter aufzuteilen, aus denen sie bestehen, und diese Wörter wiederum in Silben zu segmentieren und gleichzeitig wieder zusammensetzen zu können. Außerdem beherrschen sie es, Reime zu erkennen und selbstständig zu bilden. Ist die phonologische Bewusstheit gut ausgebildet, dann sind Kinder in der Lage, Wörter in ihre lautlichen Bestandteile zu unterteilen. Dies ist eine unverzichtbare Fähigkeit für den Schriftspracherwerb, da SuS die Laute eines Wortes erkennen und heraushören müssen, um dieses verschriften zu können (vgl. Schründer-Lenzen 2013: 86f.). Für Kinder mit gut ausgeprägter phonologischer Bewusstheit bereitet der Schriftspracherwerb demzufolge deutlich weniger Schwierigkeiten als den Kindern, die ihre phonologische Bewusstheit noch trainieren müssen (vgl. ebd.: 88). Leseschwachen SuS fällt es schwer, die einzelnen Laute von Wörtern zu erkennen, da ein Wort ihrer Meinung nach bereits die kleinstmögliche Einheit darstellt, welche nicht weiter zerlegt werden kann. Dies ist ein grundlegendes Problem für den Erwerb der Schriftsprache, da so das Prinzip der deutschen Schrift nicht verstanden werden kann (vgl. Tacke 2002: 291). Es ist also notwendig die phonologische Bewusstheit dieser SuS zu schulen und ihnen zu vermitteln, dass Wörter aus Lauten bestehen, die aneinandergereiht werden. Die Förderung von in diesem Bereich schwachen Kindern kann demnach bereits eine erste Hilfe sein, die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten dieser betroffenen SuS zu verbessern.

Bestenfalls sollte die Förderung der phonologischen Bewusstheit bereits im Vorschulalter beginnen, um einen optimalen Start in die Schule ohne Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb zu gewährleisten. Zur Förderung dieser Fähigkeiten wurde beispielsweise das Würzburger Trainingsprogramm „ Hören, lauschen, lernen “ von Petra Küspert und Wolfgang Schneider entwickelt. Das Programm bietet einen spielerischen Einblick in die Struktur der Sprache und ist als tägliches zehnminütiges Training über elf Wochen für den Kindergarten entwickelt worden. In einer von sechs Einheiten sollen die Kinder erstmals ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Geräusche in ihrer Umgebung lenken. Des Weiteren sollen Reime erkannt und selber gebildet werden, Wörter in Sätzen erkannt und zusammengesetzte Nomen, wie zum Beispiel „Ball“ und „Spiel“ zu „Ballspiel“, verbunden werden. Anschließend sollen die Kinder die nächstkleinere Einheit, die Silbe, kennenlernen. Auch dazu gibt es Klatschspiele und Wörter sollen in ihre Silben zerlegt werden. Außerdem werden im späteren Verlauf Anlaute und Phoneme gelernt (vgl. Schulte-Körne 2004: 137f.; Klicpera 2010: 241). Somit wird auf alle strukturellen Bestandteile von Sätzen und Wörtern eingegangen, was den Kindern eine Hilfestellung beim Verständnis der Schriftsprache bietet. Untersuchungen konnten die Wirksamkeit des Programms bestätigen. Es wurde herausgefunden, dass sich Trainingskinder in den ersten drei Grundschuljahren durch einen Vorsprung in ihren Lese- und Rechtschreibfähigkeiten auszeichnen können (vgl. Schulte-Körne 2004: 138). Dies ist natürlich nicht nur für das Würzburger Trainingsprogramm der Fall, sondern generell für Übungen, die die phonologische Bewusstheit von Kindern im Vorschulalter fördern.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Legasthenie in der Schule. Wie gelingt eine besondere Förderung?
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Bau der Sprache/ Schriftspracherwerb
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V515217
ISBN (eBook)
9783346117243
ISBN (Buch)
9783346117250
Sprache
Deutsch
Schlagworte
LRS, Deutsch, Didaktik, Grundschule, Primarstufe, Förderung, Schriftspracherwerb, Definition, phonologische Bewusstheit, Silbentraining
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Legasthenie in der Schule. Wie gelingt eine besondere Förderung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515217

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