Der Five Mobility Zirkel und sein Effekt auf Wohlbefinden und Mobilität


Bachelorarbeit, 2019

108 Seiten, Note: 0,8

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG
1.1 Problemstellung

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Stütz- und Bewegungsapparat
3.1.1 Aufbau und Funktion
3.1.2 Tensegrity-Modell
3.1.3 Myofasziale Ketten
3.1.4 Biokinematik
3.1.5 Bewegungsstörungen
3.2 Schmerzen des Bewegungsapparats
3.2.1 Definition
3.2.2 Ursprung
3.2.3 Folgen
3.3 Wohlbefinden
3.3.1 Aktuelles vs. habituelles Wohlbefinden nach Becker
3.3.2 Subjektives Wohlbefinden nach Diener
3.3.3 Subjektives Wohlbefinden nach Mayring
3.3.4 Modellvorstellungen zum Wohlbefinden
3.3.5 Bedingungen von aktuellem Wohlbefinden
3.3.6 Körperliches Wohlbefinden
3.3.7 Auswirkungen von Wohlbefinden auf die Beschwerdewahrnehmung und auf Beschwerden
3.3.8 Sportliche Aktivität und Wohlbefinden
3.4 Emotionen und ihre Auswirkung auf sportliche Leistung
3.5 Beweglichkeit & Dehnfähigkeit
3.5.1 Definition
3.5.2 Formen der Beweglichkeit
3.5.3 Mobilität vs Beweglichkeit
3.5.4 Dehnungseffekte
3.5.5 Faktoren der habituellen Beweglichkeit
3.5.6 Allgemeine Wirkung von Dehnmaßnahmen
3.6 Effekte von Beweglichkeitstraining auf das körperliche Wohlbefinden
3.7 Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt
3.7.1 Auswirkungen auf die Psyche
3.7.2 Auswirkungen auf die Beweglichkeit
3.8 Rücken & Gelenkkonzept der Firma five®

4 METHODIK
4.1 Forschungsdefizit und abgeleitete Forschungsfrage
4.2 Hypothesen
4.3 Allgemeine Darstellung verschiedener Messmethoden
4.3.1 Ansätze zur Messung des Wohlbefindens
4.3.2 Fragebogenentwicklung
4.3.3 Pretest
4.4 Das standardisierte Trainingsprogramm nach der Firma five® Konzept GmbH
4.4.1 Kerngeräte (five®)
4.5 Studiendesign
4.5.1 Durchführung
4.5.2 Limitierung von Störfaktoren
4.6 Probandenkollektiv
4.6.1 Rekrutierung der Stichprobe
4.6.2 Zusammensetzung der Stichprobe
4.7 Datenaufbereitung und -auswertung
4.7.1 Datenverarbeitung mit deskriptiven und interferenz-analytischen Mitteln

5 ERGEBNISSE

6 DISKUSSION
6.1 Methodendiskussion
6.2 Ergebnisdiskussion
6.3 Schlussfolgerung und Ausblick

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

ANHANG

Anhang 1: Fragebogen

Anhang 2: Bewertungsschema

Anhang 3: Abbildung Sitzen - BMI/Wohlbefinden

Anhang 4: Unterschied Beweglichkeit „Lateral“ links/rechts

Anhang 5: Unterschied Beweglichkeit „Glut“ links/rechts

Anhang 6: Messwerte Schmerzintensität VG/KG

Anhang 7: Output Logit Modell (aktuelles Wohlbefinden)

Anhang 8: Output Logit Modell (körperliches Wohlbefinden im Alltag)

Anhang 9: Ergebnisse (Excel Tabelle)

Anhang 10: R-Code

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die zum Gelingen dieser Bachelor­arbeit beigetragen haben.

Mein erster Dank gilt Prof. Dr. phil. Pohl für die Betreuung meiner Bachelorarbeit und seine hilfreichen fachlichen Inputs.

Einen weiteren Dank möchte ich dem Geschäftsführer der Fitnessstudiokette „Smile X“ Christian Müller, seiner Assistenz Nikola Petry und der Regionalleitung Saar/Mosel Katharina Ströher aussprechen, die mich bei der Umsetzung des Konzepts unterstützt und mir die Zeit gegeben haben, die ich für die Betreuung der Probanden an den five® Geräten benötigte.

Besonders bedanken möchte ich mich bei meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Freundin, die mich während meiner Studienzeit immer unterstützt haben.

Zuletzt möchte ich mich bei allen bedanken, die durch das Ausfüllen des Fragebogens, sowie der Teilnahme die Studie erst möglich gemacht haben.

1 Einleitung und Problemstellung

Der jüngst erschienene Bericht der Techniker Krankenkasse [TK] (2019) zeigt, dass viele Menschen täglich unter Rückenschmerzen leiden. 19% der Befragten gaben an, diese mehrfach die Woche und 13% sie täglich ertragen zu müssen. Doch ist dies längst kein Problem der älteren Generation mehr - auch Schüler (Jungen 15,5%; Mädchen 9,8%) haben mit Rückenschmerzen zu kämpfen (Bundesministerium für Gesundheit [BMG], 2018).

Die Hintergründe für diese Entwicklung sind vielschichtig, aber eindeutig definierbar. Ursache für diese und viele weitere Schmerzen, die vermehrt aufkommen, ist unter ande­rem die stetig abnehmende Bewegung im Alltag. Krüger (2019) dramatisiert die Tatsa­che, dass im Schnitt 9,3 Stunden pro Tag gesessen wird, mit der Aussage „wer länger sitzt, ist schneller tot“. Das technische Zeitalter hat längst dafür gesorgt, dass die Bewe­gung, die früher noch im Mittelpunkt stand, heutzutage in den Hintergrund gerückt ist. 62% der Befragten haben in einer Umfrage der TK (2016) angegeben, dass das Leben heute stressiger ist, als noch vor 15/20 Jahren. Im Zuge der Globalisierung und Digitali­sierung, sowie beschleunigter Informationsprozesse, wachsen die Anforderungen an die Menschen stetig an, insbesondere bei der Arbeit. Folge ist, neben der wenigen Bewegung, ein erhöhter psychischer Druck, der sich langfristig ebenso negativ auf das Wohlbefinden wie auf die Beweglichkeit auswirkt.

Doch nicht nur wenig Bewegung, sondern auch eine einseitige Bewegung fordert ihren Tribut. Sportler, die nur Wert auf Kraft und Ausdauertraining legen, werden früher oder später mit Gelenkschmerzen oder Bewegungseinbußen zu kämpfen haben.

Bewegung bestimmt die Gesundheit, die körperliche und psychische Entwicklung und das Leben. Kommt die Bewegung zu kurz, dann werden die Gelenke und Muskeln nicht in ihrer vollen Bewegungsausführung beansprucht. Infolge dessen können Verletzungen und körperliche Einschränkungen entstehen. Nach Becker (1991, S.13) ist eine Prämisse für Wohlbefinden, das Ausbleiben von Beschwerden, weshalb im Umkehrschluss wenig Bewegung und daraus resultierend Verletzungen oder Beschwerden das Wohlbefinden herabsetzen können. Haschek (*1932) erkannte schon früh die Korrelation von Wohlbe­finden und Bewegung, die er folgendermaßen zusammenfasste: „Bewegung macht be­weglich - und Beweglichkeit kann so manches in Bewegung setzen“ (zitiert nach Ham- merla, 2016, S.1).

Neuste Erkenntnisse zeigen, dass oftmals keine degenerativen Ursachen, sondern my- ofasziale Veränderungen die Schmerzen bewirken (Engel & Seidel, 2015). So ist die Ver­kürzung des Hüftbeugers (M. iliopsoas) die Konsequenz der langen Zeit, die in einer vor­gebeugten Haltung verbracht wird. Auch die Dysfunktion des quadratischen Lendenmus­kels (M. quadratus lumborum), welche die Folge von Störungen an der Mechanik der Wirbelsäule ist, erzeugt Fehlspannungen und kann leicht zu Blockaden führen, die sich als Schmerzen im Rücken äußern. Für diese funktionellen Störungen, die sich, sofern keine Ursachenbehandlung stattfindet, als chronische Schmerzen äußern, können Ärzte oft nur Medikamente verschreiben, die die Symptome ohne langfristigen Erfolg bekämp­fen. Mit dem Rücken- und Gelenkkonzept, welches eine Trainingsmethode ist, die auf der Biokinematik des Freiburger Arztes Walter Packi basiert, brachte die five® Konzept GmbH & Co KG einen neuen Ansatz auf den Fitnessmarkt, welcher bei dem Bewegungs­defizit der heutigen Gesellschaft ansetzt und die Ursachen bekämpft. Die Relevanz, die ein Beweglichkeitstraining hat, ist unumstritten (Glück, 2005, S.1). Neben Kraft- und Ausdauertraining ist ein Beweglichkeitstraining elementar, wenn es um ein ausgegliche­nes und gesundheitsförderndes Trainingsprogramm geht.

1.1 Problemstellung

Von Natur aus ist der Mensch durch den Stütz- und Bewegungsapparat, der ihn zu einem Bewegungsallrounder macht, in der Lage viele verschiedene Bewegungsmuster auszu­üben. Durch die Insuffizienz, die der geringen Bewegung und den einseitigen Bewe­gungsmustern geschuldet ist, fallen dem Menschen viele Bewegungen, zu denen er mor­phologisch gesehen in der Lage wäre, schwer.

Monotone Bewegungen reizen Sehnen und machen den Körper verletzungsanfälliger. Be­wegungen, die normal wären, werden verlernt und diese Defizite durch Ausweichbewe­gungen kompensiert. Sport ist hier ein Lösungsansatz, jedoch können ohne das nötige Wissen oder fachliche Kompetenz und Anweisung muskuläre Dysbalancen, Schwach­stellen und Ausweichbewegungen zu schädlichen Bewegungsmustern führen. Darüber hinaus können Schmerzen und Verletzungen aus den Folgen der Haltungsschäden resul­tieren. Anhand der Problemstellung stellt sich die Frage: Wie wirkt sich das Beweglich­keitstraining nach dem Rücken- und Gelenkkonzept der five® Konzept GmbH auf die Beweglichkeit, vorhandene Schmerzen, sowie das aktuelle Wohlbefinden und das kör­perliche Wohlbefinden im Alltag aus?

2 Zielsetzung

Zur Überprüfung der Wirkung des five® Trainings werden innerhalb einer vierwöchigen Studie, die 31 Probanden und 31 TN in der KG einschließt, die Auswirkungen auf das aktuelle Wohlbefinden, das körperliche Wohlbefinden im Alltag, die Schmerzreduktion und die Beweglichkeits-/Mobilitätsverbesserung untersucht und mittels verschiedener Fragebögen festgehalten.

Dieser Versuch ist deshalb wichtig und sinnvoll, weil es neben der Frage, ob das Wohl­befinden der Probanden gesteigert werden kann, auch von Interesse ist, ob eine Korrela­tion zwischen verbesserter Beweglichkeit, Schmerzlinderung und einem verbesserten Wohlbefinden besteht. Durch die Beantwortung dieser Fragestellungen können Rück­schlüsse auf eine mögliche Empfehlung des Beweglichkeitstrainings nach der five® Me­thode ausgesprochen werden. Die Ergebnisse dieser Studie werden zeigen, ob schon ein kurzes Beweglichkeitstraining am Ende der regulären Trainingseinheit die subjektiven Schmerzen senken, die Beweglichkeit und Mobilität verbessern und das Wohlbefinden erhöhen kann. Zudem ist die Studienlage zu dieser Fragestellung sehr unzureichend, wes­halb diese Studie dahingehend Klarheit und Transparenz schaffen soll. Im weiteren Ver­lauf wird der theoretische Teil darstellen, wie die Fragestellung zustande kam und wie der aktuelle Forschungsstand der Fragestellung ist. Anschließend widmet sich die Arbeit dem praktischen Teil und skizziert, wie durch einen Versuch die Auswirkungen eines Beweglichkeitstrainings auf das Wohlbefinden getestet werden kann. Im darauffolgenden Ergebnisteil werden erhobenen Daten einer statistischen Auswertung unterzogen und die Versuchsergebnisse der Versuchs- und Kontrollgruppe gegenübergestellt und verglichen. Ausgehend von diesen Ergebnissen wird deutlich, ob durch das Beweglichkeitstraining ein erhöhtes Wohlbefinden hervorgerufen wird und in welchem Zusammenhang dieses mit verbesserter Beweglichkeit steht. Abschließend wird das methodische Vorgehen re­flektiert und die erarbeiteten Erkenntnisse in den aktuellen wissenschaftlichen Kontext eingeordnet.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

Um im Kontext dieser wissenschaftlichen Untersuchung die einzelnen Untersuchungsva­riablen und das Konzept des Beweglichkeitstrainings näher zu erläutern, wird im Folgen­den der gegenwärtige Kenntnisstand dargestellt. Zunächst werden die anatomischen Hin­tergründe kurz angeschnitten, zu denen der Bewegungsapparat, das Tensegrity-Modell und die myofaszialen Kettenstrukturen gehören. Danach wird auf die Biokinematik und Bewegungsstörungen eingegangen. Anschließend wird das Thema Schmerz näher erläu­tert, wobei nach der Definition auf den Ursprung des Schmerzes und seine Folgen einge­gangen wird. Darauf folgt die Darstellung des umfangreichen Begriffs des Wohlbefin­dens. Theorien zu dem aktuellen, habituellen, subjektiven und körperlichen Wohlbefin­den bilden dabei die Basis, um die Auswirkungen des Wohlbefindens auf die Beschwer­dewahrnehmung und die Auswirkungen von sportlicher Betätigung auf das Wohlbefin­den detaillierter darzustellen. Um mögliche Störfaktoren aufzuzeigen, werden die Emo­tionen und ihre Auswirkungen auf die sportliche Leistung aufgezeigt, bevor die Darstel­lung des neben dem Wohlbefinden ähnlich großen Begriffs der Beweglichkeit erfolgt. Nachdem näher auf die Definition, die Formen der Beweglichkeit, Mobilität, Dehnungs­effekte sowie die Faktoren der habituellen und die allgemeine Wirkung der Beweglichkeit eingegangen wird, werden die Effekte eines Beweglichkeitstrainings auf das Wohlbefin­den näher erläutert. Der Stellenwert des Alltags und die Auswirkungen auf die Psyche und Beweglichkeit werden danach im Kontext des Wohlbefindens und der Beweglichkeit analysiert, um herauszustellen, ob der Bedarf an dem Beweglichkeitstraining nach der five® Methode besteht. Der aktuelle Kenntnisstand wird mit der Präsentation des Rücken- und Gelenkkonzepts der five® Konzept GmbH abgeschlossen.

3.1 Stütz- und Bewegungsapparat

3.1.1 Aufbau und Funktion

Der passive Bewegungsapparat dient der Stützung und der Formgebung des Körpers und besteht aus dem Knochenskelett mit seinen unterschiedlichen Anteilen (Knochen, Knor­pel, Gelenke, Bandscheiben, Bänder).

3.1.2 Tensegrity-Modell

Das Tensegrity-Modell ist ein strukturelles System, welches an ausgeprägten Kompres­sionselementen zu erkennen ist, die in einem unter Spannung stehenden Netzwerk zu schweben scheinen (Graham, S. & Hinz, K., 2010, S.14). Der Ursprung dieses Modells liegt in der Architektur, wobei seit 30 Jahren diesem Modell vermehrte Beachtung ge­schenkt wird, denn es lässt sich auf das Zytoskelett und die Biomechanik des gesamten Körpers anwenden (Graham, S. & Hinz, K., S.15). Tensegrity ist der Zusammenschluss der englischen Wörter „Tension“ (dt. Spannung) und „Integrity“ (dt. Zusammenhalt) (Best, 2010, S. 30). Daraus abgeleitet lässt sich ein stabiles Stabwerk definieren, worin sich verschiedene Stäbe befinden, die gegenseitig nicht in Kontakt treten, sondern sich über Seile, die Zugelemente wiederspiegeln sollen, verbinden. In Abbildung 1 ist dieses Konstrukt visuell dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Tensegrity-Modell (Schleip & Buschmann, 2016)

3.1.3 Myofasziale Ketten

Muskeln und Faszien bilden zusammen ein funktionelles System, welches den ganzen Körper umspannt. Nachdem lange Zeit die Faszienstruktur als „weißes Verpackungsma­terial“ vernachlässigt wurde, ist heute die Rolle der Faszien bei der Kraftübertragung in Bewegungen bewiesen (Schleip & Grau, 2009, S. 18).

Faszien sind alle kollagenen Bindegewebsstrukturen, die wie eine dünne, feine Haut um jedes Organ, jede Bandstruktur und jeden Muskel liegen. Dazu zählen u.a. Sehnen, Bän­der, Gelenkkapseln und Muskelbindegewebe. Sie sind ein Organ, welches unseren Kör­per durch ihre Verbindungen komplett vernetzt und strukturiert. Im Prinzip kann man von einer einzigen, ganzheitlichen Faszie eines jeden Körpers sprechen. Die Rezeptoren, die in den Faszien enthalten sind, machen sie zu einem wichtigen Sinnesorgan (Schleip, 2004, S. 12). Schleip (S. 12) beschreibt, dass diese kontraktile Zellen enthalten und in Wech­selverbindung mit dem Vegetativum stehen. In der ursprünglichen Form sollen Faszien fest und elastisch zur selben Zeit sein, was zugleich ihr Alleinstellungsmerkmal ist.

Nach Wilke et al. (2016, S.454-61) besteht der menschliche Körper aus sechs myofaszi- alen Ketten: der oberflächlichen Rückenlinie, der oberflächlichen Frontallinie, den late- ralen Linien, den Spirallinien, der funktionellen Rückenlinie und der funktionellen Fron­tallinie. Das Tensegrity-Modell ist mit dem Konzept der myofaszialen Leitbahnen eng verbunden. Das Modell darauf angewandt würde bedeuten, dass die festen Teile die Kno­chen symbolisieren und die verbindenden, flexiblen, dynamischen Teile zwischen den Festen die Muskeln und das fasziale Gewebe (Best, 2016, S.30).

3.1.4 Biokinematik

Sportliche Bewegungen werden in der Biokinematik als Ortsveränderung von Körpern in der Zeit beschrieben. Dabei sind die Wegmerkmale, die Positionsveränderung, die Ge­schwindigkeit und die Beschleunigung eines Körpers nur in Relation zu einem anderen Körper eindeutig bestimmbar (Wollny, 2007, S. 284). Die Biokinematik des Menschen beschäftigt sich mit der Entstehung und Behandlung von chronischen Schmerzen und be­ruft sich dabei auf die wichtigsten Erkenntnisse aus der Medizin, Mathematik und Bewe­gungslehre.

Um Menschen zu helfen, ihre Schmerzen zu beseitigen, wird die Methode ohne chirurgi­sche Eingriffe verfolgt, um die Muskulatur und das Bindegewebe wieder in den Ur­sprungszustand zurückzuversetzen, damit der Körper sich wieder in seinen natürlichen Bewegungsbahnen fortbewegen kann (Mosetter, 2018). Wenn dies geschieht, kann der Körper sich selbstständig heilen und der Schmerz verschwindet infolgedessen. Wie beim Tensegrity-Modell bereits erwähnt, ist der Körper ein geschlossenes System, in dem ein­zelne Funktionen immer in komplexen biokinematischen Ketten funktionieren. Es ist ein zusammenhängendes System.

Dieses Konzept der Heilung und der Prävention stammt von Dr. Walter Packi und findet seine Anwendung bei dem Beweglichkeitstraining der Firma five®.

3.1.5 Bewegungsstörungen

Infolge einseitiger Bewegungen passt sich der Körper diesen an, wodurch sich eine struk­turelle Veränderung des Körperbaus ergibt. Die Körperform ist das Resultat der Aktivität und Beanspruchung („form follows function“), wobei eine langfristige Inaktivität die Muskulatur verkürzt und für Bewegungseinschränkungen verantwortlich ist (Nelson, 2014, S.79). Des Weiteren können Faszien durch die eingangs erwähnten einseitigen Handlungen verkleben und verfilzen und sind dadurch nicht mehr elastisch, woraus eine Steifigkeit des Körpers resultiert. Ihre Funktion, die Muskeln in Funktion zu halten, kann infolgedessen verloren gehen, wodurch auch ihr Schutzmechanismus wegfällt. Folglich können Verletzungen leichter auftreten. Folgen sind zudem Beschwerden im Bewegungs­apparat und körperliches Unwohlsein. Bewegungsstörungen können der Grund für eine mangelnde Knorpelernährung sein, die durch die falsch angepasste Muskulatur entsteht. Langfristig kann daraus durch die Inaktivität Arthrose entstehen. Kompensationsbewe­gungen, die aufgrund geschwächter oder unterentwickelter Muskelregionen entstehen, sorgen über lange Zeit für falsche Bewegungsgewohnheiten, die wiederum höhere Ver­schleißerscheinungen, asymmetrische Bewegungsmuster und Dysbalancen hervorrufen.

3.2 Schmerzen des Bewegungsapparats

3.2.1 Definition

Schmerz informiert über Bedrohungen des Organismus von innen und außen. Dieser Schutzmechanismus bewahrt den Körper vor bevorstehendem Schaden und macht ihn unentbehrlich für ein normales Leben (Härter, 1994, S.25). Von der International Associ­ation for the Study of Pain ([IASP], 1986) wird Schmerz als ein unangenehmes Sinnes­und Gefühlserlebnis definiert, das mit aktueller oder potenzieller Gewebsschädigung ver­knüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird. Daraus wird ersichtlich, das Schmerz über eine reine Sinnesempfindung hinausgeht und auch ein „un­lustbetontes Gefühlserlebnis“ ist (Härter, 1994, S.25). Darüber hinaus wird Schmerz in akuten und chronischen Schmerz unterteilt, wobei sich nach Härter (1994, S.26) bei letz­terem kaum noch eine objektive Evidenz für eine bleibende nozizeptive Reizung nach­weisen lässt. Melzack und Casey (1968, S.435) entdeckten, dass nicht nur eine Blockade sensorischen Inputs Schmerz behandeln kann, sondern auch die Beeinflussung von moti­vational-affektiven und kognitiv-evaluativen Faktoren des Schmerzerlebens.

3.2.2 Ursprung

Chronische Schmerzen müssen differenziert betrachtet werden. So können funktionelle Beeinträchtigungen Auslöser hierfür sein, wobei auch langanhaltende Anspannungen, die durch Stress, Angst oder Entzündungsprozesse ausgelöst werden, der Ausgangspunkt der Entstehung von Schmerzen sein kann.

Die Verminderung der Sauerstoffversorgung führt langfristig zur Senkung des pH, damit zu Freisetzung algogener Substanzen: Wasserstoffionen, Kaliumionen, sowie von Neuromodulatoren wie Serotonin, Bradykinin, Substanz P, Acetylcholin, Prostaglandinen der E-Gruppe (Larbig, 1982, S. 45).

Somatischer Schmerz wird in Oberflächenschmerz und einen Tiefenschmerz unterteilt. Der Tiefenschmerz stammt aus den Knochen, Muskeln, Gelenken oder Bindegewebe und ist eher dumpf und strahlt häufig aus (Larbig, S. 44).

3.2.3 Folgen

Ein langanhaltender, chronischer Schmerz kann dafür sorgen, dass Verhaltensmuster ge­ändert und die verschiedenen Ebenen des Verhaltens und Erlebens beeinträchtigt werden. Nach Härter (1994, S.29) werden vier Beeinträchtigungen unterschieden: Intrinsisch kön­nen kognitiv-emotionale Beeinträchtigungen stattfinden, die sich auf die Befindlichkeit, die Stimmung und das Denken auswirken. Bei der behavioralen Beeinträchtigung zeigt sich ein schmerzbezogenes Verhalten, woraus in Extremfällen die soziale Isolation er­folgt. Soziale Kontakte werden weniger aufgesucht, es findet kaum mehr Interaktion mit der Familie statt und durch Arbeitsunfähigkeit findet auch zunehmend eine räumliche Isolation statt. Zuletzt erleidet der Schmerzleidende eine physiologisch-organische Be­einträchtigung, die durch die Mobilitätsverluste bedingt ist.

3.3 Wohlbefinden

Wohlbefinden ist ein zentraler Begriff für Gesundheit.

1946 wurde in der Präambel zur Verfassung der Weltgesundheitsorganisation Gesundheit als „Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung“ (Bundesministerium für Ge­sundheit [BMG], 2010) definiert. Jedoch ist diese Definition umstritten - Die Kritik be­zieht sich gegen die Utopie des vollkommenen Wohlbefindens (Wydra, 2003, S.5).

Um die Evaluation des komplexen Konzepts des Wohlbefindens darzustellen, werden im Folgenden ausgewählte Theorien vorgestellt, die hierfür maßgebend waren.

Die Ansätze des amerikanische Wissenschaftler Diener, sowie der deutschen Wissen­schaftler Becker und Mayring, waren bei der Evaluation wegbereitend und werden aus diesem Grund aufgeführt und näher erläutert.

3.3.1 Aktuelles vs. habituelles Wohlbefinden nach Becker

Nach Becker (1991, S.13) wird zwischen aktuellem-, und habituellem Wohlbefinden un­terschieden. Das aktuelle Wohlbefinden (AW) charakterisiert die augenblickliche Befind­lichkeit, wohin gegen das habituelle Wohlbefinden als stabile Eigenschaft gilt.

AW umfasst das aktuelle Erleben und schließt „positiv getönte Gefühle, Stimmungen und körperliche Empfindungen sowie das Fehlen von Beschwerden“ (Becker, S. 13) ein. Diese Gefühle sind jedoch nur von kurzer Dauer, erstrecken sich über Sekunden bis Stun­den und haben eine direkte Beziehung zu dem Umfeld, sprich Personen, Situationen oder Erlebnissen.

Eine stabilere Aussagekraft, die nicht affektiv beeinflussbar ist, stellt das HW dar. Dieses ist länger andauern als das AW und beschreibt das typische Wohlbefinden einer Person. Hierbei sind „aggregierte emotionale Erfahrungen“ dafür ausschlaggebend, wie das Wohlbefinden einer Person wahrgenommen wird (Becker, S.15). Der Zusammenschluss emotionaler Erfahrungen lässt alleine keinen Rückschluss über das Wohlbefinden einer Person zu, da hierbei die kognitive Verarbeitung entscheidend ist. Dies ist von Person zu Person verschieden, denn jeder interpretiert und verarbeitet das, was ihm geschieht, un­terschiedlich.

3.3.2 Subjektives Wohlbefinden nach Diener

Auf dem Konzept des Hedonismus basiert das subjektive Wohlbefinden.

Nach dieser Sichtweise strebt der Mensch nach der Maximierung von Freude, Glück und Zufriedenheit und der Minimierung von Schmerz und Leid (Bachmann, 2013, S.12).

Unter subjektivem Wohlbefinden (SWB) versteht Diener (2000) die Bewertung des Men­schen als Individuum über sein eigenes Leben. Diese Bewertung des eigenen Lebens wird affektiv und kognitiv getroffen.

Das SWB lässt sich in drei Komponenten einteilen: Der Lebenszufriedenheit, dem Vor­handensein positiver Emotionen und der Abwesenheit negativer Stimmungen (Diener, 1984). Seiner Ansicht nach erleben Menschen das SWB, wenn sie mehr angenehme als unangenehme Gefühle empfinden, wenn sie ihrer Leidenschaft nachgehen, sich mit inte­ressanten Dingen beschäftigen und insgesamt viel Freude und möglichst wenig Leid er­fahren.

Die Liste mit Merkmalen für ein erfülltes Leben ist lang, dennoch liegt der Fokus bei dem SWB darin, dass die Menschen ihr Leben selbst bewerten und auf Basis dessen entschei­den, ob sie glücklich oder unglücklich sind. Da das Leben aus vielen Teilbereichen be­steht, lässt sich das SWB in verschiedene Komponenten einteilen. Der Mensch trifft auf Grundlage dessen dann Bewertungen einzelner Lebensbereiche, wie z.B. Sport, Arbeit und Familie. Ausschlaggebend für das SWB sind die Häufigkeit und Intensität, in der positive Emotionen auftreten. Je öfter Glück oder Zufriedenheit empfunden werden, desto höher ist das SWB. Die Einschätzung darüber, wie glücklich man selbst ist, hat keine Signifikanz.

3.3.3 Subjektives Wohlbefinden nach Mayring

Vor Mayring war der Pool an Definitionen von Variablen subjektiven Wohlbefindens sehr groß. Mithilfe empirischer Studien zur Faktorenstruktur subjektiven Wohlbefindens konnte Mayring (1991, S.51) die Unterteilung in eine negative (Freiheit von subjektiver Belastung) und positive Komponente (Freude, Glück), sowie in eine kognitive (Zufrie­denheit) und affektive (Gefühl des Wohlbefindens) Komponente vornehmen.

Aus diesen Komponenten lassen sich 4 Faktoren subjektiven Wohlbefindens unterschei­den: einem negativen Befindungsfaktor (Belastungsfreiheit), einem positiven kurzfristi­gen Befindungsfaktor (Freude) und einem langfristigem (Glück) und zuletzt einem kog­nitiven Befindungsfaktor (Zufriedenheit).

Subjektives Wohlbefinden, welches sich nach Becker (1991) in AW und HW unterteilt, erweitert Mayring durch die „ state-trait “ Differenzierung. Diese Differenzierung hat sich in der Angstforschung bewährt und wurde aus diesem Grund in verschiedenen Bereichen übernommen (Chaplin, John & Goldberg, 1988).

Das momentane Erleben, frei von subjektiver Belastung, ist state -konzipiert, wohingegen Zufriedenheit, die situationsübergreifend betrachtet werden muss, trait -konzipiert ist. Wie in der folgenden Abbildung (Abb. 2) ersichtlich ist, ist Freude im Gegensatz zu Zu­friedenheit affektiv.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vier-Faktoren Ansatz des Subjektiven Wohlbefindens (in Anlehnung an Mayring, 1991, S. 53)

Glück und Belastungsfreiheit, die auf der Abbildung jeweils dem AW als auch dem HW zugeordnet werden, können unterschiedlich wahrgenommen werden. Genauer gesagt kann eine Differenzierung zwischen aktuellem/aktueller (state) Glück/Belastungsfreiheit und überdauerndem/überdauernder (trait) Glück/Belastungsfreiheit vorgenommen wer­den.

Kritik übt Pierrig-Chiello (1997, S.115) an dem Begriff des „subjektiven Wohlbefin­dens“. Nach ihr ist der Begriff tautologisch, denn jede Empfindung hat subjektiven Cha­rakter, weshalb sie den Begriff des „Allgemeinen Wohlbefindens“ propagiert.

3.3.4 Modellvorstellungen zum Wohlbefinden

Eindimensionale Modelle.

Weiss (1980) entwickelte einen Fragebogen, der Wohlbefinden anhand der Grundbefind­lichkeit messen soll. Er sieht Grundbefindlichkeit als Begriff an, der zwischen einem „ state “ und einem „ trait “ angesiedelt ist (zitiert nach Abele & Becker, 1991, S. 16).

Des Weiteren wurde von vielen Autoren lange Zeit keine Differenzierung zwischen all­gemeinem Glücklichsein und allgemeiner Lebenszufriedenheit vorgenommen. Michaelos (1980) erachtete eine Unterscheidung für sinnvoll, da die parallele Anwesenheit von Glück und Zufriedenheit nicht gegeben sein muss. Ferner sollten Zufriedenheitsformen, wie bspw. die resignative Zufriedenheit in keinen Zusammenhang mit Glück gebracht werden.

Zweidimensionelle Modelle.

Bradburns (1969, S.9-14) Ansatz stellt unter den zweidimensionalen Konzeptionen von psychischem Wohlbefinden den bekanntesten dar. HW ist nach ihm die Bilanz aus aggre­gierten positiven und negativen Gefühlszuständen. Höchstes Wohlbefinden lässt sich demnach erreichen, wenn zuvor viele positive und kaum bis keine negativen Gefühlszu­stände erlebt wurden.

Über einen längeren Zeitraum erweisen sich positive und negative Gefühlszustände als unabhängig. Ergo können von einer Person sowohl positive als auch negative Gefühlszu­stände mehrfach in einem länger andauernden Zeitraum erlebt werden. Bei der aktuellen Befindlichkeit schließen sie positive und negative Gefühlszustände aus. Die Unterschei­dung in psychisches und physisches Wohlbefinden ist keine totale Unterscheidung, son­dern eine aspektivische, denn wie Becker (1986, S.89) herausarbeitete, gibt es viele Pa­rallelen zwischen Indikatoren des psychischen und physischen Wohlbefindens.

Dies erklärt die in verschiedenen Untersuchungen gefundenen Korrelationen zwischen Maßen des psychischen und physischen Wohlbefindens (Becker, 1989; Eastwood, 1977).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Drei oder höherdimensionelle Modelle.

In Anlehnung an die World Health Organization (WHO) wurde von Abele und Brehm (1989) die Unterscheidung zwischen psychischem, physischem und sozialem Wohlbefin­den vorgeschlagen. Jedes dieser Konzepte ist wiederum in weitere Komponenten unter­gliedert. Sich ausgeglichen und kompetent zu fühlen sind die Aspekte des psychischen Wohlbefindens. Physisches Wohlbefinden umfasst u.a. sich gesund und fit zu fühlen. Zu­letzt beinhaltet das soziale Wohlbefinden sich geliebt und gebraucht zu fühlen.

Bei der faktorenanalytischen Überprüfung seines Trierer Persönlichkeitsfragebogens er­mittelte Becker (1989) drei Faktoren: das seelisch- körperliche Wohlbefinden, die Selbst­aktualisierung und die selbst- und fremdbezogene Wertschätzung.

Becker evaluiert, dass seelisch- körperliches Wohlbefinden nur ein Aspekt eines breit gefächerten Konstruktes der seelischen Gesundheit darstellt, das die Fähigkeit zur Bewäl­tigung externer und interner Anforderungen beinhaltet.

Für sinnvoll erachtet Perrig-Chiello (1997, S.116) ein multidimensionales Modell des Wohlbefindens. Allgemeines Wohlbefinden lässt sich in die drei Komponenten physi­sches, psychisches und soziales Wohlbefinden untergliedern. Diese Anteile des allgemei­nen Wohlbefindens können nach Lebensentwicklungskontext unterschiedlich gewichtet werden.

„Allgemeines Wohlbefinden ist Resultat eines komplexen Ursachennetzes bzw. einer komplexen Ressourcennutzung.“ (Perrig-Chiello, 1997, S.119).

Der Kern des allgemeinen Wohlbefindens befindet sich im körperlichen Bereich, welcher das Bedürfnis nach Sättigung, Wärme und Schmerzfreiheit beinhaltet. Unterscheiden tun sich die Zustände des Wohlbefindens in der Qualität, der Intensität sowie im Inhalt des Erlebens (psychisch, physisch und sozial).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Pyramide des Wohlbefindens (in Anlehnung an Perrig-Chiello, 1997, S.115-117)

3.3.5 Bedingungen von aktuellem Wohlbefinden

Die Theorien des AW unterscheidet Becker (1991) nach der Frage, ob es um verschiedene Formen des Wohlbefindens, oder um die Bedingungen des Wohlbefindens geht. Bei den Bedingungen findet sich eine Diversität von Erklärungsvorschlägen.

Die Erreichung des AW, welches von nur kurzzeitig wirksamen Faktoren abhängig ist, die oftmals nur Sekunden bis Stunden andauern, kann über zwei Wege erfolgen.

Zum einen über den direkten Weg, bei dem aktuelle Geschehnisse, die als positiv und belohnend wahrgenommen werden, wie bspw. Erfolgserlebnisse. Zum anderen über den Ausschluss von negativen Faktoren, wie z.B. Schmerz, Angst und Unsicherheit, die den Gemütszustand herabsetzen können.

Ersterer Weg, welcher über positive Erfahrungen erreicht wird, unterscheidet zwischen folgenden Bedingungskomplexen: Sensorische Erfahrungen, Erfolgreiche Handlungen, Soziale Zuwendung und Nähe, Glückliche Umstände und Phantasietätigkeit (Abele & Becker, 1991).

Unter sensorischen Erfahrungen werden Reize zusammengefasst, wie z.B. kinästhetische Reize, die für die Tiefensensibilität verantwortlich sind und auditive Reize, wie bspw. Töne, die in der Vergangenheit als angenehm empfunden wurden und aus diesem Grund das aktuelle Wohlbefinden begünstigen. Auf das AW wirken sich erfolgreiche Handlun­gen aus, wenn bspw. vorher gesteckte Ziele erreicht werden. Scheitern kann sich ebenfalls positiv auf das Wohlbefinden auswirken, sofern die bestmögliche Performance ausgeübt wurde. Des Weiteren wird dem Faktor Soziale Zuwendung und Nähe eine große Rolle zugesprochen, da der Mensch allgegenwärtig mit seinen Mitmenschen in Kontakt ist und positive Beziehungen Auswirkungen auf die Befindlichkeit und die Gefühle haben kön­nen. Perrig-Chiello (1997, S. 215-216) listet bei den Determinanten des Wohlbefindens im Alter auch aktuelle sozio-biographische Parameter auf, die u.a. soziale Netzwerke um­fassen. Zwar schreibt sie der Rolle der Sozialen Zuwendung im Alter eine erhöhte Rolle zu, unumstritten bleibt die Relevanz des Umfelds altersübergreifend, speziell für das AW. Glückliche Umstände beschreiben Zustände, die ohne eigenes Mitwirken erfolgreich ver­laufen. Diese haben direkten Einfluss auf das Wohlbefinden.

Zuletzt kommt die Phantasietätigkeit, bei der durch die Verdrängung von negativen Ge­dankengängen und durch die auf die positiven Bilder/Emotionen gerichtete Aufmerksam­keit Wohlbefinden erzeugt wird.

3.3.6 Körperliches Wohlbefinden

Gesundheit stellt das wichtigste menschliche Anliegen dar (vgl. Glatzer & Zapf, 1984), jedoch geht es dabei nicht nur um die Abwesenheit von Schmerz und fehlende körperliche Beeinträchtigungen, sondern vielmehr „um körperliches Wohlbefinden (KW), das nicht nur als Nullpunkt auf einer Mißbehagens-Skala [ sic ] angesehen werden kann“ (Frank, R. 1991, S.71).

KW kennzeichnet sich oftmals durch Abwesenheit von Beeinträchtigungen innerhalb der Bewegungsfunktionen des Körpers, infolgedessen es zu einem Zustand kommen kann, in dem der Körper gänzlich in Vergessenheit gerät (Plügge, 1962, S.91).

Bei KW geht es um das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper. Im Fokus sind hier­bei Zustände, die individuell als positiv empfunden werden.

Bei der Wahrnehmung des eigenen Körpers unterscheidet Gosztonyi (1972, S.59-67) zwi­schen Reizen der Leiblichkeit von Sinnesreizen und ob diese in den Sinnesorganen oder innerhalb des Leibes auftreten. Diese Empfindungen sind temporär begrenzt und über­mitteln mit einem sehr bewussten Bezug zu ihrem Körper, einen bewusst und genussvoll wahrgenommenen Moment.

Die Frage, ob KW mit physischem Wohlbefinden gleichgesetzt werden kann, muss ganz klar verneint werden. Physisches Wohlbefinden, welches den Aspekt der körperlichen Fitness umfasst, stellt kein Bezug zu KW her. Zwar ist die körperliche Gesundheit ein Teilaspekt und sehr wichtig im Kontext der Definition, dennoch ist die alleinige Funkti- ons-/Leistungsfähigkeit kein Garant für das Erleben körperlichen Wohlbefindens. Als Beispiel wählt Frank (1991, S.72) Körperbehinderte, die, wie gesunde Menschen, mit Freude körperliche Bewegung wahrnehmen können, obwohl sie über eine im Verhältnis zum gesunden Menschen geringe Körperfunktion verfügen. Prämisse ist, um KW zu er­leben, eine Offenheit und Bereitschaft gegenüber positiven Erfahrungen, sowie eine „Fä­higkeit, Wohlbefinden förderliche Bedingungen herstellen und auch nutzen zu können“ (Grom, 1987). KW ist somit nicht alleine auf körperliche Fitness und auf die Funktions­tüchtigkeit des Individuums begrenzt.

Bradburn (1969) stellte heraus, dass KW auch mit Beschwerden und Missbefinden auf­treten kann.

Es kann keine strikte Trennung zwischen emotionalem und körperlichem Wohlbefinden getroffen werden (Becker, 1986, S.11). Bei psychischem Wohlbefinden können intensiv erlebte körperliche Anteile sich darauf auswirken, wie empirische Studien ergaben, die sich mit dem Glücklich sein beschäftigen.

Folglich sind emotionales und körperliches Erleben zwei Facetten ein und desselben Ge­schehens. Sie stehen in engem Kontakt und ergänzen und beeinflussen sich gegenseitig (Frank, 1991, S. 73).

In einer Studie, in der Tagebuchaufzeichnungen ausgewertet wurden, worin die Proban­den ihr körperliches Befinden festhalten sollten, zeigten sich die verschiedenen Erlebnis­formen, in der KW wahrgenommen werden kann. Diese Erlebnisformen wurden in fünf Grunddimensionen zusammengefasst (Holocher, 1987; zitiert nach Frank, 1991, S.75):

(1) Freudige Erregung vs. Angenehme Müdigkeit, Entspannung
(2) Spüren des Körpers, angenehme Erschöpfung, Wärme
(3) Ausgeglichenheit, Ruhe
(4) Frische, Beweglichkeit, Vitalität und
(5) Zufriedenheit

Soziale Kontakte können einen Einfluss auf das KW haben. Unterstützungsdefizite er­zeugen ein vermindertes Wohlbefinden, wohingegen positive Einflüsse zu einer Verbes­serung des Wohlbefindens beitragen. Direkte Effekte, wie angenehme Zuwendung, oder die Vermittlung von Geborgenheit und Schutz, haben genauso Anteil daran, wie Indirekte Effekte (Frank, 1991, S.76).

Durch Abele & Brehm (1984) konnte belegt werden, dass sich sportliche Betätigung po­sitiv auf das psychische Befinden auswirkt. Trotz dessen ist es ein Fakt, dass Menschen, die ihr KW verbessern möchten, durchschnittlich selten sportliche Aktivitäten wählen, obwohl sie, wie Frank (1991, S.78) herausstellt, von der förderlichen Wirkung, die sich auf das Wohlbefinden auswirkt, wissen.

3.3.7 Auswirkungen von Wohlbefinden auf die Beschwerdewahrnehmung und auf Beschwerden

„Gesundheit hat eine objektive und eine subjektive Konnotation“ (Abele & Becker, 1991, S.309). Bei medizinisch feststellbaren Indikatoren der körperlichen Funktionsfähigkeit handelt es sich um den objektiven Sinn. Der subjektive Sinn umfasst die Funktionstüch­tigkeit, das Wohlbefinden und die Abwesenheit von Beschwerden.

Bereits 1989 untersuchte Savoley und Birnbaum, ob induzierte positive Stimmung die Beschwerdewahrnehmung beeinflusst. Bei dem Experiment, in dem Studenten, die an Grippe und Schnupfen erkrankt waren, mithilfe einer Vorstellungsmethode in fröhliche, traurige oder neutrale Stimmung versetzt wurden, konnten keine Unterschiede in der Symptomwahrnehmung festgestellt werden.

Jedoch konnte die Beschwerde- und Schmerzwahrnehmung in der positiv-induzierten Gruppe im Vergleich zu der neutral und der negativ induzierten Gruppe signifikant nied­riger festgestellt werden. Weiterführende Experimente 2 und 3 ergaben, dass gesundheits­bezogene Zukunftserwartungen bei den an Grippe und Schnupfen erkrankten Studenten von ihrer Stimmung unabhängig waren. Gesunde Studenten konnten durch eine positive Stimmungsinduktion eine noch höhere Positivität erlangen.

Die eindeutigen Kriterien, zu denen bspw. die Anzahl der Symptome der grippeerkrank­ten Studenten gehören, konnten keinen Stimmungseinfluss verzeichnen. Dagegen wurde bei Kriterien, die nicht eindeutig bestimmbar sind, wie bspw. die Schmerzwahrnehmung, ein Stimmungseinfluss gemessen. Zudem wird der Optimismus hinsichtlich zukünftiger Gesunderhaltung bei bereits Gesunden durch die gute Stimmung erhöht.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei „gesunden und wieder gesundeten Per­sonen gute Laune und habituelles Wohlbefinden die gesundheitsbezogenen Selbstwirk­lichkeitserwartungen in günstige Richtung beeinflussen und zu einer verbesserten Le­bensqualität beitragen können“ (Abele & Becker, 1991, S. 311).

Das AW hilft Kranken dabei, Beschwerden und Schmerzen besser zu ertragen. Auf die Genesungschancen ist der Einfluss des AW und HW nicht signifikant.

3.3.8 Sportliche Aktivität und Wohlbefinden

Im Folgenden wird der Einfluss von sportlicher Aktivität auf die Stimmung (AW) und auf die Grundgestimmtheit (HW) erläutert.

Der menschliche Körper ist in der Entwicklung sowie in seinem Befinden an biologischen Gesetzen gebunden, die besagen, „daß [ sic ] ein gesunder Organismus der Tendenz folgt, Körpersysteme und körperliche Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit) an körper­liche Beanspruchungen anzupassen.“ (Abele, Brehm & Gall, 1991, S. 279). Optimierbar werden diese Anpassungsprozesse durch die Dosierung der Belastung. Kommen entspre­chende Belastungen durch den heutigen Lebensstil in zu geringem Ausmaß zustande, wird die körperliche Funktionstüchtigkeit gestört, die Missbefinden zur Folge hat. Lösung hierfür können sportliche Belastungsreize sein, die in ihrer Ausrichtung und Dosierung die Faktoren Ausdauer, Kraft & Beweglichkeit ausreichend und regelmäßig trainieren, sodass die körperliche Funktionstätigkeit erhalten bzw. wiederhergestellt werden kann. Hierdurch ist eine wesentliche Grundlage für die Aufrechterhaltung oder die Wiederher­stellung des AW und HW erschaffen worden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 108 Seiten

Details

Titel
Der Five Mobility Zirkel und sein Effekt auf Wohlbefinden und Mobilität
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,8
Jahr
2019
Seiten
108
Katalognummer
V517918
ISBN (eBook)
9783346130464
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Um die Effekte eines Beweglichkeitskonzepts nach der Five Methode zu testen, wurde eine empirische Studie zu dieser Thematik durchgeführt. Zur Validität der Ergebnisse hat eine Versuchsgruppe während dessen ihr normales Krafttraining durchgeführt und die Versuchsgruppe das Krafttraining und ein zusätzliches Beweglichkeitstraining. Die Ergebnisse dieser Studie sind aussagekräftig und überraschend.
Schlagworte
Five Beweglichkeilstraining Beweglichkeitsverbesserung Sport Krafttraining
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Der Five Mobility Zirkel und sein Effekt auf Wohlbefinden und Mobilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517918

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