„Wittgenstein war nicht das, was man im allgemeinen einen gelehrten Mann nennt. [...] Wissen war bei ihm eng mit Können verbunden“. Die Worte des Wittgenstein - Schülers Norman Malcolm beschreiben einen Mann, der „zu den fünf oder sechs einflussreichsten Philosophen des 20.Jahrhunderts“ gehört: Ludwig Wittgenstein.
Sein Wirken soll im Folgenden anhand zweier seiner Werke, des 1921 erschienenen „Tractatus logico - philosophicus“ und der erst posthum veröffentlichten „Philosophischen Untersuchungen“ aufgezeigt und bewertet werden. Dabei bearbeite ich oben genannte Abhandlungen - nachfolgend kurz „Traktat“ und „PU“ genannt - nichtvollständig,sondern wähle die Themen aus, anhand derer das Umdenken Wittgensteins deutlich wird. Im weiteren Verlauf stelle ich die verschiedenen Positionen Ludwig Wittgensteins zu den Themenfeldern „Bedeutung versus Gebrauch“ der Wörter, „Idealsprache versus Sprachspiele“ und „Wesen versus Familienähnlichkeit“ einerseits im „Traktat“, andererseits in den „PU“ dar. Erstes Ziel meiner Arbeit ist es also, die Theorien Ludwig Wittgenstein zu erfassen und gegenüberzustellen.
Anschließend diskutiere ich - ausgehend von Bewertungen der Philosophie Wittgensteinsdie Frage, wie der Einfluss seiner Werke auf den Bereich der Kommunikationstheorien, insbesondere der Handlungstheorie, einzuschätzen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein
3. Erläuterung der Zeichen- und Handlungstheorie
4. Werke Wittgensteins
4.1 Wittgensteins „Tractatus logico – philosophicus“
4.2 Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“
4.3 Gründe für Wittgensteins Umdenken
5. Gegenüberstellung des „Traktats“ und der „PU“
5.1 Bedeutung versus Gebrauch
5.2 Idealsprache versus Sprachspiel
5.3 Wesen versus Familienähnlichkeit
6. Bewertungen und Urteile
7. Auswirkungen auf die Kommunikationswissenschaft
8. Abschlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die philosophische Entwicklung Ludwig Wittgensteins vom "Tractatus logico-philosophicus" zu den "Philosophischen Untersuchungen" nachzuvollziehen, gegenüberzustellen und deren Bedeutung für den Wandel von der Zeichen- zur Handlungstheorie in der Kommunikationswissenschaft zu analysieren.
- Die Philosophie Ludwig Wittgensteins und ihr Wandel
- Gegenüberstellung von Bedeutungstheorie und Sprachgebrauch
- Logischer Atomismus versus Sprachspiele
- Einfluss der Philosophie auf die Kommunikationswissenschaft
- Die Rolle der Akteure (Aktanten) im kommunikativen Handeln
Auszug aus dem Buch
5.1 Bedeutung versus Gebrauch
Dieser Teilbereich der Wittgensteinschen Philosophie bezieht sich auf die Unterschiede zwischen der Abbildtheorie des „Traktats“ (vgl. Kap. 4.1) und der Sprachauffassung der „PU“.
In seiner frühen Philosophie schlägt Wittgenstein ein Bedeutungsmodell vor, in dem sich Sprache und Wirklichkeit entsprechen. Durch die Sätze unserer Sprache werden also Gegenstände der Wirklichkeit abgebildet. Wittgenstein folgert daraus, dass die Bedeutung eines Wortes bestimmt werden kann durch den Bezug zum Gegenstand, für den es steht. Jedem Wort oder Namen wird also ein einfacher Gegenstand zugeordnet, so dass eine sinnhafte Idealsprache entsteht, in der jeder Satz einen umgrenzten Sinn besitzt.
Dieses „Name – Gegenstand – Paradigma“ (Kampits 1985: 110) unterzieht Wittgenstein in seinen „PU“ einer harten Kritik. Er untersucht die Bedeutung eines Wortes nun nicht mehr aus dem „Horizont [...] der Beziehung zum Gegenstand“ (ebd. 1985: 112), sondern aus dem des Gebrauchs. So lautet einer der zentralen Sätze seiner „PU“: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“ (Wittgenstein 1977: 41; §43).
Damit problematisiert er die Einfachheit der Namen und der daraus resultierenden festen Sinnumgrenzung der Sprache. Anhand verschiedener Beispiele (ebd. 39f.; §39) entlarvt er die „einfachen Gegenstände“ als willkürliche Konstruktionen und billigt damit, dass die Sprache unbestimmt sein kann. Er ersetzt die genaue Zuordnung eines einfachen Gegenstandes zu einem Wort durch die Möglichkeit besser analysierter Sätze, die zwar dasselbe leisten wie der einfache Satz, aber nicht so exakt bestimmt sind. Hierzu ein Beispiel aus den „PU“:
„Denke, du sagtest jemandem statt ‚Bring mir den Besen!‘ – ‚Bring mir den Besenstiel und die Bürste, die an ihm steckt!‘ – Ist die Antwort darauf nicht: ‚Willst du den Besen haben? Und warum drückst du das so sonderbar aus?‘ – Wird er den weiter analysierten Satz also besser verstehen? – Dieser Satz, könnte man sagen, leistet dasselbe, wie der gewöhnliche, aber auf einem umständlicheren Wege.“ (ebd. 53f.; §60)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung Wittgensteins dar und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Wandel von der Zeichen- zur Handlungstheorie aufzuzeigen.
2. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss über das Leben und die akademische Laufbahn von Ludwig Wittgenstein.
3. Erläuterung der Zeichen- und Handlungstheorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Zeichentheorie und der Handlungstheorie definiert, die als Basis für die weitere Analyse dienen.
4. Werke Wittgensteins: Das Kapitel behandelt den "Tractatus logico-philosophicus", die "Philosophischen Untersuchungen" und die Beweggründe für Wittgensteins philosophisches Umdenken.
5. Gegenüberstellung des „Traktats“ und der „PU“: Hier werden die Kernthemen Bedeutung, Sprache und Sprachspiel sowie das Wesen der Begriffe zwischen den beiden Hauptwerken kontrastiert.
6. Bewertungen und Urteile: Dieses Kapitel fasst die wissenschaftliche Rezeption und die kontroversen Ansichten über Wittgensteins Philosophie zusammen.
7. Auswirkungen auf die Kommunikationswissenschaft: Es wird analysiert, wie Wittgensteins Wandel zur Gebrauchstheorie die moderne kommunikationswissenschaftliche Handlungstheorie beeinflusst hat.
8. Abschlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, inwiefern Wittgenstein als Begründer der Handlungstheorie gelten kann und reflektiert seine Bedeutung für die Wissenschaft.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Philosophische Untersuchungen, Pragmatische Wende, Sprachphilosophie, Zeichentheorie, Handlungstheorie, Bedeutung, Sprachspiel, Familienähnlichkeit, Kommunikationstheorie, Aktant, Sprachgebrauch, Linguistischer Wende, Idealsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Entwicklung Ludwig Wittgensteins und untersucht den Übergang von seiner frühen Sprachphilosophie zu seinen späten Thesen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Bedeutung, der Abbildtheorie, der Idealsprache, der Sprachspiele sowie die Abkehr vom logischen Atomismus hin zum sprachlichen Kontextualismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Theorien Wittgensteins gegenüberzustellen und deren Einfluss auf die Neuausrichtung von der Zeichen- zur Handlungstheorie innerhalb der Kommunikationswissenschaft zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der theoretischen Analyse und Gegenüberstellung sowie die hermeneutische Betrachtung der philosophischen Texte Wittgensteins.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kernunterschiede zwischen Wittgensteins "Traktat" und den "Philosophischen Untersuchungen", insbesondere hinsichtlich Bedeutung versus Gebrauch und Wesen versus Familienähnlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ludwig Wittgenstein, Sprachspiel, Bedeutungstheorie, Handlungstheorie, Pragmatische Wende und Kommunikationstheorie.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der Rolle der "Aktanten" bei?
Die Aktanten sind entscheidend, da in der Handlungstheorie die handelnden Personen in den Vordergrund rücken, die Sprache aktiv gebrauchen und ihr durch den situativen Kontext Bedeutung verleihen.
Warum wird Wittgenstein als Begründer der Handlungstheorie bezeichnet?
Obwohl er keine explizite Handlungstheorie aufstellte, legte er mit seinem Wandel zum Sprachgebrauch und zur Lebensform den Grundstein für die moderne Sichtweise des sozialen, kommunikativen Handelns.
Was war der Auslöser für Wittgensteins radikales Umdenken?
Neben Einflüssen der Wiener Schulreform wird insbesondere die Bedeutung von Diskussionen mit Freunden wie Piero Sraffa hervorgehoben, die Wittgenstein zeigten, dass Sprache über Abbildungen hinausgeht.
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- Julia Sommerhäuser (Author), 2001, Die pragmatische Wende nach Ludwig Wittgenstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51959