Gesellschaftliche Faktoren wie der demographische Wandel oder auch die aktuelle Covid-19-Krise belasten das deutsche Gesundheitssystem. Immer deutlicher wird, wie wichtig ein funktionierendes System für unsere Gesellschaft ist. Die neuen Herausforderungen machen aber auch eine stetige Weiterentwicklung notwendig. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Stationsleitungen.
Wie zufrieden sind Stationsleitungen in deutschen Krankenhäusern? Und wie steht es um ihre Arbeitsleistung? Gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern? David Gößwein klärt diese Fragen mithilfe der Theorie des Psychologischen Kapitals.
Das Psychologische Kapital beschreibt, wie die Ressourcen Selbstwirksamkeit, Optimismus, Hoffnung und Resilienz in einer Person ausgeprägt sind. Alle vier Dimensionen tragen zu einer positiven Gemütslage bei und haben so Einfluss auf die persönliche Leistungsfähigkeit. Gößwein zeigt in seiner Publikation, wie es um das Psychologische Kapital in der Pflege bestellt ist und welche Maßnahmen dies positiv beeinflussen.
Aus dem Inhalt:
- Mitarbeiterzufriedenheit;
- Motivation;
- Mitarbeiterbindung;
- Pflege;
- Pflegemanagement
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Status Quo und Wandel im Krankenhaussektor
1.1.1 Marktwirtschaftlicher Umbau
1.1.2 Auswirkungen der DRGs
1.1.3 Entwicklung wesentlicher Parameter
1.1.4 Demografie und Pflegebedürftigkeit
1.2 Pflegepersonal im Krankenhaus
1.3 (Pflege-)Management im Krankenhaus
1.3.1 Tradierte Aufbauorganisation
1.3.2 Strukturen des Pflegemanagements
1.4 Schlüsselposition Stationsleitung
1.4.1 Psychische Gesundheit
1.4.2 Belastung versus Beanspruchung
1.4.3 Der personale Faktor
2 Struktur, Zielsetzung und Forschungsfragen
3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Psychologisches Kapital - Begriffsexplikation
3.2 Kapitalformen im Überblick
3.2.1 Ökonomisches Kapital
3.2.2 Humankapital
3.2.3 Soziales Kapital
3.3 Psychologisches Kapital – Definition
3.4 PsyCap als Forschungsgegenstand der Positiven Psychologie
3.5 Positive Psychologie in der Arbeit: POS und POB
3.6 Das Prinzip der Veränderbarkeit
3.7 Die vier PsyCap-Dimensionen
3.7.1 Selbstwirksamkeit
3.7.2 Optimismus
3.7.3 Hoffnung
3.7.4 Resilienz
3.7.5 Fazit
3.8 PsyCap als sekundäres Konstrukt
4 Stand der Forschung / Externe Evidenz
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Ergebnisse: PsyCap im Arbeitskontext
4.3 Ergebnisse: PsyCap im Setting Pflege
4.4 Limitationen, Diskussion und Fazit
5 Empirie
5.1 Methodik
5.1.1 Übergeordneter Forschungsprozess
5.1.2 Methodischer Ansatz und Operationalisierung
5.1.3 Ablauf der Erhebung
5.1.4 Datenkodierung und Auswertung
5.1.5 Studiensetting und Grundgesamtheit
5.2 Ergebnisse
5.2.1 Beschreibung der Stichprobe und deskriptive Auswertung
5.2.2 Formalisierung und Prüfung der Hypothesen
5.3 Limitationen, Diskussion und Fazit
6 Stärkung des Psychologischen Kapitals
6.1 Antezedenzien als Anknüpfungspunkte
6.2 Mikrointerventionen
6.3 Strukturelle Interventionen
6.3.1 Ebene 1: Führungskraft / Positive Leadership
6.3.2 Ebene 2: Tätigkeit / Job Enrichment
6.3.3 Ebene 3: Rahmenbedingungen / Organisationales Ziel-Design
6.4 Projektplanung
6.5 Limitationen, Diskussion und Fazit
7 Diskussion
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, das Psychologische Kapital (PsyCap) von Stationsleitungen zu analysieren und auf Basis theoretischer Erkenntnisse sowie einer empirischen Querschnittstudie systematische Maßnahmen zur Stärkung dieser psychologischen Ressourcen abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Ausprägung von PsyCap bei Stationsleitungen und der Identifikation bedarfsgerechter Entwicklungsstrategien im klinischen Kontext.
- Psychologisches Kapital (PsyCap) und dessen vier Dimensionen: Selbstwirksamkeit, Optimismus, Hoffnung, Resilienz.
- Die Rolle von Stationsleitungen im Krankenhausmanagement und deren spezifische Belastungsfaktoren.
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Bedeutung von PsyCap für Arbeitsleistung und Wohlbefinden im Setting Pflege.
- Empirische Untersuchung der PsyCap-Ausprägung in einem exemplarischen Krankenhaus.
- Entwicklung von Interventionsprogrammen zur Stärkung der psychischen Widerstandskraft von Führungskräften in der Pflege.
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Marktwirtschaftlicher Umbau
Seit den 1990er-Jahren wurden zahlreiche Reformen im Krankenhauswesen vollzogen, um die Gesundheitsdienstleistungen dieses Sektors nutzenorientierter und effizienter zu gestalten. Die international ab den 1990er-Jahren einflussreiche „New Public Management“ (NPM)-Programmatik bot hierfür den konzeptionell gedanklichen Ankerpunkt (vgl. Wilkesmann 2016a: 358; Wilkesmann 2016b: 216).
Darüber hinaus bestand Anfang der 1990er-Jahre erheblicher Druck auf den politischen Entscheidungsträgern zur Einleitung eines Gesundheitsreform-prozesses. Die Kosten im Krankenhaussektor hatten sich nach Einführung des Selbstkostendeckungsprinzips im Rahmen des Krankenhaus-finanzierungsgesetzes (KHG) nach 1972 expansiv entwickelt (vgl. Bundesärztekammer BÄK 2007: 12). Dies zog eine verschlechterte Finanzierungssituation der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und steigende Beitragssätze nach sich. Als Reaktion der Legislative wurde 1993 das Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) und mit ihm eine weitreichende Reformierung des Krankenhauskosten-Vergütungssystems verabschiedet (vgl. Tuschen/Trefts 2010: 31). Das wesentliche Ziel des GSG lag in der Aufrechterhaltung der GKV-Beitragsstabilität begründet. Dieser Kostendämpfungsmechanismus sollte über die Ablösung des Selbstkostendeckungsprinzips durch ein leistungsorientiertes und differenziertes Vergütungssystem erreicht werden (vgl. Tuschen/Trefts 2010: 34). Das Herzstück der Reform nahmen die Pflegesätze ein, deren Gesamtvolumen das krankenhausindividuelle Budget für die Betriebskosten darstellten. Das individuelle Klinikbudget wurde hierbei kausal mit der Finanzlage der GKV verknüpft - die sogenannte „Deckelung“ war geschaffen (vgl. Tuschen/Trefts 2010: 34 f.). Gleichzeitig entstand mit der Abkehr vom Selbstkostendeckungsprinzip für Kliniken ein bislang in dieser Form nicht gekanntes Verlustrisiko (vgl. Simon 2016: 34).
Die BÄK (2007: 13) konkludiert, dass Krankenhäuser seit den 1990er-Jahren durch einen betriebswirtschaftlich-manageriellen Reformprozess, basierend auf der NPM-Philosophie, von rein karitativen Einrichtungen zu Dienstleistungs-unternehmen avancierten. Das Primat der Ökonomie hielt in den Kliniken der BRD Einzug (vgl. BÄK 2007: 13 f.). Krankenhäuser wurden folglich immer mehr zu autonom agierenden Unternehmen, die den Mechanismen des Marktes unterliegen (vgl. u.a. Simon 2016: 29; Hansen 2007: 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel ordnet die Stationsleitung als Element des Krankenhauses ein, beleuchtet den Wandel im Krankenhaussektor und unterstreicht die Relevanz der psychischen Gesundheit für Führungskräfte.
2 Struktur, Zielsetzung und Forschungsfragen: Hier werden der deduktiv-nomologische Forschungsansatz sowie die spezifischen Ziele und zentralen Forschungsfragen der Master-Thesis definiert.
3 Theoretischer Hintergrund: Der Abschnitt expliziert das Konzept des Psychologischen Kapitals (PsyCap) und stellt dessen wissenschaftliche Wurzeln in der Positiven Psychologie sowie die vier zentralen Dimensionen dar.
4 Stand der Forschung / Externe Evidenz: Dieses Kapitel fasst mittels systematischer Literaturrecherche empirische Befunde zu PsyCap im Arbeitskontext sowie im spezifischen Setting der Pflege zusammen.
5 Empirie: Hier wird die eigene Querschnittserhebung zur PsyCap-Ausprägung bei Stationsleitungen methodisch erläutert und die Ergebnisse der Hypothesentests dargestellt.
6 Stärkung des Psychologischen Kapitals: Auf Basis der vorangegangenen Ergebnisse werden konkrete Interventionsstrategien zur Förderung von PsyCap bei Stationsleitungen entwickelt und projektiv geplant.
7 Diskussion: Die Ergebnisse und Methoden der Arbeit werden kritisch reflektiert und in den Kontext des klinischen Pflegemanagements eingeordnet.
8 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsarbeiten sowie die praktische Implementierung von PsyCap-Programmen.
Schlüsselwörter
Psychologisches Kapital, PsyCap, Stationsleitung, Krankenhaus, Pflegemanagement, Positive Psychologie, Selbstwirksamkeit, Optimismus, Hoffnung, Resilienz, Führungskräfteentwicklung, Arbeitszufriedenheit, Burnout-Prävention, Organisationsentwicklung, Gesundheitsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sogenannte Psychologische Kapital (PsyCap) als Ressource für Stationsleitungen in Krankenhäusern, um deren psychische Widerstandskraft angesichts beruflicher Belastungen zu stärken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Positiven Psychologie, die Stressbelastung im Pflegemanagement, die Operationalisierung von psychologischen Stärken und die Implementierung von Personalentwicklungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die Ausprägung von PsyCap bei Stationsleitungen in einem exemplarischen Krankenhaus zu erheben und darauf aufbauend ein systematisches Interventionsprogramm zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein quantitativ-deduktiver Forschungsansatz gewählt, der eine systematische Literaturanalyse (externe Evidenz) mit einer empirischen Querschnittserhebung mittels standardisierter Fragebögen (interne Evidenz) verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Herleitungen des Konstrukts PsyCap, eine umfassende Bestandsaufnahme des Forschungsstandes und die Darstellung einer eigenen empirischen Studie inklusive der Planung von Stärkungsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Psychologisches Kapital (PsyCap), Stationsleitung, Pflegemanagement, Positive Psychologie und Empowerment.
Wie genau lässt sich PsyCap im beruflichen Alltag von Stationsleitungen stärken?
Dies erfolgt durch zwei Ansätze: Mikrointerventionen (PCIs), die als Coaching-Workshops konzipiert sind, sowie strukturelle Interventionen wie Positive Leadership, Job Enrichment und ein gezieltes Zieldesign.
Was war das Ergebnis der empirischen Untersuchung?
Die Studie zeigte eine signifikant hohe PsyCap-Ausprägung in der untersuchten Stichprobe, wobei zwischen den Geschlechtern keine signifikanten Unterschiede in der Ausprägung festgestellt werden konnten.
- Citation du texte
- David Gößwein (Auteur), 2020, Das Psychologische Kapital bei Pflegekräften. Welche Maßnahmen stärken Selbstwirksamkeit, Optimismus, Hoffnung und Resilienz von Stationsleitungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520585