Kommunikationsmaßnahmen für die Einführung der elektronischen Patientenakte (eEPA) in Deutschland. Herausforderungen, Methoden und Vergleich mit anderen Ländern


Seminararbeit, 2017

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die eEPA – Instrument einer besseren Gesundheitsversorgung

3. Kommunikative Markteinführung

4. Kommunikationspolitik am Beispiel der ELGA GmbH

5. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Patientenversorgung heutzutage wird aufgrund der zunehmenden Anzahl chronisch kranker sowie multimorbider Patienten zur Herausforderung für die Gesundheitssysteme der Industrienationen. Speziell bei hochkomplexen Krankheitsbildern sind oftmals mehrere Institutionen in die Behandlung eines Patienten eingebunden, jedoch durch unzureichende Informationen über die Anamnese außer Stande eine optimale Weiterbehandlung zu ermöglichen. Aufgrund dessen sind einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten (eEPA) seit 1990 weltweit in der Diskussion als Instrument einer besseren Gesundheitsversorgung. Für das internationale Verständnis werden die eEPA weltweit „electronic health record“ (EHR) genannt. In vielen Ländern wie beispielsweise Estland, als eines der ersten Länder der Welt, Dänemark und Schweden ist die Implementierung eines EHR bereits gelungen. Wiederum andere Länder sind in Begriff eine Infrastruktur für die Einführung aufzubauen (vgl. Haas, 2016, S. 6f, 157-161). Generell gilt, die Einführung einer eEPA ist ein komplexes Thema, welches an viele Faktoren, wie etwa technische, rechtliche sowie ethische Rahmenbedingungen geknüpft ist (vgl. Haas, 2006, S. 502). Die vorliegende Arbeit soll im Vorfeld Aufschluss über den Begriff der eEPA geben und den Nutzen dieser Innovation beleuchten. Da dieses Projekt nicht ausschließlich gewinnbringend für alle Beteiligten ist, sollen im Anschluss daran ebenso die Risiken erläutert werden. Der im ersten Teil integrierte Punkt, welcher behandelt, ob sich solch ein Modell für das deutsche Gesundheitssystem eignet und an welcher Stelle Deutschland mit der Implementierung aktuell einzuordnen ist, ist elementar für das Verständnis des zweiten Teils dieser Arbeit, welcher sich mit der Kommunikationspolitik beschäftigt. Im Falle der eEPA ist es bedeutsam ein nationales Grundverständnis zu schaffen, um eine weitverbreitete Teilnahme an der eEPA sowie Datenfreigabe für die eEPA unter den Bürgern zu generieren. Doch in welchem Umfang soll der Patient Informationen löschen oder ausschließen können? Ab wann wird das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung eines jeden Bürgers falsch gehandhabt und wer berät die Patienten hierzu (Vgl. Haas, 2016, S. 9)? All diese Fragen werden im weiteren Verlauf beantwortet. Um einen praxisnahen Bezug zu erlangen wird im zweiten Teil dieser Arbeit vereinzelt der Vergleich zum Thema Organspende herangezogen, da es sich bei der Gewinnung von Organspendern ebenfalls um ein hochsensibles Thema handelt, für dessen Daten-Freigabe gleichermaßen überzeugende Kommunikationsmaßnahmen getroffen werden müssen. Um das Thema abzuschließen, wird letztlich auf die bereits eingeführte eEPA-Lösung in Österreich eingegangen, bei welcher die Kommunikationsmethoden belegbar erfolgreich umgesetzt wurden.

2. Die eEPA – Instrument einer besseren Gesundheitsversorgung

Die klassische elektronische Patientenakte, welche in erster Linie das vor Ort stattfindende Behandlungsgeschehen für eigene Zwecke dokumentiert, ist im ambulanten Versorgungsbereich auch als Praxisverwaltungssystem bekannt. Dieses Primärsystem wird im Fachjargon als institutionelle Elektronische Patientenakte (iEPA) verstanden und legt als Anwendung hauptsächlich die Abrechnung oder die Patientenstammdatenverwaltung zugrunde (vgl. Schneider, 2016, S. 11ff). Diese Akten sind jedoch klar von den einrichtungsübergreifenden Akten abzugrenzen, welche in der Praxis eine Vereinigung aller institutionellen Akten darstellt (vgl. Haas, 2006, S. 456 ff). Die eEPA bezweckt eine Dokumentation, die über mehrere Einrichtungen und Sektoren hinweg eingesehen und verändert werden kann und demnach als eine ausführliche Sammlung aller Gesundheitsdaten einer Krankengeschichte aus verschiedenen Behandlungseinrichtungen fungiert (vgl. Schneider, 2016, S. 525). Von Relevanz für auf die später zu sprechen kommende Markteinführung ist die Tatsache, dass die eEPA als neues Produkt auf dem Gesundheitsmarkt mit innovativen Aspekten wie Neuartigkeit, Unterschiedlichkeit sowie wirtschaftlichen Erfolg als Innovation zu betrachten ist (vgl. Vahs, Brem, 2013, S. 21).

2.1 Aktueller Implementierungsstand in Deutschland

Bereits 2001 entstand in Deutschland die Idee, die ehemalige Krankenversichertenkarte durch die elektronische Gesundheitskarte (eGK), auf welcher die Gesundheitsdaten eines Patienten auf einem Chip gespeichert werden, zu ersetzen. Dieser Meilenstein, welcher 2013 umgesetzt wurde, sollte die Basis für die künftige einrichtungsübergreifende Vernetzung sein (vgl. Haas, 2016, S. 137). Im fünften Sozialgesetzbuch (SGB) ist seit dem Inkrafttreten des so genannten E-Health-Gesetz 2016 verankert, dass die eGK für „Daten über Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte sowie Impfungen für eine fall- und einrichtungsübergreifende Dokumentation über den Patienten (elektronische Patientenakte)“ geeignet sein muss (§291a SGB V Abs. 3 Satz 1 Nr. 4). Die ursprünglich geplanten Gesundheitsdaten sind jedoch bislang nicht auf den Karten zu finden. Lediglich die Stammdaten können derzeit auf der eGK eingesehen werden. Laut dem Ergebnis einer internationalen Studie der Stiftung Münch über den Stand der Implementierung eines EHR in 20 europäischen Ländern, lag Deutschland dabei lediglich auf dem zehnten Platz (vgl. Stiftung Münch, 2016). Jedoch wurde seit dem Inkrafttreten des E-Health-Gesetzes die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorangetrieben und setzt mit erreichten Telematik- Projekten einen ersten Anstoß für die Umsetzung einer eE-Infrastruktur für medizinische Einrichtungen. Zu den bisher umgesetzten Projekten seit Einführung des E-Health-Gesetzes gehört beispielsweise die von den Krankenkassen finanzierte Telematikinfrastruktur (TI), mit welcher bis zum 01. Juli 2018 alle Beteiligten im Gesundheitswesen wie Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken sowie Krankenkassen vernetzt sein müssen. Einhergehend mit der TI ist der elektronische Arztbrief sowie die Videosprechstunde mit in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab, welcher als Gebührenordnung der niedergelassenen Ärzte fungiert, aufgenommen. Auch das Versenden und Empfangen elektronischer Einweisungen, Überweisungen und Rezepte ist mit der TI schon möglich (vgl. Bultmann et. Al., 2002, S. 30). Deutlich wird, dass bislang nur Kommunikationslösungen zwischen Leistungserbringern realisiert sind. Jedoch ist bis zum 31.Dezember 2018 eine Übertragung des 2017 eingeführten Medikationsplans in Papierform auf die eGK geplant und revolutioniert somit die bisherige Kommunikationsoberfläche in eine zusätzliche Dokumentationsoberfläche (vgl. Ärzte Zeitung, 2017). Zudem ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (Gematik) laut Gesetz dazu verpflichtet, ebenfalls bis zum 31. Dezember 2018 die erforderlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die o.g. Daten über Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen etc. in einer elektronischen Patientenakte bereitgestellt werden und für eine fall- und einrichtungsübergreifende Dokumentation verfügbar gemacht werden können (§291a SGB V Abs. 5c). Diese Rechtsprechung bleibt jedoch weiterhin nur Zukunftsmusik, denn die Softwareanbieter der einzelnen Primärsysteme der Leistungserbringer haben, aufgrund des fehlenden Finanzierungsrahmens und anderen entscheidenden Faktoren, bislang keinen Prototypen zur Interoperabilität zwischen den einzelnen Systemen geschaffen. Demnach existiert derzeit in Deutschland keine Infrastruktur für eine eEPA. Es gibt jedoch verschiedene Lösungsansätze für Modelle einer eEPA-Infrastruktur. Die Grundkonzeption wird wahrscheinlich so aussehen, dass entweder der Patient die Daten-Verfügungsgewalt haben wird und somit gewisse Daten für gewisse Heilmittelerbringer und gewisse Zeiträume ein- oder ausschließen kann, oder jeder Bürger Deutschlands für sich entscheiden kann, ob er überhaupt an dem Modell der eEPA teilnimmt (vgl. Haas, 2016, S. 140,144).

2.2 Ziele der eEPA

Der wohl wichtigste Vorteil und somit oberstes Ziel ist, dass die Patienten von einer ganzheitlichen Versorgung profitieren, welche sich in einem Anstieg der Behandlungsqualität und vor allem des Behandlungserfolgs auswirkt. Grund hierfür ist die retro-, peri- und prospektive Transparenz für aktuelle Behandlungsentscheidungen und -planungen sowohl des Behandlungsgeschehens als auch der biopsychosozialen Gesundheit des Patienten (vgl. ebd., S. 7). Dadurch, dass mit der eEPA selbst die Apotheken auf die für die Verordnung relevanten Patientendaten zugreifen, kommt es auch bei der Verordnung und Ausgabe von Arzneimitteln zu Reduzierungen von Arzneimittelunverträglichkeiten oder Wechselwirkungen zu bereits verordneten Medikamenten (Haas, 2016, S. 28). Zum anderen steht die Weiterentwicklung der Medizin im Fokus der eEPA-Ziele. Bedarfsträgern wie dem Bundesgesundheitsministerium, den Krankenkassen, der Forschung und Wissenschaft sollen die Einsicht der Daten für statistische Zwecke zugute kommen (vgl. Bultmann et al., 2002, S. 31). Ferner werden wirtschaftliche Ziele verfolgt, denn der jetzige Behandlungsablauf ist dadurch geprägt, dass der Patient als Informationsübermittler zwischen den Einrichtungen fungiert. Doppelte Untersuchungen, welche dem Gesundheitssystem eine Menge Geld rauben sind demnach, durch fehlende Compliance der Patienten, nicht selten. Aufgrund dessen werden mit der eEPA voraussichtlich Milliarden Euro an doppelten Untersuchungen eingespart (vgl. Haas, 2016, S. 27f). Kommen wir zuletzt zu dem Aspekt, dass Daten in elektronischer Form enorm an Opportunitätskosten einsparen, da sie sich einfach übertragen lassen und automatisiert ausgewertet werden können. Daraus ergibt sich die zeitnahe und einfache Verfügbarkeit gesundheitlich relevanter Informationen zwischen verschiedenen Leistungserbringern, welche sich durch eine Patientenakte in Papierform durch viele Indikatoren, wie beispielsweise Öffnungszeiten, nicht realisieren lässt (vgl. Bultmann et. Al., 2002, S. 22).

2.3 Kritik an der eEPA

Wie bei jedem innovativen Projekt, gibt es auch in der Diskussion um den Einsatz dieser einrichtungs- und sektorenübergreifenden Kommunikations- und Dokumentationsoberfläche im Gesundheitswesen Kritikpunkte. Von kompletter Ablehnung bis hin zur konstruktiven Kritik ist das Spektrum der negativen Meinungen breit gefächert. Eine Umfrage unter Bürgern und Ärzten im Jahre 2006 zur Elektronischen Patientenakte zeigt, dass die Hauptkritiker dieses Projektes nicht wie angenommen die Patienten sind, welche sich vor Enthauptung Ihrer Rechte fürchten sondern vielmehr die Ärzte die den Sicherheitstechnologien dieser Innovation nicht trauen. Lediglich ein Viertel der Ärzte kann eine eEPA-Lösung mit gutem Gewissen Ihren Patienten weiterempfehlen. Viele geschilderte Bedenken der Heilmittelerbringer wie beispielsweise die Negativverwendung der erhobenen Daten gegen den Arzt oder die Zusatzarbeit, welche die eEPA im Vorfeld mit sich bringen soll, sind ernst zu nehmen (vgl. Haas, 2016, S. 60 f, 142). Insbesondere jedoch stellt die Sicherstellung der Vertraulichkeit der Informationen und somit der Datenschutz besondere Anforderungen an die Implementierung (vgl. Haas, 2006, S. 497). Mit dem 1983 eingeführten Datenschutz-Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung besitzt jeder Bürger Deutschlands die Befugnis zu entscheiden, welche Lebenssachverhalte er von sich an die Öffentlichkeit freigibt (Art. 2 Abs. 1 i.V. m. Art. 1 Abs. 1, GG). Abgesehen von Hackerangriffen, wovor die Ärzteschaft die Patientendaten nicht ausreichend geschützt sieht, bedeutet selbst die Einsichtnahme von externen Dritten, wie beispielsweise die Gematik, auf die Gesundheitsdaten der Patienten eine erhebliche Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht (vgl. Bultmann et. Al., 2002, S. 7). Entgegen aller Befürchtungen ist es von hoher Bedeutung allen Betroffenen die positiven Effekte sowie die zu erreichenden Ziele einer eEPA-Infrastruktur nahezulegen und im Vorfeld überzeugende Kommunikationsmaßnahmen auszugestalten (vgl. Haas, 2016, S. 144).

3. Kommunikative Markteinführung

In der vorangegangen Arbeit wurden die Gewinn bringenden Auswirkungen einer eEPA auf die Wirtschaft, Wissenschaft sowie primär auf die Patientenversorgung umfassend dargelegt. Es wurden überzeugende Gründe für die Relevanz der Teilnahme oder patientenseitigen Datenzulassung in der Akte genannt. Anschließend an diese wissenschaftlichen Grundlagen ist darüber nachzudenken, wie der Mehrwert einer eEPA so kommuniziert werden kann, dass ein gesellschaftlicher Konsens über die Notwendigkeit dieses Produktes besteht. Dieser Teil der Arbeit wird sich demnach mit einem bedeutenden Bestandteil für einen erfolgreichen Markteintritt eines Produktes beschäftigen. Für das weitere Verständnis dieses Kapitels ist es essenziell anzuführen, dass es sich bei diesem Markt nicht um den klassischen Konsumgütermarkt, bei welchem Marketingmaßnahmen hauptsächlich Anwendung finden, sondern um den Gesundheitsmarkt, bei dem Gewinnmaximierung nur bedingt eine Rolle spielt, handelt. Zudem wird der Gesundheitsmarkt nicht allein durch Angebot und Nachfrage reguliert sondern unterliegt zusätzlich vielen gesetzlichen Regularien. (vgl. Fleßa, Greiner, 2013, S. 5-9). Im weiteren Verlauf wird des Öfteren ein Vergleich zu Kommunikationspolitischen Maßnahmen für den Organspendeausweis herangezogen. Da in Deutschland das Konzept der eEPA noch nicht praktiziert wird und somit nur Theorien über die Kommunikationsmaßnahmen aufgestellt werden können, eignet sich diese Vergleichsgruppe besonders gut um einen praxisnahen Bezug herzustellen.

3.1 Kommunikationspolitik – Begriffserklärung und Bedeutung

Unter Kommunikation wird aus Marketingperspektive das „Senden von verschlüsselten Informationen“ mit dem Ziel, beim Empfänger eine Wirkung auszulösen verstanden. Die systematische Planung, Ausgestaltung, Abstimmung und Kontrolle aller Kommunikationsmaßnahmen des Unternehmens im Hinblick auf alle relevanten Rezipienten (Zielgruppen), ist somit Aufgabe der Kommunikationspolitik. Sie wird primär eingesetzt, um die Kommunikationsziele eines Unternehmens sowie strategisch die Marketing- und Unternehmensziele zu erreichen (vgl. Meffert et. al., 2015, S. 569). Die Aufstellung starker Marken setzt eine klare Positionierung im Markt voraus, welche zum Ersten die Besonderheit der Marke hervorhebt, zum Zweiten für die Kunden von Relevanz ist, sowie letztlich eine Abgrenzung zur Konkurrenz ermöglicht (vgl. Esch, 2010, S. 129). Doch wie ist die Verbreitung dieser Aspekte ohne entsprechende kommunikative Maßnahmen möglich? Einer der häufigsten Fehler und damit meist hauptverantwortlich für den Misserfolg einer Innovation ist die Unterschätzung der Bedeutung von Kommunikation für Innovationen und die Innovationsprozesse. „Innovationen entstehen vor allem in den Köpfen der Menschen - und diese gilt es unter den Bedingungen der Mediengesellschaft bereits frühzeitig zu erreichen“ (Zerfaß, Möslein 2009, S. VI). Wie bedeutend Kommunikation im Hinblick auf Unternehmensziele ist, beweist auch das Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zur eGK im Jahre 2016. 62% der Befragten fühlten sich nicht ausreichend über die eGK informiert. Sogar 47% der Befragten waren der Meinung eine Art Krankenakte würde bereits auf der eGK existieren und auf dem Chip gespeichert werden (vgl. Haas, 2016, S. 145). Somit besteht selbst drei Jahre nach Ausgabe der eGK an alle gesetzlich Versicherten Deutschlands kein annähernd verbreitetes Wissen über den Zweck dieser Karte. Gegenteilig zu dieser Informationsarmut gilt es vor allem für Produktneuheiten, welche zunächst einmal enorme Aufmerksamkeit benötigen, bevor sie sich auf dem Massenmarkt etablieren, die Herausforderung der Informationsüberfrachtung auf die Rezipienten, woraus ein grundsätzliches Desinteresse folgt, zu überwinden. Hierbei ist zu beachten, dass die anstehenden kommunikativen Maßnahmen so realisiert werden, dass die Rezipienten die Produkte als Innovation und den Absender (Hersteller) als Innovator wahrnehmen sowie gleichzeitig Vertrauen gegenüber der Produktneuheit aufbauen (vgl. Hofbauer et. al., 2008, S. 241 f).

3.2 Kommunikationspolitik im Kontext der eEPA

Laut Haas sind sieben Handlungsfelder für den Aufbau einer nationalen eEPA-Infrastruktur umzusetzen. Eine dieser sieben Aufgaben lautet, ein gesellschaftliches Grundverständnis zu etablieren (vgl. Haas, 2016, S. 237). Im Jahre 1848 erfand Lasswell eine Formel, welche Basis für jede strukturierte Vorgehensweise bei kommunikationspolitischen Entscheidungen darstellen soll (vgl. Meffert et. al., 2015, S. 570 f): „Who, Says What, In Which Channel, To Whom, With What Effect?“ (Lasswell, 1967, S. 216). Diese einzelnen Stufen des Kommunikationsprozesses wurden von Meffert et. al. um die Module „Unter welchen Bedingungen (Umwelt-, Wettbewerbssituation)“ sowie „Auf welche Art und Weise (Gestaltung der Kommunikationsbotschaft)“ erweitert (vgl. Meffert et. al., 2015, S. 632). Im folgenden Verlauf werden diese Entscheidungsfelder im Kontext der eEPA als zu kommunizierende Marke schrittweise beantwortet. Aufgrund der wechselseitigen Abhängigkeit der einzelnen Entscheidungen sind diese keineswegs getrennt von einander zu betrachten (ebd., 2015, S. 570). Aufgrund der Tatsache, dass der heutige Wettbewerbsdruck im Vergleich zu früher immens gestiegen ist, ist eine klare Abgrenzung des eigenen Angebot zu dem der Konkurrenz erforderlich (vgl. Meffert et. al., 2015, S. 572). Aus diesem Grund ist das Entscheidungsfeld „Unter welchen Bedingungen (Umwelt-, Wettbewerbssituation)“ so relevant. Jedoch wird dieser Punkt im weiteren Verlauf nicht näher dargelegt. Grund hierfür ist, dass der Staat, anders als bei privatwirtschaftlichen Unternehmen, keine Konkurrenz hat sowie auch das Produkt „eEPA“ lediglich einmal in Deutschland vertreten sein wird. Aufgrund dessen besteht in beiden Hinsichten keine Konkurrenzsituation.

3.2.1 Kommunikationssender („Who“)

Die im ersten Teil der Arbeit erwähnte Studie der Stiftung Münch über die Länderplatzierung belegte zusätzlich, dass in den Ländern in denen eine EHR erfolgreich umgesetzt wurde, die Führung des Projektes, insbesondere die Vorgaben, vom Gesetzgeber kamen. (vgl. Stiftung Münch, 2016). Aufgrund dessen ist der Bund, vielmehr das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am geeignetsten alle erforderlichen Kommunikationsmaßnahmen zu ergreifen. Eine passende Organisation, an welche die öffentliche Kommunikationsarbeit delegiert werden kann ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie ist eine obere Bundesbehörde des BMG. Sie entwickelt Strategien und setzt diese in Kampagnen, Programmen und Projekten um. Das Ziel der BZgA ist es unter anderem eine sachgerechtere Nutzung des Gesundheitssystems zu fördern. Da die BZgA auch bei der Gewinnung von Organspendern ausgezeichnete Aufklärungsarbeit leistet, wäre sie auch bei der Gewinnung von eEPA-Nutzern ebenfalls eine bedeutende Institution für die Bundesrepublik Deutschland (BZgA). Auch die gesetzlichen Krankenkassen sind als Selbstverwaltungsorgane in die Kommunikationspolitik zu integrieren, da sie Ihre Mitglieder gezielter über direkte Kommunikationskanäle erreichen können.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kommunikationsmaßnahmen für die Einführung der elektronischen Patientenakte (eEPA) in Deutschland. Herausforderungen, Methoden und Vergleich mit anderen Ländern
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Veranstaltung
Marketing in der Gesundheitswirtschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V517348
ISBN (eBook)
9783346149312
ISBN (Buch)
9783346149329
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marketing, Kommunikationspolitik, Marketing-Mix, 4P, Gesundheitswirtschaft, Gesundheitsakte, Patientenakte, Elektronische Gesundheitskarte, eGK, TI, Telematikinfrastruktur, Gesundheitspolitik, Werbung, Werbemaßnahme, Öffentliche Werbemaßnahmen, Einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte, Vernetzung, Electronic health record, EHR, ELGA
Arbeit zitieren
Jenifer Hoffmann (Autor:in), 2017, Kommunikationsmaßnahmen für die Einführung der elektronischen Patientenakte (eEPA) in Deutschland. Herausforderungen, Methoden und Vergleich mit anderen Ländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517348

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