Die Umweltbildung in der Grundschule


Seminararbeit, 2005

38 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Umweltpädagogik – zum Stand der Theorie und Praxis
2.1. Geschichtliche und politische Grundlagen
2.2. Eine Auswahl von Konzepten ökologisch gerichteter
Erziehung und Bildung
2.2.1. Umwelterziehung
2.2.2. Ökopädagogik
2.2.3. Naturpädagogik
2.3. Nachhaltige Konzeption – Agenda
2.4. Stand in Sachsen-Anhalt in Bezug auf die Agenda

3. Die Umweltpädagogik im Heimat- und Sachunterricht
der Grundschule
3.1. Entwicklungsstand der Grundschüler
3.2. Konzepte zur Bewältigung der Umweltanforderungen
im Heimat- und Sachunterricht
3.2.1. Konzeption mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt
3.2.2. Konzeption mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunk
3.2.3. Aneignungsorientierte Konzeption
3.3. Umweltpädagogik im Sachunterricht
3.4. Ziele der Umweltpädagogik in der Grundschule

4. Ein Umweltprojekt für die Grundschule
4.2. Eine Konzeptbegründung
4.3. Einordnung in die Rahmenlichtlinien
4.4. Konzeptvorstellung
4.4.2. Ausgangssituation
4.4.3. Grundlegende Zielvorstellungen
4.4.4. Aufbau einer Projektstunde

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang:
Abb. 1/ 2/ 3/ 4/

1. Einleitung

„Angesichts der zunehmenden Gefährdung der Lebensgrundlagen von Pflanzen, Tieren und Menschen auf der Erde ist die Suche nach Lösungswegen aus dieser Umweltkrise zu einer Zukunftsaufgabe für die Menschheit geworden. Damit ist nicht nur eine Aufgabe in der Zukunft gemeint, sondern insbesondere eine Aufgabe in der Gegenwart für die Zukunft, in der ein Überleben aller Lebewesen gewährleistet sein soll.

Eine fortschreitende Entfernung der Menschen von ihrer Umwelt zeigt sich auch in der immer größer werdenden Unüberschaubarkeit der Folgen des menschlichen Handelns in der Umwelt. Diese Situation erfordert neue Verhaltensweisen im Umgang mit der Umwelt. Unter dem Stichwort Umweltbildung werden Wege aufgezeigt, Grundlagen für solche Verhaltensweisen zu legen.

Umweltbildung ist aber nicht nur allgemein eine Zukunftsaufgabe für das gesamte Bildungswesen […], sondern fordert insbesondere das Mitwirken aller in Schule Beteiligten“(zit. n. Nr. 1).

Da der Mensch in die Natur und Umwelt interveniert, minimieren sich natürliche Ökosysteme, weiten sich kulturelle Landschaften aus und es entwickeln sich Ballungsgebiete. In diesem Zusammenhang sollte das Umweltbewusstsein durch die Umweltpädagogik unterstützt werden. Dabei sollte sich die Umweltpädagogik am Handeln und Belassen der Menschen orientieren; sie steht für das ‚Wohl der Natur’ und für die Beständigkeit der Menschheit. Aus diesem Grund nimmt sich die Umweltpädagogik Aufgaben und Methoden an, die Verhalten wandeln und Handlungseifer steigern sollen. Umweltpädagogik muss sich im alltäglichen Handeln und Belassen sowie in alltäglichen Lebenskonstellationen auszeichnen. Dabei stütz sie sich auf frei zugängliche Konzepte, welche Alternativen vorschlägt. Die Umweltpädagogik widmet sich der ökologisch-ausgerichteten Vorsorge und ist zukunftsorientiert geregelt. (vgl. Nr. 2)

Ausgehend von diesen Grundlagen gibt die folgende Arbeit eine Einsicht in die Spezifik der Umweltpädagogik mit einem Bezug zu der Grundschule. In diesem Zusammenhang wird eine persönliche Konzeption vorgestellt.

Aus diesen Gründen wird die vorliegende Studienarbeit im Wahlpflichtfach Umweltpädagogik mit dem Titel „Die Spezifik der Umweltpädagogik in der Grundschule“ benannt.

Nachdem die Grundlagen der Umweltpädagogik erläutert werden, folgt eine Darstellung der Spezifik im Heimat- und Sachunterricht der Grundschule. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Studienarbeit liegt in der Darstellung eines persönlichen Umweltprojektes für die Grundschule. Für die Beschreibung dieser Inhalte werden im zweiten Kapitel erstens die geschichtlichen und politischen Grundlagen, zweitens eine Auswahl von Konzepten ökologisch gerichteter Pädagogik und drittens die ‚Nachhaltige Konzeption’ – Agenda 21 (auch in Bezug auf Sachsen-Anhalt) vorgestellt. Im dritten Kapitel „die Spezifik im Heimat- und Sachunterricht der Grundschule“ wird auf den Entwicklungsstand der Grundschüler, auf Konzepte zur Bewältigung der Umweltanforderungen im Heimat- und Sachunterricht, auf die Umweltpädagogik im Heimat- und Sachunterricht sowie auf Ziele der Umweltpädagogik im Heimat- und Sachunterricht eingegangen. Das vierte Kapitel steht für ein persönliches Umweltprojekt für die Grundschule, wobei das Konzept inhaltlich präsentiert wird. Zum Abschluss dieser Studienarbeit werden die literarischen Ergebnisse zusammenfassend vorgestellt.

2. Umweltpädagogik – zum Stand der Theorie und Praxis

Grundlegend besteht die Erkenntnis, dass die Umweltpädagogik in vielen Bereichen nicht mit der traditionellen Pädagogik gleichzusetzen ist. „Sie ist die notwendige Folge der denkenden Analyse unserer Probleme in dieser Welt, die pädagogische Konsequenz der Zerstörung des Lebenssystems unseres Planeten“ (zit. n. Nr. 4, S. 15). Die Umweltprobleme hatten eine Bildung eines Umweltbewusstseins und eine Konzeptentwicklung einer Umwelterziehung zur Folge. Der Anfang einer Umweltpädagogik wird in den Beiträgen gesehen, welche versucht haben, ein systematisches Umweltbewusstsein herzustellen und die Umwelterziehung kritisch zu analysieren und weiterzuentwickeln.

2.1. Geschichtliche und politische Grundlagen

Prinzipiell kann die Entwicklung der Umweltpolitik Deutschland in drei Phasen (vgl. Nr. 5) differenziert werden:

Erste Phase: In den 70er Jahren erfolgte ein Versuch der Umweltpolitik, eine komplexe gesetzliche Basis zu bilden. Diese Basis beinhaltet jegliche Umweltmedien (Luft, Wasser, Boden) und die problembehafteten Bereiche wie Abfall und Lärm. Diese erste Phase der Umweltpolitik wird als Umwelt-Medienpolitik definiert.

Zweite Phase: In den 80er Jahren zielt die Umweltpolitik mit Hilfe von veränderten und neuen gesetzlichen Verordnungen auf Abnahme von Umweltschäden und auf eine vorteilhaftere Umweltorganisation bei Umweltkatastrophen. Diese Phase wird als Umweltschäden-Management und Vermeidungspolitik bezeichnet.

Dritte Phase: Seit den 90er Jahren bemüht sich die Umweltpolitik um eine ‚Ökologisierung’ jeglicher sozialer Bereiche. Des Weiteren sieht sich die Umweltpolitik nach der Welt-Umweltkonferenz von Rio de Janeiro (1992) in der Pflicht, die weltweite Bedeutung von Umweltpolitik intensiver zu betrachten. Diese Phase wird als Umwelt-Strukturpolitik charakterisiert.

Im Zusammenhang mit der Umweltpolitik sind auch immer bildungspolitische Gesichtspunkte von Bedeutung gewesen. Dabei definiert die Umweltpolitik die Umweltbildung als ein ‚persuasives Instrument’, welches sowohl auf jedes einzelne Individuum als auch auf Gruppen Bezug nehmen kann. Die Umweltbildung wird als ein aktives Instrument, gleichzusetzen mit Umweltvorsorge, angesehen. Dieses Instrument gewinnt in letzter Zeit an Bedeutung. (vgl. Nr. 5)

Dieses ‚persuasive Instrument’ kann in Informations- und Steuerungsinstrumente eingeteilt werden. Die Informationsinstrumente dienen als Projekte in Schulen oder in beispielhaften Evaluationen von speziellen Bildungsmodellen der dauerhaften empirischen Untersuchung, der methodischen Forschung, dem Fortschritt und dessen Reflexion. Die Steuerungsinstrumente werden in ordnungs- und ablaufpolitische Maßnahmen differenziert. Die ordnungspolitischen Maßnahmen legen die Rahmenbedingungen sowie die ‚Bildungsverfassung’ fest, welche staatlich verordnet werden (dazu zählen: die Schulgesetze, das Berufsbildungsgesetz und das Hochschulrahmengesetz). Innerhalb dieser Gesetze kann die Umweltbildung gesichert werden. Die ablaufpolitischen Maßnahmen nehmen auf bestehende Konstellationen bzw. Interventionen in einzelnen Bildungsbereichen Einfluss (das sind z.B.: Lehrpläne, Prüfungsverordnungen sowie Empfehlungen und Appelle). In diesem Zusammenhang zählt die Umweltbildung zu den ‚weichen Umweltinstrumenten’, welche nicht auf Gesetze, Verbote, Anordnungen und Sanktionsmöglichkeiten basiert. Jedoch ist Umweltbildung sehr wirkungsvoll, wenn sie u. a. darauf zielt, einzelne Menschen, Betriebe, Institutionen u. s. w. zu informieren, zu motivieren und zu Handlungen anzuregen. Außerdem kann die Umweltbildung als Verbindung zwischen Menschen und Institutionen gesehen werden. Dabei ermöglicht sie u. a.:

„[…] daß eine Verwaltung über Informationen verfügt, welche Umweltthemen, Informationen und Handlungen für die Bürger von Interesse sind,

daß diese Interessen und Forderungen auch in andere Gruppen in der Gesellschaft weitervermittelt werden,

daß Konzepte zum umweltverträglichen Handeln von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam erstellt und umgesetzt werden,

daß eine Verwaltung die Möglichkeit hat, ihre ökonomischen Ziele und Handlungsstrategien jedem einzelnen Bürger zu vermitteln und sie zum Mitmachen auffordern kann“(zit. n. Nr. 5).

In diesem Kontext ist der Einfluss der Einordnung von Umweltbildung zu vergleichbaren Bestimmungsbereichen zu betrachten. Jedoch muss dabei erkannt werden, dass die Umweltbildung kein Ersatz für politische Aktivitäten darstellt, sie kann als unterstützendes und begleitendes Hilfsmittel für umweltpolitische Aktivitäten angesehen werden. (vgl. Nr. 5)

2.2. Eine Auswahl von Konzepten ökologisch gerichteter Pädagogik

„Die Frage nach einem vertieften Naturverhältnis war und ist zentral auch eine pädagogische Frage, eine Frage nach menschlicher Bildung zu reifer Humanität. Als Frage nach einer Neuorientierung im Kontext der modernen Zivilisation kommt sie gegenwärtig insbesondere im Rahmen ökologisch orientierter Erziehungs-/Bildungskonzeptionen zu Wort, wobei die Bezeichnung „Ökologie“ bzw. „Umwelt“ über den Begriff „Natur“ hinaus auf die vielfältigen folgenreichen Wechselbeziehungen zwischen dem Soziosystem des Menschen und dem Physiosystem der Natur abheben“(zit. n. Nr. 6, S. 169).

Im Laufe der Zeit wurden differenzierte pädagogische Konzepte gebildet, wobei in dieser Arbeit die ‚Umwelterziehung’, die ‚Ökopädagogik’ und die ‚Naturpädagogik’ vorgestellt werden.

2.2.1. Umwelterziehung

Seit der zweiten Hälfte der 70er Jahre und als Vorschlag der ‚Conference on the Human Environment’ wurde der ökologische Bedarf mit den Synonymen ‚Environmental Education’ und ‚Umwelterziehung/ -bildung’ in die Pädagogik integriert. Im UNESCO-Konferenzbericht des Jahres 1977 wurden Forderungen hinsichtlich eines jetzigen und zukunftsfähigen Umweltschutzes ausgesprochen. Es handelt sich dabei um eine notwendige Pflicht für die Menschheit, die Umwelt zu beschützen und besser zu gestalten. Die dafür zu erreichenden ökologischen Meinungen und ethischen Wertvorstellungen sollen durch die Erziehung vermittelt werden. In diesem Zusammenhang wird in dem UNESCO-Konferenzbericht Umwelterziehung wie folgt gedeutet: Sie ist „[…] das Ergebnis einer Neuorientierung und Verbindung verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen und pädagogischer Bereiche, durch die ein integrierter Zugang zu den Problemen der Umwelt erleichtert und die Anwendung auf die sozialen Bedürfnisse abgestimmten Handlungsweise ermöglicht werden“(zit. n. Nr. 6, S. 170).

Die grundlegende Forderung der Umwelterziehung ist praxisorientiert und ist somit in Lernprozesse integriert, welche die Umweltprobleme im Zusammenhang mit einer sich schnell veränderten Welt lösen wollen. Dies bedarf einer Koordination der Schulfächer und eine dementsprechende Organisation und Durchführung der unterschiedlichen Faktoren des Bildungsprozesses in der Schule, der Schulbücher, Lehrpläne usw. Des Weiteren muss beachtet werden, dass die Umwelterziehung einen lebenslangen Lernprozess bildet. (vgl. Nr. 6)

Auf der Grundlage dieser Forderung stellt die Konferenz weltweite Lernziele in Bezug auf die Umwelterziehung auf.

1. In den Menschen und über sie in der Gemeinschaft soll eine allseitige Sensibilisierung, den Umweltkomplex betreffend, erreicht werden.
2. Ein Verständnis der belangreichsten ökologischen Probleme der heutigen Welt sowie der Wirkungsbeziehungen ihrer vielseitigen ökologischen, physikalischen, sozio-ökonomischen und kulturellen Grundbedingungen soll geweckt werden.
3. Mit Hilfe von ‚Betroffenheit’ auf ökologische Verantwortlichkeit sollen zielende moralische, ökonomische und feinsinnige Wertvorstellungen gebildet werden.
4. Mit Bedacht auf ein unterschiedliches Niveau sollen wissenschaftliche Fertigkeiten erlernt werden, welche mit der Anwendung und der Weitergabe des gewonnen Fachwissens zur Lösung von Umweltproblemen beitragen.
5. Eine direkte gesellschaftlich-politische Mitwirkung soll angeregt werden. (vgl. Nr. 6)

Der Erziehung- und Bildungsauftrag der Umwelterziehung ist dementsprechend mit der zentralen Absicht behaftet, den Menschen zu ökologischer Verantwortlichkeit und Menschlichkeit zu erziehen.

2.2.2. Ökopädagogik

Mit dem Beginn der 80er Jahre entstand durch die Ökologiebewegung im Sinne eines Widerstreits gegen die industriegesellschaftliche Lebensart eine Ökopädagogik. Mit ihr einhergehend wird die Umwelterziehung kritisiert, sie lasse einen falschen Naturbezug, welcher zur Entfremdung des Individuums von sich selbst und von der Natur führt, entstehen und ihre Sorge liege nur darin, den technisch-ökonomischen Fortschritt nicht aufzuhalten. (vgl. Nr. 6)

Dem entgegen sieht die Ökopädagogik die Ursache für die ökologischen Krisen in den Denk- und Handlungsstrukturen und zielt auf eine grundlegende Einstellungsänderung. Es soll ein durch den Eigenwert der Natur beeinflusster Naturbezug aufgestellt werden. Dafür sind ein erneuertes „Sich-Einlassen“ auf die Natur, eine „Neuorientierung“ der Wahrnehmungsarten und eine „Sensibilisierung“ notwendig. Des Weiteren soll sich das Individuum u.a. für ressourcenschonende Alternativtechnologien, Dezentralisierung sowie für eine Bildung angemessener Lebensräume in naturnahen Lebensarten einsetzen. (vgl. Nr. 6)

Das pädagogische Konzept der Ökopädagogik beinhaltet die natürliche Erziehung. Das bedeutet, in praxisnahen Teil- und Kleingruppierungen wie Friedensbewegungen, Gesundheits- und Kinderläden und Bürgerinitiativen findet ein freier Lernprozess statt, der einerseits zu einem naturübereinstimmenden Verhalten und Bewusstsein und andererseits zu Autonomie, Identität und Freiheit zurückführen soll. Dieses sozial-ökologische Lernen, bei dem die Erziehung und Bildung ‚natürlicherweise’ geschieht, überwindet den rein informellen Lernprozess im einheitlichen Bildungssystem und entwickelt ein naturgemäßes Erlernen und Verhalten, welches das Individuum zu einem ökologisch humanen Menschen werden lässt. Denn das naturgemäße Lernen versteht sich in der Ökopädagogik in Beziehung auf die Erfahrung durch die Sinne, die Natur, den Körper, sich selbst und auf ein Leben in Praxis und Politik als ganzheitlich. (vgl. Nr. 6)

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Umweltbildung in der Grundschule
Hochschule
University of Sheffield  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Umweltpädagogik
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
38
Katalognummer
V51934
ISBN (eBook)
9783638477659
ISBN (Buch)
9783656175193
Dateigröße
1296 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umweltbildung, Grundschule, Umweltpädagogik
Arbeit zitieren
Carola Berg (Autor:in), 2005, Die Umweltbildung in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51934

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