Einleitung
Verfolgt man die geschichtliche Forschung über das kulturelle Leben sämtlicher Völker zurück, stellt man fest, dass in nahezu allen Epochen der menschlichen Vergangenheit zu bestimmten Anlässen Drogen konsumiert wurden und werden. Dies sollte man sich bei der Diskussion über Drogen vor Augen führen und die Gefahren des Drogenkonsums nicht unterschätzen, gleichzeitig jedoch die Rolle von Drogen nicht überschätzen. Demzufolge sind Aussagen wie die folgende in diesem Zusammenhang gefährlich und nur wenig hilfreich: „Auf Grund zahlreicher Berichte kann man sogar zur Einsicht gelangen, dass ohne Drogengebrauch die menschliche Sozialisation und kulturelle Entwicklung niemals die hohen Entwicklungsstufen erreicht hätten, als wenn Menschen auf wahrnehmungs- und bewusstseinsverändernde Substanzen verzichtet hätten.“1
Es lässt sich feststellen, dass Konsum und Abhängigkeit von Drogen weltweit als Phänomen auftreten und es sich dabei nicht ausschließlich um ein Problem der heutigen Zeit oder gar der heutigen Jugend handelt. Und dennoch ist nach Meinung vieler Fachleute „der Konsum verbotener Drogen nicht von der „Lebensphase Jugend“ zu trennen.“2 Es muss die Frage geklärt werden, wie die Jugendarbeit als Teil der Jugendhilfe mit diesem Phänomen umgehen kann und Jugendlichen entsprechende Hilfen bereitstellen kann. Das Ziel dieser Arbeit ist es, in dem ersten Teil dem jugendlichen Drogenkonsum nachzugehen, mögliche Gründe dafür aufzuzeigen und die Drogenaffinität Jugendlicher in Deutschland darzustellen. Nach einem Exkurs in die Definition und Beschreibung der geläufigsten „Alltagsdrogen“ Jugendlicher werden die Ziele und Aufgaben moderner Jugendarbeit geschildert und die Möglichkeiten des Umgangs mit suchtgefährdeten Jugendlichen diskutiert.
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1 Cousto in: Allenspach u. Raths (1997); S. 7
2 Friedrichs (2002); S. 131
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Jugendlicher Drogenkonsum
1. Gründe für Jugendlichen Drogengebrauch
1.1 Subjektive Erklärungen
1.2 Stresstheoretische Ansätze
1.3 Lerntheoretische Ansätze
1.4 Jugendliches Risikoverhalten
2. Gründe für jugendlichen Drogensucht
2.1 Psychoanalytische Anätze
2.2 Systemische Theorien
2.3 Genetische und neurobiologische Theorien
3. Jugendliche Drogenaffinität
II Exkurs: Drogen - begriffliche Bestimmungen und Vorstellung der „jugendlichen Alltagsdrogen“
1. Der Begriff der „Droge“
2. Drogenarten
2.1 Legale Drogen
2.1.1 Koffein
2.1.2 Alkohol
2.1.3 Tabak
2.1.4 Psychotrope Medikamente
2.2. Illegale Drogen
2.2.1 Halluzinogene
2.2.2 Psychostimulanzien
III Jugend und das Phänomen Drogen- eine Herausforderung für die Jugendarbeit?!
1. Die Lebensphase Jugend
1.1 Charakterisierung und Veränderung der Lebensphase Jugend
1.2 Jugendliche Entwicklungsaufgaben
2. Jugendarbeit
2.1 Ziele und Aufgaben der Jugendarbeit
2.2 Veränderungen der Jugendarbeit
3. Möglichkeiten des Umgangs mit suchtgefährdeten Jugendlichen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Problematik des jugendlichen Drogenkonsums und dessen Einbettung in die Lebensphase Jugend, um daraus Anforderungen und Handlungsstrategien für die moderne Jugendarbeit abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei, wie Jugendarbeit präventiv und intervenierend mit suchtgefährdeten Jugendlichen umgehen kann, um deren soziale Integration zu fördern und die Risiken des Drogenkonsums zu minimieren.
- Analyse der Ursachen und Motive für jugendlichen Drogenkonsum und Suchtentstehung.
- Differenzierte Betrachtung von Alltagsdrogen (legal vs. illegal) und deren Konsummustern.
- Untersuchung der strukturellen Veränderungen der Lebensphase Jugend und deren Einfluss auf Risikoverhalten.
- Ableitung pädagogischer Ansätze für die Suchtprävention in der außerschulischen Jugendarbeit.
- Notwendigkeit der Vernetzung zwischen Jugend- und Drogenhilfe zur Unterstützung betroffener Jugendlicher.
Auszug aus dem Buch
1.1 Subjektive Erklärungen Drogenkonsumierender Jugendlicher
Schneider (1996) befragte 60 Drogenkonsumenten bezüglich ihrer Motive für Drogenkonsum. Die empirische Untersuchung ergab, dass neben Neugier und Genuss, soziale Motive entscheidenden Einfluss auf den Drogenkonsum haben können. Das Verlangen, zu einer drogengebrauchenden peergroup zu gehören, verstärkt dieses Verhalten. Man spricht vom „Konformitätsdruck“ innerhalb der peergroup: Gemeinsame Erfahrungen fördern den Zusammenhalt der Gruppe und grenzen sie von der Erwachsenenwelt ab. Überwiegen negative Erfahrungen, die im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum gemacht werden, wird dieser zumeist wieder eingestellt. Im Falle eines positiven Rauscherlebnisses (was bei weitem nicht immer der Fall ist) rückt das Motiv „Entspannung/ Genuss“ in den Vordergrund. Ein weiterer subjektiver Grund für Drogengebrauch können subkulturelle Motive sein. Eine bestimmte Droge kann zum Teil einer jugendlichen Subkultur werden. So wurde beispielsweise LSD der Hippieszene der 60er und 70er Jahre zugeordnet oder Ecstasy über Jahre hinweg als das Erkennungszeichen der jugendlichen Techno- und Partyszene angesehen. Weitere subjektive Erklärungen können in der Anbindung an einen Intimpartner, interpersonellen Beeinflussungen oder situationsbedingten Anreizbedingungen liegen. Die Hauptgründe für die befragten Jugendlichen lagen jedoch klar in den oben genannten sozialen Motiven, sowie insbesondere in der Neugierde auf die Wirkung einer Droge und natürlich in dem Reiz, etwas Verbotenes zu tun. Die Jugendphase ist somit unter anderem als eine Experimentierphase zu betrachten, in der Ausprobieren und Erproben im Vordergrund stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I Jugendlicher Drogenkonsum: Dieses Kapitel erörtert verschiedene theoretische Erklärungsansätze für den Drogengebrauch und die Entstehung von Sucht bei Jugendlichen sowie die aktuelle Datenlage zur Drogenaffinität.
II Exkurs: Drogen - begriffliche Bestimmungen und Vorstellung der „jugendlichen Alltagsdrogen“: Hier werden Definitionen des Drogenbegriffs erläutert und die gängigsten legalen sowie illegalen Substanzen im Alltag von Jugendlichen näher beschrieben.
III Jugend und das Phänomen Drogen- eine Herausforderung für die Jugendarbeit?!: Dieses Kapitel analysiert die moderne Lebensphase Jugend, die sich wandelnde Jugendarbeit und entwickelt konkrete Möglichkeiten für den Umgang mit suchtgefährdeten Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Jugendarbeit, Drogenkonsum, Suchtprävention, Lebensphase Jugend, Alltagsdrogen, Risikoverhalten, Suchtgefährdung, Sozialisation, Peergroup, Intervention, Drogenhilfe, Jugendhilfe, Jugendkultur, Prävention, Drogenaffinität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des Drogenkonsums bei Jugendlichen und der daraus resultierenden Herausforderung für die Jugendarbeit als Teil der Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Ursachen von Drogenkonsum, die Beschreibung von Alltagsdrogen, die Analyse der Lebensphase Jugend sowie Strategien der Suchtprävention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Jugendarbeit suchtgefährdete Jugendliche effektiv unterstützen und präventiv intervenieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse basierend auf erziehungswissenschaftlichen, psychologischen und soziologischen Theorien sowie aktuellen Drogen- und Suchtberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet Gründe für den Drogenkonsum, definiert Alltagsdrogen, analysiert den Strukturwandel der Jugendphase und diskutiert präventive Handlungsoptionen der Jugendarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Jugendarbeit, Suchtprävention, Drogenkonsum, Lebensphase Jugend, Risikoverhalten und Sozialisation sind zentrale Begriffe.
Welche Rolle spielt die Peergroup beim Drogenkonsum?
Die Peergroup fungiert oft als entscheidender Faktor, da der Konformitätsdruck und der Wunsch nach Zugehörigkeit Jugendliche dazu bewegen können, Drogen zu konsumieren.
Warum wird in der Arbeit zwischen legalen und illegalen Drogen unterschieden?
Die Einteilung dient der Strukturierung der Analyse, wobei betont wird, dass der rechtliche Status "legal" oft irrtümlicherweise als risikoarm interpretiert wird.
Welche Bedeutung hat die Vernetzung von Institutionen für die Jugendarbeit?
Da Jugendarbeit komplexe Suchtproblematiken nicht alleine lösen kann, ist die Kooperation mit der Drogenhilfe und anderen Institutionen für eine erfolgreiche Intervention unerlässlich.
- Quote paper
- Benjamin Richter (Author), 2006, Jugend und das Phänomen Drogen - Eine Herausforderung für die Jugendarbeit?!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51742