Wenn in dieser Hausarbeit von Arbeit die Rede ist, geht es um die “Erwerbsarbeit”. Es geht um die vorherrschende Form der Existenzsicherung in unserer Gesellschaft, im Gabler Wirtschaftslexikon als “zielgerichtete, soziale, planmäßige und bewusste körperliche und/oder geistige Tätigkeit” definiert. Zielgerichtet ist Arbeit, weil die jeweilige körperliche oder geistige Tätigkeit grundsätzlich ein bestimmtes Ziel verfolgt. Sowohl für den "Arbeitgeber" als auch für den "Arbeitnehmer" geht es um existenzielle Ziele. Bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert konnte man in der Regel von "Normalarbeit" sprechen, einem “Arbeitsverhältnis”, als dauerhaftes, kontinuierliches, qualifiziertes Vollarbeitsverhältnis.
Durch den Paradigmenwechsel im Verlauf der Umsetzung der Agenda 2010 ist ein Prozess der Deregulierung des sogenannten Arbeitsmarktes initiiert worden. Als wesentliches Instrument dieses Deregulierungsprozesses kann man die 2005 durchgeführte Reform der Sozialgesetzgebung betrachten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Politische Veränderungen der letzten Jahre, in Bezug auf Arbeitslosigkeit
2. Eigenverantwortung und Aktivierung in der Arbeitsmarktpolitik: Ansprüche und Wiedersprüche
3. Die Umsetzung des Aktvierungsparadigmas
4.Der Arbeitsmarkt – ein besonderer Markt
5.Hauptsache Arbeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Transformationen der deutschen Arbeitsmarktpolitik durch die Agenda 2010 und die Hartz-Reformen. Dabei steht insbesondere die kritische Analyse des Leitbildes des aktivierenden Staates sowie die veränderten Anforderungen an das Individuum im Zentrum der Betrachtung.
- Die historische und politische Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik
- Das Konzept der Eigenverantwortung und Aktivierung im Kontext der Sozialgesetzgebung
- Die strukturellen Besonderheiten und Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt
- Die Auswirkungen von Employability und Leistungsdruck auf den modernen Arbeitsbürger
- Die soziologische Betrachtung der Arbeitsmarktpolitik als System zur Ungleichheitsproduktion
Auszug aus dem Buch
Eigenverantwortung und Aktivierung in der Arbeitsmarktpolitik: Ansprüche und Widersprüche
Betrachtet man den als selbstverständlich und völlig harmlos wirkenden Begriff im Kontext der politischen Diskussionen der Hartz- Reformen etwas eingehender, bekommt er etwas Bedrohliches und man könnte den Eindruck bekommen, dass die Forderung nach Eigenverantwortung in erste Linie dazu dient, jemandem verminderte Leistungsfähigkeit zu attestieren oder den Betroffenen sogar als leistungsunwillig zu verurteilen. Der Staat gibt folglich die Verantwortung an die Betroffenen selbst ab und bietet nur noch “Hilfe” zur Selbsthilfe. Hilfebedürftigen wird mehr Eigenverantwortung abverlangt, sie sollen vermehrt für sich selbst Sorge tragen und Eigeninitiative ergreifen, den Hilfeprozess in die eigene Hand nehmen, sodass dieser eigentlich überflüssig wird. Man überlässt die Schwächeren letztendlich sich selbst.
Der Aktivierungsanspruch des Staates an jeden einzelnen Bürger weist Widersprüchlichkeiten auf. Jedem Menschen wird unterstellt über Potenziale und materielle Mittel zu verfügen. Anhand dieser soll es ihm durch Eigeninitiative gelingen, seine Lage zu seinem Vorteil zu verändern bzw. einen Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Jedoch ist anzunehmen, dass der Hilfebedürftige sich eben gerade deswegen in einer Notlage befindet, in der er sich um Hilfe vom Staat bemüht weil er über diese Potenziale und/oder materiellen Mittel zur Zeit nicht verfügt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Erwerbsarbeit und skizziert den Paradigmenwechsel durch die Agenda 2010 sowie die daraus resultierende Deregulierung des Arbeitsmarktes.
1. Politische Veränderungen der letzten Jahre, in Bezug auf Arbeitslosigkeit: Dieses Kapitel erläutert die Einführung des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (Hartz IV) als zentralen Baustein zur Umgestaltung der Arbeitsförderung.
2. Eigenverantwortung und Aktivierung in der Arbeitsmarktpolitik: Ansprüche und Wiedersprüche: Es werden die Anforderungen an die Eigeninitiative der Bürger sowie die strukturellen Widersprüche zwischen staatlichem Aktivierungsanspruch und der tatsächlichen Notlage der Betroffenen untersucht.
3. Die Umsetzung des Aktvierungsparadigmas: Hier wird die Verschiebung des Fokus der Arbeitsförderung hin zu einem System der Leistungskürzungen und der sogenannten negativen Arbeitsanreize kritisch beleuchtet.
4.Der Arbeitsmarkt – ein besonderer Markt: Das Kapitel analysiert das strukturelle Machtungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt, auf dem der Einzelne als Anbieter seiner Arbeitskraft von ökonomischen Unternehmensentscheidungen abhängig ist.
5.Hauptsache Arbeit: Diese Sektion beschreibt das Leitbild des „marktgerechten Arbeitsbürgers“, der durch Selbstkontrolle und Flexibilität permanent seine Nützlichkeit unter Beweis stellen muss.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarktpolitik, Hartz IV, Eigenverantwortung, Aktivierung, Agenda 2010, Erwerbsarbeit, Employability, Sozialstaat, Arbeitslosigkeit, Existenzsicherung, Normalarbeitsverhältnis, Arbeitskraftunternehmer, Deregulierung, Leistungsanreize, Prekariat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem tiefgreifenden Wandel der deutschen Arbeitsmarktpolitik seit den frühen 2000er Jahren, insbesondere mit den Folgen der Hartz-Reformen für die betroffenen Individuen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Konzepte von Eigenverantwortung, das Prinzip des Forderns und Förderns, die Bedeutung der Beschäftigungsfähigkeit (Employability) sowie die systembedingten Machtasymmetrien zwischen Arbeitnehmern und Unternehmen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die Widersprüche des sogenannten „aktivierenden Staates“ aufzudecken und kritisch zu hinterfragen, wie sich die Anforderungen an Arbeitslose und Erwerbstätige durch die sozialpolitische Neuausrichtung gewandelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender sozialwissenschaftlicher Literatur, Fachlexika und politischer Dokumente basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine politische Analyse der Reformen, eine soziologische Reflexion über das Verhalten des modernen Arbeitsbürgers und eine ökonomische Betrachtung des Arbeitsmarktes als ungleichem Marktgeschehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Arbeitsmarktpolitik, Hartz IV, Eigenverantwortung, Aktivierung und soziale Exklusion beschreiben.
Wie bewertet die Autorin das Konzept der „Eigenverantwortung“?
Die Autorin betrachtet den Begriff kritisch und weist darauf hin, dass er oft instrumentalisiert wird, um staatliche Verantwortung auf den Einzelnen abzuwälzen, auch wenn dieser aufgrund seiner materiellen Notlage keine echte Wahlfreiheit besitzt.
Was bedeutet der Begriff „Arbeitskraftunternehmer“ in diesem Kontext?
Er beschreibt das moderne Leitbild eines Erwerbstätigen, der sich ständig selbst optimieren, flexibel anpassen und die Verantwortung für seine Markttauglichkeit selbst tragen muss, um in der kapitalistischen Ökonomie als „nützlich“ zu gelten.
- Quote paper
- Svenja Kruse (Author), 2019, Eine multidisziplinäre Einführung ins Thema "Arbeit". Begriffserklärungen und politische Veränderungen der letzten Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/515264