Fernsehen im Zeitalter Youtube. Wie Onlinevideoportale den derzeitigen Fernsehkonsum beeinflussen


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Fernsehen im Kontext digitalen und gesellschaftlichen Wandels
2.1. Klassischer Fernsehbegriff und traditionelle Rezeptionsforschung
2.2. Moderne Fersehrezeption: Fernsehwandel und seine Faktoren
2.3. Fernsehspezifische Funktionen und Eigenschaften/Abgrenzung

III. Das Phänomen der Videoportale: Internetbewegter Bewegtbildkonsum7
3.1. Youtube- eine kurze Übersicht
3.2. Spezifische Eigenschaften und Funktionen von Youtube

IV. Ist Youtube das neue Fernsehen?
4.1. Nutzungsstatistiken Fernsehen vs. Onlinebewegtbild
4.2. Diskussion: Substitution, Komplementarität oder Konvergenz?
4.3. Abschlussbewertung: Wie wirken sich Videoportale auf das Fernsehen aus?

V. Fazit und Ausblick

VI. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Youtube is notjust a web phenomen, it is in open contest with broadcast.“ (Fagerjord2010, 187)

Diese provokante Aussage scheint repräsentativ für die gegenwärtige Diskussionswelle über die Zukunft des Mediums Fernsehen zu stehen, die in medienwissenschaftlicher Literatur, aber auch in anderen Medienkreisen, kursiert: Die Existenz des Fernsehapparats als klassisches Massenmedium sei angeblich durch wachsende Präsenz von Bewegtbildplattfomen im Internet bedroht. Schenkt man den prophezeihenden Worten des Youtube Unternehmers Christoph Krachten Glauben, so gebe es die Onlinevideoplattform Youtube nur noch „maximal fünf Jahre“ (FAZ 2015). Intention dieser vorliegenden Arbeit soll es daher sein, zu überprüfen, inwiefern sich diese These tatsächlich mit medienwissenschaftlichen Methoden bestätigen lässt. Wird das Fernsehen wirklich von Youtube verdrängt, oder lassen sich eventuell auch andere Entwicklungen erkennen? Inwiefern stellt Youtube einen Ersatz für das Fernsehen dar? Welche Vorzüge weist das eine Medium gegenüber dem anderen auf?

Beide Medien sollen in dieser Arbeit zunächst einzeln betrachtet werden, um sie dann im letzten Teil gegenüber zu stellen und ihre Beziehung zueinander herauszuarbeiten.

Nach einer anfänglichen, kurzen Annäherung an die klassische Fernsehtheorie soll der Frage nachgegangen werden, welchen Herausforderungen das Medium in der heutigen Zeit gegenübersteht. Gerade in diesem Kontext macht es auch Sinn, über mögliche Stärken und auch Schwächen des Fernsehens nachzudenken. Anschließend wird der Fokus dann eher auf die Videoplattform Youtube verlagert und auch an dieser Stelle sollen die Kernkompetenzen der Videoplattform benannt werden.

Um eine zu spekulative Ausrichtung dieser Arbeit zu vermeiden, werden schließlich noch tatsächliche Nutzungsstatistiken angeführt und erarbeitet, die ebenfalls als Grundlage für das folgende, eher diskursiv angelegte Ende der Arbeit dienen sollen. Es wird versucht, die oben angeführten Leitfragen der Thematik umfassend zu beantworten, um zu einem abschließenden Fazit zu kommen, welches die Forschungsergebnisse zusammenfassen, und Ausblicke auf mögliche Entwicklungen von Fernsehen und Videoplattformen wie Youtube geben wird.

2. Lineares Fernsehen im Kontext digitalen und gesellschaftlichen Wandels

2.1. Klassischer Fernsehbegriff und traditionelle Rezeptionsforschung

Die klassische Fernsehtheorie geht von einer linearen Fernsehrezeption aus, also einem unmittelbaren Empfangen und Konsumieren von gesendeten Programmen (Deutsche TV Plattform 2016). Dabei sei das eigentliche Fernsehen als Aktivität in einen bestimmten Rahmen eingebettet: So beschreibt der britische Fernsehwissenschaftler John Ellis das Fernsehen als ein „häusliches Phänomen“, das sich oft als kollektives Erlebnis, beispielsweise im klassischen Rahmen einer Familie, vorgestellt wird (Ellis 2001, 46).

Auf inhalticher Ebene beschreibt Ellis das Fernsehprogramm als ein Zusammenschnitt einzelner Segmente, wobei ein einzelnes Segment „eine zusammenhängende Gruppe von Tönen und Bildern [ist], die eine relativ kurze Dauer haben und von anderen derartigen Segmenten begleitet werden müssen“ (ebd.: 45). Gleichzeitig ist das Fernsehprogramm dabei zeitlich durchgeplannt und an feste Sendezeiten gebunden, die sich an den alltäglichen Tagesablauf des Durchschnittsmenschen orientieren, beispielhaft lässt sich hier etwa die berühmte Prime Time am Abend nennen (ebd.: 48) . An dieser Stelle lässt sich auch Raymond Williams' Idee des flows anknüpfen, die im Wesentlichen behauptet, dass die Übergänge zwischen den Programmsequenzen fließend geschehen und nicht wirklich kenntlich voneinander getrennt sind. Dies kann beispielsweise durch die Werbung oder Vorschauen für das folgende Programm geschehen (Williams 1975, 40).

Der Fernsehwissenschaftler Elihu Katz hat versucht, eine komprimierte Definition des Mediums Fernsehen festzulegen und beschreibt es als

„(1) a technological apparatus (2) embedded in a social institution consisting of rules, roles, and organizations in an environment of other social institutions (3) featuring a repertoire of Output (call it content) and (4) characterized of typical „situations of contacts“ (Friedson 1953) in which is it apprehended.“ (Katz 2009, 6f.)“.

Diese Definition nähert sich dem Fernsehen aus unterschiedlichen Perspektiven an und umfasst die vier grundlegenden Komponenten des Mediums: den technischen, den gesellschaftlichen, den inhaltlichen und den sozialen Kontext.

2.2. Moderne Fernsehrezeption: Fernsehwandel und seine Faktoren

So fundamental die theoretischen Überlegungen von Ellis und Williams auch für die Fernsehwissenschaften sein mögen, angesichts ihrer Entstehungszeit scheint die Frage berechtigt, inwiefern sie noch auf die heutige Fernsehkultur anwendbar sind. Viele gegenwärtige Auseinandersetzungen mit dem Thema deuten etwaige Herausforderungen an, mit denen das Medium Fernsehen in der heutigen Gesellschaft konfrontiertwird.

Schneider (2008, 24-27) zählt neben weiteren Faktoren unter anderem die Individualisierung, die Digitalisierung, sowie die Globalisierung als gesellschaftliche Entwicklungen in einer immer mehr digitalen Medienwelt auf, die auch das Fernsehen in gewisserWeise betreffen.

Individualisierung

Individualisierung als ein Prozess, der das Streben nach Autonomie, Einzigartigkeit und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt, sei präsenter Bestandteil in der heutigen Gesellschaft. Er wirke sich auf Massenmedien, wie unter anderem den Fernsehen, in „der Zunahme von speziellen Spartenprogrammen“ (Schneider 2008, 24) aus. Das Unvermögen von Massenmedien, das Individuum zu adressieren, scheint durch eine Segmentierung der Zuschauerschaft in einzelne Gruppen komprisshaft ausgeglichen zu werden (ebd.). Individualisierung im Fernsehkontext zeigt sich aber auch in der ,,zunehmende[n] Verbreitung von Zweit- und Drittfernsehern in den Haushalten“ (Rudolph 2014, 54), das heißt, individuelle Programmpräferenzen können ausgelebt werden, ohne dass sich z.B. alle Familienmitglieder auf eine Kompromisssendung einigen müssen.

Globalisierung

Schneider schreibt den Massenmedien im Prozess der Globalisierung sowohl die Rolle eines Antriebmotors, als auch die einer bloßen Bestandteilhaftigkeit zu (Schneider 2008, 25f.) Große Fernsehsender können potenziell an jedem Ort allgegenwärtig sein und dem Zuschauer Einblicke in Ereignisse auf der gesamten Welt ermöglichen. Hier lässt sich auch sehr gut auf Ellis' Idee, dass Fernsehereignisse zu einer seperaten Außenwelt gehörend dargestllt werden sei (Ellis 2001, 45), verweisen. Nicht nur sei weiterhin ein globales Fernsehpublikum Folge der Globalisierung, sondern auf inhaltlicher Ebene könnten Sender weiterhin mit neuen, spezifische Programmen auf die Globalisierung reagieren (Schneider 2008, 25), dementsprechend würden internationale Themen mehr Bedeutung gewinnen.

Digitalisierung

Mit der Entwicklung des digitalen Fernsehens würden laut Schneider die „Produktions-, Distributions- und Rezeptionsformen [verschmelzen], die in der analogen Welt noch getrennt waren“, es sei also eine zunehmende Konvergenz zu beobachten. Die Digitalisierung würde weiterhin eine größere Auswahl an Fernsehprogrammen, und eine gewisse allwegenwärtige, gleichzeitige Verfügbarkeit dieser mit sich bringen (Schneider 2008, 27).

Auch wenn sich das Fernsehen also langsam an seine sich verändernden Rahmenbedingungen anpasst, so hat doch gerade die Digitalisierung und der mediale Wandel dem Fernsehen viel Konkurrenz beschaffen (wie eben zum Beispiel Youtube). Welches Medium sich also potentiell tatsächlich besser an den Zahn der Zeit anpassen kann, soll im Verlauf dieser Arbeit noch geklärt werden.

2.3. Fernsehspezifische Funktionen und Eigenschaften/Abgrenzung

Zapping

Ein Phänomen, das spezifisch für das Fernsehen gültig ist, ist das sogenannte Zapping. Das Wort beschreibt lediglich das Wechseln zwischen verschiedenen Fernsehsendern. Friedrichsen (2004, 26 f.) differenziert dabei zwischen verschiedenen Formen des Zappings, so etwa dem mechanischen Zappen, welches dem bloßen Vermeiden von Fernsehwerbung dient, dem physischen Zappen (Verlassen des Raumes), dem psychischen Zappen (Nebenbeibeschäftigung während des Fernsehens), sowie dem Zipping (Aufnehmen des Programms und anschließendes Überspulen der Werbung). Klassisches Zapping beinhaltet nach Friedrichsen aber generell ein häufiges Umschalten der Sender. Die Idee scheint daher in einem gewissen Widerspruch zu Raymond Williams' Idee des flows zu stehen, welche ja das unbeteiligte Verharren auf einem Sender aufgrund fließender Übergänge zwischen den Sequenzen beschreibt (siehe 2.1.). Zapping beinhaltet daher eine gewisse Unentschlossenheit über das Fernsehprogramm, gleichzeit aber auch, und dies führt zur nächsten Eigenschaft des Fernsehens, die Gebundenheit das Programm.

Programm

Die Existenz von Programmzeitschrift ist ein Zeichen dafür, dass der Zuschauer einem gewissen Maß an Ohnmacht ausgeliefert ist: Zwar gibt es eine Auswahl an Fernsehinhalten, diese ist aber begrenzt und der Rezipient ist auf das jeweilige Angebot angewiesen, es ist nicht beliebig. Darüber hinaus beinhaltet das Fernsehprogramm auch eine Fernsehen eine Zeitgebundenheit, das heißt, der Zuschauer ist auf die Sendezeiten angewiesen. Auch das Angebot ist begrenzt, da nur eine limitierte Auswahl an Sendern zurVerfügung steht.

Professionalität

Das Massenmedium Fernsehen zeichnet sich vor allem durch eine professionalisierte und aufwändige Produktionsseite aus, hinter der hohe Kosten, ausgebildete Akteure, ein und eine systematisierte Finanzierung stecken. Letztere wird einerseits durch den Zuschauermarkt, andererseits durch den Werbemarkt gewährleistet (vgl. BPB 2012).

One-to-Many: Einseitige Kommunikation

Wie bei allen anderen Massenmedien auch, findet bei der Fernsehrezeption eine einseitige Kommunikation statt. Durch raum-zeitliche Trennung kann beim klassischen linearen Fernsehen kein wechselseitiger Austausch zustande kommen, sondern die Inhalte, welches das Fernsehen ausstrahlt, erreichen den Zuschauer, ohne dass eine Rückkoppelung zustande kommt (vgl. Hepach 2011, 17).

3. Das Phänomen derVideoportale: InternetbasierterBewegtbildkonsum

3.1. Youtube - eine kurze Übersicht

Im Jahr 2005 wurde die berühmte Videoplattform von drei PayPal Mitarbeitern gegründet und bereits ein Jahr später vom Weltkonzern Google aufgekauft (Beuth/Blickle/ Kühl 2015). Youtube ist gegenwärtig mit etwa 21 Millionen Besuchern im Monat die bedeutendste Videoplattform im Internet, nicht zuletzt auch wegen seines scheinbar unbegrenzten Angebots an Material: Im Jahr 2015 wurden beispielsweise 300 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen (ebd.).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Fernsehen im Zeitalter Youtube. Wie Onlinevideoportale den derzeitigen Fernsehkonsum beeinflussen
Hochschule
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V520431
ISBN (eBook)
9783346116079
ISBN (Buch)
9783346116086
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fernsehen, zeitalter, youtube, onlinevideoportale, fernsehkonsum
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Fernsehen im Zeitalter Youtube. Wie Onlinevideoportale den derzeitigen Fernsehkonsum beeinflussen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520431

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