Das folgende Essay wird der Fragestellung nachgehen, ob und inwieweit die katholische Kirche und das Dritte Reich zwischen 1933 und 1945 harmonisch koexistierten, gegenseitige Neutralität bewahrten oder sich gar gegenüberstanden. Als Grundlage für diese Analyse wird der am 29. April 1940 verfasste Brief von Adolf Hitler, adressiert an Kardinal Dr. Bertram, dienen. Das Essay wird hierbei die historische Primärquelle inhaltlich darstellen, sie kontextualisieren und anschließend interpretieren sowie mit Hinblick auf ihren historischen Kontext einordnen.
Das nationalsozialistische Dritte Reich unter Adolf Hitler war eine der schlimmsten Diktaturen der Weltgeschichte. Basierend auf einem rassistischen und fremdenfeindlichen Weltbild, terrorisierte es zwölf Jahre, zwischen 1933 und 1945, Europa und Nordafrika, begann einen Weltkrieg der fast 80 Millionen Menschen das Leben kostete und vollzog den grausamen Holocaust
an den Juden. Der Führer des Dritten Reichs, Adolf Hitler, erschien in seiner eigens formulierten und entwickelten Ideologie als eine Art göttliche Erscheinung. Er sah sich selbst als Gesandter Gottes, der, unter anderem durch den Völkermord an den Juden, das Werk Gottes vollbrachte: "Indem ich mich des Juden erwehre, erfülle ich das Werk des Herrn."
Eine solche Struktur und Idee scheint dem christlichen Weltbild und der katholischen Kirche diametral gegenüberzustehen. Trotzdem nutzten Hitler und die Nationalsozialisten religiöse Bezüge und Riten in ihrer Ideologie. Somit stellt sich die Frage, inwieweit Kirchen und das Dritte Reich vereinbar waren und wie Hitler persönlich zu der katholischen Kirche stand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Quelle
3. Interpretation und Einordnung der Quelle
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem nationalsozialistischen Regime unter Adolf Hitler zwischen 1933 und 1945. Anhand eines spezifischen Briefes von Adolf Hitler an Kardinal Dr. Bertram wird analysiert, ob eine Harmonie bestand, Neutralität gewahrt wurde oder ein offener Konflikt vorherrschte.
- Analyse des historischen Verhältnisses zwischen NS-Regime und Katholizismus
- Untersuchung der politischen Vereinnahmungsversuche durch Adolf Hitler
- Bewertung der Rolle von Diplomatie und kirchlicher Passivität
- Kontextualisierung des Reichskonkordats von 1933
- Kritische Würdigung der Rolle von Papst Pius XII.
Auszug aus dem Buch
Interpretation und Einordnung der Quelle
Zur vollständigen Betrachtung der Quelle muss der historische Kontext dargestellt werden. Dazu gehört jeweils der historische Kontext der NSDAP, beziehungsweise Adolf Hitlers, der katholischen Kirche und der beiden genannten Parteien zueinander.
Im April 1940 befindet sich Adolf Hitler nur wenige Monate von seinem absoluten Höhepunkt in puncto politischer Macht entfernt. Zu diesem Zeitpunkt, circa 7 Jahre nach der Machtergreifung von 1933, sind alle konkurrierenden Parteien bereits verboten, politische Dissidenten bis auf sehr wenige Ausnahmen aus dem Land geflohen, zumeist jedoch in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert oder bereits getötet worden. Presse- und Meinungsfreiheit sind bis zu diesem Zeitpunkt längst brutal abgeschafft worden und die systematische Verfolgung von jüdischen Menschen, wie auch Inzidenzen, wie die Reichspogromnacht von 1938 bereits geschehen.
Die Frage nach der Beziehung zwischen Kirche, in diesem Falle Katholizismus, und Staat ist eine der zentralsten Fragen in der deutschen Politik und Gesellschaft der letzten drei Jahrhunderte gewesen. Das zunehmende Verlangen der deutschen liberalen Bevölkerung nach einer Trennung von Staat und Kirche ab dem 18. Jahrhundert und dem gegenüberstehend eine katholische Kirche, die ihren Einfluss auf die Politik des Landes nicht zurückstellen wollte, spitzte sich in Deutschland zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Dritten Reich und benennt den analysierten Brief als zentrale Primärquelle.
2. Darstellung der Quelle: In diesem Kapitel wird der Inhalt des Briefes von Adolf Hitler an Kardinal Dr. Bertram inhaltlich strukturiert und zusammengefasst wiedergegeben.
3. Interpretation und Einordnung der Quelle: Dieser Abschnitt bietet eine tiefgehende historische Einbettung in den Kontext der NS-Zeit, des Kulturkampfes und der politischen Strategien Hitlers gegenüber den Kirchen.
4. Fazit: Das Fazit resümiert das Verhältnis als eine Form der Duldungsbekämpfung und kritisiert die passive Haltung der Amtskirche sowie Papst Pius XII. gegenüber dem NS-Regime.
Schlüsselwörter
Katholische Kirche, Drittes Reich, Adolf Hitler, Kardinal Bertram, Nationalsozialismus, Konkordat, Seelsorge, Kirchenkampf, Duldungsbekämpfung, Papst Pius XII., Machtpolitik, Ideologie, Widerstand, Zeitgeschichte, Glaubensbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das schwierige und ambivalente Verhältnis der katholischen Kirche zum nationalsozialistischen Regime unter Adolf Hitler zwischen 1933 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die gegenseitigen Versuche der politischen Instrumentalisierung, das Reichskonkordat, die historische Einordnung kirchlichen Handelns und die Frage nach Widerstand oder Akzeptanz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin geht der Frage nach, ob zwischen Kirche und Staat in dieser Zeit eine Harmonie, eine neutrale Koexistenz oder ein direkter Widerstand herrschte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, die einen spezifischen Brief Adolf Hitlers vom 29. April 1940 kontextualisiert und historisch interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem historischen Kontext, der politischen Strategie der Nationalsozialisten zur Gleichschaltung der Kirchen und der diplomatischen Reaktion des Vatikans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Katholizismus, NSDAP, Kirchenkampf, Duldungsbekämpfung, Konkordat und das NS-Regime.
Welche Bedeutung misst die Autorin dem Brief von Adolf Hitler bei?
Der Brief dient als Primärquelle, um Hitlers rhetorische Strategie der Vereinnahmung der Kirche für seine völkischen und politischen Ziele zu belegen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Papst Pius XII.?
Die Autorin bewertet sein Verhalten angesichts der bekannten Verbrechen als zu passiv und sieht sein Nichteingreifen eher als einen Akt der Akzeptanz denn als Widerstand.
- Quote paper
- Vivien Lukas (Author), 2019, Die katholische Kirche und das Dritte Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518498