Ziel der Arbeit ist es, den Transformationsprozess vom traditionell ausgerichteten produzierenden Unternehmen im Investitionsgüterbereich zum Lösungsanbieter mit all seinen wesentlichen Aspekten zu erfassen, zu analysieren und in einem mehrdimensionalen Reifegradmodell abzubilden.
Einer zunehmenden Vergleichbarkeit von technischen Produkten und standardisierten Dienstleistungen versuchen produzierende Unternehmen mit dem Wandel zum Lösungsanbieter entgegen zu wirken. Im Zentrum dieses Wandels stehen Kundenlösungen als gezielte, aufeinander abgestimmte Integration von Sach- und Dienstleistungen zu kundenindividuellen und maßgeschneiderten Problemlösungen, deren kundenseitig wahrgenommener Wert, den Wert der Leistungsbestandteile übersteigt.
Der Wandel vom produktorientierten Unternehmen zum Lösungsanbieter macht den schrittweisen Auf- und Ausbau zusätzlicher Kompetenzen erforderlich. Reifegradmodelle beschreiben diesen Veränderungsprozess und können Unternehmen helfen, den Wandel erfolgreich zu bewältigen. Mit Unzulänglichkeiten behaftete vorhandene Modelle und die Forderung nach einem holistischen Reifegradmodell stellen den Anstoß dieser Arbeit dar.
Zunächst wird eine umfangreiche Literaturanalyse durchgeführt, um theoretische Grundlagen zu Veränderungsprozessen in Organisationen, sowie Merkmale und Kompetenzen eines erfolgreichen Lösungsanbieters zu erarbeiten. Daraus gehen sechs Gestaltungsdimensionen hervor, die den Erfolg eines Lösungsanbieters potentiell beeinflussen können. Der empirische Teil der Arbeit baut darauf auf und umfasst die Durchführung einer internetbasierten Umfrage im Rahmen einer Marktstudie.
Aus den empirisch gewonnenen Daten geht mittels multivariater Analysemethoden (Clusteranalyse) ein mehrdimensionales, hierarchisch aufgebautes Reifegradmodell hervor, das die Entwicklung vom produzierenden Unternehmen hin zum Lösungsanbieter aufzeigt. Dieses Modell ermöglicht es produzierenden Unternehmen den Wandel zum Lösungsanbieter in seiner Gänze zu verstehen, ihre Ist-Situation festzustellen und Maßnahmen zur Zielerreichung (Soll-Zustand) abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in das Thema
1.1 Gegenwärtige Marktentwicklung und Ausgangssituation
1.2 Herausforderungen für Lösungsanbieter
2 Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise
2.1 Problemstellung der Arbeit
2.2 Forschungsziel der Arbeit
2.3 Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit
3 Theoretische Grundlagen und Methoden
3.1 Grundlagen hybrider Leistungsbündel
3.1.1 Bündelbestandteile Sachleistung und Dienstleistung
3.1.2 Begriffsverständnis hybrides Produkt
3.2 Veränderungsprozesse in Organisationen
3.2.1 Theorien zur Erklärung von Veränderungsprozessen
3.2.2 (Reifegrad-) Modelle zur Beschreibung von Veränderungsprozessen
3.3 Ressourcen, Kompetenzen und Eigenschaften eines Lösungsanbieters
3.3.1 Management
3.3.2 Organisation
3.3.3 Prozesse
3.3.4 IT-Systeme und Technologien
3.3.5 Kundenorientierung und -integration
3.3.6 Markt
3.4 Methodische Grundlagen der Datenerhebung und Datenanalyse
3.4.1 Methoden der Datenerhebung
3.4.2 Frageformulierung und Fragebogenentwicklung
3.4.3 Datenaufbereitung und Datenanalyse
4 Empirische Untersuchungen und Datenanalyse
4.1 Planung und Vorbereitung der empirischen Erhebung
4.1.1 Fragebogenentwicklung
4.1.2 Bereitstellung organisatorischer Erhebungsrahmen
4.2 Durchführung der Datenerhebung
4.3 Vorgehen zur Datenanalyse
4.3.1 Statistische und allgemeine Angaben
4.3.2 Inhaltlicher Teil (SPSS)
4.4 Ergebnisse der empirischen Erhebung
4.4.1 Involvierte Unternehmen und Teilnehmer
4.4.2 (Selbst-) Einschätzung der Unternehmen
5 Lösungsansatz
5.1 Modellierung des Wandels zum Lösungsanbieter
5.1.1 Reifegradmodell-Architektur und Aufbau
5.1.2 Management
5.1.3 Organisation
5.1.4 Prozesse
5.1.5 IT-Systeme und Technologien
5.1.6 Kundenorientierung und -integration
5.1.7 Markt
5.2 Entwicklungsstufen zum Lösungsanbieter
6 Konklusion
6.1 Vorgehensweise und Ergebnisse
6.2 Wissenschaftliche Erkenntnisse
6.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Transformationsprozess von produzierenden Unternehmen hin zum Lösungsanbieter umfassend zu erfassen und durch ein mehrdimensionales Reifegradmodell zu strukturieren, um Unternehmen bei diesem Wandel zu unterstützen.
- Grundlagen und Definition hybrider Leistungsbündel
- Analyse von Veränderungsprozessen in Organisationen
- Identifikation relevanter Ressourcen und Kompetenzen eines Lösungsanbieters
- Empirische Untersuchung mittels Online-Umfrage und Clusteranalyse
- Modellierung von Reifegraden und Entwicklungsstufen
Auszug aus dem Buch
1.1 Gegenwärtige Marktentwicklung und Ausgangssituation
Zunehmender Wettbewerbsdruck, insbesondere durch Niedriglohnländer und die Homogenisierung der Märkte, stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen (Homburg, Faßnacht, & Günther, 2002; Günther, 2001). Einerseits verliert die Differenzierung über technische Produkteigenschaften aufgrund der wachsenden Vergleichbarkeit von Produktfunktionalitäten, Qualität und Preis zunehmend an Gewicht, andererseits ist der Ausbau des Dienstleistungsangebots mit Schwierigkeiten verbunden. Beispielsweise lassen sich hierfür die geringe Zahlungsbereitschaft der Kunden oder die vergleichsweise hohen Fixkosten im Servicegeschäft aufführen (Lorenz-Meyer, 2004; Sturm, Mütze-Niewöhner, Gärtner, Schreiber, & Werkle, 2009; Spath & Demuß, 2006, S. 464).
Ein isoliertes Angebot an Sach- oder Dienstleistungen kann daher heute steigende Kundenanforderungen meist weniger gut erfüllen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ist somit nachhaltig nicht gesichert (Bonnemeier, Ilh, & Reichwald, 2007, S. 2). Die Vermarktung hybrider Produkte, das heißt die Kombination aus Sach- und Dienstleistungen, welche am Markt als integrierte Leistungsbündel zur Bewältigung kundenspezifischer Probleme angeboten werden, gewinnt zunehmend an Bedeutung (Böhmann & Krcmar, 2007, S. 241; Schmitz, 2008, S. 666; Backhaus, 2010, S. 4ff.). Unternehmen wie General Electric, Rolls Royce, IBM, UPS oder Nokia profilieren sich bereits mit hybriden Produkten nachweislich erfolgreich im Wettbewerb (Backhaus, 2010, S. 4; Davies, Brady, & Hobday, 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in das Thema: Die Einleitung beleuchtet den Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit für produzierende Unternehmen, sich durch hybride Leistungsbündel zum Lösungsanbieter zu transformieren.
2 Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise: Dieses Kapitel definiert den Handlungsbedarf, leitet das Forschungsziel ab und erläutert den methodischen Aufbau der Arbeit.
3 Theoretische Grundlagen und Methoden: Hier werden die theoretischen Rahmenbedingungen zu hybriden Produkten und Veränderungsprozessen sowie die methodischen Grundlagen für die Datenerhebung und Analyse dargelegt.
4 Empirische Untersuchungen und Datenanalyse: Der empirische Teil beschreibt die Planung, Durchführung der Marktumfrage sowie die statistische Aufbereitung der Daten mittels Clusteranalyse.
5 Lösungsansatz: Basierend auf den gewonnenen Daten wird ein mehrdimensionales Reifegradmodell modelliert und in seine Entwicklungsstufen unterteilt.
6 Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die wissenschaftlichen Erkenntnisse und gibt einen Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Lösungsanbieter, Hybride Produkte, Reifegradmodell, Transformation, Investitionsgüterindustrie, Dienstleistungen, Kundenorientierung, Wertschöpfung, Clusteranalyse, Service Engineering, Wettbewerbsfähigkeit, Marktentwicklung, Organisation, Prozessmanagement, Kundenintegration.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht den Wandel von klassischen produzierenden Unternehmen hin zum Lösungsanbieter und entwickelt ein Modell, um diesen Transformationsprozess messbar und steuerbar zu machen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die Integration von Sach- und Dienstleistungen, notwendige organisatorische Anpassungen, sowie die Rolle von Kompetenzen und IT-Systemen bei der Kundenlösung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist die Erstellung eines ganzheitlichen, mehrdimensionalen Reifegradmodells, das Unternehmen als Instrument zur Ist-Analyse und zur Ableitung von Transformationsmaßnahmen dient.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie einer empirischen Studie mittels einer internetbasierten Umfrage bei produzierenden Unternehmen, deren Daten mit multivariaten Analysemethoden (Clusteranalyse) ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen hybrider Produkte erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung des methodischen Vorgehens und der Durchführung der empirischen Studie.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Kernbegriffe sind Lösungsanbieter, Hybride Produkte, Reifegradmodell, Transformation und Kundenintegration.
Warum sind herkömmliche Reifegradmodelle laut Autor unzureichend?
Der Autor bemängelt, dass bestehende Modelle oft zu stark auf den Dienstleistungssektor fokussiert sind und die ganzheitliche, ausgewogene Betrachtung aller unternehmensinternen Gestaltungsdimensionen vernachlässigen.
Welche Rolle spielt die Clusteranalyse in diesem Dokument?
Die Clusteranalyse dient dazu, die erhobenen Daten der befragten Unternehmen zu gruppieren, um daraus die verschiedenen Reifegrade und Entwicklungspfade für den Weg zum Lösungsanbieter objektiv abzuleiten.
- Citar trabajo
- Michael Brenner (Autor), 2011, Vom Produzenten zum Lösungsanbieter. Reifegrade und Entwicklungsstufen von produzierenden Unternehmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516722