Die Entwicklung der Rassensklaverei im frühneuzeitlichen Virginia


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.) Die Gründerjahre
1.1) Die Gründung der englischen Kolonie Virginia
1.2) Todesfalle Virginia

2.) Die Zeit 1612-1640
2.1) Das Konzept der Tabakplantagen
2.2) Das Konzept des „Indentured Servant“
2.3) Die ersten Schwarzen in Virginia

3.) Die Zeit 1640-1660
3.1) Das erste diskriminierende Gerichtsurteil
3.2) Die ersten diskriminierenden Gesetze

4.) Gesetzgebung nach 1660
4.1) Der „Act of Assembly“
4.2) Das Gesetz der Erbsklaverei
4.3) Sklaverei und die Kirche
4.4) Der Slave-Code

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„….I say to you today, my friends, so even though we face the difficulties of today and tomorrow, I still have a dream. It is a dream deeply rooted in the American dream.

I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed. We hold these truths to be self-evident, that all man are created equal.

I have a dream that one day on the red hills of Georgia, the sons of former slaves and the sons of former slave owners will be able to sit down together at the table of brotherhood.

I have a dream that one day even the state of Mississippi, a state sweltering with the heat of injustice, , will be transformed into an oasis of freedom and justice.

I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin. I have a dream today.”[1]

Diese berühmten Worte stammen aus einer Rede des wohl bekanntesten Freiheitskämpfers und Verfechters der Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA, von Martin Luther King. Gehalten wurde sie am 8. August 1963 in Washington D.C.

In den Vereinigten Staaten von Amerika, bekannt als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, „Vorreiter der Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit“, war eine große Minderheit noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts isoliert und anders als die weiße Bevölkerung behandelt worden. Kaum vorstellbar, aber noch bis in die 1960er Jahre hatten einige Schwarze in manchen südlichen Bundesstaaten der USA kein Wahlrecht, es gab nach Hautfarbe getrennte Schulen und mussten andere Arten von Benachteiligungen erleiden.

Hierbei stellt sich die Frage, wie diese Ungleichbehandlung entstand und wo sie ihre Ursprünge nahm? In der nachfolgenden Arbeit soll versucht werden, diese Fragen am Beispiel Virginias zu beantworten. Virginia stellte eine Vorreiterrolle bei der Einführung der Sklaverei in den USA dar und eignet sich daher gut zur Behandlung der Problemstellung.

Es gibt zahlreiche Literatur zu diesem Thema zu finden, jedoch hielt ich mich vor allem an „One drop of blood“ von Scott L. Malcomson und an „The white man`s burden“ von Winthrop D. Jordan, die beide die Entwicklung des Rassismus und der Rassensklaverei in den frühen Kolonien u. a. eben auch in Virginia aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, sodass ich meine weiteren Nachforschungen auf diesen beiden Werken aufbaute.

Bevor ich tiefer in das Thema einsteige und die Anfänge der Kolonialisierung Virginias erläutere, möchte ich klarstellen, dass bei der Benutzung von Begriffen wie „Neger“ bzw. „Negro“ kein rassistischer Hintergrund zu vermuten ist. In der Literatur zu diesem Thema werden diese Bezeichnungen für Schwarze ebenso nicht abwertend verwendet.

1.) Die Gründerjahre

1.1) Die Gründung der englischen Kolonie Virginia:

Pläne zur Gründung einer englischen Kolonie in der Neuen Welt gab es schon Ende des 16. Jahrhunderts. Jedoch mussten alle Kolonialisten ihre Hoffnungen aufgrund des von 1588 bis 1604 andauernden Krieges mit Spanien vorerst aufgeben.[2] Erst am 10. April 1606 vergab die englische Krone Aktionären und Händlern aus London die Berechtigung Land zu besitzen und Amerika zu kolonialisieren. Dieses Patent des Königs James I berechtigte zur Gründung zweier Gesellschaften mit Sitz in London und in Plymouth, welche Virginia besiedeln sollten. Auffallend dabei ist, dass die englische Krone hierbei nur die Berechtigung zur Besiedlung vergab und formal die Regierungsgewalt über die Kolonie ausübte, jedoch keinerlei finanzielle Unterstützung zusicherte.[3] Der König wollte keine Risiken eingehen, sich jedoch trotzdem als Oberhaupt der neuen Ländereien betrachtet wissen. James I übersah wohl die Chancen, die sich durch eine Neubesiedlung ergaben, wie sie die Aktionäre und Financiers der Gesellschaften einschätzten. Diese sahen Vorteile durch die Ausweitung des Handels, wollten dem Erfolg der Spanier in ihren Kolonien nacheifern, sahen die Notwendigkeit Kolonien zu erwerben um den wachsenden Rohstoffbedarf zu decken und hofften natürlich auch auf einen ordentlichen Gewinn, den sie für ihr eingesetztes Kapital anstrebten.[4] Vor allem durch den Verkauf von Fischen, Fellen, Gold und anderen Waren aus den Kolonien wollten sie in Europa zu großem Reichtum gelangen.[5] Am 20. Dezember 1606 begaben sich schließlich drei Schiffe der London Company mit 100 Männern auf den Weg die neue Welt zu erobern. Am 26. April 1607 erreichten sie die Küste Virginias, segelten sodann einen Fluss landeinwärts, den sie James nannten und ließen sich schließlich auf einer Landzunge nieder und gründeten dort die Stadt Jamestown.[6]

Somit war die erste erfolgreiche Kolonie gegründet. Dieser Vorgang wurde von den Aktionären der Gesellschaft beaufsichtigt und nach einer Phase gemeinsamer Aufbauarbeit wurde an sie Land entsprechend ihrer Investition verteilt. Die Kolonisten ließen sich als Landwirte, Fischer, Pflanzer und Händler nieder und produzierten zunächst vorwiegend für den eigenen Lebensunterhalt. Allerdings wurden auch einige Waren für den Export produziert, um sie gegen Waren eintauschen zu können, die es nur in England gab.

1.2) Todesfalle Virginia:

Allerdings hatten die ersten Kolonisten von Beginn an mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Siedler waren in keiner Weise auf die feindselige Wildnis vorbereitet. So wurde das Leben in der Kolonie bald zum Überlebenskampf. Viele starben an tropischen Krankheiten, allerdings starb der größte Teil an Hungersnot.[7]

Außerdem stellte sich die Feindseligkeit der Ureinwohner heraus, mit denen es immer wieder zu Auseinandersetzungen kam. Zusätzlich machten harte Winter, vor allem 1609/10 den Kolonisten zu schaffen, sodass die Bevölkerung von 500 Siedlern auf ca. 60 dezimiert wurde.[8] Ein Beispiel von Kannibalismus zeigt die besonders widrigen Umstände auf, unter denen die Kolonisten zu leiden hatten. Ein Mann tötete seine Frau, zerstückelte diese und legte sie in Salz ein um sie nach und nach zu verspeisen.[9]

Somit verwundert es nicht, dass die Überlebenden im Jahre 1610 kurz vor der Aufgabe standen und in ihr Heimatland England zurückkehren wollten. In den darauf folgenden Jahren änderte sich nicht viel an den Lebensumständen in Virginia. Krankheiten, Hunger und Auseinandersetzungen mit Indianern verhinderten eine Expansion. Deshalb brachte England ganze Siedlergemeinschaften in die Kolonie um die Arbeitsleistung auf den Farmen und Getreideplantagen sicherstellen zu können. Jedoch genügte dies nicht, um die Kolonie für die Investoren profitabel zu machen.

Erst als die Offiziellen der London Company 1616 erkannten, dass eine mögliche Lösung der Probleme darin lag, die Kolonie von einem Außenposten Englands zu einem Ort zu verwandeln, in dem sich die Bevölkerung heimisch fühlt, verbesserte sich die Lage in der Kolonie langsam. Es war Absicht, soviel englische Tradition nach Virginia zu bringen, wie es die Wildnis und die Umstände dort erlauben würden.[10] Für die englischen Pflanzer in Amerika war es von enormer Bedeutung zu wissen, dass sie Engländer waren, was in ihrem Verständnis gleichzusetzen war mit gebildet, zivilisiert, christlich und frei sein.[11]

Aufgrund dessen wurde 1618 vom Schatzmeister der London Company Sir Edwin Sandys der neu gewählte Gouverneur, Sir George Yeardley, beauftragt, eine Versammlung einzuberufen. Diese sollte aus ihm selbst, einer von der Gesellschaft gewählten Ratsversammlung und von den freien Siedlern der Kolonie eingesetzten Abgeordneten, bestehen.[12] Somit wurde der Weg für die Entwicklung repräsentativer, politischer Institutionen und der Selbstbestimmung in Virginia geebnet. Trotz zahlreicher ökonomischer Rückschläge und Zwischenfällen mit Indianern, wie z. B. der große Angriff der Indianer von 1622, welcher 350 Siedlern das Leben kostete,[13] hatte die London Company erfolgreich eine dauerhafte englische Basis in Nordamerika etabliert. Die Gesellschaft begann englische Konzeptionen sozialer Prozesse, englische Gesetze und die gewohnte Regierungspolitik in der neuen Wirtschaft einzusetzen, und legte somit den Grundstein für ein dauerhaftes wirtschaftliches Wachstum. Schließlich wurde Virginia Englands erste königliche Kolonie, nachdem 1623 der London Company durch das höchste englische Gericht die Konzession zur Besiedlung entzogen wurde.

2.) Die Zeit 1612-1640:

2.1) Das Konzept der Tabakplantagen

Von Beginn an stellte sich den Siedlern die Frage, durch den Anbau welchen Produktes auf den Plantagen sich der meiste Gewinn erwirtschaften lässt. Viele Versuche einige Getreidearten in dem nahezu tropischen Klima Virginias anzubauen, wie es in ähnlichen Gebieten erfahrungsgemäß erfolgreich praktiziert wurde, schlugen fehl. Erst der Anbau der Tabakpflanze erwies sich als zukunftsweisende Innovation. Es stellte sich heraus, dass Tabak die einzige Pflanze war, die in Virginia florierte.[14] Die ersten Experimente mit Tabakanbau führte der Kolonist John Rolfe, der uns an späterer Stelle noch begegnen wird, zwischen 1612 und 1614 durch.[15]

Rolfe bewahrte die Kolonie dadurch vor dem Ruin. Schätzungen zu Folge konnte durch den Tabakanbau der sechsfache Gewinn im Vergleich zu anderen Pflanzen erwirtschaftet werden.[16] Von nun an blühte die Wirtschaft in Virginia auf. Die Kolonie stellte nun genau das Produkt her, welches in England nachgefragt wurde. Die teils verzweifelten Siedler, welche Hunger erleiden mussten, sich gegen Angriffe der feindseligen Indianer erwehren mussten und von tropischen Krankheiten Heim gesucht wurden, setzten nun alle Hoffnung in die neue „Goldene Pflanze“. Es sollte so schnell wie möglich ein Staat aufgebaut werden, welcher vollkommen auf den Anbau von Tabak ausgelegt ist. „… to found an empire upon smoke...”,[17] wie es Jordan ausdrückt.

Jedoch stellte sich den Pflanzern in Virginia nun ein anderes Problem. In dem subtropischen Klima Virginias war die Arbeit auf den Tabakplantagen alles andere als angenehm. Die Nachfrage nach Arbeitern auf den Feldern stieg kontinuierlich an. Wie konnte diese Nachfrage, welche aus ökonomischen Gründen erwuchs, befriedigt werden? Man kann sich daher leicht ausrechnen, dass nicht genügend freiwillige Plantagenarbeiter zu finden waren.

2.2) Das Konzept des “Indentured Servant”

Es wurde daher das Konzept des „Indentured Servant“ entworfen, dessen Bedeutung im Folgenden erläutert wird. England war zu Beginn des 17. Jahrhunderts übersät mit politischen Gefangenen, Landstreichern, Kriminellen, Armen und anderen Menschen, die die Obrigkeit schnellst möglich außer Landes bringen wollte.[18] Diesen Menschen wurde nun die Möglichkeit geboten ohne Kapital in die Neue Welt verschifft zu werden. Allerdings waren die „servants“ sodann vier bis sieben Jahre lang an einen Dienstherren bzw. Master vertraglich gebunden, der ihnen die Überfahrt bezahlt hatte. Durch ihre Arbeit auf den Plantagen konnten sie die Überfahrt sodann abarbeiten. Der servant konnte von einem Master zum nächsten weiter verkauft werden und die

Vertragslaufzeit war zwischen beiden frei verhandelbar.[19] Nach Ablauf der vereinbarten Arbeitszeit wurden die servants freie Menschen und bekamen selbst ein Stück Land zu gesprochen, sodass sie selbst mit dem Anbau von Tabak beginnen konnten. An dieser Stelle muss jedoch der Unterschied zum Status eines Sklaven klar gemacht werden. Ein Gutsherr, Pflanzer bzw. Master besaß nur die Besitzrechte an der Arbeit des „Indentured Servant“, nicht jedoch an seiner Person. Die Beziehung zwischen beiden wurde per Gesetz geregelt. So verpflichtete sich der Master dazu, seine Angestellten zu ernähren, mit Kleidung zu versorgen und wenn nötig auch zu erziehen und ihn nicht schlecht zu behandeln. Auf der Gegenseite war der servant angebunden, die ihm aufgetragene Arbeit zu erledigen und seinem Master in allen Belangen zu gehorchen.[20] Die strapaziösen Arbeitsbedingungen auf den Plantagen in dieser frühen Periode der Kolonie waren dafür verantwortlich, dass nicht wenige so genannter Vertragsknechte noch vor Ablauf ihrer Vertragslaufzeit starben. Sie waren deshalb praktisch gesehen auf Lebenszeit an ihren Master gebunden.[21] Durch diese Regelung wurde die Arbeitsnachfrage zunächst ausreichend durch Immigranten aus England oder auch aus dem restlichen Kontinent befriedigt. Der große wirtschaftliche Erfolg, welcher vorwiegend auf den Anbau von Tabak zurückzuführen war, ließ die weiße Gesellschaft jedoch in den 1620er Jahren weiter expandieren, sodass die Nachfrage nach Arbeitern weiterhin anstieg.

[...]


[1] http://www.stanford.edu/group/King/speeches/pub/address_at_march_on_washington.pdf

[2] Billings, Warren M.: The Old Dominion in the Seventeenth Century, S. 3

[3] Klein, Herbert S.: Slavery in the Americas, S. 26

[4] Billings, Warren M.: The Old Dominion in the seventeenth Century, S. 4

[5] www.colony-info.de/d/histkap5.html

[6] ebd., S. 5

[7] Billings, Warren M.: The Old Dominion in the Seventeenth Century, S.5

[8] ebd., S. 6

[9] Morgan, Edmund S.: American Slavery, American Freedom, S. 73

[10] Billings, Warren M.: The Old Dominion in the Seventeenth Centure, S. 11

[11] Jordan, Winthrop D.: The White Man`s burden, S. 28

[12] Billings, Warren M.: The Old Dominion in the Seventeenth Century, S. 12

[13] ebd., S. 12

[14] Klein, Herbert S.: Slavery in the Americas, S. 165

[15] Billings, Warren M.: The Old Dominion in the Seventeenth Century, S. 175

[16] Klein, Herbert S.: Slavery in the Americas, S. 165

[17] Vgl. Jordan, Winthrop D.: The White Man`s Burden, S. 39

[18] Klein, Herbert S.: Slavery in the Americas, S. 167

[19] Jordan, Winthrop D.: The White Man`s Burden, S. 28

[20] Jordan, Winthrop D.: The White Man`s Burden, S. 29

[21] Malcomson, Scott L.: One Drop of Blood, S. 170

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Rassensklaverei im frühneuzeitlichen Virginia
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Geschichte)
Veranstaltung
Rassenvorstellungen und Rassismus vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V51968
ISBN (eBook)
9783638477956
ISBN (Buch)
9783638810210
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Rassensklaverei, Virginia, Rassenvorstellungen, Rassismus, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Konrad Hurler (Autor), 2005, Die Entwicklung der Rassensklaverei im frühneuzeitlichen Virginia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51968

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