Seit etwa fünf Jahren sind die Identitären als gut gebildete und intellektuelle junge Aktivisten mit populistischen Forderungen in den deutschen Medien präsent. Sichere Grenzen, die Heimatliebe oder der Erhalt einer "ethnokulturellen Identität" sind nur drei Forderungen der patriotisch-rechtspopulistisch wirkenden Jugendbewegung. Ihre Präsenz in den Medien erlangen die Mitglieder und Aktivisten der Identitären Bewegung mit gezielten jugendaffinen Störaktionen. Doch wer sind die meist jungen Aktivisten? Kategorisierungsversuche selbiger zeichnen oft kein einheitliches Bild. Sind es Rechtsextremisten nur in neuen Gewändern oder ist die Identitäre Bewegung eine neue Form der "Neuen Rechten" in Deutschland?
Es wird in dieser Arbeit mit der Annahme gearbeitet, dass die Strukturen und Arbeitsweisen dieser beiden rechtsextremen Gruppierungen als Vorbilder für weitere identitäre Gruppen in Europa, besonders aber für die Gründung der Identitären in Deutschland dienten. Neben einer Analyse der Form und der Gestaltung der Identitären Bewegung soll in dieser Arbeit auch die Entstehungsgeschichte der Jugendbewegung in Deutschland beleuchtet werden. Anschließend werden theoretische Grundlagen, welche bei der Einordnung der Identitären als rechtspolitische Bewegung dienen, erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung der ‚Neuen Rechten‘
3. Identitäre Bewegung in Deutschland
3.1. Gründungsgeschichte und Entwicklung der Identitären Bewegung in Deutschland
3.2. Forderungen, Kampagnen und Aktivismus der Identitären Bewegung Deutschland
3.2.1. Forderungen der Identitären Bewegung in Deutschland
3.2.2. Kampagnen der Identitären Bewegung in Deutschland
3.2.3. Aktivismus der rechten Jugendbewegung
3.3. Ideologische Grundlagen zur Einordnung der Identitären Bewegung
3.3.1. Populismus und Rechtspopulismus
3.3.2. Rechtsextremismus und Neonazismus
3.3.3. (Neo)-Rassismus, Islamophobie und Ethnopluralismus
3.3.4. ‚Konservative Revolution‘
3.4. Einordung der Identitären Bewegung in Deutschland
4. Die ,Neuen Rechten‘ in Deutschland
4.1. Verwendung des Begriffs der ‚Neuen Rechten‘ seit Mitte der 1960er Jahre
4.2. Die ‚Neuen Rechten‘ als ideologischer Ansatz
4.3. Die ‚Neue Rechten‘ im heutigen Diskurs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, inwieweit die Identitäre Bewegung (IB) als eine neue Form und Gestaltung der „Neuen Rechten“ in Deutschland eingeordnet werden kann. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie die Bewegung ihre ideologischen Ziele durch gezielten Aktivismus in den öffentlichen Diskurs einbringt und inwieweit sie sich von bestehenden rechtsextremen oder rechtspopulistischen Strukturen abgrenzt oder diese lediglich erneuert.
- Gründungsgeschichte und organisatorische Entwicklung der IB in Deutschland.
- Analyse der zentralen Forderungen, Kampagnen und medienwirksamen Aktivismusformen.
- Einordnung der Bewegung in ideologische Konzepte wie Populismus, Ethnopluralismus und „Konservative Revolution“.
- Untersuchung des Begriffs „Neue Rechte“ und dessen Wandel seit den 1960er Jahren.
- Diskurs um die Rolle der IB als „neue Generation“ innerhalb der rechten Szene.
Auszug aus dem Buch
3.2.3. Aktivismus der rechten Jugendbewegung
Die meisten Aktionen der Identitären Bewegung werden nicht dadurch in den Medien präsent, dass mehrere hundert Personen Mahnwachen halten, oder mit Montagsmärschen durch Städte marschieren, sowie rechtsgesinnte Parolen rufen. Als ‚digital natives‘, das heißt einer Generation, die im Zeitalter der sozialen Netzwerke aufgewachsen ist und sehr internetaffin ist, präsentieren die Identitären ihre Aktionen ohne hohe aktive Beteiligung von Mitgliedern gekonnt in virtuellen Netzwerken, Foren, Blogs oder via Video-Plattformen. Eine solche virtuelle Berichterstattung über die Aktionen provoziert meist ein überaus großes öffentliches Interesse, ohne virales Marketing zu nutzen. Nach Hentges et al. entstehet somit eine neue Konstellation zwischen „Aktionsformen im Netz“ und „Aktionsformen ‚auf der Straße‘“ (vgl. Hentges, Kökgrian, & Nottbohm, 2014, S. 9).
„Das Internet ermöglicht mit einem geringeren Organisationsaufwand die Simulation eines kontinuierlichen Protestgeschehens, das überregional – gar transnational und international vernetzt – aufrechtgehalten wird, so dass eine Diskrepanz zwischen den eigentlichen Aktionen „auf der Straße“, die bisweilen von nicht mehr als einem Dutzend Aktivisten durchgeführt werden, und dem virtuellen Echo, das diese Aktionen aufgrund viraler Verbreitung im Internet erfahren, entsteht.“ (vgl. Hentges, Kökgrian, & Nottbohm, 2014, S. 10).
Die Identitären verkörpern somit eine neue Art des Aktivismus, welcher sich nicht mehr nur noch in der realen Welt durch Demonstrationszüge und ähnlichem widerspiegelt, sondern eher durch eine gezielte virtuelle Aufarbeitung der Aktionen, die Mitglieder und Sympathisanten für die Bewegung gewinnen sollen. Ebenfalls auffällig ist, dass die Identitäre Bewegung auf Protest- und Aktionsformen zurückgreift, welche zuvor eher von linken Aktivisten oder Nichtregierungsorganisationen genutzt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Auftreten der Identitären Bewegung als junge, internetaffine Akteure und führt in die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich ihrer Einordnung als „Neue Rechte“ ein.
2. Begriffserklärung der ‚Neuen Rechten‘: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Ambivalenz und Definitionsvielfalt des Begriffs „Neue Rechte“ und dessen Bedeutung für die moderne Rechtsextremismusforschung.
3. Identitäre Bewegung in Deutschland: Hier werden die Entstehung, die Kampagnen sowie die ideologischen Grundlagen der Identitären Bewegung im Detail analysiert und in den Kontext bestehender rechtspopulistischer Theorien gestellt.
4. Die ,Neuen Rechten‘ in Deutschland: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung, die ideologischen Ansätze und den Diskurs um eine „neue Generation“ innerhalb der „Neuen Rechten“ seit den 1960er Jahren.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet, inwieweit die Identitäre Bewegung als Teil eines Form- und Gestaltwandels der „Neuen Rechten“ verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Identitäre Bewegung, Neue Rechte, Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Ethnopluralismus, Konservative Revolution, Metapolitik, Diskursverschiebung, Islamophobie, Aktivismus, soziale Netzwerke, Jugendopposition, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Identitäre Bewegung (IB) lediglich als ein neuer Zweig der „Neuen Rechten“ betrachtet werden kann oder ob sie aufgrund ihrer spezifischen Aktionsformen und Strukturen als ein neues Phänomen zu bewerten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Gründungsgeschichte der IB, ihre medienwirksamen Kampagnen, die ideologische Verortung innerhalb rechtspopulistischer Konzepte sowie die theoretischen Grundlagen der „Neuen Rechten“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Gestalt- und Formwandel der „Neuen Rechten“ durch die Aktivitäten der Identitären Bewegung in Deutschland wissenschaftlich einzuordnen und zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Primärquellen der Bewegung (Internetauftritte, soziale Medien) zur Einordnung in bestehende politikwissenschaftliche Definitionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der IB, ihrer Kampagnen und ihres Aktivismus sowie die theoretische Aufarbeitung der „Neuen Rechten“ und ihrer ideologischen Eckpunkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Identitäre Bewegung, Neue Rechte, Ethnopluralismus, Metapolitik und Rechtspopulismus geprägt.
Inwiefern unterscheiden sich die Aktionen der Identitären von traditionellen rechten Gruppierungen?
Die Identitären adaptieren Strategien linker Subkulturen, nutzen das Internet als zentrales Mobilisierungsinstrument und agieren oft mit wenigen Personen, um durch virales Marketing eine hohe mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Welche Rolle spielt der Begriff „Konservative Revolution“ in der Ideologie der Identitären?
Der Begriff dient als theoretisches Fundament und ideologischer Bezugspunkt, um sich vom historischen Nationalsozialismus abzugrenzen und dennoch eine intellektuelle, rechte Programmatik zu formulieren.
Wie bewertet die Arbeit die „neue Generation“ der „Neuen Rechten“?
Die Arbeit stellt fest, dass sich seit den 2000er Jahren eine Generation etabliert hat, die aktionistischer und selbstbewusster auftritt, wobei die Identitäre Bewegung als Teil dieses Strukturwandels verstanden wird.
- Arbeit zitieren
- Louis Ruthe (Autor:in), 2017, Identitäre Bewegungen. Gestalt- und Formwandel der "Neuen Rechten"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516785