Handlungs-, produktionsorientierte und analytische Erschließung des Romans "Die Welle" von Morton Rhue in der 9. Klassenstufe

„Die Welle – Aus Spiel wird Ernst!“


Examensarbeit, 2018
24 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1. Thema der Unterrichtsreihe
2. Curriculare Legitimation
3. Leitgedanke/Intention für die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
4. Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe

B. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde
1. Thema der Unterrichtsstunde
2. Ziele der Stunde
3. Lernausgangslage im Hinblick auf die konkrete Stunde
4. Sachanalyse
5. Didaktisch-methodische Entscheidungen
6. Literatur
7. Anhang
8. Stundenverlaufsplan

A. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

1. Thema der Unterrichtsreihe

„Die Welle – Aus Spiel wird Ernst!“ – Handlungs- und produktionsorientierte sowie analytische Erschließung des Romans „Die Welle“ von Morton Rhue.

2. Curriculare Legitimation

Die Lektüre „Die Welle“ von Morton Rhue zu behandeln, legitimiert sich durch den Kernlehrplan für das Fach Deutsch an Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen. Das Unterrichtsvorhaben knüpft vor allem an den Bereich „Lesen – Umgang mit Texten und Medien“ mit dem Aufgabenschwerpunkt „Umgang mit literarischen Texten“ an (KLP NRW, S. 33).

Die geplante Unterrichtsstunde legitimiert sich durch den Aufgabenschwerpunkt „Gestaltend sprechen/szenisch spielen“ (ebd., S. 26), indem die Schülerinnen und Schüler1 die Personenkonstellation aus dem Roman „Die Welle“ mithilfe eines Standbilds darstellen. Dieser Aufgabenschwerpunkt wird in der geplanten Unterrichtsstunde mit dem Aufgabenschwerpunkt „Produktionsorientierter Umgang mit Texten und Medien“ verbunden, indem sie gestaltend mit dem Textinhalt arbeiten und diesen schließlich szenisch umsetzten (vgl. ebd., S. 38).

Der schulinterne Lehrplan der Heinrich-Heine-Gesamtschule Düsseldorf sieht ebenfalls vor, das Thema „Erzählende oder dramatische Texte“ im neunten Jahrgang zu behandeln. In der Fachkonferenz Deutsch wurde entschieden, dass der diesjährige neunte Jahrgang den Roman „Die Welle“ behandelt.

3. Leitgedanke/Intention für die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

Im Fokus der Unterrichtsreihe stehen anregende textuelle Entdeckungen und Interpretationsfragen, die den Umgang mit und das Verständnis von literarischen Texten und Ganzschriften lehren sollen. Die Konzeption der Unterrichtsreihe orientiert sich an den Ansprüchen des Kernlehrplans zum Umgang mit Literatur, Texten und Medien und bietet methodisch-didaktische Verfahren an, mittels derer eine Individualisierung des Leseprozesses und Differenzierung angestrebt werden, ohne die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Text zu vernachlässigen.

Der Roman „Die Welle“ wurde in der Fachkonferenz Deutsch ausgewählt, weil sein Inhalt im Hinblick auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund ein auch in der heutigen Zeit aktuelles Thema aufgreift. Die Thematik und die Rahmenhandlung des Romans eröffnen den Schülern viele Möglichkeiten einer Begegnung mit der Literatur in Gegenwart und Vergangenheit.

Die Behandlung der Lektüre erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, ca. sechs Wochen und findet daher in Form eines Projekts statt, das möglichst selbstständiges Arbeiten in einer offenen Unterrichtsform erlaubt, in die auch Phasen des gemeinsamen Lesens und der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Lektüre integriert sind. Das übergeordnete Ziel der Reihe ist, ein Verständnis über das Entstehen und Instandhalten autoritärer Systeme und eine eigene kritische innere Haltung hierzu bei den Schülern zu entwickeln.

Die Schüler sollen im Umgang mit literarischen Texten die Handlungsabläufe und die Entwicklung von Figuren in umfangreichen Texten nachvollziehen, Texte gliedern und wichtige Textstellen sammeln, Handlungsmotive von Figuren erklären und die produktive Auseinandersetzung mit literarischen Figuren nutzen (vgl. KLP, S. 35). Der Schwerpunkt dieses Unterrichtsvorhabens liegt auf der Erweiterung der Kompetenzen im Umgang mit literarischen Texten, indem der Prozess des handlungs- und produktionsorientierten Erschließens von Zusammenhängen von literarischen Texten gefördert wird. Die Unterrichtsreihe wurde so konzipiert, dass sie analytische, handlungs- sowie produktionsorientierte Methoden kombiniert. Neben dem informationsentnehmenden Lesen werden auch analytische Verfahren angewendet, mit denen die Interpretationskompetenz der Schüler gefördert wird. Methodisch schulen die Lernenden neben den Kompetenzen zur Charakterisierung einer literarischen Figur auch die Fähigkeit, Leerstellen in literarischen Texten mithilfe produktionsorientierter Schreibaufträge zu füllen und sich auf kreative Weise mit der Interaktion der handelnden Figuren zu befassen, sodass die kreative Schreibkompetenz der Schüler gefördert wird. Beispielsweise bieten innere Monologe, Standbilder sowie szenische Spiele im Rahmen ihrer Funktion der Identifizierung mit den Figuren eine Grundlage, um wesentliche Elemente des Romans intuitiv und analytisch zu erfassen sowie kritisch zu reflektieren. Die Vernetzung der verwendeten Erarbeitungstechniken hat zum Ziel, das Unterrichtsvorhaben auf einen nachhaltigen Lern- und Entwicklungsprozess auszurichten.

Schüler legen während des Zeitraums der Arbeit mit der Lektüre ein Lektüreportfolio an. In diesem werden eigene Arbeiten, bearbeitete Arbeitsblätter, Cluster, Fotografien von szenischen Darstellungen etc. abgeheftet. Weiterhin wird ein begleitendes Lesetagebuch zur Dokumentation von inhaltlichen Kernaspekten im Portfolio angelegt. Lesebegleitende Aufgaben sowie Aufgaben vor und nach dem Lesen fördern und fordern die vertiefende Beschäftigung mit dem Roman. So dient das Lesetagebuch der Erschließung wichtiger Entwicklungsschritte des Experiments sowie der inhaltlichen Sicherung und Orientierung im Roman. Des Weiteren wird durch das Lesetagebuch wie auch durch kooperative Lernformen das individuelle, selbsttätige Lernen unterstützt. Die Schüler können immer wieder üben, Ergebnisse, Meinungen, Stellungnahmen, Gedanken und Ideen vor einem Partner, in der Gruppe oder vor dem gesamten Kurs zu äußern. Gleichzeitig werden auch die methodischen Kompetenzen geschult. Die diagnostizierte Heterogenität mit Blick auf die Kompetenzen im Bereich Schreiben, steht bei der Planung der Reihe ebenfalls im Vordergrund. Dem wird Rechnung getragen, indem die Schüler im Sinne der Binnendifferenzierung mit Hilfe von Formulierungsbausteinen und Tippkarten, in denen aspektorientierte Fragen oder Textmarkierungen enthalten sind, an das Ziel herangeführt werden. Im Bereich des informationsentnehmenden Lesens verhält es sich ähnlich. Auch hier wurde den Schülern anhand von gezielten Hilfestellungen (Angabe von Seitenzahlen) eine Unterstützung geboten.

Lernerorientierung, Ganzheitlichkeit, Handlungsorientierung und Produktionsorientierung sind Prinzipien, die die Planung der Reihe maßgeblich beeinflusst haben. Lernerorientierung zeigt sich in der Wahl des literarischen Textes, der durch ein hohes Identifikationspotenzial und seine einfache Sprache für die Lernenden leicht zugänglich ist. Die sprachliche Gestaltung und die kontinuierliche Spannungssteigerung kommen den Bedürfnissen der Lernenden nach spannender und bedeutsamer Lektüre entgegen. Weil Rhue das Unterrichtsexperiment im Setting Schule und somit der gewohnten Umgebung von Schülern ansiedelt, können sich die Lernenden mit den Charakteren identifizieren und ihre jeweiligen Rollen in der Klassengemeinschaft nachvollziehen. Durch die Themenbereiche Schule, Freundschaft, Liebe und Außenseitertum können die Schüler an ihre eigene Lebenswelt anknüpfen und ggf. Vergleiche ziehen.

Dem Prinzip der Ganzheitlichkeit wird der Unterricht dadurch gerecht, dass er darauf angelegt ist, neben kognitiv-intellektuellen Aspekten auch körperliche sowie affektiv-emotionale Aspekte in seine Prozesse zu integrieren. Handlungsorientierte Phasen schafft der Unterricht dadurch, dass die Schüler im Rahmen dramenpädagogischer Verfahren (Standbilder, Rollenspiele etc.) eine aktive Rolle übernehmen und vom Rezipienten zum Produzenten werden. Der Einsatz von szenischen Verfahren im Unterricht (Standbilder, szenische Spiele) soll den Schülern helfen, die Gefühlswelt der Protagonisten zu verstehen und durch eigenes Handeln und Erleben besser im Gedächtnis zu speichern als durch einen rein kognitiven, analytischen Zugang. Die vielen Leerstellen des Romans (z. B. der Schluss) fordern den Leser entsprechend der Leerstellentheorie Wolfgang Isers (vgl. Iser, S. 58) zu einer individuellen Stellungnahme heraus, die für den Deutschunterricht fruchtbar gemacht werden. Der Aspekt der Spannungssteigerung und des ungewissen Ausgangs eigenen sich außerdem für ein progressives Lesen und Erschließen der Lektüre. Denn viele Figuren verändern sich im Laufe der „Welle“, wobei die allmähliche Entwicklung nicht durch eine Vorwegnahme des Endes beeinflusst werden sollte.

Um den genannten Prinzipien und der heterogenen Lerngruppe gerecht zu werden, arbeiten die Schüler im Unterricht häufig in kooperativen Arbeitsformen (z. B. Think-Pair-Share, Placemate-Verfahren, Partnerpuzzle). Diese Arbeitsformen bieten den Schülern die Möglichkeit, sich im geschützten Raum auszutauschen. Durch die positive Abhängigkeit der Schüler profitieren sowohl leistungsstärkere als auch leistungsschwächere Schüler voneinander.

Durch den abwechslungsreichen Umgang mit dem Roman können die Schüler den gesamten Inhalt auf je eigene Weise erfassen, festigen und kritisch reflektieren. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Reihe ist die zeitgeschichtliche Einordnung des Romans, die in nahezu jeder Stunde eine wichtige Rolle spielt. Um eine fundierte Einführung in die geschichtlichen Fakten zu gewährleisten, erfolgte daher eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Geschichtslehrern des Kurses. Das nötige Hintergrundwissen zu den Themenbereichen „Faschismus“ und „Antisemitismus“ wurde im Geschichtsunterricht vermittelt und zu Beginn der Reihe im Deutschunterricht erarbeitet.

Am Ende der Reihe erfolgt die Überprüfung der erworbenen Kompetenzen in Form einer Portfolio­mappe.

4. Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

B. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde

1. Thema der Unterrichtsstunde

Figuren der „Welle“ und ihre Beziehungen ‚unter der Lupe‘ – Textinterpretation der Personenkonstellation über die szenische Darstellung mithilfe von Standbildern

2. Ziele der Stunde

2. Schwerpunktziel

Die Schülerinnen und Schüler interpretieren auf Grundlage der ersten vier Kapitel des Romans „Die Welle“ von Morton Rhue die Beziehung zwischen der Schülergruppe und dem Lehrer und die damit einhergehenden Gefühle, indem sie zuerst die Personenkonstellation als Standbild darstellen und im weiteren Verlauf zwei gebaute Standbilder miteinander vergleichen.

(Lesen – Umgang mit Texten und Medien, Sprechen und Zuhören)

2.2 Teilziele

Die Schülerinnen und Schüler...

TZ 1: reproduzieren wichtige Kriterien für das Standbild, indem sie auf ihr Wissen aus der vorangegangenen Stunde zurückgreifen. (Sprechen und Zuhören)

TZ 2: formen Standbilder in Gruppenarbeit, indem sie unter Berücksichtigung der in den vergangenen Stunden erarbeiteten Figureneigenschaften die Personenkonstellation szenisch darstellen. (Sprechen und Zuhören: Gestaltens sprechen / szenisch spielen)

TZ 3: interpretieren anhand von Körpersprache und der jeweiligen Position der Figur im Raum die Haltung, Einstellungen, Gefühle und Beziehungen der Figuren in den ersten vier Kapiteln. (Lesen – Umgang mit Texten und Medien: Umgang mit literarischen Texten)

TZ 4: vergleichen die beiden Standbilder, indem sie kriteriengeleitete Rückmeldung zu den gebauten Standbildern geben. (Sprechen und Zuhören)

TZ 5: beurteilen und bewerten die gewählte Methode „Standbilder“ indem sie die Methode reflektieren. (Sprechen und Zuhören)

[...]


1 Um den Text leicht lesbar zu halten, wird auf das Konzept des generischen Maskulinums als geschlechtsneutraler Bezeichnung zurückgegriffen. Eine Diskriminierung von Personen männlichen, weiblichen oder anderen Genders ist damit nicht intendiert.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Handlungs-, produktionsorientierte und analytische Erschließung des Romans "Die Welle" von Morton Rhue in der 9. Klassenstufe
Untertitel
„Die Welle – Aus Spiel wird Ernst!“
Note
2
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V520783
ISBN (eBook)
9783346138200
ISBN (Buch)
9783346138217
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Welle, Unterrichtsentwurf, Morton, Rhue
Arbeit zitieren
Sevim Sari (Autor), 2018, Handlungs-, produktionsorientierte und analytische Erschließung des Romans "Die Welle" von Morton Rhue in der 9. Klassenstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520783

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