Leistungsorientierte Konzeptentwicklung für Sportler mit dem Schwerpunkt auf die individuelle Sporternährung


Hausarbeit, 2016

42 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ernährungsberatung des Sportlers
2.1 Verhaltensdiagnose
2.1.1 Die Kundin
2.1.2 Erstgespräch und Anamnesebogen
2.1.3 Der Gesamtenergiebedarf
2.1.3.1 Grundumsatz
2.1.3.2 Leistungsumsatz mit Hilfe des PAL-Wertes
2.1.3.3 Nahrungsinduzierte Thermogenese
2.1.4 Flüssigkeitszufuhr
2.1.5 Makro- und Mikronährstoffe
2.1.5.1 Makronährstoffe
2.1.5.2 Mikronährstoffe
2.1.6 Nahrungsergänzungsmittel
2.1.7 Auswertung der Ernährungsprotokolle
2.2 Zieldefinition
2.3 Zielhierarchie
2.4 Maßnahmeplanung per Ernährungsplan
2.4.1 Ernährungsplan Bereich 1
2.4.2 Ernährungsplan Bereich 2
2.4.3 Ernährungsplan Bereich 3
2.5 Evaluation

3. Abschluss

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis Lehrskripte

Literaturverzeichnis Internet

Anhang/Anlagen

Anamnesebogen

Ernährungsprotokolle einer Woche

Berechnung der Kalorienbilanzen

Ernährungspläne von einem Trainingstag und einem trainingsfreien Tag

1. Einleitung

„Du bist was du isst“

Dieser prägnante Satz ist wohl jedem Sportler bekannt. Daran anschließend wirkt sich gesunde Ernährung nicht nur auf die Optik aus, sondern hat weitaus mehr zu bieten.

Eine Sporternährung, also eine auf den jeweiligen Sport optimierte Ernährung, kann und wird zur Leistungssteigerung führen, die Regenerationsfähigkeit des Körpers verbessern, den Transport und die Verarbeitungen von Makro- und Mikronährstoffen sowie den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. Geeignet ist sie für jeden Sportler, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Sportart, der seine persönlichen Leistungen verbessern will, sein Ziel auf die Teilnahme an einem Wettkampf gesetzt hat oder seinen Körper nach bestimmten Idealen formen will.1

Eine Beratung für das Thema „Sporternährung“ ist vor allem dann wichtig, wenn die Informationsflut aus Zeitschriften oder dem Internet so überwältigend ist, dass man nicht mehr nachvollziehen kann was für seine selbst gesetzten Ziele richtig oder falsch ist und eigene Bemühungen fehlschlagen. Jeder der die Beratung in Anspruch nimmt und nun weiß, welchen Einfluss eine sportoptimierte Ernährung bewirken kann, wird mit Überzeugung sagen:

Nicht das Training, sondern die Ernährung ist der schwerste Part zum sportlichen Erfolg.

Die folgende Arbeit versteht sich als eine individuelle zugeschnittene Möglichkeit einer Konzeptentwicklung in der Sporternährung. In sportlichen Bereichen haben die qualifizierende Leistung oder Sportrehabilitationsmaßnahmen oberste Priorität. In dieser Arbeit werden ihnen jedoch weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Alle Angaben zur Kundin wurden frei Erfunden sowie wissenschaftliche Hintergründe bestmöglich recherchiert und angegeben. Hierfür wurden die gesamten Quelleninhalte genutzt und bei zu erläuternden Stichworten in der Fußnote markiert.

2. Ernährungsberatung des Sportlers

Die Ernährungsberatung verläuft nach einem festgelegten Konzept, beziehungsweise in einem Beratungsprozess mit aufeinander aufbauenden Stufen. Die wichtigsten Stufen sind Folgende:2

- Die Verhaltensdiagnose (Anamnese, objektive und subjektive Verhaltensdiagnose)
- Die Zieldefinition (Inhalt, Ausmaß, Zeit)
- Die Zielhierarchie (Reihenfolge)
- Die Maßnahmeplanung (Planung, Organisation und Ausführen)
- Evaluation (Erfolgskontrolle)

Im weiteren Verlauf werden die Inhalte jeder Stufe dieses Beratungsprozesses anhand eines Beispiels erläutert.

2.1 Verhaltensdiagnose

In der Verhaltensdiagnose werden innerhalb des Erstgespräches die Bestandteile von Lebensmitteln genauer betrachtet und eine genaue Analyse zum individuellen Gesamtenergiebedarf erstellt. Zudem werden die zuvor schriftlich festgehaltene körperliche Verfassung und Ernährungsweisen des Sportlers ausgewertet, um sie mit den gesetzten Zielen erstmalig zu vergleichen.3

2.1.1 Die Kundin

Die 20 jährige Biologiestudentin Frau M. ist mit ihrer derzeitigen körperlichen Verfassung unzufrieden. Seit dem Beginn ihres Studiums ist sie auf der Suche nach einem körperlichen Ausgleich zu dem lern- und sitzintensiven Studium. Die einfachste Möglichkeit war, die Laufschuhe anzuziehen und loszulaufen. Die sportlichen Möglichkeiten, die die Universität bereitstellte, nahm sie ebenfalls in Anspruch. Einmal in der Woche besuchte sie einen Sportkurs, der auf den Grundlagen eines Intervalltrainings basiert. Die wöchentliche Laufeinheit versuchte sie beizubehalten. Mit steigendem Spaß an der körperlichen Ertüchtigung bemerkte sie ein immer größer werdendes Interesse für die „Fitnesswelt“. Schnell wurden Sportler zu Vorbildern, Trainingszeiten wurden intensiver genutzt und der Wunsch ihren Körper nach Belieben zu verändern wurde stärker.

Auch vor der Ernährungsberatung hatte Frau M. versucht, ihre Ernährung im Auge zu behalten. Viel Obst und Gemüse, wenig Süßigkeiten, Vollkornprodukte und Wasser anderen Getränken vorziehen; das stand nun mal auch auf jeder Internetseite. Die erhofften Ergebnisse, vor allem Körperfett zu verlieren, blieben dennoch aus.

Das klar definierte Ziel vor Augen, die Sache hochdiszipliniert durchzuziehen und den Schritt in die Richtung des Bodybuildings zu wagen, entschließt sich Frau M. einen Berater für Sporternährung um Hilfe zu bitten. Dabei legt sie fest, bis zum diesjährigen Sommerbeginn ihre neue Bikinifigur inklusive einer deutlichen Leistungssteigerung zu erreichen.

Ihre Erwartungen an die Ernährungsberatung liegen bei einer fachgerechten und kompetenten Ausführung, sowie der Erklärung und Erläuterung von fachspezifischem Wissen zum Thema Sporternährung. Der Umfang der Beratung sollte an einen Trainingsplan angepasst sein, den sie aus Vorlagen von Fitnesszeitschriften, an ihre zeitlichen Möglichkeiten am Abend Sport betreiben zu können, selbst gestaltet hat. Dafür hat sie sich ebenfalls in einem Fitnessstudio angemeldet. Zudem wünscht sie sich, dass sie ihre vegetarische Lebensweise beibehalten kann.

2.1.2 Erstgespräch und Anamnesebogen

Das Erstgespräch wird in der üblichen Form, der Anamnese, durchgeführt. Diese beinhaltet zusammengefasst die Ermittlung und Besprechung ihrer Ziele, Wünsche und Erwartungen, ihrer persönlichen Daten sowie die Protokollierung der körperlichen Verfassung in einem Anamnesebogen.

Neben dem Namen, Anschrift und Alter wird der Anamnesebogen mit ihren Körperumfängen, BMI und ihrer Körperzusammensetzung (Muskel-, Fettgehalt etc.) ausgefüllt. Bei Letzterem hilft uns die Bioimpendanzmessung, genauer die Zweikörperseitenmesstechnik. Besonders die Ergebnisse hinsichtlich eines veränderten Fett- und Muskelgehalts im Körper von Frau M. sind von großer Bedeutung, da diese ihren Erfolg untermauern. Zusätzlich müssen Fragen zur Selbsteinschätzung, dem Allgemeinzustand oder Vorerkrankungen beantwortet werden. (Ausgefüllter Anamnesebogen im Anhang)4

Frau M.s ausgefüllter Anamnesebogen zeigt keine bedenklichen Werte auf, die gesundheitsschädlich sein könnten. Also kann die Beratung beginnen. Wäre dies nicht der Fall, sollte sie zuerst einen Facharzt aufsuchen.

Ebenfalls trägt eine objektive und subjektive Diagnose ihrer momentanen Lebensweise zur Lokalisierung der Ernährungsschwachstellen bei. Als objektive Fakten werden die aufgenommenen Makro- und Mikronährstoffe, gewählte Lebensmittel und die aktuelle Lebenssituation gezählt. Die subjektive Diagnose verhilft dagegen eher zur Ermittlung der psychischen Situation, wie der Gefühlslage, Stressbelastungen und der damit in Verbindung stehenden Lebensmittelauswahl. Letzteres wird während dem Erstgespräch zwischen Berater und Kundin ausgetauscht. Meistens sind das auch die Motivationsgründe, um sich externe Hilfe zu suchen. Die objektive Diagnose verläuft beim Auswerten des Ernährungsprotokolls, welches Frau M. zuvor über eine Woche ausgefüllt hat. Um die Menge der Soll-Kalorien mit den Ist-Kalorien zu vergleichen, deren Differenz letztendlich über ein zu-, abnehmendes oder gleichbleibendes Gewicht entscheiden, wird der Gesamtenergiebedarf berechnet. Im Anschluss erfolgen die Erläuterungen und Zufuhrempfehlungen von Flüssigkeiten sowie der Makro- und Mikronährstoffe.5

2.1.3 Der Gesamtenergiebedarf

„Der Nährstoffbedarf wird als diejenige Menge eines Nährstoffs definiert, die aus objektivierbaren, naturwissenschaftlichen Gründen für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen des Organismus und somit für die optimale Gesundheit und Leistungsfähigkeit benötigt wird.“6

Der Gesamtenergiebedarf setzt sich aus dem Grundumsatz, dem Leistungsumsatz beziehungsweise den PAL-Multiplikator und dem nahrungsinduzierten Thermogenesemultiplikator zusammen.

2.1.3.1 Grundumsatz

Der Grundumsatz ist abhängig von einigen Faktoren. Diese sind das Alter des Sportlers, das Geschlecht, Gewicht und die Körpergröße. Neben diesen vier Faktoren bestimmen die beiden Werte des hormonellen Faktors und der Anteil der Muskelmasse den Grundumsatz.7

Es gibt viele Formeln zur Berechnung des Grundumsatzes, angewandt wird hier die Variante von Harris und Benedict, da sie mehrere biometrische Maße einbezieht und nicht nur das Körpergewicht. In der folgenden Berechnung steht kcal für Kilokalorien.8

Männer: 66,5 + 13,8 * Gewicht (kg) + 5,0 * Länge (cm) - 6,8 * Alter (Jahre)

Frauen: 655 + 9,6 * Gewicht (kg) + 1,8 * Länge(cm) - 4,7* Alter (Jahre)

In dem Fall von Frau M. sieht die ausgefüllte Formel nun so aus:

655 + 9,6 * 67 kg + 1,8 * 168 cm - 4,7 * 20 Jahre = 1506,6 kcal/Tag

2.1.3.2 Leistungsumsatz mit Hilfe des PAL-Wertes

Der Leistungsumsatz beinhaltet den PAL-Wert. Dieser ist ein Multiplikationsfaktor, der auf den Grundumsatz aufgeschlagen wird. Er beschreibt einen Kalorienmehrverbrauch bei verschiedenen Arbeitsschweren oder Freizeitverhalten.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Bestimmung des PAL-Wertes, verändert nach dem Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Seite 38, Academy of Sports Um den PAL-Wert zu bestimmen, wird die Dauer der Tätigkeiten in Stunden und den zugehörigen PAL-Wert angegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Berechnung des PAL-Wertes, verändert nach dem Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Seite 39, Academy of Sports

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Berechnung des Leistungsumsatzes, verändert nach dem Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Seite 39, Academy of Sports

Der Leistungsumsatz ist nun beziffert und der daraus resultierende Gesamtenergieumsatz beträgt 2079,11 kcal am Tag.

2.1.3.3 Nahrungsinduzierte Thermogenese

Die nahrungsinduzierte Thermogenese umfasst die Wärmebildung bei Stoffwechselaktivitäten und der Verdauung, also ebenfalls einen Energieverbrauch. Im Durchschnitt beträgt diese 6% vom Gesamtenergiebedarf, das heißt der Multiplikator 1,06 kann auf den Gesamtenergieumsatz aufgeschlagen werden.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Berechnung des Gesamtenergiebedarfs, verändert nach dem Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Seite 40, Academy of Sports

Schlussendlich ist der Gesamtenergiebedarf von Frau M. ermittelt. Mit 2203,86 kcal am Tag benötigt sie eine durchschnittliche Menge an Energie.

2.1.4 Flüssigkeitszufuhr

Der menschliche Körper besteht zum größten Teil aus Wasser. Der Durchschnittswert bei Frauen liegt zwischen 45 und 60 Prozent, bei Männern zwischen 55 und 65 Prozent.11 Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) wird als Schätzwert 1 ml pro zugeführte Kilokalorie oder 35 ml pro Kilogramm des Körpergewichtes angegeben. Bei Frau M. beträgt die empfohlene Menge Flüssigkeit zur Erhaltung der normalen Körperfunktionen also 2,2 Liter beziehungsweise 2,4 Liter berechnet nach ihrem Körpergewicht. Flüssigkeit wird in Form von Getränken, Nahrung und Oxidationswasser aufgenommen. Das bedeutet, nicht nur aus Wasser, Säften oder Kaffee decken wir unseren Flüssigkeitsbedarf, sondern auch über das in der Nahrung enthaltene und bei Verbrennung von Makronährstoffen entstehende Wasser.12 Daraus kann man schließen, dass die allgemeine Angabe, 2,5 Liter pro Tag zu trinken, sich nicht ausschließlich auf Getränke bezieht. Eher muss es heißen, man soll 2,5 Liter pro Tag zu sich nehmen, davon 4/7 aus Getränken, 2/7 aus Nahrungswassern und 1/7 aus entstehenden Oxidationswassern. Da der Bedarf im Alltag aber nicht nur aus strikt berechneten Minimalwerten gedeckt wird, sondern weitaus höher liegt, weil ein abweichendes Klima als in der Beispielrechnung herrscht, ein ungeplanter Mehrverbrauch oder regelmäßig Sport betrieben wird, kann ein Multiplikator von 1 Liter pro 20-25 kg Körpergewicht angewendet werden.13 Bei dieser Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls gewährleistet, dass die Mehrproduktion von Harnstoff während einer erhöhten Proteinzufuhr ausreichend ausgeschieden werden kann.

67 kg / 20 kg * 1 L = 3,35 Liter pro Tag wäre eine angemessene Flüssigkeitszufuhrempfehlung für Frau M.

2.1.5 Makro- und Mikronährstoffe

Jedes Lebensmittel besteht aus Makro- und Mikronähstoffe. Ausnahme ist naturbelassenes Wasser ohne Zuckerzusätze oder ähnlichem. Unterschieden werden diese beiden Gruppierungen dadurch, dass Makronährstoffe als Energie, oder auch Kilokalorie, verwertet werden können. Mikronährstoffe liefern hingegen keine Energie, sind aber oft an direkten Stoffwechselvorgängen beteiligt und für deren Funktion essentiell.

2.1.5.1 Makronährstoffe

Als Makronährstoffe bezeichnen wir Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Der Energiegehalt kann als physikalischer und physiologischer Brennwert angegeben werden. Physikalischer und physiologischer Brennwert der Kohlenhydrate beträgt pro Gramm 4,1 kcal und bei Fetten 9,1 kcal. Der physikalische Brennwert von Proteinen ergibt 5,7 kcal pro Gramm, der physiologische hingegen nur 4,1 kcal. Das liegt daran, dass die Oxidation, also die Verdauung, nicht vollständig abläuft und ein Teil der Energie über den Harnstoff wieder ausgeschieden wird. Zur Erstellung eines Ernährungsplanes wird nur der physiologische Brennwert der Nährstoffe benötigt.14

Die Proteine werden meist nur in Energiedefizitphasen in Energie umgewandelt. Sie dienen dem Körper hauptsächlich als Transportproteine, fungieren als Enzyme und Hormone oder als Antikörper. Außerdem ist es der Baustoff für unsere Muskulatur und Sehnen.15

Bei der Verdauung werden die Proteine über mehrere Zwischenstufen durch Peptidasen zu Peptiden und schließlich in Aminosäuren gespalten. Im Körper herrscht ein stetiger Auf-, Ab- und Umbau von Proteinen, so werden die mit der Nahrung zugeführten Aminosäuren und abgebaute Körperproteine, die ebenfalls wieder in Aminosäuren gespalten werden, dem sogenannten Aminosäurepool zugeführt, aus dem der Körper nach Bedarf neu Proteine synthetisiert. Um dieses System aufrecht zu erhalten ist es wichtig, regelmäßig Proteine mit hoher biologischer Wertigkeit zuzuführen. Die benötigte Menge liegt zwischen 10 und 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfes. Nach der DGE sollen 0,8 g pro Kilo Körpergewicht ausreichen, um die normalen Funktionen des Körpers gewährleisten zu können.16

Die Hauptenergiequelle für kurze Belastungen sind die Kohlenhydrate. Nach mehrfachen Spaltvorgängen durch Amylasen während der Verdauung erhält der Körper unter anderem die für ihn nutzbare Glucose. Glucose wird nach der Aufnahme entweder direkt in Energie umgewandelt (Glykolyse) oder in Glykogen umgebaut, um es im Muskelgewebe und der Leber besser speichern zu können. Das Glykogen im Muskelgewebe dient hauptsächlich zur Energiegewinnung während einer Muskelkontraktion. Der Glykogenspeicher der Leber wird vor allem zur Regulierung des Blutzuckerspiegels genutzt. Um eine schnelle Energiebereitstellung gewährleisten zu können, sollten in einer normalen Ernährungsweise zwischen 45-60 Prozent des Gesamtenergiebedarfes über Kohlenhydrate gedeckt werden. So sind die Energiegewinnung durch die Glykolyse und volle Glykogenspeicher sichergestellt. Zwingend notwendig ist die Zufuhr von Kohlenhydraten für den menschlichen Körper allerdings nicht, da er den Glucosebedarf anderweitig decken kann (Gluconeogenese, Lipolyse). Dazu mehr bei der Erstellung des Ernährungsplanes.17

Die Zufuhr von Fetten, oder Trigylceriden, sollte bei etwa 25-35 Prozent liegen. Richtwert von 0,8-1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht können zu vereinfachten Berechnungen angewendet werden. Triglyceride sind drei an einem Glycerinmolekül gebundene Fettsäuren, welche aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen bestehen. Diese werden bei der Verdauung durch Lipasen voneinander abgespalten.18

Es gibt zwei Arten von Fettsäuren: gesättigte und ungesättigte. Gesättigte Fettsäuren besitzen nur Einfachbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen. Ungesättigte Fettsäuren besitzen zudem auch Doppelbindungen; je nach Anzahl wird zwischen einfach, zweifach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren unterschieden. Vereinfacht dargestellt besteht ein anderes Verhältnis von Kohlenstoffatomen zu Wasserstoffatomen. Nicht jedes Fett ist gesundheitsfördernd, daher sollte auf gesättigte Fettsäuren und vor allem auf Transfettsäuren, die beim Rösten oder Frittieren entstehen, weitestgehend verzichtet werden. Diese erhöhen die körpereigene Produktion des schädlichen LDL-Cholesterin, welches verschiedenste Blutgefäßkrankheiten auslösen kann. Mehr Wert ist auf eine ausreichende Zufuhr von ungesättigten oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren, zu legen. Sie fördern unter anderem die Produktion des positiv wirkenden HDL-Cholesterin.19 Cholesterin wird zum Teil zur Synthese von Gallensäure genutzt, die notwendig für zahlreiche Verdauungsvorgänge ist. Also ist ein hoher Cholesterinspiegel nicht zwingend negativ zu bewerten, wenn dieser vom HDL-Cholesterin bestimmt wird.20 Fette sind wichtig für alle Hormon- und Stoffwechselfunktionen, die Energieversorgung der Zellen und dem umliegenden Gewebe sowie die Speicherung als Körperfett, das als Reservoir für schlechte Zeiten dient.21

Zusammengefasst und auf Frau M.s Gesamtenergiebedarf bezogen bedeutet das folgende Makronährstoffverteilung in Prozent22, Kilokalorien und Gramm:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Eigene Darstellung der prozentualen Makronährstoffverteilung, umgerechnet in Kalorien und Gramm in Bezug auf das Praxisbeispiel (Formel: Gesamtkalorienbedarf/100*%=kcal/physiologischen Brennwert=g)

2.1.5.2 Mikronährstoffe

Als Mikronährstoff wird jeder Bestandteil von Lebensmitteln bezeichnet, der keine Energie liefert. Dazu gehören Vitamine, Mengen- und Spurenelemente (Mineralstoffe), Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Außer Vitamin D kann der menschliche Körper keine Vitamine selbst herstellen, daher ist es außerordentlich wichtig ausreichend von ihnen zuzuführen. Sie haben einen direkten Einfluss auf den Protein-, Kohlenhydrat-, Fett- und Mineralstoffwechsel, reagieren als Antioxidantien gegen freie Radikale und können somit zur Gesundheit beitragen. Zu den Antioxidantien zählen zum Beispiel das Vitamin E, C und die Carotinoide.23

Die Mineralstoffe sind ebenso wichtig wie Vitamine. Sie sind Bestandteile von Proteinen, Enzymen, Hormonen und unserer Skelettknochen. Die Unterteilung in Mengen- und Spurenelementen ist einfach nachzuvollziehen, indem die täglichen Zufuhrempfehlungen verglichen werden. Mengenelemente wie Calcium, Magnesium oder Schwefel liegen dabei weit über 100mg und Spurenelemente darunter. Wichtige Spurenelemente sind Zink, Eisen oder Selen, toxisch wirkend sind unter anderen Blei oder Quecksilber.24

Eine Strategie um ein größeres Sättigungsgefühl zu erreichen ist die vermehrte Aufnahme von Ballaststoffen. Zudem sind sie für die allgemeine Funktion des Magendarmtraktes von großer Bedeutung. Zu den Ballaststoffen zählen für den Menschen weitgehend nicht verdaubare Inhaltsstoffe wie Zellulose, Pektin oder Pflanzengummis wie das Johannisbrotmehl. Positive Eigenschaften sind zum Beispiel der Einfluss auf die Gallensäurebildung, die wiederrum dem Fettstoffwechsel zu Gute kommt. Durch die quellende, sättigende Wirkung verlangsamt sich auch die Aufnahme von Kohlenhydraten, das heißt, dass Glucose langsamer verwertet wird und somit der Blutzuckerspiegel langsamer steigt und sinkt.25

Pflanzenstoffe werden in zwei Kategorien aufgeteilt. Primäre Pflanzenstoffe sind Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Diese bilden in der Pflanze die sekundären Pflanzenstoffe. Die Hauptaufgaben derer liegen zumeist bei einer oder mehrerer Schutzfunktionen für die Pflanze, von der auch wir profitieren können, wenn wir sie verzehren. In grünen, roten oder gelben Obst oder Gemüse sind davon viele enthalten, da die sekundären Pflanzenstoffe ebenfalls für die Farbgebung verantwortlich sind.26

Wenn der Gesamtkalorienbedarf nach den prozentualen Vorgaben der DGE gedeckt und eine abwechslungsreiche Ernährungsweise angewendet wird, wird davon ausgegangen, dass ausreichend Mikronährstoffe aufgenommen werden.27

2.1.6 Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel werden auch Supplemente genannt und dienen, wie der Name schon beschreibt, als Ergänzung für die tägliche Ernährung.

Pulverförmig, als Tabletten oder Kapseln sind die gängigen Formen, als welche sie Angeboten werden. Für den Kraftsport klassische Supplemente sind Wheyproteine aus Molkenprotein und BCAA (Branched Chain Amino Acids), Kohlenhydrate wie Maltodextrin oder Maisstärke (Carbs) oder auch Mikronährstoffe wie Zink, Magnesium oder Kalium. Aber auch Fette wie in Fischölkapseln oder Stimulanzien wie Koffein oder Kreatin werden häufig eingesetzt, um den Körper bestmöglich versorgen zu können und die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Leider denken immer noch viele Menschen, sie seien Wundermittel zur Körperfettreduktion oder für den Aufbau großer Muskelmassen. Wer versucht sich ausschließlich davon zu ernähren, in der Hoffnung eine extreme Veränderung herbeirufen zu können, wird diese bekommen, aber nicht im positiven Sinne. Supplemente können eine ausgewogene Ernährung niemals ersetzten, da sie dem menschlichen Organismus nur theoretisch genau das geben was er benötigt.

[...]


1 Lehrskript Sporternährung, Academy of Sports, S.21

2 Lehrskript Sporternährung, Academy of Sports, S.98-106

3 Lehrskript Sporternährung, Academy of Sports, S.98

4 Lehrskript Sporternährung, Academy of Sports, S.134-135

5 Lehrskript Sporternährung, Academy of Sports, S.102

6 Ketz, 1984

7 Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, S.35-36

8 http://www.dgem.de/material/pdfs/3%20Energieumsatz.pdf, Kreymann G et al. Energieumsatz und Energiezufuhr , Aktuel Ernaehr Med 2007; 32, Supplement 1: S8, 21.02.16, 12:15

9 Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, S. 37

10 Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, S. 40

11 https://vidagesund.de/wasseranteil/ , 21.02.16, 12:15

12 https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/wasser/ , 21.02.16, 12:10

13 http://www.bodytrainer.tv/de/blog/65-Dein+t%E4glicher+Wasserbedarf.+Wieviel+Wasser+du+trinken+solltest , 21.02.16, 12:22

14 Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, S. 30-31

15 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 42

16 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 56

17 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 20-23

18 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 86-87

19 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 76-86

20 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 91

21 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 77-92

22 https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/, 21.02.16, 12:46

23 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 107-109

24 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 136

25 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 97-101

26 Lehrskript Grundlagen der Nährstoffe, Academy of Sports, S. 157-159

27 https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/ , 21.02.16, 12:49

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Leistungsorientierte Konzeptentwicklung für Sportler mit dem Schwerpunkt auf die individuelle Sporternährung
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
42
Katalognummer
V520800
ISBN (eBook)
9783346123657
ISBN (Buch)
9783346123664
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernährung, Sporternährung, Sport, Training, Abnehmen, Fettreduzierung, Fettabbau, Leistungssteigerung, Gesundheit, Sportmedizin, Workout, Trainingslehre, Fitness
Arbeit zitieren
Dennis Radke (Autor), 2016, Leistungsorientierte Konzeptentwicklung für Sportler mit dem Schwerpunkt auf die individuelle Sporternährung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520800

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Leistungsorientierte Konzeptentwicklung für Sportler mit dem Schwerpunkt auf die individuelle Sporternährung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden