Religiöse und mythologische Darstellungen in Rembrandts zeichnerischem Werk


Seminararbeit, 2019

29 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG UND HISTORISCHER KONTEXT

2. RELIGIÖSE DARSTELLUNGEN IN REMBRANDTS ZEICHNERISCHEM WERK
2.1. FRÜHE SCHAFFENSPHASE. Susanna und die beiden Alten
2.2. MITTLERE SCHAFFENSPHASE. Die Heilung des blinden Tobit
2.3. SPÄTWERK. Christus fällt unter dem Kreuz

3. MYTHOLOGISCHE DARSTELLUNGEN IN REMBRANDTS ZEICHNERISCHEM WERK
3.1. Raub des Ganymed

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

6. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG UND HISTORISCHER KONTEXT

Mein Referatsthema waren die religiösen und mythologischen Zeichnungen bei Rembrandt. Die sogenannten „ schetsen “ d.h biblische, historische und mythologische Darstellungen, nehmen einen besonderen Platz in seinem Œuvre ein.1 Obwohl sich Rembrandt und seine Schüler ausführlich mit biblischen Darstellungen befassten, war das nicht selbstverständlich für die politisch und gesellschaftlich prekäre Situation in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Die meisten Künstler waren auf einem Gebiet spezialisiert und widmeten sich der Genre-, Porträt- oder Landschaftsmalerei, die in den Niederlanden zu der Zeit beliebt und profitabler waren. Deshalb verwundert es uns umso mehr, dass sich Rembrandt primär und durch sein ganzes Schaffen mit biblischen Darstellungen befasst hat.2 Zudem war in den nördlichen Niederlanden die Ausübung der katholischen Konfession stark eingeschränkt und zumindest in Amsterdam zeitweise offiziell verboten. Die Schlichtheit niederländischer Kirchen reflektiert immer noch diese Einstellung zur Ausschmückung mit der Kunst. Wahrend bereits 1566 der Bildersturm vollzogen worden war, wurde um 1579 Calvinismus zur führenden Religion. Die calvinistische Kirche lehnte strikt die Verehrung durch Bilder ab und erlaubte ausschließlich Darstellungen, die zur Belehrung und Ermahnung dienen konnten. Obwohl dies die Vorschriften waren, war deren Umsetzung in der Realität nicht ganz gelungen. Die Vielzahl an Werken mit biblischen Motiven und die große Anzahl solcher Werke in privaten Häusern bezeugen die Diskrepanz zwischen der offiziellen Auffassung und der damaligen Praxis.

Der calvinistischen Ausübung nach war es die Funktion der Kirche den Glauben durch Worte zu vermitteln, weshalb v.a erzählende und epische Geschehnisse des Alten und Neuen Testaments in Darstellungen beliebt waren, was sich zunächst bei den sog. Prärembrandtisten sichtbar machte.3 Einer von ihnen, Pieter Lastman, malte eine große Anzahl an biblischen Szenen. Er gehörte jedoch zur Anfangsphase des niederländischen Barocks, welcher noch stark unter dem italienischen Einfluss stand und daher historische und biblische Motive bevorzugte.4

2. RELIGIÖSE DARSTELLUNGEN IN REMBRANDTS ZEICHNERISCHEM WERK

Rembrandts biblische Darstellungen in Form von Malerei, Radierungen, Zeichnungen und Stichen übertreffen in ihrer Anzahl seine künstlerische Tätigkeit auf allen anderen Gebieten, sogar der berühmten Porträtmalerei, die den zweiten Platz in seinem Œuvre einnimmt. Es existieren über 600 Zeichnungen, 160 Gemälde, 80 Radierungen mit biblischen. An diesen Zahlen lässt sich das besondere Verhältnis Rembrandts zur Bibel, aber auch zur Zeichnung erkennen, da diese als eigenständige Werke zu betrachten sind.5 Obwohl unklar ist, wie viele Werke in Auftrag gegeben wurden, kann man davon ausgehen, dass die Mehrheit für den eigenen Zweck entstanden ist, da, wie zuvor erwähnt, das Interesse an religiösen Bildern in den damaligen Niederlanden nicht allzu groß war und man mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass Rembrandt diese Werke aus eigenem Interesse geschaffen hat.

Ein Grund für die intensive Auseinandersetzung mit biblischen Motiven könnte die Lehre bei Pieter Lastman sein, der ein Historienmaler war und sich daher mit dem narrativen Aspekt der biblischen Themen auseinandersetzte. Während Lastman durch biblische Darstellungen das Erzählerische hervorhebt, liegt Rembrandts Interesse auf etwas anderem, nämlich auf der Dramatik und dem Menschlichen. Man kann durchaus vermuten, dass Rembrandts ausführliche und langjährige Beschäftigung mit der Bibel auf sein persönliches Interesse hindeuten. Rembrandts biblische Darstellungen waren geprägt von seinen Zeitgenossen und Vorläufern, v.a aus dem italienischem Raum, die durch Stiche vertreten waren.

Obwohl die damalige Bildtradition äußerst traditionsgeprägt und v.a die Darstellung neutestamentarischer Szenen vorgegeben war, schaffte es Rembrandt, etwas Neues und für ihn Charakteristisches in diese Darstellungen mit einzubringen.6 Dabei lässt sich v.a sein spezifisches Verhältnis zur Bibel näher in Betracht ziehen. Rembrandt zeichnete überwiegend Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, aber auch die apokryphen Schriften und das historische Buch der „Jüdischen Altertümer“ des Flavius Josephus waren Teil seines Repertoires. Im Neuen Testament spielten für Rembrandt v.a die Gleichnisse und die Passion Christi eine besondere Rolle. Auch Szenen aus der Geschichte von Abraham und Hagar und aus dem Buch Tobias finden sich wiederholt in seinem zeichnerischen Werk. Üblich war es, eine Serie von Zeichnungen anzufertigen, wobei dasselbe Thema mehrmals bzw. variiert dargestellt wurde. So finden wir öfters Zeichnungen, die die gleiche Geschichte behandeln, sie aber von einem anderen Blickwinkel zeigen oder einen anderen Aspekt und Moment der Erzählung betonen. Die genaue Beschäftigung mit einem Sujet erleichterte einerseits die wiederholte Wiedergabe, andererseits bezeugt auch sie das Bestreben des Künstlers, den psychologischen Gehalt der Geschichte und den inneren Gefühlszustand der Dargestellten mehrfach und in verschiedenen Situationen widerzugeben.Durch die Konzentration auf einen bestimmten Moment der Geschichtserzählung kommtv.a sein Verständnis der Bibelstelle zum Vorschein. Dabei suchte Rembrandt Geschichten, die besonders gefühlsgeladen sind und verschiedene Emotionen, aber auch Konfrontationen und spannungsvolle Geschehnisse schildern; also vielseitige Themen, die innere Wärme und Lebendigkeit ausdrücken und allgemein sehr menschlich sind.

Er befasste sich fast nie mit dem Thema der Apokalypse, Gruppendarstellungen oder allgemein mitSzenen mit rein theologischer Botschaft (wie z.B der Hl.Dreifaltigkeit). In den 1630ern war noch derEinfluss von Lastman unddes Orientalismusin seinem Werk spürbar. Dann,in den 40ern und frühen 50ern, bevorzugte Rembrandt fast lyrische Motive— Themen aus dem Buch Tobias, Joseph, und Daniel und auch dieDarstellungen des jungen Christus, für welche sein Sohn Titus Modell stand. In der Spätzeit liegt schließlich sein Augenmerk auf der Passionsgeschichte und auf dem Tragischen, was womöglich durch sein persönliches Leben bestimmt war.7

Im Gegensatz zu seinen Vorläufern und den barocken Zeitgenossen, schaffte es Rembrandt nicht nur, die bildliche Manifestation des biblischen Geschehens darzustellen, sondern vielmehr die innere Reaktion der Figuren hervorzuheben. Seine Innovation liegt nicht in der Themenauswahl, sondern eher in seiner Interpretation derselben. Das kommt von seiner Fähigkeit,das Spirituelle zu suggerieren. Geschickt impliziert Rembrandt die innere Regung, wie sich bereits in seiner Porträtkunst erkennen lässt.8

Auch in Bezug auf biblische Darstellungen macht sich Rembrandts besonderes Verhältnis zum Medium der Zeichnung bemerkbar. Nur selten waren seine Zeichnungen als Entwürfe für Radierungen und Gemälde gedacht. Das Verhältnis zwischen Rembrandts Zeichnung und anderen Werken ist äußerst kompliziert. Einige Zeichnungen sind während des Schaffensprozesses von Gemälden entstanden, wie man z.B bei der Betrachtung-der Ze i ch n u n g „ Susanna und die beiden Alten “(Abb.1)annehmen kann, manche sogar erst nach der Entstehung des Gemäldes. Es ist nicht immer ganz klar, wann sich die Zeichnung datieren lässt, auch wenn ein Bezug zugesicherten Werken besteht. Diesbezüglich lässt sich das Verhältnis von Sujet und verwendetem Materialanalysieren, da sich hauptsächlich bemerken lässt, dass Zeichnungen, die nicht für Radierungen vorgesehen waren, mit der Feder ausgeführt wurden. Hingegen konnten Zeichnungen mit roter oder schwarzer Kreide z.B für die Anfertigung von Kupferplatten gedient haben.9

Die Darstellungen des Alten Testaments lassen sich wahrscheinlich mit der damaligen Situation in den Niederlanden des 17.Jhs in Verbindung bringen, da man sich durch die erkämpfte Freiheit gegen die spanische Herrschaft mit der Geschichte des israelischen Volkes identifizieren konnte.10 Man kann jedoch davon ausgehen, dass die biblischen Motive Rembrandt die Möglichkeit gaben, sich mit der „ inneren Bewegung “ und den „ seelischen Regungen “ zu befassen, wofür manche Bibeltexte besonders gut geeignet waren.

Obwohl Rembrandt periodisch und nicht systematisch gezeichnet hat, hat er sich am intensivsten und längsten bzw. durch sein ganzes Schaffen mit biblischen Darstellungen befasst— also seit den späten 1520er Jahren bis in die 1560er Jahre. Bevers meint, dass sich Rembrandt erst ab dem Jahre 1635 ausführlich mit den biblischen Darstellungen beschäftigte und die früheren Werke eigentlich von seinen Schülern stammen. Neben den bereits genannten Themen, hat Rembrandt auch Kopien nach Vorlagen anderer Künstler gemacht, wie z.B Leonardo oder Pieter Lastman, der auch sein Lehrer war.11

Allgemein lässt sich sagen, dass die frühen Zeichnung Rembrandts sich durch einen pyramidalen und dynamischen Bildaufbau auszeichnen, während im Spätwerk der Stil ruhiger und die Linienfürhung schlichter, eckiger und fast abstrakt wirkt. In der Frühzeit seines Schaffens macht sich der Einfluss Lastmans auf sein Werk bemerkbar, aber auch in seiner Zeit als eigenständiger Künstler fertigte Rembrandt Kopien nach seinen und Gemälden anderer Künstler an. Obwohl sein zeichnerischer Stil im Laufe der Zeit einfacher und klarer wurde, sieht man das gleiche Bestreben des Künstlers in beiden Schaffensphasen, nämlich die treffende Psychologisierung der Figuren wiederzugeben.

Als typisch für sein Frühwerk können sich Zeichnungen nennen, die besonders die Dramatik des Geschehens und die innere Bewegtheit bezeugen, wie z.B Werke des Berliner Kupferstichkabinetts entstanden Mitte der 30er Jahre,genauso wie „ Die Kreuztragung “(Abb.2), „ Die Beweinung Christi unter dem Kreuz “(Abb.3) und „ Ruth und Boas “(Abb.4). Auch die Kopien nach Leonardos Letztem Abendmahl (1635) oder nach Lastmans 1614 entstandenem Gemälde „ Susanna und die beiden Alten “ sind repräsentativ für Rembrandts zeichnerisches Frühwerk.12

Da das Thema sehr umfangreich ist, musste ich meine Auswahl an biblischen Zeichnungen einschränken. Da Rembrandts Frühwerk von Lastman beeinflusst war, möchte ich mit einer Kopie nach Lastman anfangen. Danach werde ich jeweils ein Beispiel aus dem Alten und Neuen Testament vorstellen. Abschließliend folgt eine mythologische Darstellung aus der frühen Schaffensphase. Ich habe mich für Zeichnungen entschieden, die thematisch besonders wichtig für bestimmte Schaffensphasen sind und die auch Eigenheiten aufweisen beziehungsweise das persönliche Interesse des Künstlers widerspiegeln. In chronologischer Reihenfolge werde ich versuchen die stilistische Entwicklung von Rembrandt an biblischen Darstellung zu schildern.

2.1. FRÜHE SCHAFFENSPHASE. Susanna und die beiden Alten

Rembrandt, Kopie nach Lastman, Susanna und die beiden Alten, 1636, rote Kreide, Pinsel in Grau, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett

Die Zeichnung(Abb.1) ist eine Kopie nach Pieter Lastman, bei dem Rembrandt um 1623 sechs Monate lang in Lehre war. Das 1614 entstandene Gemälde Lastmans(Abb.8) behandelt das Thema von Susanna und den beiden Alten, das auch im 17.Jahrhundert ein beliebtes Motiv war. Sowohl das Gemälde als auch die Zeichnung Rembrandts zeigen den üblichen Moment der Erzählung, bei welchem Susanna von den beiden Alten, die als Richter tätig waren, belauert und belauscht wird. Die beiden Alten wollten Susannas Willen erzwingen und drohten ihr, sie des Ehebruchs zu beschuldigen.

Obwohl Rembrandts Zeichnung eigentlich eine Kopie des Gemäldes ist, weist sie mehrere Abweichungen vom Original auf. Die Zeichnung ist in roter Kreide ausgeführt und weist an manchen Stellen Spuren von grauem Pinsel. wahrscheinlich nicht von Rembrandts Hand auf. Am rechten Bildrand ist auch die Unterschrift Rf zu sehen, die wohl später hinzugefügt wurde.13 Da er nach Vorlage arbeitete, ist diese Zeichnung im Vergleich zu Rembrandts anderen Zeichnungen ausgewogener und gleichmäßiger, wobei die Figur der Susanna mehrere Korrekturen v.a im Armbereich erfahren hat. Üblicherweise lässt sich an Rembrandts Zeichnung seine Arbeitsweise nachvollziehen; der Prozess spontaner und lockerer ist, sodass sich die fertige Komposition im Laufe des Schaffens ergibt, was man teilweise an den Korrekturen und Ergänzungen erkennen kann.

Allgemein ist die Zeichnung skizzenhaft und mit schnellen, präzisen Linien ausgeführt. Es gibt zahlreiche, hauptsächlich aneinander gereihte Schraffuren, die den Lichteinfall widergeben. Im Vergleich zu Lastmans Gemälde sind die Figuren deutlich größer und die Komposition ist breiter. Während die Pfauen deutlich kleiner als auf Lastmans Gemälde dargestellt sind, ist die Architektur im Hintergrund größer. Also lassen sich allgemein andere Maßverhältnisse bei den beiden Werken feststellen. Der wohl größte Unterschied zeigt sich in der Haltung der Figuren, wodurch bei Rembrandt v.a größere Dramatik erzeugt wird. So ist der rechte Arm des Alten im Hintergrund direkt hinter der Figur der Susanna, während er bei Lastman doch aus einer gewissen Entfernung auf sie aufzeigt.

Am meisten scheint sich Rembrandt mit der Figur der Susanna befasst zu haben, da sie auch die meisten Korrekturen aufweist. Bei Rembrandt wird mit ihrem Gestus die Bedrohung umso spürbarer gemacht. Durch die deutlichen Abweichungen zur Vorlage, wird Rembrandts Absicht klar—nämlich die genaue Wiedergabe der Körperhaltung und die Interaktion der Dreiergruppe. Das macht sich in der gesteigerten Dramatik und der Nähe der Figuren, wie auch in der größeren Geschlossenheit der Komposition bemerkbar.14

Im Vergleich zu Lastmans Gemälde lässt sich ein wesentlich anderer Zugang zum Thema ausmachen. Während Lastman als Historienmaler primär an den narrativen Aspekt des Geschehens herangeht, geht es Rembrandt um das dramatische Potenzial und den psychologischen Gehalt der Erzählung.15

Dass sich Rembrandt auch mit dem Thema der „ Susanna und den beiden Alten “ ausführlich beschäftigt hat, bezeugen zwei weitere Gemälde mit diesem Thema und eine Aktzeichnung der Susanna(Abb.9), die wahrscheinlich als Entwurfsskizze für das Gemälde der Berliner Gemäldegalerie(Abb.10)(1647) diente. Das um 1647 datierte Berliner Gemälde lässt Rembrandts Rückgriff auf den narrativen Aspekt des Geschehens im Sinne Lastmans erkennen. Im Gegensatz dazu zeigt das frühere Gemälde in Den Haag(Abb.11)(1637) die isolierte Figur der Susanna, die in ihrer Haltung ähnlich zum Berliner Gemälde ist, den Schrecken der Susanna aber deutlicher zeigt. Bereits da lassen sich seine Überlegungen zu der richtigen Körperhaltung der Susanna erahnen und der Einfluss der Zeichnung auf die Entstehung des Gemäldes ausmachen16.

Das Frühwerk Rembrandts wurde während seiner Lehre beim Historienmaler Pieter Lastman geprägt. Sogar als eigenständiger Maler fertigte er Kopien nach dem alten Meister an. So gehören zu weiteren Kopien nach Lastmans Zeichnungen „ Die Vestoßung der Hagar “ (Abb.12) ,(Albertina, Wien), „ Joseph verkauft Korn in Ägypten“ (Abb.13)(Albertina, Wien), „ Paulus und Barnabas in Lystra “. Während sich Rembrandt (mit seinen Schülern) mehrmals dem Thema von Abraham und Hagar gewidmet hat, hat er die letzteren beiden Themen nie eigenständig verarbeitet.17

Obwohl die Zeichnung allgemein als Frühwerk bezeichnet und um 1636 datiert wird, ist die Datierungsfrage nicht ganz geklärt. Auf der Rückseite der Zeichnung befinden sich Notizen mit Angaben zu verkauften Bildern von Rembrandts Schülern, u.a von Ferdinand Bol und „Leendert“ van Beyeren. Wenn sich die Notizen auf Gemälde beziehen, die nach Rembrandt kopiert oder von ihm inspiriert wurden, dann könnten die Notizen frühesten 1636 geschrieben sein. Jedoch kann man davon ausgehen, dass die Notizen gleichzeitig zur Zeichnung entstanden bzw. zeitlich nah beieinander liegen, da ein größerer Unterschied eher unwahrscheinlich ist. Der Annahme zufolge können beide, auch wenn die Zeichnung dem Den Haag Gemälde vorausgeht, ins Jahr 1636 datiert werden.18

2.2. MITTLERE SCHAFFENSPHASE . Die Heilung des blinden Tobit

Rembrandt, Die Heilung des blinden Tobit, 1640-45, Feder in Braun, Pinsel in Weiß, Cleveland, The Cleveland Museum of Art, 21.1 x 17.7 cm

In dieser Zeichnung(Abb.14.) wird, wie der Titel suggeriert, die Heilung des blinden Tobit durch seinen Sohn Tobias dargestellt. Die Erzählung basiert auf den apokryphen Büchern des Alten Testaments. Dabei handelt es sich um einen der Höhepunkte in der Geschichte Tobias‘. Die Zeichnung zeigt die Szene nach der Rückkehr Tobias', welcher in Begleitung des Erzengel Raphaels nach Ninivezurückkam, um seinen Eltern zu versichern, dass er noch am Leben sei. Bei der Begegnung mit seinem erblindeten Vater, rieb Tobiasdie Fischgallein dessen Augen ein und der alte Mann wurde geheilt. Dabei lässt sich an der Auswahl der Geschichte bzw. der betreffenden Bibelstelle Rembrandts Vorliebe für bewegende und herzerwärmende Erzählungen erkennen— hier als Triumph einfacher Menschen durch Gottes Beistand dargestellt. Rembrandt interessiert sich nicht nur für die beschriebene Wundertat, sondern vielmehr für das innige und liebevolle Verhältnis zwischen den alten Eltern und dem Sohn, darauf die Angst nach seinem Weggang und die Freude, Dankbarkeit und Erleichterung nach seiner Rückkehr.

[...]


1 Vgl.Holm Bevers, Die Zeichnungen im Berliner Kupferstichkabinett. Kritischer Katalog, Die Staatlichen Museen zu Berlin, 04.08-05.11.2006, Ostfildern 2006, S.12.

2 Vgl. Jakob Rosenberg, Rembrandt. Life and Work, London 1968, S.165-69.

3 Vgl. Gregor J. M. Weber, Rembrandt im Kontrast: Die Blendung Simsons und der Segen Jakobs, Kat.Ausst. Die Staatlichen Museen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, 03.11.2005-05.02.2006, Kassel München 2005, S.22.

4 Vgl. Jakob Rosenberg, Rembrandt. Life and Work, London 1968, S.169.

5 Vgl. Jakob Rosenberg, Rembrandt. Life and Work, London 1968, S.169.

6 Vgl. [Vignau-Wilberg et al. 2001] S.189.

7 Vgl. Jakob Rosenberg, Rembrandt. Life and Work, London 1968, S.171.

8 Ebd.

9

10 Vgl. Thea Vignau-Wilberg, Peter Schatbor, Rembrandt auf Papier: Werk und Wirkung, Kat.Ausst. Die Staatliche Graphische Sammlung München, Alte Pinakothek, 05.12.2001.-10.02.2002, Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam, 07.09.2002.-17.11.2002, München 2001, S.190.

11 Vgl. [ Bevers 2006] S.20.

12 Vgl. [ Bevers 2006] S.25.

13 Vgl. [ Bevers 2006] S.82.

14 Vgl. [Bevers et al. 1991] S. 51.

15 Vgl. Gregor J. M. Weber, Rembrandt im Kontrast: Die Blendung Simsons und der Segen Jakobs, Kat.Ausst. Die Staatlichen Museen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, 03.11.2005-05.02.2006, Kassel München 2005. S.20.

16 Vgl. Holm Bevers, Die Zeichnungen im Berliner Kupferstichkabinett. Kritischer Katalog, Die Staatlichen Museen zu Berlin, 04.08-05.11.2006, Ostfildern 2006, S.108

17 Vgl. Holm Bevers, Peter Schatborn, Barbara Welzel, Rembrandt:Der Meister und seine Werkstatt. Zeichnungen und Radierungen, Kat.Ausst. Kupferstichkabinett SMPK im Alten Museum, Berlin, 12.09.1991-27.10.1991, Rijksmuseum, Amsterdam, 04.12.1991-19.01.1992, The National Gallery, London, 26.03.1992-24.05.1992, München 1991, S. 51.

18 Vgl. [Bevers 2006] S.84

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Religiöse und mythologische Darstellungen in Rembrandts zeichnerischem Werk
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Übung
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
29
Katalognummer
V520115
ISBN (eBook)
9783346113788
ISBN (Buch)
9783346113795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rembrandt, zeichnungen, zeichner, religiöse darstellungen, bibel
Arbeit zitieren
Madeleine Zimmer (Autor), 2019, Religiöse und mythologische Darstellungen in Rembrandts zeichnerischem Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520115

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