Gestaltung von Anreizsystemen für KMU nach der Prinzipal-Agenten-Theorie


Hausarbeit, 2018

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2. Theoretische Grundlagen der KMU, Prinzipal-Agenten-Theorie und Anreizsysteme
2.1 KMU
2.1.1 QuantitativeMerkmale
2.1.2 QualitativeMerkmale
2.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
2.2.1 Definition der Prinzipal-Agent-Theorie
2.2.2Hidden characteristics
2.2.3 Hidden action
2.2.4 Hidden information
2.2.5Hidden intention
2.3 Anreizsysteme
2.3.1 Definition Anreizsysteme
2.3.2Intrinsische Anreize
2.3.3 Extrinsische Anreize

3. Praktische Bedeutung fur KMU

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schwellenwerte KMU, gemab Europaische Union

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Prinzipal-Agenten-Theorie ist in den Wirtschaftswissenschaften ein relevantes Thema, welches seit Jahren erforscht wird und anerkannt ist. In der Literatur lassen sich in Bezug auf die Prinzipal-Agenten-Theorie mehrere Ansatze fur Anreizsysteme finden, da es diesbezuglich unterschiedliche Auffassungen und Erlauterungen gibt. Deshalb kann es problematisch sein, die richtigen Anreizsysteme fur die KMU zu finden und einzusetzen, um die Mitarbeiter hiermit zu motivieren. Die Prinzipal-Agenten-Theorie ist in vielen Bereichen erforscht worden und behandelt nicht nur die vertragliche Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Da die Unternehmen der KMU wenige Mitarbeiter haben, diese sichjedoch durch hohes Fachwissen auszeichnen, ist es wichtig, dass die Informationen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer symmetrisch erfolgen. Geschieht dies nicht konnt es andernfalls dazu fuhren, dass die Unternehmung negativ beeinflusst wird. Das Unternehmen muss daher den richtigen Mix aus verschiedenen Anreizen finden, um einer asymmetrischen Informationsverteilung zuvorzukommen. Dies wirft abermals die Frage auf, ob es Anreizsysteme fur die KMU gibt, die den Informationsfluss zwischen Prinzipal und Agenten positiv beeinflussen konnen und opportunistisches Verhalten verringern konnen.

1.2 Vorgehensweise

In Kapitel 2 werden die theoretischen Grundlagen der KMU, Prinzipal-Agenten-Theorie und Anreizsysteme geklart. In Kapitel 2.1 erfolgt die Unterteilung der KMU zwischen quantitativen und qualitativen Merkmalen. Danach erfolgt die Definition der Prinzipal- Agenten-Theorie in Kapitel 2.2.1 und in den darauffolgenden Kapiteln die dazugehorigen Formen der Informationsasymmetrie. In Kapitel 2.3 erfolgt die Definition von Anreizsystemen. Auf den darauffolgenden Kapiteln wird das Hauptaugenmerk auf die intrinsischen und extrinsischen Anreize gelegt, da diese fur den Aufbau eines Anreizsystems erforderlich sind. In Kapitel 3 erfolgt dann die praktische Bedeutung fur KMU. Dieses Kapitel klart die Zusammenhange und prasentiert Losungsansatze, wie die KMU ihr Anreizsystem aufbauen konnte. AuBerdem beinhaltet das Kapitel Beispiele, wie ein Unternehmen aus dem Ruhrgebiet sein Anreizsystem aufbaut. Das letzte Kapitel fasst die Losungsansatze aus dem dritten Kapitel kurz zusammen und beinhaltet meine personliche Meinung.

2. Theoretische Grundlagen der KMU, Prinzipal-Agenten-Theorie und Anreiz- systeme

2.1 KMU

2.1.1 Quantitative Merkmale

Laut dem Institut fur Mittelstandsforschung in Bonn gehen uber 60 % der Beschaftigten in der KMU ihrer Tatigkeit nach.1 Die quantitativen Merkmale dienen zur Abgrenzung der KMU im Vergleich zu GroBuntemehmen. Es gibt diesbezuglich unterschiedlichen Auffassungen. Beispielsweise gehort laut Empfehlung der EU-Kommission ein Unternehmen zur KMU, wenn es unter 250 Mitarbeiter hat, der Jahresumsatz kleiner als 50 Millionen Euro ist und die Bilanzsumme kleiner als 43 Millionen Euro ist.2 Laut dem Institut fur Mittelstandsforschung in Bonn dagegen zahlt ein Unternehmen zur KMU, wenn es unter 500 Beschaftigte hat und der Jahresumsatz weniger als 50 Millionen Euro betragt.3 Das Handelsgesetzbuch definiert die Grenzen folgendermaBen “jeweils mindestens zwei der drei nachstehenden Merkmale nicht uberschreitet: 1. 20 000 000 Euro Bilanzsumme. 2. 40 000 000 Euro Umsatzerlose in den zwolf Monaten vor dem Abschlussstichtag. 3. Im Jahresdurchschnitt zweihundertfunfzig Arbeitnehmer“( § 267 Abs. 2 HGB). Da die Definition der EU-Kommission die allgemeinste Definition ist, wird diese Definition fur diese Seminararbeit verwendet. Ein weiterer Punkt der quantitativen Merkmale ist es zwischen Kleinst-, klein- und mittleren Unternehmen zu unterscheiden. Dazu gibt die EU-Kommission folgende Tabelle an:

Abbildung 1: Schwellenwerte KMU, gemafi der Europaische Union

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: InAnlehnungan Europaische Union, Quantitative Merkmale, 2015, S.ll

2.1.2 Qualitative Merkmale

Neben den quantitativen Merkmalen wird die KMU auch uber qualitative Merkmale von groBen Unternehmen abgegrenzt, welche sich je nach Definition in jeweiliger Literatur unterscheiden konnen. Ein groBes Merkmal ist, dass die Unternehmen oft vom Eigentumer gefuhrt werden und es dadurch eher zu einer patriarchalischen Fuhrungsweise kommt.4 Ein weiterer Punkt ist, dass die KMU oft nur wenige Produkte und Dienstleistungen anzubieten hat, welche eher im Nischensegment anzusiedeln sind. Dadurch erhoht sich zwar das Geschaftsrisiko, jedoch fuhrt dies oft zu einem Wettbewerbsvorteil gegenuber der Konkurrenz, da die Unternehmen sich nur auf ihren Nischenmarkt konzentrieren.5 Hierdurch resultiert, dass die KMU von ihren wenigen Kunden und Lieferanten abhangig ist. AuBerdem weist die KMU eine hohe Funktionsanhaufung auf und dadurch geringere Arbeitsteilung. Hinzu kommt eine geringere Organisationstiefe und dadurch resultiert eine geringere Anzahl an Abteilungen. Oft finden moderne Managementmethoden keine bzw. wenig Anwendung in der KMU, da diese oft auf die technische Ausbildung des Untemehmers begrenzt ist. Als weiterer Punkt ist hinzuzufugen, dass die KMU aufgrund ihrer GroBe sich oft an Marktveranderungen anzupassen hat, wodurch sie eine hohe Flexibilitat aufweisen muss. Die Kapitalstruktur in der KMU weist einen hohen Anted an Fremdkapital auf. Das Fremdkapital kommt haufig von der regionalen Hausbank. Der Anted des Eigenkapital ist meist gering und es handelt sich meist um das Kapital des Eigentumers bzw. der Eigentumer.6

2.2 Prinzipal-Agenten-Theorie

2.2.1 Definition der Prinzipal-Agenten-Theorie

Die Prinzipal-Agenten-Theorie ist ein Modell aus der neuen Institutionsokonomik, welche die Auftragsbeziehung zwischen dem Prinzipal (Auftraggeber) und dem Agenten (Auftragnehmer) darstellt. In der Literatur fmden sich mehrere Definitionen fur die Prinzipal-Agenten-Theorie. Laut der Definition von John W. Pratt und Richard J. Zeckhauser, liegt eine Prinzipal-Agenten-Theorie vor, wenn eine beteiligte Partei (Prinzipal) fur ihr Wohlbefinden abhangig ist von einer anderen beteiligten Partei (Agent).7 Laut der Definition von Jensen und Meckling liegt eine Agenturbeziehung vor, wenn eine beteiligte Partei (Prinzipal) per Vertrag eine andere Partei (Agent) fur die Erfullung ihres Auftrages oder ihrer Auftrage Entscheidungsbefugnisse ubertragt.8 Eine sehr detaillierte Definition stammt von Schneider: „Prinzipal-Agent-Beziehungen entstehen, wenn mindestens ein Auftraggeber und mindestens ein Beauftragter unter Unsicherheit und bei uneinheitlichem Wissensstand untereinander gemeinsame Ziele erreichen wollen, die nur teilweise gleichgerichtet sind und bei denen teilweise auch der Vorteil des einen zum Nachteil des anderen werden kann.“9 An der Definition lasst sich erkennen, dass beide Parteien ihren eigenen Nutzen maximieren mochten. Insbesondere dem Agenten wird nachgesagt, er verhalte sich opportunistisch. Dies liegt an dem Informationsvorsprung des Agenten gegenuber dem Prinzipal, da der Agent aufgrund seines Wissens fur die Durchfuhrung des Auftrages vom Prinzipal eingestellt wurde.10 Man unterscheidet zwischen vier Grundtypen der asymmetrischen Information: hidden characteristics, hidden action, hidden information und hidden intention.11

2.2.2 Hidden characteristics

Bei der hidden characteristics handelt es sich um eine Art der Informationsasymmetrie, welche vor Vertragsabschluss (ex ante) besteht. 12 13 In dieser Form sind die Eigenschaften des Agenten, dem Prinzipal noch unbekannt. Dies fuhrt dazu, dass fur den Prinzipal die Gefahr der adversen Selektion besteht. Bei der adversen Selektion bietet der Prinzipal dem Agenten einen Vertag an, welcher fur einen Agenten mit durchschnittlichen Eigenschaften geeignet ist. Der Agent mit den guten Eigenschaften wird diesen Vertrag ablehnen, da dieser nicht mit seinen Praferenzen einhergeht. Der Agent mit den schlechten Eigenschaften wird wiederum den Schein erwecken gute Eigenschaften zu besitzen und den Vertrag annehmen. Der Prinzipal ist hierdurch der Gefahr ausgesetzt entweder mit einem Agenten einen Vertag abzuschlieben, welcher schlechte Eigenschaften besitzt oder auf einen Vertragspartner zu verzichten.14 Um diesem Problem entgegenzuwirken gibt es mehrere Losungsansatze. Eines ist das Screening mit dem Unterpunkt der Self-Selection. Der andere Losungsansatz ist das Signaling. Beim Screening ubemimmt der Prinzipal die Initiative und versucht z.B. mithilfe von Leistungstests die tatsachlichen Eigenschaften des Agenten herauszufinden. Das Problem beim Screening besteht darin, die Eigenschaften des Agenten genau zu identifizieren. Ein weiteres Problem sind die durch das Screening anfallenden Kosten, welche je nach Genauigkeit steigen. Daher ist die Self-Selection die beliebtere Art zur Informationsgewinnung. Bei der Self-Selection bietet der Prinzipal dem Agenten mehrere Vertrage an. In diesem Fall gestaltet der Prinzipal die Vertrage, sodass der Agent mit seiner Vertragswahl viel uber seine Eigenschaften offenbart und der Prinzipal sich so sein Urteil bilden kann. Beim Signaling hingegen ubernimmt der Agent die Initiative. Dies geschieht, indem der Agent bestimmte „Signale“ sendet, um sich dadurch von dem Agenten mit den schlechten Eigenschaften zu differenzieren, beispielsweise mit einem „Ausbildungszertifikat“, im Faile einer Bewerbung oder mit einer langeren Garantie beim Gebrauchtwagenkauf.15

[...]


1 Vgl. IFMBonn, Quantitative Merkmale, 2016, o. S.

2 Vgl. Europaische Union, Quantitative Merkmale, 2015, S.10.

3 Vgl. IFMBonn, Quantitative Merkmale, 2016, o. S.

4 Vgl. Pfohl, H., qualitative Merkmale, 2006, S.18ff.

5 Vgl. Simon, H., qualitative Merkmale, 2012, S.I11T.

6 Vgl. Ihlau, S., Duschau, H., Godecke,S., KMU, 2013, S.5ff.

7 Vgl. Pratt, J.W., Zeckhauser, R. J., DefinitionPrinzipal-Agenten-Theorie, 1991, S.2ff.

8 Vgl. Jensen, M.C., Meckling, W.H., Definition-Prinzipal-Agenten-Theorie, 1976, S.305-360.

9 Schneider, D., DefinitionPrinzipal-Agent-Theorie, 1988, S.1181-1192.

10 Ng\.Alparslan,A., Prinzipal-Agenten-Theorie, 2006, S.18f.

11 Schreyogg, G., Greger, D., Informationsasymmetrie, 2016, S.310.

12 Deutsch: Verborgene Eigenschaft.

13 Vgl. Schmidt, C., Informationsasymmetrie, 2016, S.14.

14 Vgl. Alparslan,A., Prinzipal-Agenten-Theorie, 2006, S.26.

15 Vgl. Alparslan,A., Prinzipal-Agenten-Theorie, 2006, S.30f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gestaltung von Anreizsystemen für KMU nach der Prinzipal-Agenten-Theorie
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Bochum Standort besteht nicht mehr
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V517945
ISBN (eBook)
9783346120250
ISBN (Buch)
9783346120267
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gestaltung, anreizsystemen, prinzipal-agenten-theorie
Arbeit zitieren
Cedric Klammer (Autor), 2018, Gestaltung von Anreizsystemen für KMU nach der Prinzipal-Agenten-Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517945

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