Sozialisation durch die Medien Buch und Musik


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Sozialisation durch die Musik
1.1 Zur Bedeutung von Musik für Jugendliche
1.2 Die Radionutzung als Beispiel für die Nutzung des Mediums Musik bei Jugendlichen .

2 Sozialisation durch das Lesen
2.1 Funktionen des Lesens
2.2 Lesesozialisationsinstanzen
2.2.1 Informelle Sozialisation Familie
2.2.2 Formelle Sozialisationsinstanz Schule
2.2.3 Informelle Sozialisation peer group

Fazit

3 Literatur

Einleitung

Medien, insbesondere Massenmedien, werden im Alltag eines jeden Jugendlichen immer wichtiger. Schon im frühen Kindesalter werden diese mit Büchern, Kassetten oder CDs und dem Fernsehen konfrontiert. Die Medien sind also schon in den ersten Sozialisationsphasen eines jeden Menschen vorhanden und beeinflussen ihn. Je mehr Medien genutzt werden und je häufiger dies geschieht, um so stärker ist der Einfluss. Doch dieser ist nicht, wie oft behauptet negativ, sondern bringt viele neue Medienkompetenzen für die Nutzer mit sich.

Laut Schorb, Mohn und Theunert besteht ein Zusammenhang zwischen Sozialisation und Medien, der sich aus drei Perspektiven her betrachten lässt. Zum einen sind die Massenmedie wichtige Faktoren, die Einstellungen, Urteile und Wissen und teilweise auch das Verhalten der Menschen beeinflussen. Zum anderen lassen sich die Medien selbst als fremdbestimmte Instrumente der Sozialisation nutzen, als Hilfsmittel der Enkulturation, also der Übertragung des in einer Gesellschaft für verbindlich erachteten Wissens- und Normenkanons. Als letzten Punkt stellen die Forscher fest, dass sich die Medien als selbstbestimmte Instrumente der Sozialisation, als Mittel zur kritischen Auseinandersetzung und Artikulation im sozialen Umfeld nutzen lassen. (vgl. Schorb, Mohn, Theunert 1998, S. 624).

Im folgenden wird die Sozialisation durch die Medien beispielhaft anhand der Musik (der Nutzung des Radios) und des Lesens von Büchern dargestellt, wobei die besonderen Einflüsse von formellen und informellen Sozialisationsinstanzen wie der Familie, der Schule und der peer group näher betrachtet werden. Außerdem werden einige Gründe aufgezeigt, warum Jugendliche zu bestimmten Medien greifen und die Medienkompetenzen (das Populärkulturelle Kapital), die sie dadurch erlangen können.

1 Sozialisation durch die Musik

Laut Müller (2004, S.9) rechnen sich 60 Prozent aller Jugendlichen jugendmusikkulturellen Stilen/Szenen zu und zwar den Fankulturen, HipHop- oder Technoszenen. Bei der Untersuchung nach Gründen dafür „werden zum einen musikalische und mediale Selbstsozialisation und Identitätskonstruktion in den Blick genommen, zum anderen wird die Rolle sozialer Zwänge, sozialer Ungleichheit und sozialer Differenzierung beim Umgehen mit Musik und Medien diskutiert.“ (Müller, Glogner, Rhein, Heim 2002, S.13). Für die Jugendlichen selber sind Spaß, Zeitvertreib und mögliche Informationen zur Lebensbewältigung von großer Bedeutung. Die Jugendlichen suchen nach Informationen, die ihnen in ihrem soziales Leben weiterhelfen oder sie auf ihr zukünftiges Erwachsenenleben vorbereiten.

1.1 Zur Bedeutung von Musik für Jugendliche

Musik stellt für die Jugendlichen nicht nur Zeitvertreib dar, sondern scheint für viele von existenzieller Wichtigkeit zu sein, besonders in Pubertät und Adoleszenz. „Jugendliche konstruieren Identität, in dem sie definieren, wo sie sich zugehörig fühlen und wogegen sie sich abgrenzen, als wer sie von anderen angesehen und in welche kulturelle Schublade sie auf keinen Fall gesteckt werden möchten.“ (Müller 2004, S.9). Durch die Zurechnung einer bestimmten Szene, distanzieren sie sich automatisch von anderen Szenen, sei es die der Erwachsenenkultur der Eltern oder die anderer Jugendlicher. Manche finden in der Szene mögliche Lebensstil-Optionen, andere suchen einfach nur nach Modetrends wie aktuelle Tanzstile oder Tipps für die Kleidung. Sie benutzen Musik und Clips zur Beschäftigung mir der eigenen Gefühlswelt, zur gezielten Beeinflussung der eigenen Stimmungs- und Gefühlslage sowie zur Gestaltung des sozialen Kontextes mit Freunden. Musik wird also als Indikator und Regulator der eigenen Gefühle verwendet, oder um eventuell aus Identitätskrisen hinauszuhelfen. Für manche kann sie bei der Identitätsbildung helfen, in dem sich über bestimmte audiovisuelle Symbole, wie spezielle Parties, oder besondere Outfits neue Subgruppen bilden, denen man sich zurechnen kann.

„Jugendliche eignen sich durch Musik- und Mediennutzung eine interkulturell verständliche audiovisuelle Symbolsprache an, als Orientierung im Spannungsfeld von Globalisierung und Lokalisierung, als Chance zum Selbstausdruck und zur interkulturellen Kommunikation.“ (Müller 2004, S.10). Bei der musikkulturellen Bearbeitung von (jugendspezifischen) Problemen wird Musik benutzt, um Entwicklungsaufgaben, wie den Aufbau enger Freundschaftsbeziehungen zu bewältigen oder um sich besser in Gleichaltrigengruppen zu integrieren. Außerdem kann sie die Ablösung vom Elternhaus vereinfachen und bei der Entwicklung zur Selbstständigkeit helfen. Zusätzlich lässt sich sagen, dass beide Seiten, also Gestalter und Fans (oder Produzenten und Konsumenten) von Musikkultur aktiv bei der Aneignung von Fähigkeiten, dem Erwerb von kulturellem Wissen und der Beschaffung kultureller Güter beteiligt sind.

Diese Fähigkeiten werden auch in Anlehnung an Bourdieu als Populärkulturelles Kapital (vgl. Fiske 1992) bezeichnet. Hierunter wird die „Aneignung von Fähigkeiten der Erwerb von Fähigkeiten und die Beschaffung kultureller Güter verstanden.“ (Müller 2004, S.12). „Es erlaubt Individuen, sich als einzigartig zu präsentieren, soziale Zugehörigkeit zu definieren und zu sichern, sowie sich abzugrenzen. Somit erfüllt es die sozialen Funktionen der Identitätspräsentation und -konstruktion, der sozialen Integration und der Distinktion.“ (Müller, Glogner, Rhein, Heim 2002, S.13.) Populärkulturelles Kapital ist selbstsozialisiert, d.h. die Jugendlichen eigenen es sich selbst im Raum der peer group an. Die Jugendlichen verschaffen sich durch die Aneignung des populärkulturellen Kapitals soziale Anerkennung und soziale Kompetenzen in peer groups. Es erlaubt den Individuen, sich als einzigartig zu präsentieren, soziale Zugehörigkeiten zu definieren und zu sichern sowie sich abzugrenzen. Außerdem dient es der Erfüllung sozialer Funktionen wie der Identitätspräsentation und - konstruktion, Integration und Distinktion. So definieren sich junge Mädchen plötzlich über eine Boyband, der sie ihr ganzes Leben widmen möchten und über die sie jeden Schnipsel Fanmaterial sammeln, den sie in die Finger bekommen. Sie besuchen Konzerte und möchten ihren Stars so nah wie möglich sein. Was hysterisch klingen mag, kann aber auch eben genanntes Populärkulturelles Kapital erzeugen, wie dass die Mädchen plötzlich englische Texte mitsingen wollen, diese übersetzen und so einen positiven, zwanglosen Zugang zur Sprache finden.

Den sozialen Randgruppen ermöglicht es die Repräsentation ihrer Kulturen in den Medien, verknüpft mit dem Wunsch, dadurch Respektierung ihrer kulturellen Identität zu gewinnen. Die Spezialisierung über die Musik erfolgt je nach schichtspezifischen, geschlechtsspezifischen, ethnospezifischen Erfahrungen wie Marginalisierung, Bedeutungslosigkeit, Unterdrückung und Devianz.

In ihrem Aufsatz geht Renate Müller auf die Notwendigkeit musikpädagogischer Bildung ein und stellt fest: „Jugendliche brauchen musikpädagogische Unterstützung und Aktivierung ihrer Aneignungspotentiale, da die Chancen zur Selbstsozialisation ungleich verteilt sind.“ (Müller 2004, S.15). In ihren Augen reicht es nicht, wenn Jugendlich sich in ihrer eigenen Kultur auskennen, sie sollen auch über deren Wurzeln und Traditionen informiert werden. Im folgenden geht es um die Nutzungsmuster jugendlicher Musikhörer, speziell für das Medium des Radios.

1.2 Die Radionutzung als Beispiel für die Nutzung des Mediums Musik bei Jugendlichen

Heutzutage lässt sich sagen, dass der Alltag eines jeden Jugendlichen in Deutschland sehr stark mediendominiert ist, was sich mit der aktuellen JIM Studie belegen lässt. (http://www.mpfs.de/studien/jim/JIM-Studie2005.pdf). Demnach hat jeder Jugendliche einen Fernseher im Haushalt (100%). 99 Prozent haben ein eigenes Handy und 98 Prozent einen CD-Player Über 80 Prozent besitzen jeweils einen MP3 Player, einen Diskman und einen Kassettenrekorder. Dies ist aber nicht zwangsläufig so: „Wie die Sozialisation Jugendlicher aussieht, richtet sich stark nach individuellen Gegebenheiten wie der ökonomischen Situation der Eltern, aber auch gesellschaftlichen sowie (sozial)politischen Verhältnissen.“ (Hoffman 2002, S.85). Im Laufe der Jahre lässt sich ein Trend feststellen, wohingegen die Sozialisationsverläufe mehr und mehr Richtung Individualisierung gehen. Traditionelle Sozialinstanzen, wie die Schule, verlieren demnach immer mehr an Bedeutung, wohingegen die institutionellen Angebote wie die Medien immer wichtiger werden und an Bedeutung gewinnen. Über die Musik lässt sich sagen, dass sie oft gehört wird, um dazu zu gehören, um mitreden zu können und um angesagt zu sein.

Die folgende Darstellung einer Studie zur Radionutzung, soll zeigen, welche Nutzungsmuster bestimmten Typen von Jugendlichen folgen:

Um Fragen, wie „Steht die Medienaneignung von Jugendlichen in engem Zusammenhang mit der Bewältigung jugendtypischer Entwicklungsaufgaben?“ oder „Erfolgt die Mediennutzung Jugendlicher aufgrund der gesellschaftlichen Bedingungen...?“ wurde eine Panelstudie über die Radionutzung von Jugendlichen gemacht, bei der 1011 10-18-jährige SchülerInnen im Westen und Osten Deutschlands zu zwei Messzeitpunkten zu ihrer Mediennutzung befragt wurden.

Es zeigt sich, dass das Radio im späten Jugendalter zur Stimmungsregulation benutzt wird und dass die Auseinandersetzung mit den Programminhalten zunimmt. Die Jugendlichen unterhalten sich allerdings nicht mehr so häufig über das gehörte wie zum ersten Messzeitpunkt. Bei dieser Studie haben sich drei klare Idealtypen der Radionutzer herausgebildet, die ein unterschiedliches Nutzungsprofil verfolgen: der elternorientierte Jugendliche, der individualisierte Jugendliche und der dominant peerorientierte Jugendliche. Der elternorientierte Jugendliche benötigt im Vergleich zu den altersgleiche peer- und individualisierten Jugendlichen das Radio mehr, um parasoziale Bedürfnisse zu befriedigen.

Dominant individualisierte Jugendliche brauchen das Radio weniger als peer- und elternorientierte Jugendliche, da unter Umständen andere Wege zur Verwirklichung ihrer Sozialisationsbelange bestehen. Und die dominant peerorientierte Jugendliche brauchen eine gewissen Zeit die besondere Form der Vergemeinschaftung über das Radio, um mit den anderen darüber zu reden.

2 Sozialisation durch das Lesen

„Sozialisation wird als Prozess der Auseinandersetzung eines Menschen mit seinem biologischen und psychologischen Dispositionen und der sozialen und physikalischen Umwelt verstanden, durch den der Mensch zum gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt wird. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten werden von einer Lebensphase zur anderen modifiziert und weiterentwickelt.“ (Hurrelmann 2002, S. 155). Wird diese Definition nun auf die Sozialisation durch die Medien, insbesondere die des Buches modifiziert, so erhält man folgende Definition des Begriffs „Lesesozialisation“. Sie ist laut Groeben die „Enkulturation des Individuums, d.h. als ein durch soziale Instanzen gefördertes, aber vom Individuum aktiv realisiertes Hineinwachsen in die (jeweilige) Kultur“ (Groeben 2004, S.16). Diese Art der Sozialisation kann über folgende und weitere Sozialisationsinstanzen wie der Familie als erste, wichtigste und informelle Instanz erfolgen. Die zweite Instanz, der sich in Deutschland jedes Kind ab dem 6. Lebensjahr eingliedert ist die Schule, die als formelle Vermittlung fungiert und die dritte, wieder informelle Instanz, die den Kindern und Jugendlichen als Lesesozialisation nützen kann, stellt die peer group dar. Über die Vermittlung von Lesekompetenzen in der Familie sagt Groeben: „Entscheidend für eine positive, dauerhafte Lesesozialisation ist ein anregendes, kooperatives Interaktionsklima in der Familie und die Vorbildfunktion der Eltern (insbesondere die der Mutter), die sich in der Übereinstimmung zwischen positiver Werteinstellung gegenüber dem Lesen und der eigenen Leseintensität manifestiert.“ (a.a.O, S.16). Aber inwieweit die Eltern ihren Kindern gute Vorbilder sein können, wird nach wie vor von deren Schichtzugehörigkeit als stärkster und empirisch messbarer Einflussfaktor der Lesesozialisation bestimmt, die sich auf die mediale Ausstattung des Haushaltes des Kindes auswirken. So ist „der Einfluss der Schichtzugehörigkeit (...) immer noch praktisch ungebrochen, insofern als Unterschicht-Kinder in der Regel eine schlechtere Lesesozialisation erfahren und Lesekompetenz entwickeln im Vergleich zu Mittelschicht-Kindern.“ (a.a.O., S.18) Diese soll über formelle Institutionen wie Kindergarten und Schule vermindert werden, was durch eine intensivere Integration mit der Schule erreicht werden soll.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sozialisation durch die Medien Buch und Musik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Familieneinflüsse,Gene, Erziehung, Beziehung
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V51910
ISBN (eBook)
9783638477475
ISBN (Buch)
9783640844722
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisation, Medien, Buch, Musik, Hauptseminar, Familieneinflüsse, Gene, Erziehung, Beziehung
Arbeit zitieren
Diplom Soziologin Christine Bulla (Autor), 2006, Sozialisation durch die Medien Buch und Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51910

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