Die Schülerinnen und Schüler interpretieren auf Grundlage der ersten vier Kapitel des Romans "Die Welle" von Morton Rhue die Beziehung zwischen der Schülergruppe und dem Lehrer und die damit einhergehenden Gefühle, indem sie zuerst die Personenkonstellation als Standbild darstellen und im weiteren Verlauf zwei gebaute Standbilder miteinander vergleichen. Lesen – Umgang mit Texten und Medien, Sprechen und Zuhören.
Die Lektüre „Die Welle“ von Morton Rhue zu behandeln, legitimiert sich durch den Kernlehrplan für das Fach Deutsch an Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen. Das Unterrichtsvorhaben knüpft vor allem an den Bereich „Lesen – Umgang mit Texten und Medien“ mit dem Aufgabenschwerpunkt „Umgang mit literarischen Texten“ an. Die geplante Unterrichtsstunde legitimiert sich durch den Aufgabenschwerpunkt „Gestaltend sprechen/szenisch spielen“, indem die Schülerinnen und Schüler die Personenkonstellation aus dem Roman „Die Welle“ mithilfe eines Standbilds darstellen. Dieser Aufgabenschwerpunkt wird in der geplanten Unterrichtsstunde mit dem Aufgabenschwerpunkt „Produktionsorientierter Umgang mit Texten und Medien“ verbunden, indem sie gestaltend mit dem Textinhalt arbeiten und diesen schließlich szenisch umsetzten.
Der schulinterne Lehrplan sieht ebenfalls vor, das Thema „Erzählende oder dramatische Texte“ im neunten Jahrgang zu behandeln. In der Fachkonferenz Deutsch wurde entschieden, dass der diesjährige neunte Jahrgang den Roman „Die Welle“ behandelt.
Inhaltsverzeichnis
A. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1. Thema der Unterrichtsreihe
2. Curriculare Legitimation
3. Leitgedanke/Intention für die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
4. Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe
B. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde
1. Thema der Unterrichtsstunde
2. Ziele der Stunde
3. Lernausgangslage im Hinblick auf die konkrete Stunde
4. Sachanalyse
5. Didaktisch-methodische Entscheidungen
6. Literatur
7. Anhang
8. Stundenverlaufsplan
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist es, den Schülern ein Verständnis für die Entstehung und Instandhaltung autoritärer Systeme zu vermitteln und eine eigene kritische Haltung gegenüber solchen Strukturen zu fördern. Die zentrale Forschungsfrage bzw. didaktische Intention zielt darauf ab, wie durch handlungs- und produktionsorientierte Methoden – insbesondere durch das szenische Spiel – ein tieferes Verständnis für literarische Figuren und deren Konstellationen im Roman "Die Welle" erreicht werden kann.
- Handlungs- und produktionsorientierte Literaturdidaktik
- Analyse von Personenkonstellationen mittels Standbildern
- Reflexion über Macht, Disziplin und gesellschaftliche Gruppendynamik
- Integration von zeitgeschichtlichen Aspekten und Faschismus-Prävention
- Individualisierung und Binnendifferenzierung im Literaturunterricht
Auszug aus dem Buch
Didaktisch-methodische Entscheidungen
Im Laufe der Handlung, genauer: mit dem Entstehen der Welle, spielen die Schüler, die den autoritären Richtlinien folgen, nicht nur faschistische Verhaltensmuster nach, sondern integrieren sie nach und nach in ihr Leben. Was als eine Rollenübernahme aus didaktischen Gründen gedacht war, verkehrt sich in Identifikation. Die ideologische Indoktrination setzt einen Prozess in Gang, der die Persönlichkeit der Jugendlichen und ihre Beziehungen verändert. So trägt die Bewegung weniger zur Erhellung des nationalsozialistischen Ideologiewahns bei, sondern entstellt die Persönlichkeiten der Betroffenen, sodass die anfangs angestrebte Aufklärung nicht stattfindet. Aus diesem Grund leistet die vorgestellte Stunde einen wichtigen Beitrag, um die Persönlichkeitsveränderung der Figuren durch das Experiment nachzuvollziehen und kritisch zu hinterfragen. Es ist sinnvoll, dass die Schüler die Figurenkonstellation vor der „Welle“ herausarbeiten, sodass sie die Auswirkungen der „Welle“ auf die Persönlichkeit und auf die Beziehungen in den folgenden Stunden (mithilfe eines zweiten Standbildes) kritisch würdigen können. Dazu eignet sich für die Personenkonstellation die szenische Darstellung in Form von Standbildern. Durch diese szenische Darstellungsform können die Schüler Beziehungen zwischen den Figuren bildlich darstellen und mittels Textarbeit analysierte Haltungen, Einstellungen und Gefühle verbildlichen. Wichtig ist dabei, dass die Schüler genau auf Mimik und Gestik achten, damit die gewünschten oder im Vorfeld interpretierten Gefühle zum Ausdruck gebracht werden können.
In der Erarbeitungsphase geht es darum, dass Schüler die gelesenen Kapitel (1–4) auf einer anderen Ebene erschließen. Damit dies gelingt, sollen die Lernenden die Beziehung der Romanfiguren als Standbild bauen. Standbilder fallen in den Bereich der „szenischen Interpretation“ (vgl. Deutschdidaktik, S. 178). Die szenische Interpretation beabsichtigt laut Scheller, dass sich der literarische Text eng an die Lebenserfahrungen der Schülerinnen und Schüler anbinden sollte. Dazu ergänzt Schau, dass es bei der szenischen Interpretation um „genussvoll-sinnliches Literaturerleben“ geht, das ein erleichtertes kognitives Erschließen der Texte ermöglichen soll (vgl. ebd., S. 179).
Zusammenfassung der Kapitel
A. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge: Dieses Kapitel erläutert die curriculare Einbindung der Lektüre, die didaktischen Leitgedanken und die methodische Konzeption der Unterrichtsreihe.
B. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde: Hier wird die spezifische Planung einer Einzelstunde dargelegt, inklusive Lernzielen, Sachanalyse und detaillierter methodischer Begründung für den Einsatz von Standbildern.
Schlüsselwörter
Die Welle, Morton Rhue, Literaturdidaktik, Standbild, Szenisches Spiel, Autoritäre Systeme, Personenkonstellation, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Sozialformen, Binnendifferenzierung, Deutschunterricht, Faschismusprävention, Gruppenarbeit, Mediale Zugänge, Interpretationskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die didaktische Planung und Durchführung einer Unterrichtsreihe zum Roman „Die Welle“ im Fach Deutsch, wobei der Schwerpunkt auf der szenischen Interpretation liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Auseinandersetzung mit autoritären Strukturen, Gruppendynamik, die Analyse literarischer Figuren sowie die Verbindung von historischen Ereignissen mit aktueller Lebenswelt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Schülern durch handlungs- und produktionsorientierte Methoden zu einem tieferen Verständnis des Romans zu verhelfen und ihre Urteilskompetenz bezüglich autoritärer Systeme zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit setzt primär auf Methoden der „szenischen Interpretation“, insbesondere den Einsatz von Standbildern, um die Beziehungen zwischen den Figuren plastisch erfahrbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine langfristige Übersicht der Unterrichtsreihe und eine detaillierte Ausarbeitung einer konkreten Unterrichtsstunde, inklusive Stundenverlaufsplan und didaktischer Begründung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Standbildarbeit, handlungsorientierte Literaturdidaktik, Faschismusprävention, Personenkonstellation und Binnendifferenzierung.
Warum ist die Methode des "Standbildes" für diesen Unterricht wichtig?
Das Standbild ermöglicht es den Schülern, Beziehungen und Gefühle der Romanfiguren nonverbal und körperlich darzustellen, was das kognitive Verständnis und die emotionale Identifikation fördert.
Wie wird mit der Heterogenität der Lerngruppe umgegangen?
Die Lehrperson nutzt Binnendifferenzierung durch den Einsatz von Formulierungsbausteinen, gezielten Hilfestellungen und eine bewusst gewählte Gruppenzusammensetzung.
- Citation du texte
- Sevim Sari (Auteur), 2018, Handlungs-, produktionsorientierte und analytische Erschließung des Romans "Die Welle" von Morton Rhue in der 9. Klassenstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520783