Nach der kopernikanischen Wende stellt der linguistic turn im akademischen Betrieb der Philosophie eines der wirkmächtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts dar. Mit dem linguistic turn verbunden ist die Einsicht, dass die Sprache nicht nur als Verständigungsmittel oder zur Abbildung der Wirklichkeit dient. Sie hat auch eine für den Erkenntnisprozess tiefergreifende Bedeutung und ihre Untersuchung muss eine Voraussetzung für weitere philosophische Überlegungen bilden. Bereits ein ganzes Jahrhundert zuvor hat sich auch Wilhelm von Humboldt intensiv mit dem Studium der Sprache in seinen unterschiedlichsten Aspekten beschäftigt und in ihr eine erkenntniskonstitutive Funktion gesehen, über die zu reflektieren er als eine „Bedingung aller weiteren philosophischen Auseinandersetzung“ betrachtete.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Wittgenstein und der linguistic turn
- Der frühe Wittgenstein
- Abbildtheorie der Sprache
- Sinnvolle, sinnlose und unsinnige Sätze
- Der späte Wittgenstein
- Kritik an der Abbildtheorie
- Gebrauchstheorie der Bedeutung
- Familienähnlichkeiten
- Radikaler Deskriptivismus
- Sprache als Urphänomen
- Humboldt
- Sprache als Organismus
- Sprache und Denken
- Kritik an der Abbildtheorie
- Der Verstehensprozess
- Fazit: Humboldt und Wittgenstein
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit widmet sich dem Einfluss des linguistic turn auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts und betrachtet insbesondere die sprachphilosophischen Ideen Wittgensteins und Humboldts. Die Arbeit rekonstruiert die wichtigsten Kernaussagen beider Denker, vergleicht ihre Theorien und erörtert abschließend ihre Vor- und Nachteile.
- Die Rolle der Sprache im Erkenntnisprozess
- Kritik an der Abbildtheorie der Sprache
- Die Bedeutung des Sprachspiels und der Lebensform
- Die Sprachphilosophie als eine beschreibende Wissenschaft
- Die Beziehung zwischen Sprache und Denken
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem linguistic turn und seiner Relevanz für die Philosophie des 20. Jahrhunderts. Das zweite Kapitel widmet sich dem Frühwerk Wittgensteins und stellt seine Abbildtheorie der Sprache, seine Unterscheidung zwischen sinnvollen, sinnlosen und unsinnigen Sätzen sowie seine Kritik an der Metaphysik dar. Das dritte Kapitel untersucht das Spätwerk Wittgensteins und beleuchtet seine Kritik an der Abbildtheorie der Sprache, seine Gebrauchstheorie der Bedeutung, den Begriff der Familienähnlichkeit sowie seine radikale deskriptive Methode. Das vierte Kapitel stellt die sprachphilosophischen Überlegungen Humboldts dar und zeigt seine Auffassung von der Sprache als Organismus, seine erkenntnistheoretischen Grundannahmen sowie seine Kritik an der Abbildtheorie der Sprache auf. Das fünfte Kapitel beleuchtet den Verstehensprozess und seine Bedeutung für Humboldts Sprachphilosophie. Das letzte Kapitel der Arbeit vergleicht die Sprachphilosophie Wittgensteins und Humboldts, um ihre Vor- und Nachteile zu erörtern.
Schlüsselwörter
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den sprachphilosophischen Ideen von Ludwig Wittgenstein und Wilhelm von Humboldt. Die Arbeit analysiert die Kritik an der Abbildtheorie der Sprache, die Bedeutung der Sprache für den Erkenntnisprozess, den Begriff des Sprachspiels, die Lebensform, den Verstehensprozess und die Beziehung zwischen Sprache und Denken. Die Arbeit nimmt Bezug auf den linguistic turn und seine Auswirkungen auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter dem "Linguistic Turn"?
Der Linguistic Turn bezeichnet eine Wende in der Philosophie des 20. Jahrhunderts, bei der die Sprache als zentrale Bedingung für Erkenntnis und Wirklichkeit betrachtet wird.
Was ist Wittgensteins "Abbildtheorie" der Sprache?
In seinem Frühwerk vertrat Wittgenstein die Ansicht, dass Sprache die Welt wie ein Bild abbildet. Sätze sind sinnvoll, wenn sie einen möglichen Sachverhalt in der Realität darstellen.
Wie änderte sich Wittgensteins Sicht in seinem Spätwerk?
Er entwickelte die "Gebrauchstheorie der Bedeutung", nach der die Bedeutung eines Wortes durch seine Verwendung in "Sprachspielen" innerhalb einer Lebensform bestimmt wird.
Welche Position vertrat Wilhelm von Humboldt zur Sprache?
Humboldt sah Sprache als "Organismus" und als Werkzeug des Denkens. Er betrachtete sie als erkenntniskonstitutiv – ohne Sprache ist kein strukturiertes Denken möglich.
Was ist ein "Sprachspiel" laut Wittgenstein?
Ein Sprachspiel ist eine Tätigkeit, bei der Sprache und Handeln fest miteinander verwoben sind (z. B. Befehlen, Fragen, Beschreiben), wobei Regeln wie in einem Spiel gelten.
- Quote paper
- Z. Can (Author), 2016, Ludwig Wittgensteins sprachphilosophische Überlegungen und Wilhelm von Humboldts sprachtheoretische Gedanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516705