Was leistet die Framing-Theorie bei der Analyse politischer Sprache?


Bachelorarbeit, 2018

53 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Frame
2.1 Die Framing-Theorie
2.2 Framing und Frames in der Praxis

3. Die politische Sprache
3.1 Besonderheiten der politischen Sprache
3.2 Die Sprachverwendung in der politischen Sprache

4. Politische Sprache und Framing-Theorie
4.1 Die Anwendung der Framing-Theorie in der politischen Sprache
4.2 Zusammenhang zwischen Framing-Theorie, politischer Sprache und Medien

5. Analyse politischer Reden in Bezug auf die Framing-Theorie
5.1 Gregor Gysi Wir müssen die Ursachen von Flucht bekämpfen
5.1.1 Die Framing-Theorie in Gregor Gysis Rede
5.1.2 Die Merkmale politischer Sprache in Gregor Gysi Rede
5.1.3 Medien, Politische Sprache und Framing in Gregor Gysis Rede
5.2 Björn Höckes Rede zur Demonstration in Erfurt vom 16. September
5.2.1 Die Framing-Theorie in Björn Höckes Rede
5.2.2 Merkmale der politischen Sprache in Björn Höckes Rede
5.2.3 Medien, Politische Sprache und Framing in Björn Höckes Rede

6. Auswertung der Reden Gregor Gysis und Björn Höckes

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Frames sind Deutungsrahmen, in welche Worte und Sätze eingeordnet werden, damit sie für uns verständlich klingen. Sie werden überall dort aktiviert, wo Sprache angewendet wird. Sie sind demnach Bestandteil jeder Konversation, jedes Textes und jedes Wortes. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie auch in der politischen Sprache Anwendung finden. Dennoch stellt sich gerade bei der Analyse von politischen Texten die Frage, ob Frames angewendet werden können, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen oder Meinungen in gewisse Richtungen zu manipulieren. In dieser Arbeit soll es darum gehen, inwiefern Framing und politische Sprache interagieren beziehungsweise wie Framing bei der Analyse der politischen Sprache dienen kann, um bestimmte Zusammenhänge und Aussagen zu erklären.

Zu Beginn wird der Begriff des Frames definiert, um als Grundlage dieser Arbeit zu fungieren. Im Folgenden wird die Entwicklung der FramingTheorie in Form der Framing-Ansätze von Charles Fillmore und Marvin Minsky, bis hin zu neueren Framing-Theorien beziehungsweise der Anwendung der beiden Ansätze bei Elisabeth Wehling, aufgegriffen. Der nächste Punkt dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung von Frames in der Praxis und damit, wie sie gezielt eingesetzt werden können, um bestimmte Ergebnisse erzielen zu können. Die Politiksprache wird dann in den folgenden Kapiteln analysiert, da auch sie, in Form der Redebeiträge, eine große Rolle für diese Arbeit spielt. Dabei werden fokussiert die Besonderheiten und die Funktionsweisen von politischer Sprache dargestellt sowie die Framing-Theorie auf die politische Sprache angewendet. Im Folgenden wird der Einfluss der Medien, auf die politische Sprache sowie auf Framing in der politischen Sprache beschrieben.

Anhand von Beispielen in Form von Reden von Gregor Gysis und Björn Höcke wird dargestellt, wie Frames in der Praxis funktionieren, die Merkmale der politischen Sprache anhand der Praxis erklärt und der Einfluss der Medien auf politische Sprache und Framing geklärt.

Schlussendlich wird im Fazit die Frage geklärt: „Was leistet die Framing- Theorie bei der Analyse politischer Sprache?“.

2. Der Frame

Ein Frame ist ein Bedeutungsrahmen, welcher einem Begriff, einem Satz oder auch einer Situation im Ganzen zugeordnet wird. Meist geschieht diese Zuordnung unter Einbezug von Weltwissen oder Wissen beziehungsweise Erfahrungen aus vorangegangenen Situationen (Vgl. Minsky 1975: 212; Vgl. Wehling 2016: 17f.). Man kann einen Frame mit einem Bilderrahmen vergleichen; der Inhalt des Bilderrahmens, also das Bild, besteht aus Einheiten des Frames, wie beispielsweise alle mit einem Begriff zusammenhängenden Inhalte. Es werden also „[d]ie Blickwinkel auf ein

Thema […] als Frames [bezeichnet].“ (Matthes 2014a: 9). Des Weiteren werden „Frames […] als ‚Sinnhorizonte‘ von Akteuren verstanden, die gewisse Informationen und Positionen hervorheben und andere ausblenden.“ (Ebd.: 10), das bedeutet, dass Frames in den meisten Fällen subjektiv sind, es aber auch objektive allgemeingültige Frames geben kann, welche meist in der Gesellschaft etabliert sind (Vgl. Ebd.; Vgl. Busse 2012: 278f.). Demnach sind sie auch kulturell bedingt - manche Frames sind in einigen Kulturen etabliert in anderen nicht. Dies zeigt, dass Frames nicht bloß individuelle Einheiten sind, sondern auch auf ganze Kulturkreise ausgebreitet bestehen können (Vgl. Ebd.).

Nach Minsky werden Frames als Struktureinheiten des Gedächtnisses angesehen, welche das menschliche Denken beeinflussen und ihm eine klarere Struktur verleihen (Vgl. Konerding 1993: 6ff.). Durch Frames wird demnach unser Denken beeinflusst; sie bestimmen, wie bestimmte Situationen bewertet und interpretiert werden (Vgl. Wehling 2016: 18f.).

Frames sind eng verbunden mit Sprache, da sie durch diese aktiviert werden. „In einzelnen Worten und Sätzen verbirgt sich immer – und zwar wirklich immer! – mehr an Bedeutung, als zunächst mit bloßem Auge erkennbar ist.“ (Wehling 2016: 28). Durch ihre Aktivierung geben Frames der gegebenen Situation eine Bedeutung, da sie Situationen in den Kontext der eigenen Erfahrungen und des Weltwissens, das heißt Wissen, das durch die eigenen Erfahrungen, die in der Welt gemacht wurden, entsteht, einordnen (Vgl. Wehling 2016: 28ff.; Vgl. Konerding 1993: 14ff.). „Die epistemologische Struktur [die Voraussetzung von Wissen] (das Netzwerk mitsamt seinen hierarchiebegründeten Entscheidungen) determiniert das Denken“ (Busse 2012: 277), das heißt, Frames und die Einordung der Frames in eine Art System beeinflusst das Denken und die Handlungen. Außerdem helfen Frames, ein Wort, oder eine Situation, innerhalb eines Kontextes zu verstehen (Vgl. Wehling 2016: 29ff.). Frames sind keine unveränderbar vorgegebenen Strukturen, sondern verändern sich im Laufe der Zeit (Vgl. Busse 2012: 276f.). Zu bereits bestehenden Frames können Merkmale hinzukommen und den Frame dadurch erweitern oder verändern (Vgl. Ebd.). Es ist außerdem möglich, dass komplette Frames zu einem Thema geändert werden, da sie sich als falsch oder nicht passend herausstellen (Vgl. Minsky 1975: 212; Vgl. Konerding 1983: 7). Hinzu kommt, dass Frames selektiv sind, das bedeutet, bestimmte Inhalte werden hervorgehoben, während andere ausgeblendet werden (Vgl. Matthes 2014a: 10ff.). Dies ist mit Werten und Normen, dem Wissen von der Welt, welches Personen besitzen, verbunden (Vgl. Wehling 2016: 63f.) Frames sind überall dort zu finden, wo Sprache gebraucht wird. Sie lassen sich in den verschiedensten Bereichen finden, in öffentlichen Diskursen wie zum Beispiel den Medien, aber auch, wie hier in diesem Fall in politischen Reden (Vgl. Matthes 2014a: 10ff.). Um dieses Phänomen zu erklären, ist es wichtig die Anfänge der Framing-Theorie, vielmehr die heute noch bestehenden Teile der Framing-Theorie sowie der Frame-Semantik darzustellen.

2.1 Die Framing-Theorie

Im Rahmen der Frame-Theorie gibt es viele verschiedene, sich aber meist doch sehr ähnliche Ansätze. Die eigentliche Idee hinter der Framing- Theorie stammt schon aus den 1920er und 1930er Jahren, konnte sich jedoch dadurch, dass genauere Klassifikationen der Begriffe fehlten, nicht durchsetzen (Vgl. Ziem 2008: 14f.; Vgl. Ziem 2009: 210f.). Einer der ersten Ansätze war der Framing- Ansatz Charles Fillmores aus den 1970ern, welcher als Gründer des Framing-Ansatzes angesehen, aber im Zusammenhang mit der Framing-Theorie heute seltener erwähnt wird (Vgl. Ziem 2009: 207f.). Fillmore beschäftigte sich dabei allerdings mehr mit den grammatischen Ausprägungen der Frames (Vgl. Ziem 2008: 14ff.).

„Der Beweggrund dafür, im Zusammenhang mit der Verbvalenz von

‚Frames‘ zu sprechen, lag in der Beobachtung begründet, dass die syntaktische Funktion einzelner Satzelemente nicht allein auf der Basis der realisierten Satzelemente verstehbar ist, sondern ebenso jenen Elementen eine wichtige Rolle zukommt, die nicht realisiert, aber im entsprechenden Kasusrahmen angelegt sind.“ (Ebd: 15).

Im weiteren Verlauf legte Fillmore den Fokus auf die Frame-Semantik und entfernte sich von der grammatischen Theorie des Kasusrahmens (Vgl. Ebd.: 15ff.). Er etablierte den Begriff des „Schemata“ (Ebd: 16) in seiner Arbeit (Vgl. Busse 2012: 209f.). Dieser wird mit dem Begriff des Frames auf eine Stufe gestellt und hat eine ähnliche Bedeutung (Vgl. Ebd.: 215ff.). Fillmore verändert damit die vorangegangenen Formen der lexikalischen Semantik, allerdings wird bei ihm das Bedeutungswissen vorausgesetzt und nicht explizit erwähnt (Vgl. Ebd.: 209f.).

Er begann, die vorher als grammatischen Elemente gesehenen Inhalte seiner Theorie auf die semantische Ebene zu übertragen (Vgl. Ziem 2008: 16f.). Zudem bemerkte er, dass seine vorherige Theorie nicht alle „verstehensrelevanten Wissensaspekte“ (Ebd.: 16) enthielt und erweiterte die Theorie (Vgl. Ebd.: 16f.). Bei seiner Framing-Theorie wurden Frames „[…] als Systeme bzw. Strukturen von Begriffen [gesehen]“ (Busse 2012: 209). Die Frames wurden in Verbindung gesetzt mit einem Wissen, welches auf „außersprachliche, weltbezogene Verhältnisse/Sachverhalte/Zustände“ (Ebd.: 210) zurückgeht und in der Gesellschaft verankert ist (Vgl. Ebd.: 210). Dennoch fehlen bei Fillmore einige Aspekte oder werden wenig bis gar nicht definiert, wie beispielsweise eine klare Definition des Begriffes ‚Wissen‘ (Vgl. Busse 2012: 210ff. 250f.).

Ein weiterer wichtiger Framing-Ansatz aus den 1970ern war der FramingAnsatz von Marvin Minsky. Bevor sich Minsky mit der Framing- Theorie beschäftigte, lag sein Fokus primär auf der Theorie über künstliche Existenz und somit weitgehend im Bereich der Psychologie (Vgl. Konerding 1993:1ff.). Marvin Minskys auf die reine Framing-Theorie bezogene Arbeit nannte sich „‚A Framework for Representing Knowledge‘, mit der er erstmals in den Kognitionswissenschaften den Begriff des Frames explizit einführt und die Grundlagen einer kognitionswissenschaftlichen Frame- Theorie entwirft.“ (Busse 2012: 251; Hervorheb. i. O.). Anders als bei Fillmore liegt der Fokus bei Minsky auf den Frames als solchen (Vgl. Ebd.: 251f.). Bei seinem Framing-Ansatz besteht „[d]ie Idee, daß Wissen im menschlichen Gedächtnis in Form komplex strukturierter Gesamtheiten vorhanden sein soll […].“ (Konerding 1993: 1). Minsky ist der Annahme, dass Gedächtnis sei eine Ansammlung „[…] hochstrukturierter Wissenseinheiten (‚chunks of knowledge‘) […]“ (Konerding 1993: 6). Von diesen wird angenommen, dass sie nicht zusammengehören und erst beim Auftreten einer Situation ausgewählt werden. Dies scheint im ersten Augenblick unrealisierbar, da menschliche Handlungen in schneller Abfolge stattfinden und nicht angenommen wird, dass Menschen so schnell einzelne Wissenseinheiten aktivieren können (Vgl. Konerding 1993: 6f).

Minsky ist aber der Auffassung, dass „[w]hen one encounters a new situation (or makes a substantial change in one´s view of the present problem) one selects from memory a structure called a frame “ (Minsky 1975: 212; Konerding 1993: 7 Hervorheb. i. O.).

Frames sind nach Minsky „Strukturen des Wissens“ (Busse 2012: 304), welche ergänzt und verändert werden können, dennoch gibt es auch unveränderbare Frames (Vgl. Ebd.: 304). „Darüber hinaus wurde deutlich, daß zum inhaltlichen Verständnis eines Textes neben dem ‚rein sprachlichen Wissen‘, wie es etwa in Wörterbüchern als ‚Bedeutungswissen‘ präsentiert, auch sogenanntes ‚Weltwissen‘ erforderlich ist.“ (Konerding 1993: 14f.); Das bedeutet, dass Frames sowohl diese beiden Formen des Wissens beinhalten (Vgl. Ebd.). Durch die Aktivierung von Frames werden Texte, beziehungsweise Sprache im Allgemeinen verständlich (Vgl. Ebd.: 15ff.). Demnach wird durch Frames Weltwissen für das Verständnis aktiviert und es ist möglich, weiteres Wissen zu erlangen (Vgl. Ebd.: 16ff.). „Frames enthalten [nach Minsky] ‚Terminals‘ (Leerstellen, Slots), die mit bestimmten Daten gefüllt werden müssen.“ (Busse 2012: 304), diese Leerstellen werden wiederum mit Frames gefüllt, das heißt Frames sind wiederum in Frames eingebettet (Vgl. Ebd. 304f.). Des Weiteren können die Leerstellen auch für mehrere Frames gelten (Vgl. Ebd.: 305f.). Es ist auch möglich, dass gewisse Frames nur subjektiv sind, da sie auf die individuellen Lebenserfahrungen der Person zurückgehen (Vgl. Ebd.: 305). Parallel zu den Framing-Ansätzen Fillmores und Minskys wurden einige weitere entwickelt, welche den beiden Ansätzen sehr ähnlich sind. Framing erfreut sich in vielerlei Hinsicht dem Interesse der Sprachwissenschaftler (Vgl. Scheufele 2003: 13ff.)

Nicht zuletzt veröffentlichte Elisabeth Wehling im Jahr 2016 eine Ausarbeitung des Framing-Ansatzes. Die Theorie des Framings erfreut sich auch in der heutigen Zeit großer Beliebtheit; nicht zuletzt, weil der FramingAnsatz eine simple und leicht verständliche Theorie ist, mit der Sachverhalte, wie im Beispiel Wehlings die politische Meinungsbildung, erklärt werden können (Vgl. Wehling 2016). Der Framing-Ansatz bei Wehling baut im Großen und Ganzen auf den Ansätzen Charles Fillmores und Marvin Minskys, aber auch einer Weiterführung Lakoffs, bei der erstmals ein auf den Sprachgebrauch fokussierter Framing-Ansatz entwickelt wurde, sowie auf weiteren Ansätzen, welche Fillmore und Minsky folgen, auf (Vgl. Wehling 2016: 21f.; Vgl. Ziem 2009: 208f.).

Bei Wehling liegt der Fokus des Framing-Ansatzes auf kognitiven Modellen. (Vgl. Wehling 2016: 21ff.). In diesem Ansatz wird, wie bei den zuvor erwähnten Ansätzen, davon ausgegangen, dass „[w]ann immer unser Gehirn Worte und Ideen verarbeitet, […] dazu Wissen und Sinnzusammenhänge aus vorangegangenen Erfahrungen mit der Welt [mobilisiert werden].“ (Ebd.: 21). Ebenfalls geht Wehling davon aus, dass dies dazu beiträgt, dass wir Texte beziehungsweise Sprache an sich verstehen, und, dass Frames automatisch verarbeitet werden ohne, dass es ein aktiver bemerkbarer Prozess ist (Vgl. Ebd.: S.24ff.). Wann immer ein Wort gehört oder gelesen wird, wird vom Gehirn ein Frame dazu gestartet, welcher dazu beiträgt, dass das Wort und der Zusammenhang, in dem es auftaucht, verstanden wird (Vgl. Ebd.: 29f.). Bei jedem Wort, welches wir hören oder lesen, wird im Gehirn ein Frame dazu aktiviert. Werden neue Erfahrungen gemacht, so werden auch neue Frames abgespeichert (Vgl. Ebd.: 28f.). Das heißt, es entstehen durch neue Erfahrungen Frames, welche gespeichert werden und im Falle einer ähnlichen Situation aktiviert werden können (Vgl. Ebd.: 30ff.). Zudem beeinflussen Frames, nach Wehling, unsere Handlungen und alles, was wir tun und denken, da das mit Ihnen transportierte Wissen eine Handlungsaufforderung enthalten kann (Vgl. Ebd.: 34ff.). Grundgedanke der Theorie Charles Fillmores ist der, dass Wissen aus eine komplexen Gesamtheit besteht, jedoch fehlt die Erläuterung bei ihm, welche Bestandteile es beinhaltet (Vgl. Busse 2012: 209ff.). Minsky erweiterte diesen Grundgedanken der Framing-Theorie Fillmores insofern, dass er ihr die Bestandteile, durch Weltwissen und Bedeutungswissen hinzufügte (Vgl. Konerding 1993: 14ff.; Vgl. Busse 2012: 304ff.). Die Framing-Theorie bei Wehling beruht, im Grunde genommen, auf den Ansätzen Fillmores und Minskys und erweitert sie lediglich durch den Punkt, dass durch Framing Handlungen und Denken, in eine gewisse Richtung, geleitet werden können, was allerdings bei den beiden anderen Theorien nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist, sondern einfach nur nicht explizit erwähnt wird (Vgl. Ebd.; Vgl. Wehling 2016: 34ff.).

Im nächsten Kapitel wird geklärt, wie Frames in der Praxis angewendet werden, beziehungsweise, wie sie auch gezielt angewendet werden um bestimmte Auswirkungen zu erzielen, um manipulieren zu können.

2.2 Framing und Frames in der Praxis

Framing geschieht in den meisten Fällen unterbewusst. Dennoch kann es auch gezielt eingesetzt werden, um bestimmte Reaktionen, wie beispielsweise die Bildung einer Meinung zu bestimmten Themen, hervorzurufen. (Vgl. Marcinkowski 2014: 7ff.; Vgl. Gitlin 1980: 1ff.). Wie zuvor erwähnt: wann immer Sprache gebraucht wird, werden bestimmte Frames aktiviert, um den Inhalt der Texte oder sprachlichen Äußerungen zu verstehen. Framing wird primär gebraucht, um Sprache zu verstehen (Vgl. Konerding 1993: 14ff.). Dazu ist es wichtig zu erwähnen, dass Frames bestimmte Rahmen zu bestimmten Themen sind, die sich aus dem lexikalischen Bedeutungswissen, aber auch unseren Erfahrungen und dem Weltwissen, welches wir besitzen, zusammenstellen. Sie können aber auch aus dem Weltwissen anderer Personen aus unserm Umfeld, beziehungsweise auch den Gegebenheiten der Kultur in der wir leben, bestehen (Vgl. Busse 2012: 276ff.). Frames können nämlich von Kultur zu Kultur variieren (Vgl. Ebd.).

Wie funktionieren Frames also in der Praxis? Wir lesen oder hören einen Begriff oder einen Satz und dieser wird dann mit dem Wissen, das wir über ihn haben verbunden. Somit wird verglichen, ob er zu bereits vorhandenem Wissen, beziehungsweise vorhandenen Frames, passt. Dieser Prozess wird in einigen Ansätzen der Framing-Theorie als „Fitting“ (Scheufele 1999: 94f.) bezeichnet (Vgl. Scheufele 2003: 14f.). Dies beschreibt vereinfacht den Prozess des Vergleichens der vorhandenen Äußerung mit dem bestehenden Wissen. Die Schemata, welche schon Fillmore in die Framing-Theorie einbrachte, stehen für einen vergleichbaren Begriff für Frames (Vgl. Busse 2012: 215f.). Des Weiteren gibt es noch sogenannte „Slots“ (Ebd.: 304), welche die Eigenschaften der Frames darstellen (Vgl. Ebd.).

Nach Minsky gibt es vier Kategorien bei der Verwendung von Frames. Die erste ist die Anpassung. Dabei wird die aktuelle Grundlage mit einem Frame verglichen; das bedeutet, der Frame muss genügend Leerstellen enthalten, welche mit dem aktuellen Thema übereinstimmen (Vgl. Busse 2012: 276f.). Die Anpassung kann nur erfolgen, wenn genügend gleiche Leerstellen vorhanden sind (Vgl. Ebd.: 276f.). Die zweite Kategorie betrifft die Entschuldigung, welche die Situation beschreibt, wenn ein Frame nicht mit der Situation, beziehungsweise der Grundlage zusammenpasst, das heißt keine Anpassung stattfinden kann (Vgl. Ebd.: 276f.) In der dritten Kategorie, der des Ratschlags, geht es darum, dass nur weil die Leerstellen eines Frames nicht mit den aktuellen Gegebenheiten zusammenpassen, sie dennoch durch ihre Unterschiedlichkeit eine Gegebenheit erläutern können (Vgl. Ebd.: 276f.). Die letzte Kategorie bildet die Zusammenfassung, welche die gesamten oberen Kategorien zusammenfasst und die Grundlage des Verständnisses bildet (Vgl. Ebd.: 276f.). Diese „[…] vier Strategien für die Anwendung von Frames“ (Ebd.: 276), lassen sich zusammenfassen in: wenn man einen Begriff hört, wird versucht ihn, mit dem vorhandenen Wissen über ihn in Verbindung zu bringen; wenn aber eine Eigenschaft nicht übereinstimmend ist, dann stimmt der Begriff nicht mit dem Frame überein. Der Begriff kann aber, dennoch durch die Unterschiede zwischen dem eigenen Frame und dem Frame, welchen der Begriff impliziert, definiert werden.

Eine weitere Definition der Frame Anwendung ist, beispielsweise von Matthes nach, der Frames aus vier Teilen bestehen: Den ersten Teil bildet die „ Problemdefinition “ (Matthes 2014a: 11 Hervorheb. i. O.). Darunter versteht man die Auswahl des Themas, auf welchem der Fokus liegt sowie die Einordnung dieses Themas in einen Kontext (Vgl. Ebd.: 11). Den zweiten Teil bildet die „ Ursachenbeschreibung “ (Ebd.: 11 Hervorheb. i. O.), welche dafür zuständig ist, eine Erklärung für die Ursache des Themas zu bestimmen. Dies kann sowohl negativen als auch positiven Ursprungs sein (Vgl. Ebd.: 11). „ Lösungszuschreibung und Handlungsaufforderung “ (Ebd.: 11 Hervorheb. i. O.) bilden den dritten Teil. Dabei werden die Möglichkeiten der Lösung des Problems aufgezeigt sowie ein Appell gegeben, was zu tun ist (Vgl. Ebd.: 11f.). Den letzten Teil umfasst die „ Explizite Bewertung “ (Ebd.: 12 Hervorheb. i. O.). Dabei wird das Problem mit anderen Problemen verglichen und in einer Hierarchie dieser eingeordnet (Vgl. Ebd.: 12). Dies beschreibt einen Gegenstand der Analyse als Problem, mit dem sich befasst werden muss, in dem es zuerst einmal als solches Problem definiert werden muss um danach in den Kontext eingeordnet zu werden (Vgl. Ebd.: 11f.). Es wird deutlich, dass Frames auch eingesetzt werden können, um bestimmte Handlungen beziehungsweise Meinungen hervorzurufen, da man einen Text oder einen sprachlichen Ausdruck so gestalten kann, dass bestimmte Frames aktiviert werden, welche wiederum bestimmte Resultate/Meinungen und Handlungen begünstigen.

Sprache bedingt also immer, dort wo sie gebraucht wird, die Aktivierung von Frames. Sprache wird überall dort gebraucht, wo Kommunikation über sie stattfindet. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Frames auch in öffentlichen Diskursen Anwendung finden (Vgl. Ebd.: 10f). Dort gibt es allerdings verschiedene Bereiche, in denen sie Anwendung finden. Einerseits werden sie durch die Inhalte der Medien aktiviert, andererseits werden sie durch sogenannte „Kommunikatoren […] [und] […] Rezipienten“ (Ebd.: 10) verwendet (Vgl. Ebd:10f.). Der Framing-Ansatz dient dabei als analytisches Mittel, um zu erklären, wie Frames genutzt werden, sich verändern und aus welchen Gründen sie überhaupt entstehen (Vgl. Ebd.: 10ff.).

In der Diskursanalyse ist ihre Anwendung ähnlich der im normalen Gebrauch. Es werden Frames gebraucht, um bestimmte Meinungen sowie Handlungen hervorzurufen, beziehungsweise zu manipulieren (Vgl. Marcinkowski 2014: 7ff.) Dort sind ebenfalls die gleichen Strukturen der Frames vorhanden, wie im sonstigen Gebrauch von Sprache (Vgl. Ebd.: 7ff.) Im diskursanalytischen Kontext dienen Frames, wie in anderen Formen von Sprache, ebenfalls dazu eine sprachliche Äußerung in einen bestimmten Kontext einzuordnen (Vgl. Fraas 1996: 40ff.; Vgl. Meier 2010: 373). Es muss allerdings angemerkt werden, dass Frames in öffentlichen Diskursen ebenfalls selektiv sind, da bestimmte Fakten schon von vorneherein weggelassen und andere besonders betont werden, um eine bestimmte Meinung zu determinieren (Vgl. Matthes 2007: 17f.; Wehling 2016: 42ff.). Frames sind von Grund auf subjektiv, daher ist es schwer ihnen einen objektiven Charakter zuzuschreiben. Dies ist auch in öffentlichen Diskursen der Fall, da der Kommunikator bestimmte Fakten betont und andere außenvorlässt (Vgl. Ebd.) Der Leser/Hörer beachtet ebenfalls einige Fakten einer öffentlichen Äußerung mehr und andere weniger (Vgl. Matthes 2007: 17f.). Dennoch können Berichte in öffentlichen Diskursen so gewählt werden, dass bestimmte Frames aktiviert werden und somit ein Ausgang der Situation beziehungsweise des Verstehens eines Inhaltes in gewisser Weise vorbestimmt wird (Vgl. Meier 2010: 373f.). Die politische

Sprache stellt ebenfalls einen Bereich des öffentlichen Diskurses dar und benutzt Sprache um gewisse Inhalte darzustellen und zu kommunizieren (Vgl. Wehling 2016: 42f.).

Allerdings muss, um die Anwendung der Framing-Theorie in der politischen Sprache zu erläutern, zu Beginn erklärt werden, was politische Sprache ist und welche Besonderheiten sie aufweist.

3. Die Politische Sprache

Politische Sprache ist ein Bestandteil der Sprache in öffentlichen Diskursen. Sprache dient in allen Bereichen, in denen sie gebraucht wird der Vermittlung von Inhalten, so auch in der politischen Sprache. Ohne Sprache wäre die Politik nicht möglich, denn „Sprache [ist] nicht nur irgendein Instrument der Politik, sondern überhaupt erst die Bedingung ihrer Möglichkeit.“ (Grinth 2002: 1; Niehr 2014: 11) Dennoch bezieht sich politische Sprache nicht bloß auf die Sprache der Politiker, sondern auf Sprache, welche sich mit der Politik beschäftigt (Vgl. Niehr 2014: 16ff.). Daher gehören zu den Gebieten der Sprache in Verbindung mit Politik nicht nur die Sprache der Politiker, sondern auch die Sprache über Politik (Vgl. Burkhardt 1996: 81; Vgl. Niehr 2014: 16.). Dennoch handelt es sich bei der Sprache in der Politik nicht um eine Art Fachsprache, da sie aus den verschiedensten Bereichen der Sprache zusammengesetzt wird (Vgl. Klein 1989: 4ff.). Daher gibt es einige Worte, welche nur in der Politik gebraucht werden. Demnach hat sie zu einem kleinen Anteil Fachsprachencharakter (Vgl. Ebd.: 5ff.). Um dies zu verdeutlichen, ist es wichtig auf die Besonderheiten der politischen Sprache einzugehen.

3.1 Besonderheiten der politischen Sprache

Bei der politischen Sprache handelt es sich nicht um eine reine fachbezogene Sprache (Vgl. Ebd.: 5f.), denn „Sprache in der Politik ist keine Fachsprache. Ihr Mischcharakter, ihre Überschneidung mit mehreren Fachsprachen […] und ihre breite Überlappung mit der Alltagssprach sprechen gegen eine solche Charakterisierung.“ (Ebd.: 5).

Nach Klein besteht die politische Sprache aus vier unterschiedlichen Bereichen. Den ersten Bereich bildet das „Institutionenvokabular“ (Ebd.: 5), welches Vokabular einschließt, das in Institutionen der Politik gebraucht wird (Vgl. Ebd.: 5ff.). Dies meint Bezeichnungen für verschiedenste Bereiche in der Politik, wie „ staatliche Organisationen “ (Ebd.: 5 Hervorheb. i. O.), „ staatliche und politische Rollen “ (Ebd.: 5 Hervorheb. i. O.), „ kodifizierte Normierungen politisch institutionellen Handelns“ (Ebd.: 5 Hervorheb. i. O.) und „politische Handlungen, Prozesse und Zustände “ (Ebd.: 5 Hervorheb. i. O.) (Vgl. Ebd:5f.). Den zweiten Bereich bildet das „Ressortvokabular“ (Ebd.: 6), dieses bezieht sich auf die Fachsprache, die in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise der Wirtschafts- oder Sozialpolitik genutzt wird (Vgl. Ebd.: 6f.). „Allgemeines Interaktionsvokabular“(Ebd:7) beinhaltet der dritte Bereich. In diesem handelt sich es um die Sprache, wie sie im Normalgebrauch genutzt wird (Vgl. Ebd.: 7f.). Den vierten und letzten Bereich stellt das „Ideologievokabular“ (Ebd: 7) dar. Dieses umfasst, wie im Namen angedeutet, das Vokabular, welches innerhalb einer politischen Ideologie verwendet wird (Vgl. Ebd.: 7f.). Das heißt „die Wörter, in denen politische Gruppierungen ihre Deutungen und Bewertungen der politisch-sozialen Welt, ihre Prinzipien und Prioritäten formulieren.“ (Ebd.: 7). Durch dieses Vokabular wird meist der Unterschied zwischen den einzelnen Werten der Parteien oder der Organisationen veranschaulicht, da Werte sich von Partei zu Partei, beziehungsweise Organisation zu Organisation, stark unterscheiden können (Vgl. Ebd.: 8f.). Dieser Unterschied entsteht durch die unterschiedliche Bedeutung, welche den Worten in bestimmten Parteien oder Organisationen verliehen wird (Vgl. Ebd.: 8f.). Es spielt auch die Stellung des Wortes im Kontext der Partei oder Organisation eine wichtige Rolle (Vgl. Ebd.: 8f.). Zudem ist der Bezugsrahmen, zu welchem die Worte gezählt werden, ein wichtiger Faktor, da durch ihn der Bedeutung verschiedene Merkmale gegeben werden können. So ist beispielsweise der Begriff der Freiheit, wenn man ihn aus wirtschaftsliberaler Perspektive betrachtet, auf das ökonomische Handeln fokussiert; wenn man ihn jedoch aus sozialdemokratischer Perspektive betrachtet, ist er meist auf die Möglichkeiten der freien Entfaltung des Einzelnen bezogen (Vgl. Ebd.: 8f.).

[...]

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Details

Titel
Was leistet die Framing-Theorie bei der Analyse politischer Sprache?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für germanistische Sprachwissenschaft)
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
53
Katalognummer
V516578
ISBN (eBook)
9783346135247
ISBN (Buch)
9783346135254
Sprache
Deutsch
Schlagworte
framing-theorie, analyse, sprache
Arbeit zitieren
Sarah Veit (Autor), 2018, Was leistet die Framing-Theorie bei der Analyse politischer Sprache?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516578

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