In dieser Arbeit werden die Möglichkeiten durch Crowdfunding und die Crowdfunding-Plattformen dargestellt. Im Zuge dessen wird zunächst das Crowdfunding definiert und die Funktionsweise erläutert. Anschließend werden die Veränderung in der Nachrichtenfinanzierungen untersucht, die sich durch Crowdfunding ergeben haben. In dem zweiten Teil der Arbeit wird ein Blick auf die Reichweite der Plattformen geworfen. Des Weiteren werden exemplarische Crowdfunding Plattformen und erfolgreiche Kampagnen vorgestellt. Auch die möglichen Risiken werden hier beachtet, bevor das Fazit gezogen wird.
Durch die kostenlosen Online-Angebote sind bei nahezu allen Redaktionen Finanzierungsprobleme aufgetreten. Der Verkauf von Zeitungen geht zurück. Stattdessen ist es Standard journalistische Erzeugnisse kostenfrei online zu konsumieren. Für redaktionelle Online-Inhalte gibt es nahezu keine Zahlungsbereitschaft. Das traditionelle Finanzierungsmodell hat sich verändert. Der Umsatz durch klassische Finanzierungen ist stark gesunken. Zuvor wurden zwei Drittel der Einnahmen aus Werbung finanziert. Heute liegen die Werbeeinnahmen nur noch bei etwa einem Drittel.
Dies hat zur Folge, dass die Zahl an Festanstellungen sinkt, und somit die Zahl der frei arbeitenden Journalisten und Journalistinnen steigt. Besonders problematisch ist dies für aufwendige Recherchen, die womöglich eine Reise erfordern, oder langwierige investigative Projekte. Um eine größere Leserschaft zu erhalten werden die redaktionellen Inhalte auf Plattformen, insbesondere den Sozialen Medien, beworben und mit Teasern versehen. Diese Plattformen üben indirekt Druck auf den Journalismus aus; die Gefahr für einen Popularitäts- und Aufmerksamkeitswettkampf entsteht, der reißerische Aufmachungen und Boulevardthemen fördert. Doch das Multi-Plattform-Umfeld bietet auch neue Finanzierungswege.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktionsweise des Crowdfundings
3. Veränderungen im Journalismus durch die Crowdfinanzierung
3.1 Rollenveränderung
3.2 Der Wegfall des fiktiven Lesers
3.3 Förderung der Medienvielfalt
4. Reichweite von Crowdfunding
5. Beispiele von crowdfinanziertem Journalismus
5.1 Startnext: Voice of Anger
5.2 Steady: Übermedien
6. Mögliche Risiken und Schattenseiten des Crowdfundings
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Crowdfunding als alternatives Finanzierungsmodell für den Journalismus im digitalen Zeitalter. Angesichts sinkender Werbeeinnahmen und schwindender Zahlungsbereitschaft für Online-Inhalte analysiert die Arbeit, inwiefern Crowdfunding-Plattformen neue Wege zur Sicherung journalistischer Unabhängigkeit und Vielfalt eröffnen können.
- Funktionsweise und Modelle des Crowdfundings im journalistischen Kontext
- Strukturelle Veränderungen journalistischer Arbeitsprozesse und Rollenbilder
- Einfluss der Crowd auf Themenauswahl und Medienvielfalt
- Analyse praktischer Beispiele (Startnext, Steady) und ihrer Erfolgsfaktoren
- Diskussion von Risiken und praktischen Herausforderungen für Medienschaffende
Auszug aus dem Buch
3.1 Rollenveränderung
Beim Crowdfunding sind die Journalist*innen auch für die Ökonomie ihrer Arbeit zuständig. Sie sind „direkt involviert in die finanziellen Aspekte ihrer eigenen Arbeit“ (Hunter, 2015, S.275). Hunter spricht von einer imaginären Firewall, die durch Crowdfunding wegfällt. „In traditional news organizations, there is a metaphorical firewall between the advertising and editorial functions of a news medium. In crowdfunding, of course, this firewall between the money and the journalists no longer exits (Hunter, 2016, S.229). Dafür wird den Medienschaffenden nicht länger die Rolle des Gatekeepers zuteil. Der Begriff Gatekeeper bezeichnet die Personen, die über die Aufnahme oder Ablehnung einer Nachricht entscheiden, und somit die Themen auswählen und begrenzen (Vgl. Kunczik/Zipfel, 2005, S.224). Die Funktion des Gatekeepers übernehmen im Crowdfunding die Spendenden. Es erreicht nur das Projekt die gewünschte Fördersumme, dass die potenziellen Unterstützer*innen überzeugen kann. „By donating to a pitch, the donor expresses which topic need to be reported” (Aitamurto, 2015, S.194). Die Entscheidung, welche Nachricht publiziert werden wird, liegt bei der Crowd.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die finanzielle Krise klassischer Medien und die Relevanz von Crowdfunding als neue Finanzierungsperspektive.
2. Funktionsweise des Crowdfundings: Erläutert das Prinzip der kollektiven Finanzierung, unterschiedliche Plattformmodelle und die Abgrenzung zum Crowdsourcing.
3. Veränderungen im Journalismus durch die Crowdfinanzierung: Analysiert die Transformation von Rollenbildern, die direkte Interaktion mit der Leserschaft und die Auswirkungen auf die Medienvielfalt.
3.1 Rollenveränderung: Beschreibt den Wegfall der journalistischen Firewall und die Verschiebung der Gatekeeper-Funktion hin zum Spender.
3.2 Der Wegfall des fiktiven Lesers: Zeigt auf, wie Crowdfunding direkten Kontakt ermöglicht und neue Anforderungen an Transparenz und Partizipation stellt.
3.3 Förderung der Medienvielfalt: Diskutiert, wie Crowdfunding Nischenthemen ermöglicht und finanziellen Freiraum für freiberufliche Journalisten schafft.
4. Reichweite von Crowdfunding: Fasst statistische Daten zur Bekanntheit und Akzeptanz von Crowdfinanzierung in der deutschen Bevölkerung zusammen.
5. Beispiele von crowdfinanziertem Journalismus: Präsentiert praktische Anwendungsfälle journalistischer Projekte auf bekannten Plattformen.
5.1 Startnext: Voice of Anger: Analysiert ein spezifisches, projektbezogenes Beispiel zur Finanzierung einer investigativen Reportage.
5.2 Steady: Übermedien: Untersucht das institutionelle Abonnement-Modell anhand des Beispiels eines Fachmagazins für Medienkritik.
6. Mögliche Risiken und Schattenseiten des Crowdfundings: Kritische Reflexion über hohen Arbeitsaufwand, Vermarktungsdruck und das Risiko des Scheiterns bei Crowdfunding-Kampagnen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Crowdfunding als notwendige, aber ergänzende Finanzierungsform für den Journalismus.
Schlüsselwörter
Journalismus, Crowdfunding, Medienfinanzierung, Plattformkapitalismus, Medienvielfalt, Gatekeeper, Digitale Transformation, Partizipation, Investativer Journalismus, Startnext, Steady, Community-Building, Journalistische Unabhängigkeit, Crowdfinanzierung, Medienwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Crowdfunding-Plattformen als alternative Finanzierungsquelle für Journalisten, um der Krise traditioneller Medienfinanzierungsmodelle zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die ökonomischen Rahmenbedingungen, die Rollenveränderung von Journalisten, die neue Beziehung zur Leserschaft und die Auswirkungen auf die mediale Vielfalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Risiken von Crowdfunding aufzuzeigen und zu bewerten, inwiefern es als Bereicherung für das Mediensystem dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und Fachpublikationen zum Thema Crowdfunding im Journalismus sowie auf die Auswertung von Trenddaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Betrachtung der Funktionsweise, eine Analyse der strukturellen Veränderungen im Journalismus und eine praktische Untersuchung von Crowdfunding-Plattformen und deren Kampagnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Journalismus, Crowdfunding, Medienfinanzierung, Gatekeeper-Funktion, Medienvielfalt und digitale Partizipation.
Wie unterscheidet sich Crowdfunding vom klassischen Verlagsmodell?
Im Gegensatz zum klassischen Modell, das oft von Werbung oder Paywalls abhängt, ermöglicht Crowdfunding eine direkte Finanzierung durch das Publikum, was die inhaltliche Unabhängigkeit fördern kann.
Welche Risiken bringt das Crowdfunding für Journalisten mit sich?
Zu den Risiken gehören ein hoher administrativer und marketingtechnischer Zusatzaufwand sowie die Gefahr, dass Projekte ihr Spendenziel nicht erreichen und investierte Arbeit verloren geht.
Was zeichnet die Plattform "Steady" besonders aus?
Steady konzentriert sich auf institutionelle, längerfristige Finanzierungen durch Abonnements statt auf einmalige Projektförderung, was eine bessere Planungssicherheit für journalistische Formate bietet.
Ist Crowdfunding eine langfristige Lösung für die Krise des Journalismus?
Das Fazit der Arbeit betont, dass Crowdfunding zwar eine wichtige Nische füllt und demokratische Vielfalt unterstützt, aber nicht als alleinige Lösung für die ökonomischen Probleme des gesamten Sektors ausreicht.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Crowdfunding-Plattformen. Eine neue Perspektive für den Journalismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520402