Wie können Mitarbeit und Lernbereitschaft gefördert werden? Kooperative Lernformen in Regelklassen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn


Praktikumsbericht / -arbeit, 2018

28 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorschau auf die Inhalte des Berichts
1.2 Eindrücke von der Praktikumsschule
1.3 Biographische Reflexion

2. Systematische Beobachtungsaufgabe
2.1 Begründung der Wahl des Themas im Hinblick auf biographische und problemorientierte Aspekte
2.2 Theoriegeleiteter Zugang zur Thematik (Literaturbezug)
2.3 Formulierung einer Fragestellung für die Praxiserkundung
2.4 Hypothesenbildung, Operationalisierung der Fragestellung: Begriffserklärung und Indikatoren
2.5 Erläuterungen zum Untersuchungsdesign (Aufbau des Beobachtungsbogens)
2.6 Durchführung der Praxiserkundung (Ablauf und Schwierigkeiten)
2.7 Analyse und Reflexion der Ergebnisse in Bezug auf:
2.7.1 den theoretischen Zugang
2.7.2 das methodische Vorgehen
2.7.3 Operationalisierung / Indikatoren
2.7.4 offen gebliebene Fragen
2.8 Erträge der Planung, Durchführung und Reflexion der Praxiserkundung
2.9 Anhang: Verwendete Untersuchungsinstrumente (Beobachtungsbogen, Dokumente)

3.Gestaltung von Unterrichtsphasen
3.1 Erfahrungen bei der Planung und Durchführung selbstgestalteter Unterrichtsphasen
3.2 Reflexion eigener Erfahrungen mit der Lehrer Rolle
3.2.1 Eigenreflexion
3.2.2 Fremdreflexion

4. Reflexion der Theorie-Praxis-Phase, des weiteren Studienverlaufs sowie der Studien- und Berufswahl
4.1 Reflexion des eigenen Lernweges im Rahmen des EOP
4.2 Konsequenzen für den weiteren Lernweg / das weitere Studium
4.3 Reflexion der Studien- und Berufswahl
4.4 Reflexion des Praktikums in Bezug auf das Vorbereitungsseminar und die Studienleistung

5. Literaturverzeichnis

6. Anlagen zum selbst durchgeführten Unterricht
6.1 Eigener Unterrichtsentwurf im Sozialwissenschaftsunterricht
6.2. Eigener Unterrichtsentwurf im Fach Deutsch
6.3 Tafelbild des eigenen Unterrichts im Fach Deutsch
6.4. Tafelbild des eigenen Unterrichts im Fach Deutsch

1. Einleitung

1.1 Vorschau auf die Inhalte des Berichts

Im Rahmen des Lehramtsstudiums absolvierte ich vom dritten September bis zum fünften Oktober 2018 ein Eignungs- und Orientierungspraktikum (nachfolgend EOP genannt) an einer Realschule in Hamm. Dieser Bericht dient der Reflexion des EOP. Im Abschnitt eins beschäftigt sich der Praktikumsbericht primär mit den persönlichen Erfahrungen und Eindrücken, die während des Praktikums auf einen wirkten, und den Erinnerungen an die eigene Schulzeit, die im und nach dem Praktikum ständig verglichen wurden.

Der Abschnitt zwei behandelt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff „Kooperative Lernformen“, sowie dem theoretischen Ansatz einer als Beispiel möglichen vorkommenden pädagogisch-didaktischen kooperativen Lernform. Die theoretische und praktische Unterrichtsplanung, sowie die Durchführung, ebenso wie die praktische Reflexion meiner eigenen Leistungen und Fähigkeiten des Bereiches werden im Abschnitt drei thematisiert.

Im Abschnitt vier findet in dem Bericht eine abschließende Reflexion in Bezug auf das Praktikum und den Studienverlauf und die grundsätzliche Reflexion der Studienwahl statt. Die von mir verwendete Literatur wird im Abschnitt aufgeführt.

Thematisch wird sich dieser Bericht vor allem aber mit dem Einsatz von kooperativen Lernformen, unter Berücksichtigung der aktiven Beteiligung der Mitschüler und der Förderung des daraus resultierenden Lernerfolgs, beschäftigen. Ich beziehe mich hierbei explizit auf die Jahrgangsstufen sieben bis zehn, da ich von meiner Praktikumsschule lediglich in diesen Jahrgangsstufen eingesetzt worden bin und dort die Beobachtungsaufgabe erfüllen konnte. Da sich die Schule, an der ich mein Praktikum absolviert habe, vielseitig mit kooperativen Lernformen beschäftigt, liegt der Fokus dieser Arbeit auf kooperative Lernformen. Ein konkretes Beispiel für eine kooperative Lernform wird in dieser Arbeit genannt und mit Hilfe von Zitaten „untermauert“.

1.2 Eindrücke von der Praktikumsschule

Die Realschule befindet sich in Stadt Hamm und ist eine von sechs Realschulen, die sich in städtischer Trägerschaft befinden. Die Schule umfasst die Jahrgänge fünf bis zehn, jeweils dreizügig. Außerdem wird das Klassensystem an dieser Schule um zwei „Internationale Klassen“ ergänzt. Die Schülerzahl beläuft sich auf ca. 450 Schülerinnen und Schüler. Die Lehrerinnen und Lehrer der Realschule sind aktiv an der Schulentwicklung der Einrichtung beteiligt. Stetig werden neue Lernkonzepte erarbeitet, ggf. überarbeitet und weiterentwickelt. Zusätzlich zu den Regellehrkräften, verfügt die Schule über einen Schulsozialarbeiter und eine Sonderpädagogin für Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Sonderbedarf. Binnendifferenzierte Unterrichtsabschnitte finden in jedem Fachunterricht statt. Die Lehrkraft entscheidet je nach Thema und didaktischem Schwerpunkt, welche Unterrichtsform geeignet ist. Kooperative Lernformen, Plenumsunterricht und Einzelarbeiten mit differenzierten Aufgaben werden von der Lehrkraft ausgewählt, um jedes Schülerniveau individuell zu fördern und zu fordern. Um über feste Bezugspersonen zu verfügen, haben die Schülerinnen und Schüler für drei Jahre neben dem festen Klassenlehrer, auch feste Hauptfachlehrkräfte. Nach der siebten Klasse wechselt die Klassenleitung, sowie die Hauptfachlehrer in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch, damit sich die Schülerinnen und Schüler in einem angemessenen Umfang auf neue Lehrkräfte einstellen können. Neben dem Fachunterricht, findet in den Jahrgangsstufen fünf und sechs ein intensives Sozialtraining, ein Programm zur Förderung der Fähigkeit, soziale Konflikte zu lösen, statt. Betrachtet werden Konflikte in ihrer Entstehung und ihren Ausgängen. Besonders Wert gelegt wird auf das authentische Erkennen, Ausdrücken und Kontrollieren von Gefühlen. Da die Schülerinnen und Schüler von verschiedenen Grundschulen kommen und jedes Kind gegebenenfalls andere Regeln zum Sozialverhalten gelehrt bekommen hat, werden in diesem Sozialtraining sinnvolle Klassenregeln erarbeitet. So werden bereits am Anfang der weiterführenden Schullaufbahn Grundsteine gelegt. Der Umgang mit Frustration und das aktive Zuhören gehören ebenfalls zum Gegenstand des Programms. Zusätzlich zum regulären Fachunterricht wenden die Lehrkräfte zusätzlich zum Frontalunterricht, kooperative Lernformen (Museumsrundgang, Gruppenpuzzle, Lerntempoduett, paarweises Partnerpuzzle, Placemat und Rollenspiele) an. So arbeiten die Schülerinnen und Schüler sozialer und sind in der Lage Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen und sind somit für den Lernerfolg der Gruppe verantwortlich. Neues Wissen und neue Strategien werden innerhalb der jeweiligen kooperativen Lernform den schwächeren Schülerinnen und Schülern von den eigenen Mitschülern in „Schülersprache“ erklärt. Durch das eigenständige Erklären, profitieren aber auch starke Schülerinnen und Schüler. Sie können so auch ihr Wissen nachhaltig vertiefen. Durch die kooperativen Lernformen können Schülerinnen und Schüler ihre Stärken in die Gruppe einbringen und entwickeln eher Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Insgesamt kann die Lernmotivation steigen.

Ergänzend zu den Regelklassen verfügt die Realschule über zwei „Internationale Klassen“. Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Zweitsprache (nachfolgend DaZ genannt) lernen, sind zusätzlich zum Fachunterricht auch im DaZ-Unterricht. Die DaZ-Lehrkraft stimmt gemeinsam mit dem Schüler und den jeweiligen Fachlehrern den individuellen DaZ-Bedarf ab. Quartalsweise finden Gespräche statt, um den Bedarf einschätzen zu können. Sollte der Schüler nach einem Quartal weniger Bedarf benötigen, so erhält er mehr Stunden im Regelunterricht seiner Regelklasse, im Gegenzug werden ihm DaZ-Stunden gestrichen.

Die Schülerinnen und Schüler jeder Klasse erhalten außerdem Verwarnungen innerhalb des Regelunterrichts. Werden diese Verwarnungen missachtet, erhalten sie einen „Laufzettel“, mit dem sie in den Trainingsraum der Schule gehen müssen. Der Trainingsraum wird jeweils von einer Lehrperson beaufsichtigt. Ist eine Schülerin oder ein Schüler im Trainingsraum, ist die allgemeine Aufgabe, einen selbstständigen Bericht über ihr, bzw. sein Sozialverhalten zu verfassen, bzw. über den Grund des Aufenthalts. Nach dem Verfassen dieses Berichts, wird der Bericht mit dem Sozialarbeiter der Schule besprochen. Je nach Staffelung der Aufenthalte im Trainingsraum, kommt es schließlich zu Elterngesprächen, Teilkonferenzen und auch zur Suspendierung vom Unterricht. Außerdem verfügt die Realschule über eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, so z.B. die Polizei, die Drogenberatung oder die Agentur für Arbeit, um die Schülerinnen und Schüler bestmöglich beraten zu können. Präventive Maßnahmen im Hinblick auf Straftaten, Alkohol-, Tabak- und Drogenmissbrauch sind ein fester Bestandteil dieser Schule. Außerdem dient die Zusammenarbeit mit der Polizei auch, um z.B. Sanktionen wie Bußgeldbescheide auf Grund von Schulverweigerung durchzusetzen. Das Kollegium, sowie die Leitung der Schule arbeitet sehr transparent zusammen, es herrscht stets ein reger Austausch, der die Entwicklung der Schule überhaupt erst ermöglicht. Was sehr positiv aufgefallen ist, dass die Tür der Schulleitung außer bei Gesprächen, nie geschlossen war.

1.3 Biographische Reflexion

Meine Schullaufbahn teilt sich auf in mehrere Abschnitte und in den Besuch von verschiedenen Schulformen.

Zunächst war ich vier Jahre in der Grundschule. Am Ende dieser erhielt ich eine Empfehlung für die Realschule, auf der ich anschließend bis zum Ende der sechsten Klasse war, da ich die Erprobungsstufe nicht geschafft habe. Ich musste auf die Hauptschule wechseln, auf der ich dann aber den Realschulabschluss erlangte, um anschließend für das Abitur auf die Gesamtschule wechseln zu können. Ich bin somit nicht den klassischen Weg des deutschen Schulsystems gegangen. Sowohl auf der Realschule, als auch später auf der Hauptschule durfte ich überwiegend die Erfahrung des typischen Frontalunterrichts sammeln. Die Stärkung von sozialen Kompetenzen stand nicht im Fokus, sondern eher die Wissensvermittlung und das anschließende Abfragen von Wissen in typischer Form einer Klassenarbeit. Da ich nicht die nötige Reife besaß, die Methodik des Frontalunterrichts zu hinterfragen, konstruktiv mit dem Lehrer darüber zu sprechen und mich schließlich den Anforderungen anpasste, wurde ich durch das Schulsystem „durch gereicht“. Meine eigene Schulerfahrung ist im Rückblick bei weitem nicht so individuell und kooperativ wie das System der Realschule, an der ich mein EOP absolviert habe. Museumsrundgänge und Rollenspiele waren für mich Fremdbegriffe, da diese in den Klassen fünf bis zehn kein Gegenstand des Lehr-/Lernplans waren. Auf der Gesamtschule, an der ich in der Gymnasialen Oberstufe (Jahrgangsstufe elf bis dreizehn) Schüler war, durfte ich differenziertere Methodiken und teilweise kooperative Lernformen erfahren, aber dennoch bei weitem nicht so ausgeprägt wie an der Realschule.

Im Vergleich zu den Schülern an der Schule, an der ich mein EOP absolviert habe, mit denen regelmäßige Feedback und Eigen- und Fremdreflexionsgespräche stattfinden, war dies bei mir nicht der Fall. Abschließend zu diesem Punkt möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich gerne meinen Realschulabschluss ebenfalls an einer Schule wie der Realschule des Praktikums absolviert hätte. Viele alte Methodiken sind längst überholt und teilweise nicht mehr zeitgemäß. Digitale Medien als Methode im Unterricht einzusetzen, war früher gar nicht möglich oder gar denkbar; heute teilweise ein wesentlicher Bestandteil vieler Schulen. Da die Schulentwicklung unsere Zukunft ist, ist es umso wichtiger, dass Konzepte weiterentwickelt und ausgeführt werden und nicht auf alten Konzepten hängengeblieben wird.

2. Systematische Beobachtungsaufgabe

2.1 Begründung der Wahl des Themas im Hinblick auf biographische und problemorientierte Aspekte

Das Thema des Berichts sind „Kooperative Lernformen“ mit der dazugehörigen Fragestellung „Inwiefern ermöglicht der Einsatz von kooperativen Lernformen in Regelklassen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn die aktive Mitarbeit und fördert die Lernbereitschaft der Schüler?“. Für dieses Thema habe ich mich entschieden, weil ich bereits am Anfang meines Praktikums gemerkt habe, dass in den Fächern Deutsch und Sozialwissenschaften öfter kooperative Lernformen eingesetzt wurden, als ich es in meiner damaligen Schulzeit persönlich erleben durfte. Da mich diese Erfahrung so betroffen hat, habe ich mich dazu entschlossen, wissenschaftlich über dieses Thema zu forschen und anschließend in diesem Bericht die Ergebnisse festzuhalten. In der zum Thema formulierten Fragestellung wurden die Jahrgangsstufen sieben bis zehn explizit genannt, da ich während meiner Praxisphase lediglich in den Klassen sieben bis zehn eingesetzt worden war. Ich habe außerdem während des Praktikums feststellen können, dass Unterrichtsmethoden eingesetzt worden sind, die den Schülern nicht so viel Spaß gemacht haben und sie sich eher gelangweilt haben.

Daher ist auch hier die grundlegende Überlegung, in welchen Unterrichtseinheiten sind welche kooperative Lernformen pädagogisch und didaktisch am günstigsten für die Schülerinnen und Schüler. Dabei ist das Lehren eine Aufgabe, die sehr viel mit Reflexion zu tun haben sollte, nicht nur sich selbst zu reflektieren, sondern auch die Art, wie man es tut. Der Anspruch eines Lehrenden sollte die optimale Förderung einer jeden Schülerin, bzw. eines jeden Schülers sein. Gerade im Zuge der Inklusion muss dies der vorherrschende Anspruch sein. Sicherlich kann dies nur in Kooperation mit anderen Kollegen, Sonderpädagogen, Schulsozialarbeitern etc. funktionieren, aber vor allem sollte der grundsätzliche, persönliche Anspruch bestehen, das Ziel zu erreichen, jeder Schülerin, bzw. jedem Schüler gerecht werden zu wollen und optimaler Weise auch zu können. Es gilt nun herauszufinden, inwiefern der Einsatz von kooperativen Lernformen möglich ist und vor allem welche Methoden für den Einsatz im Unterricht ausgewählt werden.

2.2 Theoriegeleiteter Zugang zur Thematik (Literaturbezug)

In Bezug auf das Thema „Kooperative Lernformen“ beziehe ich mich auf die Bücher, die in 5.0 bibliographisch aufgeführt werden. Zunächst führe ich eine kurze Definition von Unterrichtsmethoden auf:

Unterrichtsmethoden sind „Planungs- und Realisierungsmuster, die sich auf die Gestaltung längerer, didaktisch in sich geschlossener Unterrichtssequenzen beziehen, also mindestens auf eine Unterrichtsstunde“ (Bönsch 2006, S. 14). Bönsch definiert hier aber nicht, ob eine Unterrichtsstunde 45, 60 oder 90 Minuten dauert. Eine Untersuchung, ob die Länge der Unterrichtsstunde einen Einfluss auf die Auswahl der Methoden hat, ist aber auch nicht der Gegenstand dieser Arbeit. Dabei ist zu bedenken, dass „nicht jede Methode für jede pädagogische Situation gleichermaßen geeignet ist“ (Bönsch 2006, S. 15). Das Lernen ist ein aktiver und sozialer Prozess. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Lehrende die optimale Unterrichtsmethode anwendet, die für die Unterrichtseinheit und auch für die Schüler als angemessen zu bewerten ist. Der Fokus an dieser Stelle sollte immer auf dem Lernziel liegen und nicht darauf, dass die Unterrichtsstunde schnell vorbei ist. Daher ist es wichtig, dass „jede Einzelmethode […] es dem Schüler ermöglichen soll, das Lernziel schnell, mit wenigen Umwegen und vollkommen zu erreichen“ (Bönsch 2006, S. 23). Somit ist jede Unterrichtsstunde mit einem Lernziel verknüpft, welches erreicht werden soll. Um dieses Ziel bestmöglich zu erreichen, ist zwar auch der Frontalunterricht, als eine Unterrichtsmethode, anwendbar, dennoch fördert dieser die kommunikativen und sozialen Kompetenzen der Schüler nicht in dem Maße, wie es kooperative Lernformen machen. „Methoden können auf keinen Fall isoliert betrachtet werden. Sie sind immer wechselseitig abhänig von jeweiligen didaktischen Konzept“ (Bönsch 2006, S. 23). Daher müssen Methoden geplant werden und für den Unterricht bedeutet dies, dass dieser durch die Lehrkraft nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch intensiv vorbereitet werden sollte. Eine mögliche kooperative Lernform ist die Freiarbeit. „Auch in innovativen Schulen und Reformprojekten erschöpft sich die Freiheit häufig darin, dass die Kinder und Jugendlichen wählen können, wann sie vorbestimmte Inhalte bearbeiten wollen. Auf die Auswahl der Inhalte selbst haben sie aber kaum einen Einfluss.“ (Prengel, Annedore, 2011, S. 36). Bei der Freiarbeit haben die Schüler die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann sie welche Aufgaben erledigen. Prengel kritisiert an dieser Stelle aber, dass die Kinder nur eine bedingte Autonomie haben, denn auf die Auswahl der Inhalte haben sie keinen Einfluss, was wiederrum bedeuten würde, dass die Lehrkraft die Materialien für die Schüler subjektiv auswählen muss. Folglich kann dies aber auch positiv gesehen werden, da die Lehrkraft die Materialien individuell für jeden Schüler einzeln zusammenstellt. Für die Freiarbeit sind einige grundlegende Voraussetzungen zu formulieren, die erfüllt werden müssen und derzeit an finanziellen, bzw. räumlichen Voraussetzungen des Landes NRW vermehrt zu scheitern drohen: „Voraussetzung der Freiarbeit ist die Ausstattung der Klassenraums mit systematisch aufgebauten Lernmaterialien für alle Lernniveaus, vor allem hinsichtlich der obligatorischen Inhalte und ein in das Geschehen strukturiertes Regelsystem. Die Lernenden wählen individuell ein jeweils angemessenes Material aus, bearbeiten es allein oder gemeinsam mit anderen, kontrollieren und dokumentieren ihre Leistung selbst, mit anderen Kindern oder mit der Lehrerin und räumen nach Abschluss ihrer Arbeit die Materialien wieder auf.“ (Prengel, Annedore, 2011, S. 37). „Befürworter der daraus resultierenden Kleingruppenarbeit argumentieren dabei für das selbstgesteuerte Lernen und die dadurch erworbenen Sozialkompetenzen, sowie die gestärkte Lernmotivation.“ (Ludwig, Peter H; Schneider, Christoph, 2014, S. 84). Wie bereits oben erwähnt, hat das selbstständige Lernen auf Grund der Freiarbeit bis jetzt noch seine Grenzen in der letztlichen Beurteilung des erreichten Leistungsfortschrittes. Unter der Berücksichtigung der Wissenschaft, ist neben der Formulierung von Hypothesen, auch eine konkrete Formulierung einer Fragestellung notwendig, die nun im nächsten Abschnitt folgt.

2.3 Formulierung einer Fragestellung für die Praxiserkundung

Da ich bereits am Anfang des Praktikums positiv überrascht worden bin, in welchem Umfang die Lehrer an meiner Praktikumsstelle kooperative Lernformen in ihre Unterrichtsplanung einbeziehen, war es mir besonders wichtig, dahingehend auch eine Frage für die weitere Praxiserkundung zu formulieren. Auch die positiven Folgen wie zum Beispiel höhere Lernbereitschaft und die stärkere aktive Teilnahme am Unterricht überraschten mich. Auf Grund dieser Erfahrungen, lautet die Frage wie folgt: Inwiefern ermöglicht der Einsatz von kooperativen Lernformen in Regelklassen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn die aktive Mitarbeit und fördert die Lernbereitschaft der Schüler?

2.4 Hypothesenbildung, Operationalisierung der Fragestellung: Begriffserklärung und Indikatoren

1. Hypothese: Schüler beteiligen sich aktiver am Unterricht, wenn der Unterricht kooperative Lernformen enthält.

Beleg: In den Unterrichtsstunden, in denen kein Frontalunterricht stattfand, hat der Lehrer Gebrauch von kooperativen Lernformen gemacht und somit diese in seinem Unterricht eingesetzt, was zur Folge hatte, dass sich die Schüler auf Schülerniveau und in Schülersprache austauschen konnten. Neben der Lernbereitschaft, stieg auch die aktive Teilnahme am Unterricht.

2. Hypothese: Die erfolgreiche Umsetzung von kooperativen Lernformen hängt allein von der Beziehung zwischen dem Lehrer und dem Schüler und der Beziehung zwischen dem Schüler und den anderen Schülern ab.

Beleg: In meiner Praxisphase konnte ich in einem bestimmten Unterricht bei einem Lehrer feststellen, dass sich mehrere Schüler nicht mit ihrem Lehrer verstanden haben und dadurch eine erfolgreiche Umsetzung, der zuvor vom Lehrer gestellten Aufgabenstellung, nicht möglich war. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler war in dieser Hinsicht gestört, in welcher Hinsicht auch immer.

Im Folgenden möchte ich nun auf die Operationalisierung der Fragestellung eingehen und die Begriffe der Leitfrage erklären. Die Operationalisierung für den Begriff der „Kooperativen Lernformen“ ist, wie oben bereits erwähnt, wie folgt definiert: Unterrichtsmethoden sind „Planungs- und Realisierungsmuster, die sich auf die Gestaltung längerer, didaktisch in sich geschlossener Unterrichtssequenzen beziehen, also mindestens auf eine Unterrichtsstunde“ (Bönsch 2006, S. 14). Der Begriff des „Regelklasse“ ist insofern operationalisiert, als dass von dem Begriff davon ausgegangen wird, dass in der Klasse keine Schüler sind, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben oder Deutsch als Zweitsprache lernen. Die Regelklasse ist der Gegensatz zu der in NRW geltenden „Inklusionsklasse“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Wie können Mitarbeit und Lernbereitschaft gefördert werden? Kooperative Lernformen in Regelklassen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V519907
ISBN (eBook)
9783346126344
ISBN (Buch)
9783346126351
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernform, Regelklasse, Kooperativ, Lernbereitschaft, Mitarbeit, Schule, Schüler
Arbeit zitieren
Paul Scharapow (Autor), 2018, Wie können Mitarbeit und Lernbereitschaft gefördert werden? Kooperative Lernformen in Regelklassen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/519907

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wie können Mitarbeit und Lernbereitschaft gefördert werden? Kooperative Lernformen in Regelklassen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden