Möglichkeiten und Angebote der Jugendhilfe zum Thema Schulverweigerung


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Vorwort

2. Phänomen Schulverweigerung
2.1 Begrifflichkeit
2.2 Typologie

3. Jugendhilfe für Schulverweigerer
3.1 Schulpflicht
3.2 Jugendhilfe und Schule in Kooperation
3.3 Projekte

4. Institut apeiros
4.1 Das Konzept
4.2 Reintegration & Schulabschluss

5. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Schulverdrossenheit, Schulabsentismus, Schulmüdigkeit - Begrifflichkeiten, welche das Problem der Schulverweigerung umschreiben. In den vergangenen Jahren häuften sich unterschiedliche Umschreibungen für dieses Phänomen.

Wie brisant diese Thematik tatsächlich ist, veranschaulicht einem die Zahl, der über 300.000 Vollverweigerer in Deutschland, Tendenz steigend.1 Was in den 90er Jahren noch als exotisch galt, ist heute bitterer Alltag des deutschen Schulsystems.

Die Thematik der Schulverweigerung beschäftigt mich an meinem Arbeitsplatz des Institut apeiros täglich. Die Arbeit mit schulvermeidenden Kindern und Jugendlichen in der ambulanten Jugendhilfe, verdeutlicht mir wiederkehrend die Signifikanz einer erfolgreichen Prävention. Demnach ist Schulverweigerung keineswegs unlösbares Problem.

Ich wählte dieses Thema meiner Hausarbeit ganz bewusst, um mich mit der Problematik noch intensiver auseinanderzusetzen und vor allem, um einen Überblick über Möglichkeiten und Angebote zu bekommen, welche es seitens der Jugendhilfe für betroffene Kinder und Jugendliche in Deutschland gibt.

Um einen guten Einstieg in das problematische Thema zu bekommen, beschäftigte ich mich zunächst mit den Grundlagen und beginne mit der Begrifflichkeit und dem Ausmaß von Schulverweigerung. Die anschließende Typologie, unterscheidet Sorten von Schulverweigerern und beschreibt kurz, wie diese zu definieren sind.

Ein kurzer Einblick in die deutsche Schulpflicht, veranschaulicht, welche Grundlagen und Konsequenzen es hinsichtlich des Schulversäumnisses gibt und welche alternativen Ansätze durch die deutsche Jugendhilfe bereits angeboten werden.

Abschließend stelle ich das Modell von apeiros vor, einem ambulanten Jugendhilfeträger zur Prävention von Schulverweigerung. Ich gebe Einblicke in die rechtliche Basis, auf der die Hilfe von apeiros beruht und veranschauliche die Vorgehensweise, mit Kindern und Jugendlichen an einer Reintegration oder einem Schulabschluss zu arbeiten.

2. Phänomen Schulverweigerung

Wie schon Karlheinz Thimm im Jahre 2000 feststellte, handelt es sich bei den Begriffen Schulvermeidung, Schulabsentismus oder beispielsweise unregelmäßigem Schulbesuch um allgemeine Oberbegriffe für unterschiedliche Formen des unerlaubten Fernbleibens der Schule.2 Was genau der Begriff der “Schulverweigerung” meint, erklärt ein genauer Umriss des Phänomens.

2.1 Begrifflichkeit

Die Schulverweigerung lässt sich durch einige Merkmale von anderen schulvermeidenden Verhaltensweisen wie z.B. Schulschwänzen oder Schulabsentismus, unterscheiden. Laut Sandra Seeliger, steht die Schulverweigerung in Verbindung mit Angstsymptomen und wird über diese auch zum Schulschwänzen abgegrenzt. Demnach lassen sich entsprechende Angstsymptome in unterschiedliche Kategorien wie z.B. soziale Ängste, Schulangst oder Schulstress einteilen. Oft steht Schulverweigerung in Zusammenhang mit einem instabilen familiären Umfeld sowie fehlender Einbindung in die Klassengemeinschaft und ausbleibender schulischer Erfolge. Im Wesentlichen ist sie als soziales und strukturelles Problem zu betrachten. Von Schulverweigerung wird allerdings erst gesprochen, wenn entsprechende Symptome über einen längeren Zeitraum beobachtet werden können.3

Dass Schulverweigerung ein stetig brisanteres Thema in Deutschland wird, liegt nicht zuletzt an der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass “ein unregelmäßiger Schulbesuch gravierende Folgen für den Bildungserwerb und damit langfristig auch für die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt haben kann”4.

Schulverweigerung definiert sich allerdings nicht alleinig über körperliche Abwesenheit. Laut Christine Sälzer, definiert sich Schulverweigerung ebenso über Leistungsverweigerung oder Störung des Unterrichts sowie demonstrativer Passivität.

Die Beziehungsebene zwischen Schülern und Lehrern spielt bei der Problematik der Schulverweigerung eine entscheidende Rolle. Im Zusammenhang des schulischen Fernbleibens, berichten Schulverweigerer häufig von unangenehmen Beziehungen zu Mitschülern oder Lehrern.5

2.2 Typologie

Da die Gründe für Schulverweigerung ebenso vielfältig sein können wie die entsprechenden Arten von verweigerndem Verhalten, entwickelte Karlheinz Thimm eine entsprechende Typologie um zwischen unterschiedlichen Schulverweigerungstypen zu unterscheiden.

Unterteilt wird in drei Haupttypen mit jeweiligen Untertypen:

1. Haupttypus: vermeidende Schulverweigerung

Jugendliche vermeiden Leistung und ziehen sich aktiv aus dem Regelkontext der Schule oder gar der Familie zurück. Sie reagieren mit sozialem Rückzug, körperlichen Beschwerden oder Resignation.6

1.1 Schwänzen und Schulverweigerung als Bewältigung von Beziehungsangst und Leistungsmißerflog

Jugendliche dieses Typus sind vor allem lernverstört bzw. demotiviert. Schulverweigerung gilt als Lösungsversuch oder Hilferuf durch Beziehungsmangel, soziale Unsicherheit und Selbstwertverlust hervorgerufen durch Isolation du Misserfolge. Vorherrschende Affekte dieses Typus sind Angst, Trauer, Erleben von Vergeblichkeit, Resignation, Scham, Schuld, Ärger oder Depression.7

1.2 Schwänzen und Schulverweigerung als Bewältigung von außerschulischer Überlastung

Jugendliche dieses Typus zeigen sich z.T. leistungsstark und leistungsbereit. Sie kommen entweder aus ressourcenarmen Lebenswelten oder sind infiziert durch biographische Krisen und erleben episodische Einbrüche, ausgelöst durch Todesfälle, Krankheiten, Trennungen oder Arbeitslosigkeit in der Familie. Bis zur Krise oder dem Zusammenbruch, erfüllen diese Jugendlichen schulische Anforderung angepasst und durchaus ehrgeizig. Oftmals finden sich mehrerer dieser Jugendlichen zusammen und bauen sich eine Schicksalsgemeinschaft auf und flüchten sich in außerschulische Gegenwelten.8

1.3 Schwänzen und Schulverweigerung als Bewältigung von Sinn- und Identitätssuche

Die hier gemeinten Jugendlichen, leiden an Schule und Familie, Gesellschaften und wenden ihr Leiden gegen sich selbst oder gegen Erwachsene und Institutionen. Sie fallen durch ihre Verletzlichkeit auf und wirken zerbrechlich. Durch fehlende Selbstwertung und Durchsetzungserfahrungen, gelten sie unter Gleichaltrigen als Außenseiter. Ihre persönlichen Werte und Zukunftsvorstellungen sind geprägt von Moralität. Diese Jugendlichen suchen ihre Geborgenheit in Gemeinschaften um sich mit Identitätssuche und Selbstfindung zu beschäftigen. Gespräche, Kommunikation und Gefühle haben für sie einen hohen Stellenwert.9

2. Haupttypus: Aktionistische Schulverweigerung

Ganz im Gegenteil zu der vermeidenden Schulverweigerung, geht der aktionistische Schulverweigerer in die Offensive. Es wird offen gegen das Schulsystem und die Lehrkräfte rebelliert und geht über durchschnittliche Störungen hinaus. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, arrangieren aktionistische Schulverweigerer impulsive und provozierende Regelverstöße im Schulumfeld und ihre Attitude reich von Coolness über Cleverness sowie Unerschrockenheit und Härte.10

2.1 Schwänzen, Stören, Schulverweigerung als aggressive Bewältigung von Identitätsbedrohung durch Vergeltung

Dieser Typus meint die sogenannten “Regelverletzer”, welche durch sozialbibliographische Beziehungsabbrüche, Lebensfeldwechseln sowie Willkür und Destruktivität versuchen, einer abwesenden Vaterfigur nachzueifern. In den meisten Fällen hatte die Vatergestalt die Rebellenrolle innen und galten als Ausgestoßene, da sie beispielsweise inhaftiert waren. Schulverweigerer dieses Typus erfuhren einen von Gewalt geprägten Erziehungsstil und empfingen Druck und Zwang als Unterdrückung. Um sich dagegen zu wehren, demonstrieren Jugendliche oft Überlegenheit oder Macht durch rachegeleitete Aggression und werden von Lehrkräften als unangenehme Schüler empfunden.11

[...]


1 vgl. Stefan Schwall, Schulverweigerung als Ausdruck gesellschaftlicher Denudation. In: Jörg Metelmann, Stefan Schwall (Hrsg.): Bildungsbürgerrecht, Waxmann Verlag GmbH, Münster, 2011, S.25

2 vgl. Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.23

3 vgl. Sandra Seeliger, Schulabsentismus und Schuldropout, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2016, S. 27f

4 vgl. Dunkake, 1. (2007): Die Entstehung der Schulpflicht, die Geschichte der Absentismusforschung und Schulschwänzen als abweichendes Verhalten. In: Wagner, M. (Hrsg.): Schulabsentismus. Soziologische Analysen zum Einfluss von Familie, Schule und Freundeskreis. Weinheim und München: Juventa, S. 13-36.

5 vgl. Christine Sälzer, Schule und Absentismus, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1.Auflage 2010, Wiesbaden, S.16

6 Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.331

7 Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.332ff

8 Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.334f

9 Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.336f

10 Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.337f

11 Karlheinz Thimm, Schulverweigerung, Votum Verlag GmbH, Münster, 2000, S.338ff

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Angebote der Jugendhilfe zum Thema Schulverweigerung
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Veranstaltung
Theorien und Methoden Sozialen Arbeit II
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V517344
ISBN (eBook)
9783346109958
ISBN (Buch)
9783346109965
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Theorien, Methoden, Schulverweigerung, Schulabsentismus, Schulmüdigkeit, Karlheinz Thimm, Thimm, Jugendhilfe, Schule
Arbeit zitieren
Lisa Daub (Autor), 2018, Möglichkeiten und Angebote der Jugendhilfe zum Thema Schulverweigerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517344

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