Amok oder Schoolshooting? Hintergründe, Ursachen und Auslöser


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1 School-Shooting
2.2 Abgrenzung zum Amoklauf

4. Hintergrunde, Ursachen und Ausloser
4.1 Soziologische Aspekte
4.1.1 Allgemeines
4.1.2 Die Familie
4.1.3 Freunde und Schule
4.2 Psychologische Aspekte
4.3 Das Phanomen Nachahmung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

26. April 2002, in Erfurt erschieBt ein 19-jahriger Schuler nach Er- halt eines Schulverweises zwolf Lehrer, zwei Schuler, die Sekreta- rin, einen Polizeibeamten und anschlieBend sich selbst.1 !

20. November 2006, Emsdetten: Ein 18-jahriger ehemaliger Schuler verletzt 30 Personen mittels einer Schusswaffe und zundet Rauch- bomben, danach erschieBt sich der Junge selber.2 !

11. Marz 2009: Neun Schuler, drei Lehrerinnen sowie drei weitere Personen verlieren an diesem Tag ihr Leben. Daruber hinaus wur- den weitere elf Menschen verletzt, dies ist das Ergebnis eines 17- jahrigen School-Shooters in Winnenden. Nach dieser Tat nahm sich der Junge selbst das Leben.3 !

Diese drei Taten sind nur einige Beispiele fur Amoklaufe bezie- hungsweise School-Shootings an deutschen Schulen. Insgesamt gab es elf solcher Taten im Zeitraum von 2000 bis 2010.4 Nun stellt sich die Frage: Was bewegt junge Menschen zu solch einer grau- samen Tat? Im Folgenden soll diese Frage untersucht und beant- wortet werden.!

Der Volksmund bezeichnet die oben genannten Taten als Amoklauf, doch ist es tatsachlich ein Amoklauf oder ein aus Amerika bekann- tes School-Shooting? Der erste Teil soll sich exakt dieser Frage widmen, indem das School-Shooting definiert und vom Begriff Amoklauf abgegrenzt wird.!

Im zweiten Teil werden sowohl soziologische Faktoren, wie Familie und Freunde, als auch psychologische Faktoren beleuchtet. Ein weiterer Punkt, der in diesem Tatkonstrukt interessant erscheint, ist das Phanomen der Nachahmung. Hierbei ist herauszufinden, war- um sich angehende Tater von zuvor begangenen Taten inspirieren und nicht abschrecken lassen. Zum Schluss werden noch zwei Er- klarungsmodelle aufgefuhrt, welche die einzelnen Hintergrundfak- toren und dessen Beziehungen zueinander darstellen.!

2. Begriffsbestimmung

Das aus Amerika stammende School-Shooting ist in Deutschland ein noch zu weiten Teilen unbekannter Begriff. Das liegt daran, dass die Medien, bei Gewalttaten an Schulen, von Amoklaufen be- richten und dieser Begriff sich in den Kopfen der Menschen veran- kert hat. Doch was besagt nun der vermeintlich besser, auf Gewalt- taten an Schulen, zutreffende Begriff School-Shooting genau und inwiefern lasst sich dieser zum Begriff Amok abgrenzen?!

2.1 School-Shooting

Das School-Shooting wird als Unterform des Amoklaufes einge- ordnet5 und grenzt den eher weitlaufigen Begriff Amok auf eine spezifische Tat ein. So ist das School-Shooting als eine lang und akribisch geplante Tat mit einem zu weiten Teilen vordefinierten Opferkreis, welcher sich aus Schulern und Lehrern zusammensetzt, zu definieren.6 Die Schule beziehungsweise Bildungseinrichtung wird hierbei gezielt als Tatort ausgewahlt, da der zuvor ausgewahl- te Opferkreis dort regelmaBig zusammen kommt.7 Zudem handelt es sich bei den Tatern fast ausnahmslos um Schuler oder ehemali- ge Schuler der Tatortschule.8 Rebecca Bondu definierte 2010 das School-Shooting wie folgt:!

„Gezielte Angriffe eines (ehemaligen) Schulers an seiner bewusst als Tatort ausgewahlten Schule mit potenziell todlichen Waffen und Totungsabsicht. Die Tat ist durch individuell konstruierte Motive im Zusammenhang mit dem Schulkontext bedingt und richtet sich ge- gen mit der Schule assoziierte, zumindest teilweise zuvor ausge- wahlte Personen oder Personengruppen.“9 !

So lasst sich zusammenfassen, dass von einem School-Shooting gesprochen werden kann, wenn: Erstens der Angriff gezielt geplant wurde. Zweitens der Tater die Schule bewusst als Tatort gewahlt hat. Drittens der Tater ein Schuler der ausgewahlten Schule war oder ist. Viertens potenziell todliche Waffen oder Werkzeuge be- nutzt wurden. Funftens der Tater die Opfer zumeist vorher aus- wahlte und sechstens die Tat auf personlichen Motiven beruht, welche in den Kontext der Schule gebracht werden konnen. !

2.2 Abgrenzung zum Amoklauf

Nach herrschender etymologischer Meinung stammt der heute be- kannte Begriff Amok aus dem Malaiischen und leitet sich von meng-amok ab, was soviel heiBt wie „in blinder Wut angreifen/to- ten“.10 Der Ursprungsbegriff beschrieb, im Gegensatz zu heute,! keine grundsatzlich in der Gesellschaft verachtete Tat, sondern wurde in Indien beispielsweise benutzt, wenn Elitekrieger gezielt als Amoklaufer eingesetzt wurden.11 !

Die heute in der Psychologie am meisten verwendete Definition be- schreibt, dass Amok „eine willkurliche, anscheinend nicht provo- zierte Episode morderischen oder erheblich destruktiven Verhal- tens, gefolgt von Amnesie und Erschopfung [ist]. Viele Episoden gipfeln im Suizid. Die meisten Ereignisse treten ohne Vorwarnung auf, einigen geht ein Zeitraum mit intensiver Angst oder Feindselig- keit voraus.“12 Auch Adler definierte bereits im Jahr 2000 den Amok(-lauf) ahnlich und stutze sich auf einen tateinheitlichen An- griff mit eindeutiger Totungsabsicht mehrerer Menschen, wobei der Tater seinen eigenen Tod billigend in Kauf nehmen wurde.13 Wei- terhin ist zu beachten, dass ein Amoklauf zumeist im offentlichen Raum oder auf offentlichen Platzen stattfindet und es sich bei dem Tater in der Regel um eine erwachsene Person handelt.14 !

Nach AuBen wirkt ein School-Shooting oftmals wie ein Amoklauf. Daher wird der Begriff Amok auch gerne von den Medien verwen- det und verbreitet. Vergleicht man aber nun die beiden Begriffsde- finitionen, so finden sich zwar einige Parallelen aber auch erhebli- che Unterschiede. Der wohl gravierendste Unterschied ist, dass ein School-Shooting eine sehr lange und intensive Vorbereitungszeit mit sich bringt, in der der Tater sich mental auf die Tat vorbereitet, den Ablauf beziehungsweise das Vorgehen plant, seinen Opferkreis auswahlt und Waffen vorbereitet.15 !

Beim Amoklauf hingegen gibt es eine solch strukturierte Vorberei- tungsphase nicht. Der Tater agiert aus dem Affekt heraus und nimmt die Situation hin, die ihm zu dem Zeitpunkt zur Verfugung steht. Wie bereits oben beschrieben, ist der Tater wahrend der Tat in einem Aggressionsrausch und realisiert nicht was er gerade tut. Am Ende der Tat fallen viele Tater in eine Art Trance oder leiden un- ter einer Amnesie. Weiter agiert der School-Shooter nur in Schul- gebauden oder dessen Gelandebereichen, da seine Wut sich ge- zielt gegen bestimmte Personen im Schulkontext richtet. Der Amoklaufer hingegen handelt zumeist in offentlichen Bereichen wie Einkaufszentren oder an offentlichen Platzen, wo viele Leute anzu- treffen sind.16 Hierbei steht der Ort an sich jedoch im Hintergrund. Vielmehr geht es dem Tater in dem Moment um die wahllose To- tung der Menschen vor Ort. So ist festzuhalten, dass der School­Shooter seine Tat ausschlieBlich in Schulen, mit zuvor gezielt aus- gesuchten Opfern, durchfuhrt. Jedoch auBerhalb dieses Opferkrei- ses weitere Opfer billigend in Kauf nimmt, wenn die Situation dies ergibt. Dem Amoklaufer sind die Personen und der Ort grundsatz- lich egal, denn es geht ihm darum, den groBt moglichen Schaden anzurichten.!

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die beiden Begriffe, aufgrund von immer wieder auftretenden Parallelen, nicht klar von- einander getrennt werden konnen. Zukunftig sollte fur Massaker in Schulen, jedoch der Begriff School-Shooting ubernommen werden, da dieser die Tat und den Ort pragnanter beschreibt.!

4. Hintergrunde, Ursachen und Ausloser

Nachdem der Begriff School-Shooting definiert und vom ! typischen Amoklauf abgegrenzt wurde, konnen nun die Hinter- grunde, die Ursachen und die Ausloser eines solchen Massakers untersucht werden. Hierbei sind die soziologischen als auch die psychologischen Aspekte zu beleuchten. Unter die soziologischen Aspekte fallen alle auBeren Gegebenheiten und Einflusse, wie die Familie und die Freunde des Taters, als auch die besuchte Schul- form. In den psychologischen Aspekten ist zu untersuchen, ob die Tater an psychischen Erkrankungen litten und inwiefern sich die soziologischen Aspekte auf die Psyche des Taters ausgewirkt ha- ben. Zur Analyse der Aspekte wird unter anderem die Datensamm- lung und Auswertung aus dem Buch „School Shootings - Soziolo- gische Analysen“ von Robert Brumme hinzugezogen. Brumme trug hierzu Informationen aus 13 School-Shootings mit 14 Tatern zu- sammen. Die Diskrepanz zwischen den Taten und den Tatern ergibt sich aus dem Columbine-Shooting, da dieses von zwei Tatern be- gangen wurde.17 !

[...]


1 Vgl. Scheithauer, Herbert / Rebecca Bondu: Amoklauf und School Shooting: Bedeutung, Hintergrunde und Pravention, Gottingen, Deutschland: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S. 36.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. ebd., S. 23.

5 Vgl. Bockler, Nils / Thorsten Seeger: Schulamoklaufer: eine Analyse medialer Tater-Eigendarstellungen und deren Aneignung durch jugendliche Rezipienten, Weinheim/Munchen, Deutschland: Juventa, 2010, S. 16.

6 Vgl. Brundel, Heidrun: Amok und Suizid - eine unheilvolle Allianz, Frankfurt, Deutschland: Verlag fur Polizeiwissenschaft, 2011, S. 9.

7 Vgl. Brumme, Robert: School Shootings: Soziologische Analysen, 1. Aufl., Wiesbaden, Deutschland: VS Verlag fur Sozialwissenschaften, 2011, S. 15.

8 Vgl. Horn, Hanna / Florian Bodecker / Burkhard Schroter: Schuler auBer Kon- trolle: Amoklauf und School-Shooting, Munchen, Deutschland: GRIN Verlag, 2013, S. 23.

9 Scheithauer/Bondu, 2011, S. 24.

10 Vgl. Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen Sachgebiet 32.1 (KKF): Amokta- ten - Forschungsuberblick unter besonderer Beachtung jugendlicher Tater im schulischen Kontext, 2007, [online] https://polizei.nrw/sites/default/files/ 2016-11/Amoktaten.pdf, S. 1.

11 Vgl. ebd.

12 Bannenberg, Britta: Amok: Ursachen erkennen - Warnsignale verstehen - Ka­tastrophen verhindern, 1. Aufl., Gutersloh, Deutschland: Gutersloher Verlags- haus, 2010, S. 27.

13 Vgl. Bohmer, Matthias: Amok an Schulen: Pravention, Intervention und Nach- sorge bei School Shootings, 2018, [online] https://link.springer.com/content/pdf/ 10.1007%2F978-3-658-22708-1.pdf, S. 23.

14 Vgl. Horn et al., 2013, S. 11.

15 Vgl. ebd., S.69.

16 Vgl. Horn et al., 2013, S. 23.

17 Vgl. Brumme, 2011, S. 31.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Amok oder Schoolshooting? Hintergründe, Ursachen und Auslöser
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V520939
ISBN (eBook)
9783346133618
ISBN (Buch)
9783346133625
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amok, Schoolshooting, Amoklauf, Straftaten, Terror, Hintergründe, Ursachen, Auslöser, soziologische, psychologische, Aspekte, Faktoren, Umfeld, Familie, Freunde, Mobbing, Bullying
Arbeit zitieren
Yannick Fiedler (Autor), 2019, Amok oder Schoolshooting? Hintergründe, Ursachen und Auslöser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520939

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