Die Sozialraumorientierung in der Lebensphase Jugend


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Sozialraumorientierung in der Lebensphase Jugend

1. Vorwort

2. Sozialraumorientierung
2.1. Das Fachkonzept
2.2. Die fünf Prinzipien

3. Sozialraumorientierung in der Lebensphase Jugend
3.1. Strukturen und Freizeitwelt
3.2. Wenn Bildung zum Problem wird
3.3. Schulversagen

4. Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe: Schwerpunkt Schulverweigerung
4.1. “Institut apeiros” -das Konzept
4.2. Praktische Umsetzung der Sozialraumorientierung

5. Nachwort

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Arbeitet man im Berufsfeld der Sozialen Arbeit, begegnet man vielen verschiedenen Arbeitsansätzen und Methoden, um erfolgreich zu arbeiten. Die Möglichkeiten sind so individuell wie der Mensch selbst. Bereits im Studium lernt man eine Vielzahl von Methoden und Theorien der Sozialen Arbeit kennen, doch hierbei gilt, die erlernten Möglichkeiten nicht stumpf zu übernehmen und eine Methode als “die Methode für alle Fälle” zu nutzen. Man muss individuell denken und arbeiten. Vor allem in der Jugendhilfe kommt es darauf an, den Fall sehr genau zu betrachten und nicht nur “einen Menschen mit Problemen” zu sehen. Um den mit der Jugendhilfe einhergehenden pädagogischen Auftrag zu erfüllen, muss das soziale Umfeld genau untersucht und einbezogen werden.

In der menschlichen Biografie wird der Lebensabschnitt Jugend immer signifikanter. In dieser Phase entwickelt sich die Persönlichkeit, ein soziales Umfeld wird gestaltet und Bildung wird erarbeitet. Der Grundstein für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben wird gelegt oder anders gesagt: der Prozess des Erwachsenwerdens läuft auf Hochtouren. Doch was geschieht, wenn dieser Prozess nicht optimal verläuft? Wenn der pädagogische Auftrag der Schule oder der Eltern nicht erfüllt wird, spielt die Sozialraumorientierung eine große Rolle.

Im Zuge meiner Hausarbeit, stelle ich den Zusammenhang zwischen der sozialraumorientierten Jugendhilfe und der Lebensphase Jugend her. Um eine genaue Vorstellung der Sozialraumorientierung zu bekommen, werde ich kurz deren grobe Entstehung sowie das Fachkonzept erläutern. Anschließend veranschauliche ich die fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung näher. Um im weiteren Verlauf die Sozialraumorientierung mit der Lebensphase Jugend verknüpfen zu können, muss auch die Lebensphase Jugend genauer dargestellt werden.

Hierbei gehe ich auf die Jugendphase im Allgemeinen ein und stelle die Problematik des Erwachsenwerdens dar, die auftritt, wenn der pädagogische Auftrag von Schule oder Eltern nicht erfüllt wird. Es geht vor allem um die Strukturen der Jugendphase und die Freizeitwelt, die Jugendliche sich gestalten. Anschließen erläutere ich, was passiert, wenn die Bildung zum Problem wird und stelle das daraus resultierende Phänomen des Schulschwänzens und dessen Auslöser dar.

Am Ende meiner Hausarbeit möchte ich Einblick in die Arbeit des ambulanten Jugendhilfeträgers “apeiros” geben. Hier konnte ich während meiner jahrelangen Mitarbeit gute Einblicke in eine sozialraumorientierte Hilfe bekommen. Um meine Erfahrungen zu teilen, erläutere ich zunächst das Konzept von “apeiros” und stelle dar, wie eine mögliche Umsetzung einer sozialraumorientierten Hilfe im Rahmen der Jugendhilfe bei “apeiros” aussehen kann.

2. Sozialraumorientierung

Der Ursprung der Sozialraumorientierung liegt in der Gemeinwesenarbeit der 60er und 70er Jahre. Während dieser kurzanhaltenden Blütezeit, stellen die damaligen Veröffentlichungen die zahlreichen Selbstverständlichkeiten der Sozialen Arbeit und der Gesellschaftspolitik in Frage. Als Antwort auf die daraus entstehende Irritation der Sozialen Arbeit und des etablierten Bürgertums, initiieren GemeinwesenarbeiterInnen Demonstrationen, Mietergruppen und Stadtteilfeste um z.B. unzulängliche Wohnverhältnisse, korrupte Funktionsträger sowie sinnlose Prestigeprojekte und infrastrukturelle Mängel zu skandalieren. Doch angesichts der fehlenden gesetzlichen Lage, taucht eine Veränderung der Lebensbedingungen in keinem Pflichtkatalog leistungsgesetzlicher Maßnahmen auf. Die knappen öffentlichen Haushalte sowie die stetig wachsenden Kosten für die Sozial- und Jugendhilfe lassen keine Förderung etwaiger Projekte der Gemeinwesenarbeit zu.

Anfang der 80er Jahre entsteht letztlich aus den Defiziten der Gemeinwesenarbeit und jahrelanger strategischer Erfahrung, das Fachkonzept der stadtteilbezogenen sozialen Arbeit. Diese sieht den sozialen Raum als grundlegende Bezugsgröße für das sozialarbeiterische Handeln und entwickelt aus der stadtteilbezogenen sozialen Arbeit die Sozialraumorientierung.

Das grundlegende Ziel der Sozialraumorientierung stellt die Zufriedenheit der Menschen, durch die Gestaltung der Lebensbedingungen, entsprechend ihrer Bedürfnisse sicher.1

2.1. Das Fachkonzept

Das fachliche Konzept der Sozialraumorientierung besteht im Kern aus einem mehrdimensionalen, integrierenden Arbeitsansatz. Dieser definiert sich über das Handeln des Sozialarbeiters auf mehreren Ebenen.2 Dieses kommt sowohl im Rahmen der Jugendhilfe als auch im kommunalen Quartiersmanagement zum Einsatz.3

Hierbei geht es nicht darum, Menschen mit gezielten pädagogischen Methoden zu verändern, sondern Lebensräume nach den Bedürfnissen des Einzelnen zu gestalten und dessen Lebenssituationen zu verbessern. Dabei wird nach fünf Prinzipien gehandelt, welche das Fachkonzept für zahlreiche Felder der Sozialen Arbeit darstellt und dessen Handeln dient.4

2.2. Die fünf Prinzipien

Nach Wolfgang Hinte lassen sich die fünf Prinzipien folgendermaßen definieren:

Die Orientierung an Interessen und dem Willen der leistungsberechtigten Menschen, stellt das erste Prinzip dar. Der Ausgangspunkt für diese Arbeit gründet sich auf der Motivation, sein Leben und sein Umfeld selbstverantwortlich unter Einbezug eigener Potenziale und Ressourcen verbessernd zu gestalten. Durch professionelle sozialstaatliche Unterstützung und Eigenengagement, fungiert dieser Wille als Basis der Realisierung.

Das zweite Prinzip steht für Hilfe zur Selbsthilfe. Hierbei hat die aktivierende Arbeit grundsätzlich den Vorrang vor betreuender Tätigkeit. Mittels angemessener Unterstützung motiviert man den Menschen dahingehend, Eigeninitiative zu entwickeln und sein eigenes Potenzial auszuschöpfen.

Im dritten Prinzip geht es um das Gestalten der Hilfe mittels der zu verfügbar stehenden personalen und sozialräumlichen Ressourcen. Um das Potential eines Menschen bestmöglich zu nutzen, wird sich auf die individuellen Stärken und die verfügbaren Ressourcen fokussiert. Der Sozialraum bietet ebenso materielle als auch infrastrukturelle Ressourcen.

Charakterisierend für die Sozialraumorientierung ist das vierte Prinzip der zielgruppen- und bereichsübergreifenden Aktivitäten. Diese kontextbezogene, umfassende Sicht spiegelt sich in dem Bestreben wider, neben der Sozialen Arbeit noch andere Bereiche miteinzubeziehen - z.B. die kommunale Politik oder die Stadtplanung. Die Aufmerksamkeit gilt dem gesamten Stadtteil und die gesamte Wohnbevölkerung wird einbezogen.

Das fünfte Prinzip basiert auf Kooperation und Vernetzung verschiedener sozialer Dienste. Die kooperative Bereitschaft von Institutionen, Akteuren und vor allem der Bewohner, ist ausschlaggebend für die erfolgreiche Mobilisierung von Potenzial und Motivation sowie für die Optimierung der Infrastruktur.5

3. Lebensphase Jugend

In den letzten Jahrzenten ist der Begriff der “Lebensphase Jugend” für die menschliche Biografie ein ausgedehnter und bedeutsamer Lebensbereich geworden. Dieser Lebensabschnitt definiert sich über eigene Entwicklungsaufgaben, Handlungsbezüge und Strukturen. In der heutigen, demokratischen und offenen Gesellschaft bedeutet dies, Erfahrungs- und Experimentierräume zu schaffen, damit sich die Jugendlichen zu selbstständigen und vollwertigen Gesellschaftsmitgliedern entwickeln können.6

Die Lebensphase Jugend erfreut sich zudem an großem soziologischem Interesse. Dies liegt zum einen an der Tatsache, dass sich die Jugendphase immer länger ausdehnt. Schuld daran ist die immer früher einsetzende Pubertät, die zugleich immer später endet. Diese Postadoleszenz schließen manche Menschen sogar erst zwischen 28 und 30 Jahren ab.7

In der Gegenwartsgesellschaft kann die Jugend so nicht mehr als klar konturierte Altersgruppe charakterisiert werden. Zwar erfolgt mit dem 18. Lebensjahr die rechtliche Mündigkeit, doch ist zu diesem Zeitpunkt meist die schulische Laufbahn noch längst nicht abgeschlossen. Der eindeutige Übergang zum Erwachsenenstatus weicht einem zeitlich gestrecktem Übergangsprozess, welcher sich für den Großteil der Heranwachsenden auch durch die Veränderung des beruflichen Bildungssystems verlängert.8

3.1. Strukturen und Freizeitwelt

“Die Jugend” wird häufig als homogene Einheit verstanden und unter dem Sammelbegriff “Generation” zusammengefasst. Dabei besteht die Lebensphase Jugend, wie auch andere Lebensphasen, vielmehr aus zahlreichen Gruppen und Untergruppierungen, welche durch unterschiedliche Lebensvorstellungen meist ebenso unterschiedliche Lebenswege beschreiten.9

Der Übergangsprozess zum Erwachsenwerden wir dabei immer länger. Die heutige Sozialstruktur der modernen Gesellschaft fordert von den Jugendlichen häufig ein sachliches und funktionales Rollenverhalten. Der Jugendliche wird gezwungen abrupt in einen anderen Strukturhorizont überzugehen, um auf Erwachsenenniveau handeln zu können.10

[...]


1 vgl. Wolfgang Hinte, Arrangements gestalten statt erziehen, in Sozialraumorientierung im ländlichen Kontext, Ralf Eric Kluschatzka, Sigrid Wieland, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, 2009, Wiesbaden, S. 15ff

2 vgl. Frank Früchtel, Gudrun Cyprian, Wolfgang Budde, Sozialer Raum und Soziale Arbeit, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 22

3 vgl. Oliver Fehren, “Was ist ein Sozialraum?”, in: Soziale Arbeit Heft 08/2009, Berlin, S. 289

4 vgl. Wolfgang Hinte, Geschichte des Fachkonzepts “Sozialraumorientierung”, in Sozialraumorientierung, Frank Früchtel, Wolfgang Budde, Wolfgang Hinte, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, 2006, Wiesbaden, S. 9

5 vgl. Wolfgang Hinte, Das Fachkonzept “Sozialraumorientierung”, in: Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe, Wolfgang Hinte/ Helga Treeß, Juventa Verlag, 2007, Weinheim und München, S. 46-75

6 vgl. Karin Wehmeyer, Aneignung von Sozial-Raum in Kleinstädten, Springer Fachmedien, 2013, Wiesbaden, S. 25

7 vgl. Heinz Abels, Das soziologische Interesse an der Lebensphase Jugend, in: Lebensphasen, Heinz Abels, Michael Sebastian Honig, Irmhild Saake, Ansgar Weymann, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1.Auflage 2008, Wiesbaden, S. 79

8 vgl. Albert Scherr, Jugend als gesellschaftliche Institution und Lebensphase, in: Handbuch Jugendkriminalität, Bernd Dollinger, Henning Schmidt-Semisch, Springer Fachmedien, 3. vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, 2018, Wiesbaden, S. 24

9 vgl. Karin Wehmeyer, Aneignung von Sozial-Raum in Kleinstädten, S. 26

10 vgl. Heinz Abels, Lebensphasen, S. 89f

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Sozialraumorientierung in der Lebensphase Jugend
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Veranstaltung
Pädagogische Grundlagen der Sozialen Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V517346
ISBN (eBook)
9783346108814
ISBN (Buch)
9783346108821
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Sozialraumorientierung, Lebensphase Jugend, Lebensphase, Schulversagen
Arbeit zitieren
Lisa Daub (Autor), 2019, Die Sozialraumorientierung in der Lebensphase Jugend, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517346

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Sozialraumorientierung in der Lebensphase Jugend



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden