Zum Aufstieg der politischen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland und den möglichen Konsequenzen für die Demokratie


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition der politischen Rechten

3. Die „Alternative fur Deutschland“ als rechter Protagonist

4. Erklarungsansatz - Autoritare Personlichkeit in der „Kritischen Theorie“

5. Fazit

6. Quellen

Zur Vereinfachung der Lesbarkeit wurde auf eine genderneutrale Sprache verzichtet. Nichtsdestotrotz sind naturlich alle Geschlechter gemeint.

1. Einleitung

Fur die Bevolkerung der Bundesrepublik Deutschland ist die Ausgestaltung ihrerDemokratie von besonderer Bedeutung. Dabei pragt sie gesellschaftliches Handeln genauso wie die Analysen von professionellen Politikwissenschaftlern. Die Idee von Demokratie beeinflusst dabei stark die Le- bensqualitat der gesamten Gesellschaft und des Einzelnen. Seit Inkrafttreten des deutschen Grund- gesetzes am 24. Mai 1949 galt dies zunachst nur fur die Bevolkerung Westdeutschlands und gab ihnen elementare Grundfreiheiten. Daraus ergaben sich Gesetze wie die Gewaltenteilung, allge- meine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen, wie auch eine unabhangige Rechtspre- chung (Judikative). Hervorzuheben fur die Ausubung der Demokratie ist die gesetzliche Veranke- rung, dass die Menschenwurde unantastbar ist. Seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten, am 3. Oktober 1990, gilt dieses wichtige Dokument fur alle Staatsburger der Bundes- republik Deutschland. Bei einem Blick in die deutsche Geschichte oder auf andere Nationen dieser Welt wird deutlich, dass demokratische Grundfreiheiten keineswegs eine Selbstverstandlichkeit sind. Nichtsdestotrotz erleben Gesellschaft und Politik eine gewisse Wandlung, welche von de- mokratisch gesinnten Menschen voller Sorge beobachtet wird. Populistische und oft fremden- feindliche Parolen verdrangen wissenschaftlich belegbare Tatsachen und pragen Meinungen der Offentlichkeit. Die Gesellschaft fuhlt sich also inmitten turbulenter Zeiten immer weniger von ihren gewahlten Reprasentanten reprasentiert. Einstige Volksparteien verlieren ihren besonderen Ruckhalt bei den Wahlern unter anderem an extreme Parteien, die offen gegen Minderheiten und politische Gegner hetzen. Diese Wandlung in unserer Demokratie geht mit einem Zulauf zur poli- tischen Rechten einher. Eine Schlusselrolle nimmt dabei der Aufstieg der „Alternative fur Deutschland“, kurz AfD ein. Diese noch nicht lange existierende Partei konnte innerhalb kurzer Zeit in alle 16 Landtage einziehen und ist seit der Bundestagswahl im September 2017 auch mit 91 von 709 Sitzen (Stand Januar 2019) im deutschen Bundestag vertreten (Statista 2018). Die Partei erlebt damit einen rasanten Aufstieg seit ihrer Grundung im Jahre 2013. Viele Menschen befurchten, dass eben dieser Aufstieg auch jenseits der groBen politischen Institutionen parallel zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veranderungen verlauft. Die Herausbildung einer offen rassisti- schen und antisemitischen Partei (Salzborn 2018) ist vielleicht der offenkundigste Beleg dafur, dass sich unsere Demokratie in einem Umbruch befindet oder in ihrem Wesen sogar in Gefahr ist.

Diese Arbeit wird sich damit beschaftigen, inwieweit der Aufstieg rechter Krafte als mogliche Bedrohung der Demokratie bewertet werden kann. Diesist fur mich und meine Kommilitonen, da wir uberzeugte Demokraten sind, von besonderem Interesse. So wurde ein moglicher Angriff auf eben jene Gesellschaftsform ein Angriff auf all diejenigen bedeuten, die eine hohe Wertschatzung fur die Wurde und Freiheit des Individuums haben. Die Hetze gegen diejenigen, die nicht in das Bild der politischen Rechten passen, erzeugt dabei ein Klima der Angst. Von dieser Angst sind meiner Einschatzung nach allerdings auch alle anderen Menschen der Gesellschaft betroffen.

Nach der Einleitung soll der erste Teil dieser Arbeit eine Definition sowie eine genauere Differen- zierung der politischen Rechten beinhalten. Hierauf folgt ein Ansatz, die zentrale Rolle der „Al- ternative fur Deutschland“ fur den gesellschaftlichen Rechtsruck zu skizzieren.Im vierten Kapitel versuche ich die angedeutete Entwicklung mit der „autoritaren Personlichkeit“ aus der „Kritischen Theorie“ psychodynamisch zu erklaren. Diese Erkenntnisse mochte ich am Ende mit einigen sub- jektiven Gedanken abschlieBen.

2. Definition der politischen Rechten

Fur wissenschaftliche Arbeiten jeglicher Couleur ist es stets notwendig, die benutzten Begriffe genau zu definieren und sie von anderen abzugrenzen, auch wenn uber einzelne Begriffe nicht immer dieeine verbindliche Definition entstehen kann (Salzborn 2018).

Ursprunglich aus dem Kontext der Franzosischen Revolution kommend, hilft es auch heute noch, uber 200 Jahre spater, die Begriffe der Politischen „Rechten“ und „Linken“ zur Klassifizierung der verschiedenen Uberzeugungen zu benutzen. Damals hatte sich die Nationalversammlung, ent- sprechend ihrer weltlichen Anschauungen, in „La Gauche“ und „La Droite“ unterteilt (Bundes- zentrale fur politische Bildung 2011, Salzborn 2010)

So saBen auf der rechten Seite dieKonservativen und der Adel, welche ein Interesse an dem Erhalt der feudalen Gesellschaft hatten. Sie erklarten ihre besondere Machtkonzentration als naturgege- ben, oder aber bezogen sich als angeblich religios Auserwahlte auf eine christliche Religion. Diese Erklarung findet sich beispielsweise bei Ludwig dem XIV., dem franzosischen „Sonnenkonig“, wieder. Mit der Aussage „Der Staat bin ich“ (=L'etat c'est moi) postulierte er ein absolutes Macht- verhaltnis auf sichselbst. (Bundeszentrale fur politische Bildung; Linkjugend Koln 2017)

Auf der linken Seite des Parlaments im revolutionaren Frankreich befanden sich die Liberalen und Progressiven. Inspiriert, unter anderem durch die tiefgreifenden Veranderungen im Zuge der Auf- klarung, waren sie davon uberzeugt, dass jede Person uber eine Vernunft verfugt und damit einen Zugang zu gesellschaftlicher Mitbestimmung haben sollte. Auch heutzutage streben die Progres- siven dieser Welt nach wie vor eine gesellschaftliche Idee an, die durch Freiheit, Gleichheit und Bruderlichkeit (Liberte, Egalite, Fraternite) bestimmt ist. Diese revolutionaren Ideen finden auch heute noch ihren Platz in unterschiedlichen rechtlichen Dokumenten, darunter die deutsche, ame- rikanische und franzosische Verfassung, aber auch in dem Gleichheitspostulat aus der „Allgemei- nen Erklarung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen. (Bundeszentrale fur politische Bil- dung; Salzborn 2018)

Dieses Verstandnis eines Rechts-und Linksschemas wird auch heutzutage noch fur eine Klassifi- kation politischer Ideologien benutzt.

Wie konstatiert, strebt die politische Rechte also eine hierarchische Gesellschaft an, in der einige Menschen in den Genuss von Rechten und Grundfreiheiten kommen, die anderen Menschen ver- wehrt bleiben. Somit unterscheiden sich politisch „Rechts“ und „Links“ vor allem uber den Punkt der (Un-)Gleichheit (Bobbio 1994; Salzborn 2018).Insofernhat derAusspruch der Franzosischen Revolution und der aktuellen Franzosischen Republik noch eine entscheidende Gultigkeit fur die Einordnung in dem politischen Spektrum. (Salzborn 2018) Dabei wurde es jedoch im spateren Geschichtsverlaufzunehmend schwieriger, verschiedene Stromungen und Blickwinkel der politi- schen Rechten genauer zu differenzieren. So lasst sich die politische Rechte ein weiteres Mal in eine demokratisch-freiheitliche sowie eine autoritare oder totalitare Ebene unterteilen.Hierzu zah- len vor allem der historische Nationalsozialismus wie auch der Faschismus. Diese sprechen die Ideen der Franzosischen Revolution direkt denjenigen ab, die nicht in das eigene Weltbild passen (Bobbio 1994). Hieraus resultiert also ein antisemitisches, patriarchales, rassistisches und vol- kisch-nationalesWeltbild. Die extreme Rechte wendet sich folglich gegen jede liberale Demokra­tie als politische Konsequenz der Aufklarung (Salzborn 2018).Zentrale Merkmale eben jener Ide- ologien, sind dabei vor allem die Konstituierung einer „volkisch-nationalen“ Volksgemeinschaft (Bundeszentrale fur politische Bildung; Salzborn 2018) Das rassische, nationale oder ethnische Konstrukt schafft dabei eine identitatsstiftende Wirkung nach innen. „Dazu passt die Bereitschaft andere als amorphe Masse zu behandeln“ (vgl. Adorno 1971). Im eigenen volkischen Kollektiv verschwindet letztlich die Individualitat jedes einzelnen Menschen. Hier wird also die anfangs angesprochene Ungleichheit der Menschen durch eine implizierte Hoherwertigkeit des eigenen Volkes, der eigenen Rasse und Nation gegenuber anderen ad Extremum gefuhrt. Dies geht mit einem Fetischisieren von Gewalt einher, die zur Durchsetzung eben jener Ausgrenzung notwendig ist. Weitere zentrale Uberlegungen rechtsextremer Ideologie sind dabei die Unterwerfung unter einen meist charismatischen und uneingeschrankt regierenden Fuhrer, die Vorstellung des standi- gen „Kampf ums Dasein“ der verschiedenen pseudowissenschaftlich konstituierten „Menschen- rassen“ oder Volker (^Sozialdarwinismus) sowie der Wunsch „Lebensraum“ fur die „Arische Rasse“ zu schaffen (Bundeszentrale fur politische Bildung) .Wichtig fur rechtsextreme Ideologie sind also die drei Bestandteile Individuum, Kollektiv und Phantasma (Salzborn 2018). An diese Uberzeugungen knupfen auch die modernen Rechtsextremisten an, wenn auch teilweise in einem anderen rhetorischen Stil (Bundeszentrale fur politische Bildung)

Der in den letzten Jahren aufkommende populistische Rechtsextremismus (Salzborn 2018) ver- knupft hingegen oben Beschriebenes extrem rechtes Gedankengut mit den Argumentationsstrate- gien des Populismus (lat. populus =Volk) (Salzborn 2018). Populisten behaupten oft, sie hatten den „wahren Volkswillen“ erkannt und wurden fur eben jene eine politische Agenda anbieten. Kritiker stellen dem entgegen, dass diese dabei Angste und Emotionen schuren. Ihre Losungen und ihre daraus resultierende Rhetorik seien fur komplexe Probleme zu einfach aufgebaut, da sie auf Affekten und Emotionen beruhen wurden. Rechtspopulisten stellen sich dabei gegen Zuwan- derung von Migranten oder diffamieren die Medien als „Lugenpresse“. Auch die Europaische Union und der Islam sind in dem aktuellen Populismus von rechts relevante Feindbilder. Oft agie- ren sie dabei in ihrer Rhetorik antipluralistischund greifen wie die „klassischen“ Rechtsextremis- ten das Gleichheitspostulat des Grundgesetzes und der Allgemeinen Erklarung der Menschen- rechte an (Salzborn 2018). Ihr Feindbild sind andere Parteien oder die Presse welche als „Estab- lishment“ diffamiert werden. Diejenigen, die Populisten kritisieren, werden als Eliten diffamiert und korperlich wie auch verbal angegriffen (von Osten 2016). Eine Unterscheidung zum Rechts- extremismus ist dabei, wie oben bereits angedeutet, in der Wissenschaft umstritten. (Salzborn 2018; Bundeszentrale fur politische Bildung)

In den letzten Jahren sind zudem zunehmend politische Gruppen aktiv geworden, die dem zum Teil unterschiedlich definierten Begriff der Neuen Rechten zugeordnet werden konnen. Diese ha- ben sich in ihrer Identitat von dem historischen Nationalsozialismus gelost. Dabei versuchen sie die Unterschiede zwischen eigener volkisch-nationaler und zum Teil auch antisemitischer Politik und fremder demokratisch-konservativer Politik zu nivellieren und Beziehungen zwischen beiden Ideologien aufzubauen (Gensing 2016). Vor allem ab Anfang der 90er-Jahre unter dem Philoso- phen Alain de Benoist aus Frankreich kommend fallt die „Nouvelle Droite“ besonders durch eine intellektuelle Politik und den Ruf nach einer kulturellen Hegemonie auf. Hierbei handelt es sich um Akteure, welche sich von den klassischen Rechtsextremisten gelost haben. Springerstiefel und Glatzen haben sie eingetauscht gegen Vollbart und Poloshirt. Statt infesten Parteien mit Gedenk- aufmarschen an dustere Zeiten zu erinnern oder mit isolierten Kameradschaften um die Hauser zu ziehen und mit Baseballschlagern und Molotov-Cocktail Jagd auf Auslander zu machen, hat sich die Neue Rechte politisch linke Rhetorik und deren Erscheinungsbild zu eigen gemacht. Die Erar- beitung und die Relevanz einer „kulturellen Hegemonie“ geht dabei ursprunglich auf den italieni- schen Marxisten und antifaschistischen Widerstandskampfer Antonio Gramsci zuruck. Dieser ver- fasste in den 30er Jahren in seinen bekannten Gefangnisheften die These, dass die Herrschaft des Burgertums von der Zivilgesellschaft ausgeht. So fallen neben unterschiedlichen Formen des Ak- tionismus vor allem verschiedenartige Akteure auf. Sie pragen die Szene mit eigener Rapmusik, emem „Pils Identitar“ und dem eigenen „Antaios-Verlag“. Wahrend die alten „freien Kamerad- schaften“ ab Ende der 60er Jahre noch „Deutschland den Deutschen“ gebrullt haben, redet die „Neue Rechte“ lieber von Begriffen wie „Ethnopluralismus“. Ein Begriff, der ursprunglich vom neurechten Vordenker Alain de Benoist gepragt worden ist, welcher von „ethno-differencialisme“ sprach. Hier wird das rassische Konzept der alten Rechten auf Kulturen ubertragen, andert dabei aber nicht ihren Character. Auffallend ist dabei auch die bereits anfangs angedeutete Idee des Ge- schichtsrevisionismus. Das deutsche Volk soll wieder stolz auf sich sein durfen in uber tausend- jahriger deutscher Geschichte, voller kultureller und wissenschaftlicher Errungenschaften, in de- nen „Hitler und die Nazis nur ein Vogelschiss“ (Alexander Gauland 2018) seien. Sie verstehen sich als konservative Rebellion gegen die „Ideologie der Multikulturalitaten“ und ihre allgegen- wartige „Political Correctness“ sowie gegen den Untergang des Abendlandes durch „One-World- Idealisten“ (FAQ der Identitaren Bewegung)oder die „McDonaldisierung“. In der neuen Rechten existieren also auch, wie im „Original“ der alten extremen Rechten, Elemente des Antisemitismus und des Antiamerikanismus. Diese Ideologien treten in unterschiedlichen Erscheinungsformen auf, beispielsweise als verkurzte Kapitalismuskritik oder als offene Verschworungstheorien (^GroBer Austausch). Zentral ist aber auch eine besondere Wertschatzung fur autoritare GroBen an der Spitze der eigenen „kulturellen Identitat“ wie Wladimir Putin oder Viktor Orban. Hierbei konnen sich teilweise widersprechende Gruppen angezogen fuhlen. Das Spektrum reicht von Li- bertaren und sozialen Nationalisten bis hin zu White Supremacy-Akteuren oder antisemitischen Verschworungstheoretikern. Die Ideologie der „Neuen Rechten“ baut also auf einem antiuniver- salistischen Denken auf und enthalt Elemente des volkischen Nationalismus (=“Ethnopluralis- mus“), einer autoritaren Staatsglaubigkeit sowie eines (strukturellen) Antisemitismus. Somit hat sich groBtenteils nur der Auftritt einer Ideologie gewandelt, wohingegen die Kernbestandteile rechtsextremen Gedankengutes unverandert geblieben sind. (Salzborn 2018; Fuchs/Middelhoff 2019; Bundeszentrale fur politische Bildung)

So lasst sich resumieren, dass innerhalb der politischen Rechten ein breites Spektrum unterschied- licher Ziele und Vorstellungen existiert. Dabei ist es nicht immer einfach, die oben skizzierten Stromungen klar zu definieren und zu differenzieren (Salzborn 2018). So gibt es zahlreiche be- kannte Personen in der politischen Rechten, welche bereits in der Vergangenheit durch unter- schiedliche, teils antidemokratische und einschlagige Organisationen, geschult und gepragt wor­den sind, weit bevor sie heutzutage als einigermaBen gemaBigt auftreten (Fuchs/Middelhoff 2019). Eine derartige Entwicklung lasst sich beispielsweise bei dem Fraktionsvorsitzenden der AfD Bran­denburg Andreas Kalbitz (Jung 2019) oder auch bei dem Aktivisten der „Identitaren Bewegung“, Daniel FiB, (Biermann, Geisler, Steffen 2019) beobachten. Die extreme Rechte, egal ob alt oder neu, grenzt sich dabei vor allem durch eine Ablehnung der liberalen Demokratie und des Gleich- heitspostulats unserer Verfassung, welche auf der Basis der Errungenschaften der franzosischen Revolution basiert, von der konservativen Rechten ab (Salzborn 2018).Ihr Ziel ist,„nicht am Dis- kurs teilzunehmen, sondern sein Ende als Konsensform“ [...] „nicht der Stehplatz im Salon, son- dern die Beendigung der Party“ (Gotz Kubitschek 2006). Sie traumen von einem autoritaren oder totalitaren Staat mit einer klar nationalen Ausrichtung und einer Gesellschaft die dem Multikultu- ralismus eine Absage erteilt hat. Parteien und verfassungsrechtlich verankerte demokratische Grundfreiheiten sind dabei nur Residuen einer westlichen Dekadenz und fur neue und alte extreme Rechtedamit unattraktiv (Fuchs/Middelhoff 2019; Salzborn 2018).

3. Die „Alternative fur Deutschland“ als rechter Protagonist

Seitdem die „Alternative fur Deutschland“ im Februar 2013 von einigen wirtschaftsliberalen und euroskeptischen Politikern gegrundet worden ist, hat sie eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte verzeichnen konnen. So konnte die noch junge Partei im Oktober 2018 mit uber 13% in den letzten noch verbliebenen Landtag in Wiesbaden einziehen (Statista 2018). Innerhalb von gut funfJahren wandelte sich allerdings ihr inhaltliches Profil stark. Anfangs verstand sichdie von Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland gegrundete Organisation dabei noch als rechtsliberale Kri- tikpartei gegenuber einer „gescheiterten Euro-Rettungspolitik“ der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung unter Angela Merkel. Vor allem nach der Offnung der Grenzen und der damit verbundenen Einwanderung von gefluchteten Menschen im Herbst 2015 wandelte sich ihr inhalt- liches Profil. Migration und Zuwanderung wurden zum identitatsstiftenden Thema. Nach dem er- folgreichen Einzug in den Bundestag im September 2017 und dem Austritt der damaligen Partei- vorsitzenden Frauke Petry, verscharfte sich die politische Agenda, sowie die damit verbundene Rhetorik der Partei zum zweiten Mal(Dossier: Bundeszentrale fur politische Bildung). Auffallend ist seitdem beispielsweise der Wunsch, Begriffe wie „volkisch“ oder „Schuldkult“ (Biermann 2016; Salzborn 2018; Hipp 2017), die eindeutig ihren Ursprung beziehungsweise einen Bezug zum historischen Nationalsozialismus haben, zu benutzen.

Aktuell wird die Partei von unterschiedlichen, teils klar rechtsextremen (Thieme 2019; Sauerbrey 2017; Kemper) Positionen und Uberzeugungen gepragt. Zentral hierbei ist, neben den nach wie vor existierenden wirtschaftsliberalen und europafeindlichen Positionen, vor allem eine populisti- sche Rhetorik. Dabei lassen sich Elemente einer volkisch-nationalen und rassistischen oder anti- semitischen Ideologie ausmachen (Pfahl Traughber 2017). Zudem vertritt sie als einzige im Bun­destag vertretene Fraktion die Auffassung, dass der Mensch keinen Einfluss auf die Veranderung des Klimas habe (Carius 2019). Als besonders rechts fallen vor allem die Jugendorganisation „Junge Alternative“ sowie der innerparteiliche „Flugel“aufwelchebereits vom Verfassungsschutz als moglicherweise rechtsextrem eingestuft werden (Jansen 2019).Einigen Parteimitgliedern lasst sich dabei eine klar rechtsextreme Vergangenheit oder auch ein Beziehungsnetzwerk in die heutige rechtsextreme Szene nachweisen (Fuchs/Middelhoff 2019).

Am offensichtlichsten wird das extrem rechte Potenzial der AfD meiner Meinung nach Ende Au­gust 2018. Wutburger und Neonazis demonstrieren zusammen und pragen das Stadtbild Chemnitz, als nach einer korperlichen Auseinandersetzung am Rande eines Stadtfestes der etwa 35-jahrige deutsch-Kubaner Daniel H. von zwei irakischen und einem syrischen Gefluchteten verletzt wurde und schlieBlich seinen todlichen Verletzungen erlag. Auf die darauffolgenden Ausschreitungen, die sich grundsatzlich gegen Gefluchtete und Migranten richtete, schien die Polizei sowie die sach- sische Landesregierung nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Ultras und Rechte jagten hierbei wahllos Migranten durch die Stadt und verhielten sich dabei sehr aggressiv der Presse gegenuber (Spiegel 2018; ZDF 2018). Einige Tage spater folgte dann ein von der Burgerbewegung „Pro Chemnitz“ angemeldeter Trauermarsch. Neben Bernd Hocke (Fraktionsvorsitz der AfD Thurin- gen), Jorg Urban (Vorsitzender AfD-Fraktion Sachsen) und Andreas Kalbitz (Vorsitz der AfD- Fraktion Brandenburg), kamen hier unterschiedliche rechtsextreme Parteien und Gruppen zusam- men. Neben PEGIDA und dem III. Weg, demonstrierte hier auch die neurechte „Identitare Bewe- gung“ sowie die freie Kameradschaftsszene. Hierbei wurden aus der „Trauerveranstaltung“ extrem rechter Gruppen aber auch der burgerlichen Mitte, HitlergruBe gezeigt, „Auslander raus“ und „Lu- genpresse“ gerufen und die Presse angegriffen. So entwickelte sich innerhalb weniger Tage ein gewaltbereiter und aggressiver Mob (Kuhn 2018). Zwar ist die AfD in den Parlamenten um ein burgerliches Image bemuht, hat hier aber kein Problem Hand in Hand mit Rechtsextremisten auf die StraBe zu gehen. Vor allem der volkisch-nationale „Flugel“ der Partei fungierte dabei in Chem­nitz als Scharnier zwischen neurechten Identitaren, „besorgten Burgern“ und gewaltbereiten Skin­heads. Die ursprunglichen Abgrenzungsstrategien der Partei gegenuber Pegida und Neonazis ist mit den Geschehnissen in Chemnitz passe. Musiker wie Materia, die als Reaktion auf die Proteste bei dem #wirsindmehr-Gegenprotest gespielt haben ziehen hierbei Parallelen zu den pogromarti- gen Auseinandersetzungen von Rostock-Lichtenhagen 1992. Bei den groBtenrassistisch motivier- ten Ausschreitungen in Deutschland nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde eine Asylunter- kunft asiatischer Vertragsarbeiter in Brand gesteckt. Mehrere tausend Menschen applaudierten den Rechtsextremisten und storten den Einsatz von Rettungskraften, sodass diejenigen, die im Haus eingeschlossenen waren, teilweise alleine gelassen worden sind(n-tv 2018; t-online 2018).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zum Aufstieg der politischen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland und den möglichen Konsequenzen für die Demokratie
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Demokratie im Umbruch
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V520250
ISBN (eBook)
9783346119568
ISBN (Buch)
9783346119575
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Erklärungsansatz, Frankfurter Schule
Arbeit zitieren
Alexander Hösterey (Autor), 2019, Zum Aufstieg der politischen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland und den möglichen Konsequenzen für die Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520250

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zum Aufstieg der politischen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland und den möglichen Konsequenzen für die Demokratie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden