Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft wächst für Kommunen die Bedeutung einer strategischen Sozialplanung, insbesondere seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Welche (nachhaltigen) Veränderungen haben sich in der kommunalen Behindertenpolitik seither ergeben und welche Ansatzpunkte können Sozialplaner bei der Entwicklung einer inklusiven Infrastruktur im Sinne der weiteren Umsetzung der UN-BRK nutzen?
Die vorliegende Publikation liefert neben einer Definition von Inklusivem Gemeinwesen und Inklusion im Allgemeinen eine Analyse zum Nutzen von strategischer und inklusiver Sozialplanung, betrachtet damit einhergehende planerische Herausforderungen und Ansätze, sowie Ebenen der inklusionsorientierten Sozialplanung. Im Anhang enthalten sind relevante Indikatoren für Inklusion.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Inklusives Gemeinwesen und Definition von Inklusion
2 Strategische und Inklusive Sozialplanung – Definition und Nutzen
2.1 Ebenen der inklusionsorientierten Planung
2.2 Prozesshafte Vorgehensweise in der Planung
3 Ausblick
4 Anlage Indikatoren Inklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie eine strategische Sozialplanung auf kommunaler Ebene dazu beitragen kann, die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) nachhaltig umzusetzen und ein inklusives Gemeinwesen zu fördern. Im Zentrum steht die Frage, welche sozialplanerischen Ansatzpunkte identifiziert werden können, um Barrieren abzubauen und die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen gezielt zu stärken.
- Grundlagen und Definitionen eines inklusiven Gemeinwesens
- Bedeutung der strategischen Sozialplanung als Steuerungsinstrument
- Differenzierung der Planungsebenen und prozesshafte Vorgehensweisen
- Herausforderungen der Kooperation und Vernetzung zwischen verschiedenen Akteuren
- Konkrete Indikatoren für eine inklusive Sozialberichterstattung
Auszug aus dem Buch
2.1 Ebenen der inklusionsorientierten Planung
Um auf kommunaler Ebene die planerischen Möglichkeiten zu nutzen, wird nun dargestellt, welche Ebenen der Planung zu unterscheiden sind. Grundsätzlich wird Planung als komplexes Geschehen angesehen bei dem es um die „Koordination des kollektiven Handelns bei nicht vorauszusetzendem Konsens[es]“ geht (Fürst 2008: 25). Da in dem hier behandelten Kontext aber eher das verwaltungsinterne Planungsverständnis entscheidend ist, wird dies nun genauer differenziert. Die Regelungen der UN-Konvention machen deutlich, dass alle Planungsbereiche die Vielfalt menschlichen Lebens berücksichtigen und so die Bedarfe von Menschen mit Beeinträchtigungen mit beachten sollen. Hierzu ist es notwendig, dass diese mit bedacht und mitgehört werden. Inklusionsorientierte Planung ist somit keine weitere Fachplanung neben der Sozial-, Jugendhilfe-, Schulentwicklungs-, Pflege- oder Stadtplanung, sondern soll von diesen mitberücksichtigt werden.
Als eine der ersten Kommunen hat St. Augustin die Aufgabe der Sozialplanung mit dem Bereich Integration in Form der Stabsstelle „Integration und Sozialplanung“ verknüpft, was auch den Aspekt der Inklusion beinhaltet. Insgesamt wird eine realistische, ressourcenorientierte Betrachtung empfohlen anstelle einer defizitorientierten Betrachtungsweise (VSOP 2012: 9).
Wichtig ist auch die Frage, auf welcher planerischen Ebene das Thema Inklusion sinnvoll zu verorten ist. Abbildung 1 zeigt, dass die unterschiedlichen Ebenen der Fach-, Ressort- und der kommunalen Entwicklungsplanung angesprochen sind. Auch wenn das Ziel darin besteht, dass die Bedarfe von Menschen mit Beeinträchtigungen bei allen Aktivitäten mitberücksichtigt werden, so macht die Konvention auch klar, dass eine Planung als qualifizierte Fachplanung für Menschen mit Behinderungen neben anderen Planungen (z.B. der Jugendhilfeplanung) notwendig ist. Diese Planung sollte auf die Bereitstellung mit flexiblen, inklusionsorientierten Unterstützungsdiensten in einem inklusiven Umfeld ausgerichtet sein (Rohrmann 2014: 245f.) Darüber hinaus soll die Inklusionsplanung neben dem Sozialressort auch andere Ressorts dahingehend beeinflussen, dass auch dort Barrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen abgebaut, verhindert und überwunden werden, wie beispielsweise innerhalb der Kultur- oder Bildungsplanung (Kempf & Rohrmann: 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit strategischer Sozialplanung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und skizziert die Entwicklung der Behindertenpolitik seit deren Inkrafttreten.
1 Inklusives Gemeinwesen und Definition von Inklusion: Dieses Kapitel definiert den Begriff Inklusion in Abgrenzung zur bloßen Integration und betont die Bedeutung von Planung auf kommunaler Ebene für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung.
2 Strategische und Inklusive Sozialplanung – Definition und Nutzen: Hier wird der Nutzen strategischer Planung als datengestütztes Instrument hervorgehoben, um Verteilungsdebatten zu versachlichen und die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen zu verbessern.
2.1 Ebenen der inklusionsorientierten Planung: Dieses Unterkapitel analysiert die verschiedenen planerischen Ebenen in der Verwaltung und die Notwendigkeit, Inklusion als Querschnittsaufgabe in allen Fachplanungen zu verankern.
2.2 Prozesshafte Vorgehensweise in der Planung: Der Abschnitt diskutiert die Notwendigkeit eines dynamischen, prozesshaften Vorgehens, um flexibel auf Anforderungen zu reagieren und eine fortlaufende Zielbewertung zu etablieren.
3 Ausblick: Der Ausblick thematisiert die Bedeutung einer verbesserten Datenlage und fordert ein stärkeres Engagement der Verwaltung ein, Inklusion nachhaltig in konkrete Handlungen zu übersetzen.
4 Anlage Indikatoren Inklusion: Die Anlage bietet eine detaillierte Zusammenstellung relevanter Indikatoren für die Bereiche Bildung, Ausbildung und Arbeit zur Unterstützung einer inklusiven Sozialberichterstattung.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sozialplanung, UN-Behindertenrechtskonvention, Kommunalentwicklung, Sozialmonitoring, Teilhabe, Barrierefreiheit, Inklusives Gemeinwesen, Sozialraum, Sozialleistungsträger, Teilhabeplanung, Indikatoren, Datenbasierte Planung, Querschnittsaufgabe, Lebenslagen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der strategischen Sozialplanung als Instrument für Kommunen, um die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen und ein inklusives Gemeinwesen zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Inklusion, die methodische Ausgestaltung der Sozialplanung, die Kooperation verschiedener Akteure sowie die Entwicklung geeigneter Indikatoren zur Erfolgsmessung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, sozialplanerische Ansatzpunkte auf kommunaler Ebene zu identifizieren, die eine nachhaltige Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen und Barrieren systematisch abbauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse der rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen der Sozialplanung sowie die Auswertung von Expertenmeinungen und Monitoring-Ansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Nutzen einer strategischen Sozialplanung, die Differenzierung der Planungsebenen, die prozesshafte Vorgehensweise und die Herausforderungen der Vernetzung detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Inklusion, Sozialplanung, UN-BRK, kommunale Entwicklung, Teilhabe und Sozialmonitoring sind die zentralen Begriffe, die den Fokus der Arbeit bestimmen.
Warum ist eine "prozesshafte" Vorgehensweise in der Planung so wichtig?
Da inklusive Sozialplanung ein dynamisches Handlungsfeld ist, ermöglicht eine prozesshafte Vorgehensweise, flexibel auf unvorhersehbare Entwicklungen zu reagieren und Ziele kontinuierlich anzupassen.
Welche Rolle spielen Indikatoren in der Anlage der Arbeit?
Die Indikatoren dienen als Werkzeug für Kommunen, um ihre Inklusionsbemühungen in Bereichen wie Bildung und Arbeit statistisch zu erfassen, zu bewerten und somit eine transparente Sozialberichterstattung zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Jessica Hartig (Autor:in), 2020, Inklusive Sozialplanung. Wie gelingt strategische Sozialplanung unter Berücksichtigung der UN-Behindertenrechtskonvention?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518487