Unterstützen Lernvideos auf YouTube den Lernprozess von Jugendlichen?


Hausarbeit, 2019

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Lernvideos auf YouTube

3 Analyse eines Beispielvideos
3.1 Beschreibung des Aufbaus
3.2 Analyse des Lehrgehalts

4 Lernvideos auf YouTube im theoretischen Kontext
4.1 Kognitivismus
4.2 Selbstregulations-Prozessmodell nach Schmitz

5 Fazit

1 Einleitung

Das Webvideoportal YouTube gehört 2019 zu den bekanntesten Anwendungen im Internet. Für rund 60% der 1419-Jährigen Jugendlichen ist YouTube laut der JIM-Studie 2018 die beliebteste Anwendung im Internet. Neben Musikvideos und Let's-Play-Videos nutzen viele Jugendliche die Plattform, um sich über Themen zu informieren. Die Bandbreite an Videos, die sich der Wissensvermittlung widmen, ist groß. So genannte Tutorials erklären, wie man bspw. ein bestimmtes Gericht kocht oder eine Haarfrisur nachstylt. Des Weiteren gibt es Erklärvideos bzw. YouTube-Kanäle, die sich explizit Themen aus der Schule oder der Ausbildung widmen. Auch von dieser Sparte gibt es eine große Anzahl an Videos, die bei Jugendlichen sehr beliebt sind. Sie reicht von Videos über Themen der Biologie oder der Mathematik über Videos über effektive Lernstrategien. So sind sie für rund ein Fünftel der befragten Jugendlichen der JIM-Studie 2018 zu einem geeigneten Medium geworden, um sich Lerninhalte auch außerhalb des schulischen Kontextes anzueignen. Vor allem die Art Lernvideos, die sich Lerninhalten aus der Schule oder Ausbildung widmen, sind in der folgenden Hausarbeit von Bedeutung.

In dieser Hausarbeit wird genauer beleuchtet, inwiefern Lernvideos auf YouTube den Lernprozess von Jugendlichen unterstützen.

Die Plattform YouTube enthält eine Vielzahl von Videos, in denen Wissen vermittelt werden soll. So wird zunächst analysiert, inwiefern Videos als didaktisches Medium geeignet sind. Anschließend wird beleuchtet, ob sich YouTube als Lernplattform eignet. Im Anschluss darauf wird abgeleitet, welche Merkmale existierende YouTube-Lernvideos verbinden. Ferner werden Einsatzmöglichkeiten und Kontexte betrachtet, in denen Lernvideos auf YouTube zur Unterstützung von Lernprozessen genutzt werden können. Besonders die Anforderungen an Lernvideos im schulischen Kontext sind hier von Bedeutung.

Im Hauptteil wird ein Beispielvideo aus der Kategorie Lernvideo analysiert. Es handelt sich hierbei um ein Video des YouTube-Kanals „Mathe simple club“. Das Video ist an Jugendliche gerichtet und soll ihnen dabei helfen, den Dreisatz in der Mathematik zu verstehen. Zunächst werden der Aufbau und die Gestaltung des Videos beschrieben. Anschließend wird der Lehrgehalt des Lernvideos auf der Grundlage der Kriterien zur Bewertung von TELEs (Bartolomé & Steffens, 2015) festgestellt.

Im Anschluss werden die theoretischen Konzepte des Kognitivismus und des Selbstregulations-Prozessmodells nach Schmitz erklärt und auf das Beispielvideo angewendet.

2 Lernvideos auf YouTube

Videos als didaktisches Medium

In dieser Hausarbeit wird thematisiert, inwieweit sich Lernvideos auf YouTube eignen, um den Lernprozess von Jugendlichen zu unterstützen. Zunächst muss allerdings beleuchtet werden, welche Vorund Nachteile Videos als didaktisches Medium aufweisen.

Viele Lernvideos umfassen, auch aufgrund des hohen Zeitaufwands, eine sehr kurze Dauer. Produzenten eines Lernvideos müssen die zu vermittelnden Informationen komprimiert darstellen, um die übliche Länge eines Videos im Lehrformat einzuhalten. Lernvideos besitzen also eine höhere Informationsdichte als bspw. Lehrbücher (Niegemann et al. 2003).

Mit dem Medium Video ist es möglich, komplexe Abläufe, Handlungen und Vorgänge bildhaft und auditiv zu veranschaulichen. Jugendlichen Rezipienten kann es so leichter fallen, genannte Prozesse nachzuvollziehen (Niegemann et al. 2003).

Außerdem besitzen Videos laut Niegemann u.a. (2003) eine große Anschaulichkeit, was den Wissenserwerb und den Wissenstransfer verbessert. Besonders die Ergänzung von Grafiken und Animationen helfen, rein textbasierten Lerninhalt zu verdeutlichen.

Ein Merkmal von Videos ist das besondere Verhältnis von Bild und Ton. Durch die Dynamik dieser beiden Komponenten werden psychische Reaktionen hervorgerufen, die beim Zuschauer zu Aktivierung und Aufmerksamkeitssteuerung führen (Niegemann et al. 2003).

Das Medium Video erlaubt es, die Informationsaufnahme sowohl an das eigene Lerntempo, als auch an die Lernstrategien und die persönlichen Lernziele anzupassen: Der Rezipient kann durch die Startbzw. Stoppfunktion in das Video eingreifen und den Lernprozess somit individualisieren (Niegemann et al. 2003).

Das Medium Video kann den Lernprozess also positiv beeinflussen. Allerdings gibt es auch Besonderheiten, die bei der Betrachtung von Videos als didaktisches Medium berücksichtigt werden müssen.

So ist anzumerken, dass die Produktion von Videos im Allgemeinen sehr zeitaufwändig ist. Sowohl Vorbereitungszeit, Aufnahme und Nachbereitung des Videos fließen in die Produktionsdauer ein. Laut Becher (2012) ein Grund, warum viele Lehrende vom Einsatz des Mediums Video absehen.

Die hohe Informationsdichte in Videos gegenüber Bildund Tonmedien kann auf den Rezipienten überfordernd wirken, was sich negativ auf den Lernprozess auswirkt. Besonders die Machart des Videos ist von großer Bedeutung: so wirken schnelle, kurze Schnitte und ein häufiger Wechsel zwischen den Szenen auf den Betrachter irritierend. Dies hat die Folge, dass die Eindrücke nicht mehr richtig verarbeitet werden und nur noch Bruchstücke der dargebotenen Informationen aufgenommen werden. „Zu hohe Informationsdichte bewirkt daher eine selektive Wahrnehmung sowie ein Abschweifen zum Belanglosen und Unwesentlichen.“ (Niegemann et al. 2003, S. 2).

Besonders die Grafiken und Animationen in Videos können den Rezipienten ablenken. Für das Lernen mit dem Medium Video ist also wichtig, dass der Rezipient das Video als Lernchance wahrnimmt. Das Video darf nicht als Mittel der Unterhaltung angesehen werden, damit neue Informationen aufgenommen und verarbeitet werden können (Niegemann et al. 2003). Videomaterial, das nicht unmittelbar das Gesagte unterstützt, lenkt laut Wolf (2015b) vom eigentlichen Lerninhalt ab und wirkt deshalb kontraproduktiv.

Die Plattform YouTube

Für die Beantwortung der Forschungsfrage nach dem Lehrpotential von Lernvideos auf YouTube ist von Bedeutung, ob sich die Plattform YouTube als Lernplattform eignet. Im Folgenden werde ich die positiven und negativen Aspekte, sowie die Relevanz des Netzwerks beleuchten.

Die aktuelle JIM-Studie 2018 zeigt, dass YouTube im Allgemeinen eine sehr große Bedeutung in der Lebenswelt Jugendlicher hat. So ist YouTube für 63% der befragten 14­19-Jährigen die beliebteste Anwendung im Internet; die Plattform liegt noch vor den sozialen Netzwerken WhatsApp (39%) und Instagram (30%).

YouTube wird von Jugendlichen primär als Unterhaltungsmedium genutzt. Musikvideos, Let's-Play Videos oder comedybasierte Inhalte führen die Liste bedeutsamer YouTube­Genres an. Doch auch das Genre der Lernvideos ist für Jugendliche relevant: 19% der Mädchen und 22% der Jungen nutzen YouTube täglich bzw. mehrmals pro Woche, um sich über Themen aus der Schule zu informieren.

Im Vergleich mit anderen Internetangeboten mit dem Schwerpunkt Information schneidet die Plattform YouTube gut ab. Die meisten Jugendlichen (87%) nutzen vorerst Suchmaschinen wie z.B. Google, um sich über für sie relevante Themen zu informieren. Für 60% der Befragten sind Videos bei YouTube von Bedeutung, um sich Wissen anzueignen. Halb so viele nutzen Wikipedia oder vergleichbare Angebote, und nur 22% der Jugendlichen informieren sich auf Nachrichtenportalen von Zeitungen.

YouTube hat als Lernportal einige Vorteile aufzuweisen. Die Nutzung der Plattform ist für jeden frei zugänglich und kostenlos alle Jugendlichen mit einem Internetzugang können die Angebote auf YouTube wahrnehmen. Dies hat zur Folge, dass sich mit der Plattform viele Lernende erreichen lassen. Solange das Video auf YouTube online ist, können sich Lernende mit den Inhalten auseinandersetzen.

Zudem können Rezipienten frei wählen, wann und wo sie sich Lernvideos anschauen. Jugendliche sind also nicht an einen festen Lehrplan wie im schulischen Kontext gebunden, der auf Präsenszeit im Unterricht basiert.

Des Weiteren können Jugendliche frei entscheiden, welches Lehrangebot sie wahrnehmen möchten. YouTube bietet eine Vielzahl von Kanälen und Videos, die sich der Wissensvermittlung widmen. Viele Videos unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie den Lehrstoff darstellen: so nutzen manche Kanäle die sog. Whiteboard-Technik, andere arbeiten mit Animationen und Grafiken. Jugendliche können die Kanäle nach ihren persönlichen Vorlieben auswählen und somit das Lernen individualisieren. Laut Schröder (2002, S. 163) werden durch Individualisierung Unterund Überforderungen der Schüler eingeschränkt und die eigene Interessenslage berücksichtigt, wodurch sich Leistungsbereitschaft, Lernleistung und Anspruchsniveau steigern.

Laut Becher (2012) motiviert YouTube aufgrund der Struktur der Plattform, die themenverwandte Videos neben dem angesehen Video anzeigt, zur weiterführenden vertiefenden Beschäftigung mit dem Lerninhalt.

Allerdings können die verlinkten Videos auch von dem eigentlichen Lernstoff ablenken: Es ist nicht immer gewährleistet, dass das verlinkte Video thematisch zu den Lerninhalten passt. Die Plattform YouTube ist im primären Sinne eine Unterhaltungsplattform, bei der die Wissensvermittlung eher im Hintergrund steht. Dadurch ergibt sich das Problem, dass Lernvideos in der Masse von unterhaltungsorientierten Videos schwierig zu finden sind (Becher 2012).

Ein großer Nachteil des Lernens auf YouTube ist die fehlende Interaktion mit einem Lehrer oder Tutor. Sollten sich beim Anschauen eines Videos Fragen ergeben, muss auf die Kommentarfunktion des Portals zurückgegriffen werden. Allerdings können Kanäle mit einer großen Reichweite nicht auf alle Fragen eingehen. So bleiben Rückmeldungen aus, oder werden von anderen Nutzern der Plattform gegeben; die Qualität der Antwort ist jedoch in diesem Fall nicht gewährleistet.

YouTube hat demnach als Lehrplattform einige Potentiale aufzuweisen. Durch die fehlende Interaktion mit einem Lehrer bzw. Tutor ist das Portal jedoch nicht als Virtuelle Lernumgebung, wie z.B. Massive Open Online Courses (MOOCs), geeignet. Dennoch kann YouTube eine Sammelstelle für Lernvideos sein. Es wird laut Becher (2012) ein großes Lernangebot geschaffen, mit dem sich Jugendliche selbstständig Wissen aneignen können.

Merkmale von Lernvideos auf YouTube

Obwohl die Plattform YouTube wie bereits beschrieben primär als Unterhaltungsmedium konzipiert ist, beinhaltet das Genre der Lernvideos eine Vielzahl von Material. Lernvideos weisen einige Gemeinsamkeiten bzw. Merkmale in ihrer Aufmachung und Gestaltung auf. Ein Merkmal von Lernvideos ist die thematische Vielfalt der Clips. Lernvideos auf YouTube behandeln eine große Bandbreite von Themen. Dabei werden nicht nur schulische Bereiche behandelt, sondern auch andere Interessensfelder. Außerdem können Lernvideos vertiefendes Wissen vermitteln; anders als professionelle Lehrfilmproduktionen, die darauf abzielen, hohe Zuschauerzahlen und eine gute Vermarktbarkeit durch zentrale Themenfelder zu erreichen (Wolf 2015a).

Lernvideos auf YouTube kennzeichnen sich durch eine gestalterische Vielfalt. Sowohl die didaktischen als auch die mediengestalterischen Kompetenzen unterscheiden sich laut Wolf (2015a) in den Produktionen. So unterscheidet sich zum einen die Dauer der Lernvideos auf YouTube: während manche Videos kurze, kompakte Erklärungen zu einem Thema geben, sind andere Videos Bestandteil einer ganzen Themenreihe, die ein Thema ausführlich behandelt. Des Weiteren gibt es eine breite Anzahl an Methoden der Wissensvermittlung, die in Lernvideos auf YouTube zu sehen sind. Ein Beispiel für diese Methoden ist zum einen die Whiteboard-Methode, bei der der Erklärende vor einer Whiteboard-Tafel gezeigt wird, auf der die Lehrinhalte präsentiert und durch Skizzen, Beispielaufgaben etc. veranschaulicht werden. Andere Lernvideos werden mit der Screencast-Methode erstellt; also einer Videoaufnahme der Bildschirmaktivitäten. Oftmals enthalten Screencasts Kommentare, Musik oder Animationen, um Lehrinhalte zu verdeutlichen. Außerdem werden mit der Screencast-Methode häufig Power-Point­Präsentationen aufgenommen, zu denen gesprochen wird.

Videos auf YouTube, insbesondere auch Lernvideos, bedienen sich eines eher informellen Kommunikationsstils. Außerdem verwenden viele Lernvideos Humor, um Lerninhalte zu vermitteln. Lehrer bzw. Tutoren in Lernvideos erklären oftmals auf einer persönlichen und freundlichen Ebene. Es wird geduzt, sodass die Lehr-Lern-Situation aufgelockert wird. „Insgesamt entsteht so eine nicht-bedrohliche, fehlertolerante, positive Lernatmosphäre in den Videos.“ (Wolf, 2015a, S. 2)

Als weiteres Merkmal von Lernvideos nennt Wolf (2015a) die Diversität in der Autorenschaft. Auf YouTube hat jeder die Möglichkeit, ein Lernvideo zu erstellen und hochzuladen. Dadurch entsteht eine Vielzahl von Videos, die zu einem bestimmten Thema erstellt wurden. Allerdings ist nicht immer gewährleistet, dass die Produzenten von Lernvideos über ausreichende Fachkenntnisse über das Themenfeld verfügen; die Qualität der Lernvideos auf YouTube variiert somit. Dennoch entstehen durch die Diversität der Produzenten Videos, die sich in ihrem Erklärverhalten und in der Art der Kommunikation unterscheiden.

Einsatzmöglichkeiten und Kontexte von Lernvideos

Im Folgenden wird diskutiert, inwiefern Lernvideos in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden können.

Lernvideos auf YouTube können in formalen Kontexten, wie bspw. im Unterricht, verwendet werden. Sie dienen dann als Begleitung zum Unterricht und können Lerninhalte veranschaulichen. Somit können sie als Entlastung für die Lehrperson dienen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass Lehrer eigene Lernvideos erstellen, um diese in den Unterricht einzubinden. Becher (2012) formuliert in diesem Kontext Gütekriterien für das Erstellen von Lernvideos.

Das erste Gütekriterium ist die zeiteffiziente Fertigung des Videos. Sowohl die Vorbereitung, als auch die Aufnahme und die Nachbereitung fließen in die Produktionsdauer von Lernvideos ein. Der Zeitaufwand ist für Lehrende, die keinerlei Erfahrungen in der Videoproduktion haben, anfangs sehr hoch. Dieser sinkt mit wachsender Sicherheit in diesem Bereich allerdings schnell (Becher 2012).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Unterstützen Lernvideos auf YouTube den Lernprozess von Jugendlichen?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V516676
ISBN (eBook)
9783346111692
ISBN (Buch)
9783346111708
Sprache
Deutsch
Schlagworte
YouTube, Lernen, Lernprozess, Kognitivismus, Lerntheorie
Arbeit zitieren
Alina Looß (Autor), 2019, Unterstützen Lernvideos auf YouTube den Lernprozess von Jugendlichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516676

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