Als Kulturgeschichte des menschlichen Geistes war auch der Kulturbegriff des 18. Jahrhunderts definiert und überdies auch eine der Grundlagen des Kulturdenkens Friedrich Justin Bertuchs, wenngleich sich seine Ansichten auch aus anderen bzw. auch spezifischeren Überlegungen speisten, wie unter anderem denen des Philosophen und Aufklärers Moses Mendelssohn, für den Kultur einerseits in Abgrenzung zu Bildung und Aufklärung stand, andererseits eng mit dem Begriff der Pragmatik verbunden war.
Handwerklich-schöpferisches Handeln und industrielle Beförderung von Gütern, die der Allgemeinheit in objektiver Hinsicht zu Gute kommen, waren nicht nur im spätaufklärerischen Denken Mendelssohns verhaftet, sondern zugleich auch in Bertuchs Ansichten festgesetzt. Die Überzeugung, dass Kultur mit Industrie einherging und zukunftsweisend für die gesellschaftliche (Weiter)entwicklung sein würde, beförderten sein Denken und Handeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Kulturverständnis bei Friedrich Justin Bertuch vor dem Hintergrund seines unternehmerischen Wirkens
1.1 Das Fallbeispiel des Journals des Luxus und der Moden
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kulturbegriffsverständnis des Verlegers Friedrich Justin Bertuch und analysiert, wie er dieses durch das 1786 gemeinsam mit Georg Melchior Kraus gegründete „Journal des Luxus und der Moden“ in die unternehmerische Praxis überführte, um das Bürgertum zu bilden und zu emanzipieren.
- Kulturbegriff des 18. und 19. Jahrhunderts
- Wechselwirkung von Luxus, Industrie und Kultur
- Die Rolle der Zeitschriftenlandschaft als Leitmedium der Aufklärung
- Verbindung von aufklärerischem Denken und unternehmerischem Handeln
- Strategien zur Zielgruppenansprache zwischen Adel und Bürgertum
Auszug aus dem Buch
Die Verbindung von Kulturförderung und Luxus
Die Verbindung von Kulturförderung und Luxus wird sodann deutlich, wenn man die Aussagen der Herausgeber im Einleitungsteil der ersten Ausgabe des JLM 1786 selbst betrachtet: „[…] Wolleben will und kann der Mensch auf der ganzen weiten Erde, so bald er sich etwas mehr, als seine ersten nothwendigen Beduerfnisse des Lebens erwerben kann, und eben der heiße Wunsch dahin zu kommen, und sich guetlich zu thun, ist die maechtige Triebfeder der Industrie, der Kuenste, der Erfindungen und des Geschmacks, kurz des groeßten Theils der menschlichen Thaetigkeit.“ (Bertuch/Kraus 1786, 5)
Die Symbiose beider entstehe schließlich dadurch, dass das eine, das andere befördere. Ohne die Annehmlichkeiten, die der Luxus mit sich bringe, könnten keine neuen Ideen, keine neuen stil-und geschmacksgebenden Prinzipien generiert werden. Kurzum: ohne die Investition in Güter des Wohlstands könne auch kein neuer, kreativer Geist entstehen, der neue, kreative Produkte schaffe und mithin neue Stilbildungsprozesse anregen würde. Die Entfaltung neuer Moden, neuer Stile, neuer Geschmäcker sind –Bertuchs Verständnis folgend– zudem Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft und stehen miteinander in unmittelbarem Zusammenhang.
Im Verständnis der Herausgeber ist Luxus „wie die Treppe in einem Gebäude; unentbehrlich zum Gebrauch des Hauses. Ein Kluger steigt langsam auf und ab; ein Kind (…) stürzt sie unvorsichtig herab.“ (Bertuch/ Kraus 1786, 7). Deutlich werden– neben der fruchtbringenden Notwendigkeit des Wohlstandes auf innovative, geschmacksbildende Prozesse einerseits– auch die negativen Auswüchse, die sich aus einem unbedachten und falsch verstandenen Zusammenhang dieser Komponenten ergeben. Nicht der blinde Konsum ist Antrieb zu Innovation, sondern der wohl bedachte und dosierte Konsum als ein Luxus, der zur Ästhetisierung des Lebens führt und dadurch neuen Stil entwickeln kann. Das richtige Maß ist beiden wichtig und sie suchen es über ihr Journal zu vermitteln, indem sie regelmäßig und ausführlich über unbedachten und verschwenderischen Luxus und seine Gefahren berichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Kulturverständnis bei Friedrich Justin Bertuch vor dem Hintergrund seines unternehmerischen Wirkens: Diese Einleitung führt in das komplexe Kulturverständnis des 18. und 19. Jahrhunderts ein und verortet Bertuchs Wirken im Spannungsfeld zwischen aufklärerischem Geist und industriellem Fortschritt.
1.1 Das Fallbeispiel des Journals des Luxus und der Moden: Dieses Unterkapitel analysiert das „Journal des Luxus und der Moden“ als zentrales Medium Bertuchs, mit dem er eine Symbiose aus Konsumkultur, Bildung und ästhetischer Erziehung schuf.
Schlüsselwörter
Friedrich Justin Bertuch, Journal des Luxus und der Moden, Kulturbegriff, Aufklärung, Zeitschriftenlandschaft, 18. Jahrhundert, Konsumkultur, Bildung, Landes-Industrie-Comptoir, Kulturförderung, Ästhetik, bürgerliche Emanzipation, Luxus, Mediengeschichte, Stilbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das spezifische Kulturverständnis von Friedrich Justin Bertuch im späten 18. Jahrhundert und zeigt auf, wie er dieses philosophische Konzept durch publizistische und unternehmerische Aktivitäten in die Praxis umsetzte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit beleuchtet die Definitionen von Kultur in der Aufklärung, die Rolle des Luxus als Motor für Innovation und Stilbildung sowie die Bedeutung der aufkommenden Zeitschriftenkultur für die bürgerliche Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Bertuchs unternehmerisches Handeln – insbesondere das „Journal des Luxus und der Moden“ – nicht nur rein ökonomisch motiviert war, sondern aus einer tiefen kulturgeschichtlichen Ambition zur Förderung des menschlichen Geistes und der bürgerlichen Emanzipation entsprang.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche und mediengeschichtliche Analyse, die den Diskurs der Zeit mit den konkreten Publikationen und unternehmerischen Unternehmungen Bertuchs verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese des Kulturbegriffs, der Bedeutung des Standorts Weimar für Bertuchs Wirken, der Rolle von Zeitschriften als moderne Informationsmedien und der praktischen Anwendung von Kulturtheorien im „Journal des Luxus und der Moden“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kulturgeschichte, Aufklärung, Journal des Luxus und der Moden, bürgerliche Bildung und unternehmerisches Engagement.
Inwiefern beeinflusste Moses Mendelssohn die Ansichten von Bertuch?
Bertuch übernahm wesentliche Ansätze Mendelssohns, insbesondere die Verbindung von Kultur mit Pragmatik und die Überzeugung, dass industrielles Handeln und die Beförderung von Gütern der Allgemeinheit zugutekommen können.
Warum wird das „Journal des Luxus und der Moden“ als besonderes Objekt bezeichnet?
Das Journal nimmt eine Sonderstellung ein, weil es erfolgreich sowohl den Anspruch auf kulturelle Bildung als auch den Bedarf nach Unterhaltung und Kurzweil vereinte und so eine breite Leserschicht erreichte, die andere Gelehrtenblätter nicht binden konnten.
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- Julia Eydt (Autor), 2019, Das Kulturverständnis bei Friedrich Justin Bertuch vor dem Hintergrund seines unternehmerischen Wirkens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520594