Internetnutzung im Studium - Erklärung und Vorhersage der Internetnutzung von Studierenden in Deutschland und Österreich


Diplomarbeit, 2005

135 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG

2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND
2.1 Medienkompetenz und das Internet als Medium
2.2 Internetnutzung
2.2.1 Internetnutzung in Deutschland
2.2.2 Internetnutzung in Ö sterreich
2.2.3 Internetnutzung im europ ä ischen Vergleich
2.2.4 Internetnutzung von Studierenden
2.2.5 Ein kultureller Vergleich zwischen Deutschland und Ö sterreich
2.3 Der theoretische Bezugsrahmen
2.3.1 Die Theorie des geplanten Verhaltens nach Aizen
2.3.2 Das Technologie-Akzeptanz-Modell nach Davis
2.3.3 Die Theorie des geplanten Verhaltens (Aizen) und das Technologie-Akzeptanz-Modell (Davis) im Vergleich
2.4 Fragestellung und Ableitung der psychologischen Hypothesen

3. METHODEN
3.1 Der Fragebogen zur Untersuchung „Internetnutzung im Studium“.
3.1.1 Operationalisierung der Internetnutzung
3.1.2 Operationalisierung der theoretischen Variablen
3.1.3 Indexbildung
3.2 Der Onlinefragebogen zur Untersuchung der „Internetnutzung im Studium-Teil 2“
3.2.1 Die tats ä chliche Verhaltensausf ü hrung
3.2.2 Ü berpr ü fung der theoretischen Konstrukte auf ihre zeitliche Stabilit ä t
3.3 Eine prospektive Erhebung
3.3.1 Ablauf der Untersuchung
3.4 Zur Güte des Fragebogens
3.4.1 Der Pretest
3.4.2 Zur internen Konsistenz des Fragebogens

4. DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.2 Die Internetnutzung deutscher und österreichischer Studierender im Vergleich
4.2.1 Bewegungsmuster im Internet
4.2.2 Onlineanwendungen
4.3 Voraussetzungen der Regressionsanalyse
4.3.1 Normalverteilungsannahme
4.3.2 Multikollinearit ä t
4.3.3 Autokorrelation der Residuen
4.4 Korrelationsbildung zwischen den Variablen
4.4.1 Die TPB
4.4.2 Das TAM
4.4.3 Die empirischen Variablen
4.5 Einschränkungen bei der Erhebung der Intention
4.6 Ergebnisse der Theorie des geplanten Verhaltens nach Aizen zur Vorhersage des Internetverhaltens
4.6.1 Intentionsvorhersage
4.6.2 Vorhersage des tats ä chlichen Verhaltens
4.6.3 Die TPB zur Vorhersage des Internetverhaltens
4.7 Ergebnisse der Moderatoranalyse zur subjektiven Norm
4.8 Ergebnisse des Technologie-Akzeptanz-Modells nach Davis zur Vorhersage des Internetverhaltens
4.8.1 Determinanten der Einstellung
4.8.2 Intentionsvorhersage
4.8.3 Vorhersage des tats ä chlichen Verhaltens
4.8.4 Das TAM zur Vorhersage des Internetverhaltens
4.9 Ergebnisse der Theorie des geplanten Verhaltens nach Aizen und das Technologie-Akzeptanz-Modell nach Davis im Vergleich
4.9.1 Intentionsvorhersage
4.9.2 Vorhersage des tats ä chlichen Verhaltens
4.10 Überprüfung der zeitlichen Stabilität der theoretischen Konstrukte ..

5. DISKUSSION
5.1 Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse
5.1.1 Die Internetnutzung deutscher und ö sterreichischer Studierender
5.1.2 Die Theorie des geplanten Verhaltens und das Technologie- Akzeptanz-Modell im Vergleich 100
5.1.3 Die Rolle des sozialen Einflusses beim Internetverhalten 105
5.2 Praktische Ableitungen
5.3 Limitation der Untersuchung und Ausblick für zukünftige Forschung

6. ZUSAMMENFASSUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

1. EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG

Das Europäische Labor für Teilchenphysik CERN gab am 30. April 1993 den www-Standard zur kostenlosen Nutzung frei (Eimeren, Gerhard & Frees, 2003). Das Internet und dessen Anwendung verbreitete sich so schnell, dass innerhalb der ersten Jahre Zuwachsraten von bis zu 60 Prozent verzeichnet wurden. Das Ende der 90er Jahre gilt heute als der Höhepunkt des Internetbooms. Mittler- weile ist der Markt der Internetnutzung weitgehend ausgeschöpft, und der e- norme Anstieg der letzten Jahre zurückgegangen. Ein Zuwachs von Neuan- wendern ist noch durch die zunehmende Attraktivität von Onlineshopping, Onli- neauktionen (z.B. Ebay) und einem transparenten Preisvergleich zu vermerken (Eimeren et al., 2003), so dass im Jahr 2003 ein Zuwachs der Onlinenutzer um 22 Prozent beobachtet wurde. Im Folgejahr konnte dieser Anstieg jedoch nicht mehr aufrechterhalten werden. Im Jahr 2004 belief sich die Anzahl der Online- user auf 55.3 Prozent, hochgerechnet waren das 35.7 Millionen Menschen (ab 14 Jahren), die in Deutschland das Internet nutzten (Eimeren, Gerhard & Frees, 2004).

Eine bedeutende Anwendergruppe für das Internet sind die Studierenden an den Universitäten. Bereits zu Beginn des Internetzeitalters bildeten die Studie- renden einen großen Bereich der Internetnutzer (Batinic, Bosnjak & Breiter, 1997). So ließen sich die Internetnutzer der 90er Jahre als „eine gebildete, vor- wiegend akademische Nutzergruppe“ (Batinic et al., 1997) beschreiben. Die Nutzung des Internets für studienrelevante Zwecke, ist mittlerweile aus dem Universitätsalltag nicht mehr wegzudenken. Es hilft, das Studium zu organisie- ren, erleichtert die Beschaffung von studienrelevanten Informationen und dient zur Kommunikation zwischen Dozenten und Studierenden. Bei der 16. Sozial- erhebung des Deutschen Studentenwerks im Jahre 2002 belief sich die Nut- zungsquote des Internet an den deutsche Hochschulen auf 87 Prozent (Mid- dendorff, 2002). An der Georg-August-Universität in Göttingen gaben 80 Pro- zent der Studierenden an, das Internet ständig oder oft zu nutzen (Hanekop, 2003).

Das Internet wird auch in Zukunft einen wichtigen Stellenwert in der Universität einnehmen. In Form von internetbasierten Lehr- und Lernplattformen (z.B. No- tebook-University) oder Administrations- und Verwaltungsvorgängen (z.B. Rückmeldung, Anmeldung) wird das Internet weiter in den Universitätsalltag hineindrängen (Hanekop, 2003). Um das Internetangebot besser an die An- wender anzupassen, sollten weitere Informationen über ihr Nutzungsverhalten gesammelt werden. Ein Vergleich deutscher Studierender mit ihren österreichi- schen Nachbarn soll Informationen darüber liefern, wie das weltweite Netz nicht nur im eigenen Land genutzt wird. Fragen, die sich diesbezüglich auftun, sind: Wie häufig setzen die Studierenden das Internet für studienrelevante Zwecke ein? Wie nützlich ist das Internet für das Studium? Wie bewerten Studierende einzelne Onlineanwendungen? Und wie ist die Internetnutzung deutscher Stu- dierender im Vergleich zu ihren österreichischen Nachbarn zu bewerten?

Die Diplomarbeit verfolgt dabei drei wesentliche Ziele:

(1) Es soll eine vergleichende Nutzungsanalyse über das Internetverhalten der Studierenden an der Georg-August-Universität Göttingen (Deutsch- land) und der Universität Wien (Österreich) durchgeführt werden. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen deutschen und österrei- chischen Studierenden sollen deskriptiv aufgedeckt und verglichen wer- den.
(2) Es soll das Internetverhalten der Studierenden erklärt und vorhergesagt werden. Insbesondere soll überprüft werden, welches der handlungs- theoretischen Modelle, die Theorie des geplanten Verhaltens nach Ai- zen (1991) oder das Technologie-Akzeptanz-Modell nach Davis (1989), den größeren Erklärungswert besitzt.
(3) Es soll die subjektive Norm, eine bis dato widersprüchliche Komponente der Theorie des geplanten Verhaltens, genauer betrachtet werden, um mehr Informationen über einen möglichen sozialen Einfluss bei der In- ternetnutzung zu erhalten.

Dabei gliedert sich die Arbeit in zwei Teile. Der erste Teil untersucht die Inter- netnutzung aus deskriptiver Sicht (Fragestellung 1) und sammelt erste Informa- tionen über die vergleichende Internetnutzung von deutschen und österreichi- schen Studierenden. Der zweite Teil wird aus inferenzstatistischer Sicht (Frage- stellung 2 und 3) betrachtet und überprüft Theorien zur Verhaltensvorhersage bezüglich ihrer Anwendbarkeit und ihrem jeweiligen Erklärungswert auf das In- ternetverhalten.

Zur Operationalisierung dieser Zielsetzung wurde ein Fragebogen entwickelt, der das Nutzungsverhalten der Studierenden abfragt, und die Komponenten der angewandten Theorien in Bezug auf die Internetnutzung erfasst. Um zu über- prüfen, ob die vorhergesagte Internetnutzung mit der tatsächlichen Nutzung übereinstimmt, wurde eine prospektive Messung des Internetverhaltens durch- geführt. In der ersten Erhebung wurden die Komponenten der oben genannten Theorien erfasst und in einer zweiten Erhebung, zwei Wochen später, die tat- sächliche Internetnutzung.

2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND

In dieser Diplomarbeit steht das Nutzungsverhalten von Studierenden bei der Internetanwendung im Mittelpunkt. Neben der Frage, wie das Internet genutzt wird und welche Nutzungsgewohnheiten die Studierenden haben, werden die Komponenten betrachtet, die das Internetverhalten beeinflussen. Informationen darüber, wie das Internet genutzt wird und welchen Einflüssen und Hindernis- sen es ausgesetzt ist, liefern Universitäten, Internetanbieter oder sogar Unter- nehmen Hinweise darauf, wie man das Internetangebot besser an die Nut- zungsgewohnheiten der Studierenden anpassen kann, die Akzeptanzrate weiter erhöht werden kann und wie das Internet konstruktiv in der Lehre oder in der Wirtschaft eingesetzt werden kann.

Die Gründe zur Internetnutzung können im Allgemeinen auf vier grundlegende Motive zurückgeführt werden: Kommunikation, Surfen, Information und Einkauf (Rodgers & Sheldon, 2002). Studierende unterscheiden sich von der allgemei- nen Nutzergruppe dahingehend, dass sie das Internet auch gezielt für studien- relevante Zwecke einsetzten, wie z.B. die Literatursuche im Internet oder den Abruf von Informationen und Materialien von Lehrveranstaltungen. Walter, Weisz, Weckenmann und Jirasko (1999) konnten drei bedeutsame Faktoren der Internetnutzung von Studierenden in Wien feststellen und faktorenanaly- tisch absichern. Neben dem Unterhaltungsfaktor als wichtigster Faktor, wurden die Nützlichkeit des Internets bei der Beschaffung studienrelevanter Informatio- nen und die Selbstbestätigung (als Integration der Auseinandersetzung des Mediums mit dem Einsatz der eigenen Kenntnisse) bestätigt.

Ein europäischer Vergleich der Internetnutzung wird regelmäßig durchgeführt (AIM, 2004; GfK, 2004), die gezielte Betrachtung der akademischen Nutzer- gruppe im Vergleich wurde aber bisher vernachlässigt. In dieser Diplomarbeit werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Internetnutzung von deut- schen und österreichischen Studierenden genauer betrachtet. Des Weiteren wird das Internetverhalten aus handlungstheoretischer Sicht untersucht. Dafür werden die Theorie des geplanten Verhaltens (TPB) nach Aizen (1991) und das Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM) nach Davis (1989) herangezogen. Die Theorie des geplanten Verhaltens nach Aizen (1985, 1991) ist eine breit ein- setzbare Theorie zur Verhaltensvorhersage, welche z.B. schon in Bezug auf sexuelles Verhalten, Essgewohnheiten oder Abfallbeseitigung eingesetzt wurde (White, Terry & Hogg, 1994; Armitage & Conner, 1999; Steinheider, Fay, Hil- burger, Hust, Prinz, Vogelsang & Hormuth, 1999). Das Technologie-Akzeptanz- Modell von Davis (1989) hat seine Wurzeln in der Theorie des überlegten Han- delns von Aizen & Fishbein (1980), bezieht sich aber auf das Verhalten im Um- gang mit neuen Informationssystemen.

Die Komponenten der Theorien werden anhand einer Fragebogenerhebung erfasst, und die Aussagekraft der Theorien zur Vorhersage und Erklärung des Internetverhaltens von Studierenden untersucht. Eine besondere Beachtung erhält die subjektive Norm, d.h. der soziale Einfluss bei der Verhaltensausfüh- rung. Eine Metaanalyse von Armitage und Conner (2001) hat gezeigt, dass die subjektive Normkomponente aus der TPB den geringsten Vorhersagewert in Bezug auf die Verhaltensabsicht aufweist. Dieser Befund wird auf eine schwa- che Messung des Konstruktes zurückgeführt, was in dieser Diplomarbeit durch eine Multiple-Item-Messung behoben werden soll. Zusätzlich werden Modera- torvariablen der subjektiven Norm erhoben und ihr Einfluss auf das Modell ge- nauer betrachtet.

Im Folgenden wird eine Einführung in das Medium Internet gegeben und die Kompetenzgrundlagen beschrieben, damit das Internet an die eigenen Bedürf- nisse und Wünsche angepasst werden kann. Die Internetnutzung und relevante Aspekte der Internetnutzung werden genauer dargestellt und der bisherige Stand der Forschung aus Deutschland, Österreich und im europäischen Ver- gleich beschrieben. Bevor auf die theoretische Grundlage dieser Arbeit einge- gangen wird, wird die Internetnutzung im akademischen Kontext thematisiert.

2.1 Medienkompetenz und das Internet als Medium

Die Medienkompetenz ist nach Winterhoff-Spurk (1999) Teil der Kommunikati- ons-kompetenz. Dabei wird bei der Kommunikationskompetenz unterschieden zwischen der Fähigkeit, mit Massenmedien umzugehen (Medienkompetenz) und der Fähigkeit mit Informationstechnologien umzugehen (Informationskom- petenz). Diese beiden Teilbereiche enthalten jeweils drei Aspekte: die Sach- kompetenz, die Selbstkompetenz und die Sozialkompetenz, die in der nachfol- genden Abbildung zusammengefasst dargestellt werden (Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Komponenten der Kommunikationskompetenz Quelle: Winterhoff-Spurk, 1999

Die Sachkompetenz bezieht sich ganz allgemein auf die Fähigkeit einer Person, mit Kommunikationstechnologien umzugehen. Bei der Informationskompetenz sowie der Medienkompetenz besteht diese Fähigkeit aus den Kenntnissen und der technischen Handhabung für die Inbetriebnahme und Bedienung der technischen Geräte. Dazu gehört z.B. wie man mit dem Computer umgeht oder eine Homepage im Internet erstellt.

Der zweite Aspekt der Kommunikationskompetenz ist die Selbstkompetenz, bei der die persönlichkeitsbezogenen Grundfähigkeiten angesprochen werden. Wichtig hierbei ist u.a. die Fähigkeit einer Person, selbst über den Medieninhalt nachzudenken und zu reagieren oder die Realität von der Fiktion unterscheiden zu können. Die selbstbezogene Informationskompetenz bezieht sich auf die aktive und reflexive Auseinandersetzung mit den Informationstechnologien und deren Weiterentwicklung, z.B. durch Teilnahme an Computerkursen. Die selbstbezogene Medienkompetenz dagegen orientiert sich an der Fähigkeit zur selektiven und reflexiven Medienrezeption. Mit dem Ziel eines Wissenserwerbs können hier die Informationen in den Medien ausgesucht und mit dem vorhan- denen Wissen kritisch betrachtet und integriert werden.

Der dritte und letzte Aspekt der Kommunikationskompetenz ist die Sozialkom- petenz, bei der die sozial angemessenen Nutzungsfähigkeiten der Medien nä- her betrachtet werden. Die soziale Informationskompetenz meint dabei die Fä- higkeit und Bereitschaft, Informationstechnologien kritisch zu betrachten und ihren Einsatz zu einer sozialen Kooperation zu hinterfragen (Ist z.B. die Telear- beit hinderlich für soziale Interaktionen, oder werden durch Tele-Teaching die sozialen Kompetenzen vernachlässigt?). Die soziale Medienkompetenz dage- gen bezieht sich auf die sozialen Konsequenzen von Medien und Medienrezep- tion, wie z.B. die Wahlentscheidung und die Mediennutzung. Wendet man die drei Aspekte der Medienkompetenz - technische, selbstbezo- gene und soziale Medienkompetenz - in Form von Lernprogrammen in der Pra- xis an, wird z.B. eine kritische Haltung gegenüber Werbung, Hintergründe über die Nachrichtenproduktion oder individuelle Auswahlstrategien für die Medien- nutzung vermittelt. Solche Wissensvermittlungen tragen erheblich zur Entwick- lung der Medienkompetenz bei. In Schulen und in Familien konnte ein kritische- rer Umgang mit Medien nach einem solchen Lernprogramm nachgewiesen werden (vgl. Winterhoff-Spurk, 1999).

Auch das Internet als neues Massenmedium setzt den richtigen Umgang mit der Technologie und Informationen voraus. Wer das Internet zur gezielten In- formationssuche einsetzen will, muss vorher wissen wie man mit dem Compu- ter umgeht, wo die gewünschten Informationen zu finden sind und wie deren Glaubwürdigkeit einzuschätzen sind. Das Internet wird im Gegensatz zu den klassischen Massenmedien, wie Zeitung, Hörfunk und Fernsehen den neuen Informationstechnologien zugeordnet (Winterhoff-Spurk, 1999). Dobal und Werner (1997) beschrieben das Internet an sich als Trägerkanal, über den In- formationen ausgetauscht werden. Auf den verschiedenen Kanälen lassen sich wiederum Medien finden, wie Email oder Newsgroups. Streng genommen ver- eint das Internet die klassischen Medien: Zeitungen, mit ihren Onlineausgaben und -artikeln, das Internetradio mit ihren Radiostationen aus der ganzen Welt, und sogar die Ansicht von Videos über Videostream werden mit dem Internet verwirklicht.

Der Forschungsgegenstand des Internets ist im Vergleich zu den klassischen Medien noch in den Kinderschuhen. Die Komplexität des Internets, sein hohes Entwicklungstempo und zu wenig erprobte Forschungsmethoden im Onlinebereich sind nur einige Gründe dafür (Welker, 2000). Auch die Definition der Begriffe Internet, Online oder Internetnutzung ist noch nicht abgeschlossen und verfolgt unterschiedliche Ansätze (Welker, 2000).

2.2 Internetnutzung

Ende April 1993 gab das Europäische Labor für Teilchenphysik CERN den www-Standard zur kostenlosen Nutzung frei (Eimeren et al., 2003). Seitdem ist die Internetnutzung in Deutschland stetig gestiegen. Aber was schließt die Nut- zung des Internets mit ein? Wie bereits erwähnt, liegt keine einheitliche Definiti- on des Nutzungsbegriffs vor. Die Nutzung des Internets ist häufig sehr allge- mein gehalten und bezieht sich nur auf die Angabe, das Internet überhaupt zu nutzen, wobei konkrete Anwendungen nicht in die Definition mit eingeschlossen werden. Ein Internetnutzer ist demnach jemand, der über einen Zugang und die nötigen Mittel verfügt, das Internet zu nutzen und davon auch mehr oder weni- ger intensiv Gebrauch macht (Welker, 2000).

In den verbreiteten Befragungen über die Nutzungsgewohnheiten der Internetnutzer, wie die ARD/ZDF-Online-Studie, die GfK-Monitor oder die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse ACTA, wird u.a. die Zahl der gegenwärtigen Internetnutzer erhoben, ihre Gewohnheiten in Bezug auf die Dauer der Internetnutzung im Tagesverlauf oder pro Woche, der Ort des Internetzugangs und konkrete Anwendungen des Internets, die sich aber bei verschiedenen Marktforschungsinstituten und Forschern unterscheiden.

Betrachtet man die Anwendungen des Internets genauer, so kann man das In- ternet als Arbeitsmittel und als Kommunikationsmedium ansehen, das jeman- den hilft, Materialien und Daten zu beschaffen (z.B. Literatursuche), Abspra- chen per Email zu treffen und Informationen auszutauschen (Hanekop, 2003). Bei den verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets kann man zwischen Kommunikationsformen, Kommunikationsanwendungen und Inhalten unterscheiden (Welker, 2000). Die Kommunikationsformen (wie Surfen, Chat- ten, Onlineshopping) liegen auf der Seite des Nutzers und werden von diesem praktiziert und angewendet. Von Kommunikationsanwendungen spricht man dagegen auf Seitens des Mediums, wenn damit „Dienste“ und „Konfigurationen“ gemeint sind, die auf Softwareprotokollen basieren. Inhalte werden von den Anbietern selber angeboten und bezeichnen konkrete kommunizierbare Inhalte,

wie tagespolitische Themen, Wetterinformationen und Börsenkurse. Auf die Inhalte des Internets wird in dieser Diplomarbeit jedoch nicht eingegangen. Rodgers und Sheldon (2002) untersuchten die Gründe, warum das Internet ge- nutzt wird und fanden vier Motive der Internetnutzung, die sie anhand einer Faktorenanalyse statistisch absichern konnten. Demnach wird das Internet nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Information, zum Surfen und zum Einkaufen genutzt. Die Autoren entwickelten auf der Grundlage dieser Faktoren das Web Motivation Inventory (WMI) und konnten eine hoch reliable Skala ein- führen, mit der die Gründe der Internetnutzung erhoben werden können. Die vier Faktoren erklären 71 Prozent der Varianz und die Anwendung des WMI wurde bereits in verschiedenen studentischen und nicht-studentischen Stich- proben angewendet. Wird das Internet zur Kommunikation (α=.78), wie Email oder Chat eingesetzt, spielen soziale Aspekte eine Rolle, durch die die zwi- schenmenschliche Kommunikation weitergeführt und aufrechterhalten wird (z.B. Kontakt zu Freunden aufrechterhalten). Der zweite Faktor Information (α=.81) beschreibt Anwendungen, mit denen Informationen über Produkte, Serviceleis- tungen, Unternehmen, spezielle Interessen und Nachrichten beschafft werden (z.B. „Im Internet kann man gut recherchieren“). Mit dem Wort Surfen (α=.89) wird im Allgemeinen die „Reise“ durch das World Wide Web beschrieben, ohne ein bestimmtes Ziel im Auge zu haben (z.B. interessante Webseiten finden). Besonders „Internetanfänger“ verbringen die meiste Zeit damit, ziellos im Inter- net zu surfen (Rodgers et al., 2002). Der vierte und letzte Faktor, warum das Internet genutzt wird, ist das Einkaufen (α=.93). Ob bei Ebay oder im so ge- nannten Onlineshop, das Internet wird eine immer beliebtere Plattform zum Er- werb von Produkten und dadurch zu einem bedeutenden Faktor der Internet- nutzung.

Vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung des Internets lässt sich der typische Internetnutzer hinsichtlich der soziodemografischen Einteilung als „weiß, jung, männlich, akademisch ausgebildet, im technischen oder naturwis- senschaftlichen Bereich tätig“ beschreiben, der „über ein mittleres bis hohes Einkommen verfügt und in Nordamerika, Europa, Japan oder Australien lebt“ (Döring, 1999). Genauso wie sich das Internet weiterentwickelt und verändert,

so verändert sich auch der typische Internetnutzer. Die Internetpopulation er- reicht heutzutage eine breitere Masse. Das Durchschnittsalter und der Frauen- anteil steigen und der Bildungsstandard sinkt (Adlbrecht, 2003). Wie das Internet in Deutschland, Österreich und im europäischen Vergleich konkret genutzt wird, beschreiben die folgenden Abschnitte. Hier wird der aktu- elle Stand der Internetnutzung beschrieben, und für die Diplomarbeit relevante Aspekte vorgestellt: Wie häufig wird das Internet pro Woche genutzt, wo wird das Internet überwiegend genutzt und welche Onlineanwendungen sind beson- ders beliebt. Diese Nutzungsaspekte werden zunächst im Kontext der allgemei- nen Bevölkerung betrachtet, bevor auf die Internetnutzung der Studierenden eingegangen wird. Die akademische Internetnutzung im Vergleich zweier west- europäischen Staaten wurde bisher vernachlässigt, wohingegen die Internet- nutzung der Allgemeinbevölkerung in europäischen Ländern regelmäßig vergli- chen wurde. Diese Informationslücke soll durch diese Diplomarbeit geschlossen werden und Informationen darüber liefern, ob die Internetnutzung von Studie- renden in Deutschland und Österreich einen vergleichbaren Stellenwert besitzt.

2.2.1 Internetnutzung in Deutschland

Die ARD/ZDF-Online-Studie (Eimeren et al., 2004) erfasst jährlich die Internetentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. Zu Beginn dieser Studienreihe im Jahr 1997 lag die Zahl der Internetnutzer in Deutschland bei 6.5 Prozent, im Jahr 2004 waren es bereits 55.3 Prozent (siehe Abbildung 2). Hochgerechnet sind dies 35.7 Millionen Personen ab 14 Jahren, die angaben das Internet zumindest gelegentlich zu nutzen.

In Deutschland nimmt die Internetverbreitung weiter zu. Lag im Jahr 2002 der Zuwachs der Internetnutzung bei 14 Prozent, so konnte 2003 ein Anstieg der Internetnutzer um 22 Prozent verzeichnet werden (Eimeren et al., 2003). Nicht nur ältere Personen haben das Internet für sich entdeckt, besonders das typi- sche Stammklientel des Internets, die 14-49 jährigen Berufstätigen mit mittlerer bis hoher Schulbildung haben ihre Internetausstattung (z.B. Modem) und Onli- neanwendungen (z.B. Email) weiter ausgebaut. Diese unerwartet hohe Zu- wachsrate konnte im Folgejahr aber nicht aufrechterhalten werden, hier lag der Zuwachs von Onlineusern nur bei 4 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Entwicklung der Internetnutzung in Deutschland 1997 bis 2004 Quelle: Eimeren et al., 2004

Im Durchschnitt benutzt der deutsche Bundesbürger das Internet seit fast vier Jahren und verbringt pro Woche ca. 138 Minuten (= 2,3 Stunden) im Internet (Eimeren et al., 2004). Der Zugang zum Internet erfolgt entweder an der Universität/ Arbeit/ Schule oder zu Hause. Der Erstkontakt findet meist über die Arbeitsstelle oder in der Schule statt. Die meist genutzte Ausstattung für den heimischen Internetzugang ist dabei der ISDN-Anschluss (40 Prozent) und das Modem (34 Prozent), gefolgt von der schnellen DSL-Verbindung mit einem monatlichen Festpreis (Flatrate) (18 Prozent).

Eine Untersuchung des Ernst-Dichter-Instituts im Jahr 2002 (in Eimeren et al., 2003) zeigte die Gründe für einen eigenen Onlinezugang. Die meistgenannten Motive, sich einen eigenen Internetanschluss zuzulegen, waren der allgemei- nen Zeitgeist, der Konformitätsdruck aus dem persönlichen Umfeld und die Tat- sache, dass das Internet mittlerweile ein Muss darstellt. Zudem bietet das Inter- net inhaltliche Angebote, die andere Medien nicht bieten, wie z.B. Preistranspa- renz oder Onlineauktionen. Das Internet hat sich auch zu einem wichtigen Me- dium zum Abruf tagesaktueller Informationen entwickelt. Neben der Suchma- schine werden häufig Informationen zu tagesaktuellen Themen aufgerufen.

Bezogen auf die konkrete Anwendung zeigte sich, dass die Kommunikation ü- ber Email die am meisten durchgeführte Anwendung ist, gefolgt von der zielge- richteten Suche nach bestimmten Inhalten und dem Surfen im Internet. Im All- gemeinen nimmt das Nutzungsspektrum der Internetanwendungen jedoch ab, nur bei Onlineauktionen und beim Onlineshopping lässt sich eine vermehrte Nutzung verzeichnen.

2.2.2 Internetnutzung in Österreich

Die Internetnutzung in Österreich wird seit 1996 regelmäßig von Markt- und Meinungsforschungsinstituten erhoben (GfK-Monitor, Fessel-GfK, ACTA, AIM). Ende des Jahres 2002 gaben 56 Prozent der österreichischen Bürger ab 14 Jahren an, über einen eigenen Zugang zum Internet zu verfügen (Adlbrecht, 2003). Die neuesten Daten der Fessel GfK zeigen eine weitere Zunahme der Nutzungsfrequenz auf 58 Prozent. Dies sind umgerechnet 3.9 Millionen Perso- nen zwischen 14 und 59 Jahren, die angaben, das Internet zu nutzen (GfK On- line Monitor, 2005).

Die starke Wachstumsphase des Internets in den 90er Jahren ist auch in Österreich abgeflacht (siehe Abbildung 3). Lag der Zuwachs an Internetzugängen im Jahr 2000 noch bei 10 Prozent, so wurde 2003 nur noch 2 Prozent Zuwachs gemessen (Adlbrecht, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Entwicklung der Internetnutzung in Österreich 1997 bis 2005 Quelle: GfK Online Monitor, 2005

Besonders hervorzuheben ist in Österreich die hohe Verbreitung schneller In- ternetzugänge. Das meistgenutzte Breitbandkabel ist das Fernsehkabel (21 Prozent), mit dem die Daten über das bekannte TV-Kabel übermittelt werden und TV und Internet medial verknüpft. Auch Highspeed-Verbindungen wie ISDN, Funk-LAN oder DSL werden in Österreich häufig verwendet. Das scheint wohl ein Grund dafür zu sein, dass die wöchentliche Nutzungszeit in Österreich bis zu 5 Stunden beträgt, denn Internetnutzer mit einer schnellen Verbindung nutzen das Internet auch häufiger, da sich weniger Hindernisse bei der Inter- netnutzung ergeben (z.B. Internetseite wird schneller hochgeladen, Internetver- bindung bricht nicht ab, usw.). Das Internet wird entweder während der Arbeit oder zu Hause genutzt, der heimische Zugang wird jedoch immer wichtiger. Die beliebtesten Internetanwendungen in Österreich sind die Versendung von priva- ten und geschäftlichen Emails, gefolgt von der Informationssuche und dem Sur- fen. Eine Zunahme der Anwendungen wurde beim Internetbanking verzeichnet, beim Onlineshopping sind die Österreicher jedoch eher zurückhaltend.

2.2.3 Internetnutzung im europäischen Vergleich

Die Fessel-GfK erhebt neben den österreichischen Nutzungsdaten auch die Internetnutzung im europäischen Vergleich. Dafür stehen Vergleichswerte von 31 Ländern zur Verfügung. Eine auffallend hohe Nutzungsfrequenz ist in den nordischen Ländern, wie Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island zu beobachten. Hier nutzen bereits drei Viertel der Bevölkerung das Internet. Ein deutsch-österreichischer Vergleich zeigt eine gleich hohe Internetnutzung. 58 Prozent der Bevölkerung nutzen in Deutschland als auch in Österreich das Internet (siehe Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4. Internetnutzer in Europa 2003 Quelle: GfK Online Monitor, 2005

Im europäischen Vergleich nehmen Deutschland und Österreich gemeinsam die 9.Stelle ein (siehe Abbildung 5). Sie stehen hinter den nordischen Ländern, den Niederlanden, der Schweiz und Großbritannien, haben aber deutlich mehr Internetnutzer als Frankreich, Spanien und Italien. In der Entwicklung der Inter- netnutzung kommt die Fessel GfK zu einem homogenen Entwicklungsanstieg der beiden Länder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5. Internetnutzer in Europa 2002 versus 2005 Quelle: GfK Online Monitor, 2005

Wie in Kap.2.2.1 und 2.2.2 gezeigt, haben Deutschland und Österreich heute, auch auf der Grundlage anderer Quellen als der GfK (z.B. Eimeren et al., 2004; Aldbrecht, 2003, ACTA, 1999; AIM, 2004), eine vergleichbar hohe Nutzungsfre- quenz. Der Verlauf des Internetzuwachses ab 1997 lässt sich aus diesen Quel- len jedoch nicht als homogen beschreiben. Der Zuwachs beider Länder nahm zwar kontinuierlich weiter zu, doch sind einige Schwankungen in der Nutzungs- frequenz zu beobachten. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die un- terschiedlichen Erhebungsmethoden der angegebenen Quellen und deren Auswertung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen und daher nicht direkt vergleichbar sind.

Zusammenfassend weisen die deutsche und die österreichische Internetnutzung im Jahr 2004/ 2005 hohe Zugangsdaten auf, die abhängig von der Literaturquelle, bei fast 60 Prozent liegen. Beide Länder liegen im europäischen Vergleich an der gleichen Stelle unter den Top 10.

Doch wie sieht die Internetnutzung bei den Studierenden aus? Deutsche Stu- dierende liegen mit ca. 80 Prozent bei einer sehr hohen Nutzungsfrequenz (Ha- nekop et al., 2003), für österreichische Studierende liegen bisher keine Ergeb- nisse vor. Die akademischen Nutzungsgewohnheiten sollen in dieser Diplomar- beit, im Gegensatz zu vorangegangenen Vergleichsstudien auf der Grundlage einer übereinstimmenden Erhebungsmethode und Auswertung durchgeführt werden und erste Ergebnisse im deutsch-österreichischen Vergleich liefern. Ob sich die Internetnutzung von Studierenden von den vorliegenden Daten zur Nutzung der Allgemeinbevölkerung unterscheidet, wird sich in dieser Untersu- chung zeigen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden erst einmal deskrip- tiv beschrieben, um eine Forschungsgrundlage zu schaffen. Welche For- schungsergebnisse der Internetnutzung im universitären Kontext bereits vorlie- gen, wird im folgenden Abschnitt beschrieben.

2.2.4 Internetnutzung von Studierenden

Bis zum Ende der 90er Jahre war das Internet ein Medium der Gymnasiasten, Abiturienten und Studenten (Eimeren et al., 2003). Mit der Weiterentwicklung des Internets und der heute breiteren Internetpopulation, die sich mittlerweile über Schüler hinweg bis hin zu Rentnern erstreckt, hat sich auch die Anwen- dung des Internets im Studium verändert. An den Universitäten haben die Stu- dierenden vermehrt Zugangsmöglichkeiten zum Internet bekommen. In den Fachbereichen, in der Bibliothek oder im Rechenzentrum können sie mit der entsprechenden Zugangsberechtigung das Internet für private Zwecke, wie Emails schreiben oder für studienrelevante Zwecke wie Literatursuche nutzen. Die Informationssuche im Internet nach aktuellen Forschungsergebnissen ge- hört mittlerweile zum Seminarinhalt, und der internationale Stand der Forschung lässt sich im Internet gut verfolgen. Die Universität Göttingen bietet den Studie- renden mit dem Konzept der „Notebook University“ überdies die Möglichkeit zur mobilen Internetnutzung mit dem langfristigen Ziel einer mobilen Lehr- und Lernform. Informationen darüber, wie Studierende das Internet nutzen und wel- che Erwartungen und Interessen sie haben sind notwendig, um die Akzeptanz für neue, innovative Projekte zur Erweiterung und Unterstützung der Lehre zu erhöhen.

Eine deutschlandweite Untersuchung der Computer- und Internetnutzung im Studium von Middendorff (2002) zeigte, dass 87 Prozent der Studierenden an- gaben, das Internet zu nutzen und dass 55 Prozent über einen eigenen Inter- netanschluss verfügen. An der Universität Göttingen gaben sogar 80 Prozent der Studierenden an, einen eigenen Internetzugang zu besitzen (Hanekop et al., 2003). Auch wenn fast jeder Zweite das Internet von zu Hause aus nutzen kann, werden die Internetzugänge an der Universität häufig genutzt, sei es we- gen der räumlich-zeitlichen Nähe oder um die Internetkosten zu Hause zu sen- ken (Hanekop, 2003).

Die Mehrheit der Studierenden verbringt für studienrelevante Zwecke täglich bis zu einer Stunde im Internet, wobei der Stellenwert des Internets an den einzel- nen Fachbereichen differiert und auch der Integrationsgrad von Internetanwen- dungen an den Fakultäten sehr unterschiedlich ist (Hanekop et al., 2003). Das Internet wird von den Studierenden im Studium als Kommunikationsmittel, aber auch als Arbeitsmittel eingesetzt: zur Literaturrecherche, Beschaffung von Materialien für das Studium oder zur Absprache mit den Studierenden und Leh- renden. Die häufigsten Internetanwendungen sind nach Hanekop (2003) die Suche nach Literaturquellen, und die Beschaffung von Material und Literatur. Eine sinnvolle Anwendung des Internets im Studium stellt außerdem die Stu- dienorganisation und die Organisation von Lehrveranstaltungen und Administra- tionsvorgängen (z.B. Rückmeldung) dar.

Eine Studie von Walter et al. (1999) erbrachte bei den österreichischen Studierenden, dass das Internet nicht nur als Unterhaltungsmedium dient, sondern auch als nützliches Hilfsmittel im Rahmen des Studiums betrachtet wird. Genaue Daten über die Nutzungsdaten von österreichischen Studierenden konnten trotz intensiver und ausgiebiger Literatursuche nicht ausfindig gemacht werden. Die Autorin geht davon aus, dass eine Analyse der Internetnutzung im Studium in Österreich bisher vernachlässigt wurde und verzichtet daher auf eine Darstellung der bisherigen Forschung.

2.2.5 Ein kultureller Vergleich zwischen Deutschland und Österreich

Da sich diese Diplomarbeit mit dem Vergleich der Internetnutzung von Studie- renden zwischen Deutschland und Österreich beschäftigt, soll an dieser Stelle kurz auf die Bedeutung einer kulturvergleichenden Untersuchung eingegangen werden. Eine einflussreiche Kulturtheorie in diesem Zusammenhang ist die Hofstedes (1991). Die Kultur ist nach Hofstede gruppen- oder kategoriespezi- fisch und enthält einerseits die in einer Gesellschaft übereinstimmenden Denk- Fühl- und Handlungsmuster und andererseits die kollektiven Phänomene oder Rituale (z.B. Begrüßung), die Menschen in ihrem sozialen Umfeld erlernt ha- ben. Die Theorie besagt, dass sich Kulturen auf der Basis von vier Dimensionen unterscheiden: Machtdistanz, Individualismus-Kollektivismus, Maskulinität- Femininität und Unsicherheitsvermeidung. Später wurde noch eine fünfte Di- mension, die kurzfristige-langfristige Orientierung hinzugefügt. Bei der Machtdistanz handelt es sich um das Ausmaß, indem weniger mächtige Mitglieder eine Institution (z.B. Familie, Universität) eine ungleiche Machtvertei- lung erwarten und akzeptieren. Unter Individualismus versteht man Gesell- schaften mit lockeren Bindungen, bei denen jeder für sich selbst und seine un- mittelbare Familie sorgt. Menschen mit einer hohen Individualität sehen sich selbst und die eigene Familie als wichtiger an als die Gesellschaft. Kollektivis- mus beschreibt eine Gesellschaft, in der der Mensch von Geburt an in eine Gruppe integriert ist, die ihn sein Leben lang beschützt und die dafür bedin- gungslose Loyalität verlangt.

In maskulinen Kulturen sind das Einkommen, der Aufstieg im Beruf und die An- erkennung von Bedeutung, wohingegen bei femininen Kulturen die Zusammen- arbeit, das Arbeitsumfeld und die Sicherheit am Arbeitsplatz im Vordergrund stehen.

Die vierte Dimension, Unsicherheitsvermeidung beschreibt den Grad, indem sich Mitglieder einer Kultur durch ungewisse Situationen bedroht fühlen. Damit verbunden ist das Bedürfnis nach Regeln und Standards.

Unter der später hinzugefügten Dimension, kurzfristige Orientierung, versteht man die Tendenz nach Konsum und materiellem Status, wohingegen die lang- fristige Orientierung sich auf Sparsamkeit, Ausdauer und Tradition konzentriert. Diese fünfte Dimension wurde erst später in die Untersuchung mit aufgenom- men, so dass kulturvergleichende Daten fehlen und weitere Aussagen schwie- rig sind. Daher wird diese Dimension im Folgenden vernachlässigt.

In über 50 Ländern wurden die vier Dimensionen untersucht und verglichen. Es wurde für jede Dimension ein Indexwert berechnet, der Zahlen von 0 und 100 einnehmen kann. So steht z.B. eine 0 für ein Land mit geringer Machtdistanz und 100 für ein Land mit hoher Machtdistanz.

Für die hier vorliegende Untersuchung sind die Länder Deutschland und Österreich relevant. Tabelle 1 stellt die Indexwerte der beiden Länder und deren Rang für die Dimensionen dar.

Tabelle 1 Indexwert und Rang für die Länder Deutschland und Österreich (im Vergleich zu 50 Ländern und 3 Regionen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* den gleichen Rang erhielten die Länder Costa Rica und Großbritannien

** den gleichen Rang erhielt das Land Großbritannien

*** den gleichen Rang erhielt das Land Pakistan

Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, befinden sich Deutschland und Österreich durchweg im gleichen Bereich und weisen somit nach Hofstede keine kulturel- len Unterschiede auf. Neben den Indexwerten versuchte Hofstede mit Hilfe von Clusteranalysen, die Länder innerhalb der einzelnen Kulturdimensionen noch zu gruppieren. Dabei zeigte sich, dass sich die beiden Länder auch für jede Di- mension in denselben Clustern befanden. Zusammengefasst zeigen die vorlie- genden Ergebnisse, dass sich Deutschland und Österreich nach kulturellen Ge- sichtspunkten nicht unterscheiden und demnach als ähnlich betrachtet werden können.

2.3 Der theoretische Bezugsrahmen

Auch wenn die Definition der Internetnutzung nicht immer ganz einheitlich ist, ist im Grunde doch immer eine Handlung des Nutzers mit eingeschlossen: der Nutzer startet den Computer, verbindet sich mit dem Internet und ruft die rele- vante Webseite auf. Welche Aspekte nun zu dieser Handlungsausführung bei- tragen, welche hinderlich und welche förderlich sind, damit das Internet auch nach den eigenen Wünschen eingesetzt werden kann, soll im Folgenden be- trachtet werden. Die Erklärung und die Vorhersage des Internetverhaltens ent- hält, neben der deskriptiven Erhebung der deutschen und österreichischen In- ternetnutzung die zweite Zielsetzung dieser Diplomarbeit. Hierzu werden zwei Theorien herangezogen, die die Absicht und das tatsächliche Internetverhalten vorhersagen bzw. erklären sollen. Die erste Theorie ist die Theorie des geplan- ten Verhaltens (TPB) nach Aizen (1985, 1991), die allgemein zur Verhaltens- vorhersage herangezogen wird. Die zweite Theorie ist das Technologie- Akzeptanz-Modell (TAM), die von Davis (1986) speziell zur Vorhersage von in- novativen Systemen bzw. Informationssystemen (z.B. Computerprogramme) entwickelt wurde. Beide Theorien haben ihren Ursprung in der Theorie des ü- berlegten Verhaltens von Aizen und Fishbein (1980), unterscheiden sich aber in ihrer Konzeptualisierung der Konstrukte, die zur Intention bzw. Handlungsaus- führung beitragen.

Im Folgenden werden die beiden Theorien und ihre Konstrukte genauer be- trachtet, bis dann ein Vergleich der Theorien und der aktuelle Forschungsstand beschrieben werden. Ein Theorienvergleich soll Informationen darüber geben, welche Aspekte beim Internetverhalten relevant sind und welchen Beitrag die einzelnen Theorien in Bezug auf die Internetanwendung leisten können.

2.3.1 Die Theorie des geplanten Verhaltens nach Aizen

Die Theorie des geplanten Verhaltens nach Aizen (1985, 1991) ist ein Modell zur Verhaltensvorhersage. Es stellt eine Weiterentwicklung der Theorie des ü- berlegten Handelns von Aizen und Fishbein (1980) dar und geht davon aus, dass die Absicht, ein Verhalten auszuführen von drei unabhängigen Komponenten (siehe Abbildung 6) determiniert wird:

1. der Einstellung bezüglich des Verhaltens,

2. der subjektiven Norm und

3. der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6. Die Theorie des geplanten Verhaltens (TPB) Quelle: Aizen, 1991

Nach diesem Modell wird eine Person ein bestimmtes Verhalten ausführen, je positiver die Einstellung und die subjektive Norm gegenüber dem Verhalten, und je größer die wahrgenommene Verhaltenskontrolle ist.

Die Bedeutung der drei Komponenten bei der Vorhersage der Verhaltensintention ist dabei abhängig von dem jeweiligen Verhalten und von der Situation. So kann es sein, dass die Einstellung allein einen bedeutenden Einfluss auf die Intention hat oder aber alle drei Komponenten unabhängig auf die Intention einwirken. Es kann aber auch sein, dass die drei Prädiktoren in Wechselbeziehung zueinander stehen und sich gegenseitig beeinflussen.

Die Intention wiederum determiniert das tatsächliche Verhalten. Je stärker die Intention ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten letztendlich ausgeführt wird. Neben der Intention kann die wahrgenommene Verhaltenskontrolle auch einen direkten Einfluss auf das Verhalten haben. Die- se Komponente wurde von Aizen nach der Theorie des überlegten Handelns hinzugefügt, um auch Handlungen zu untersuchen, deren Handlungsausfüh- rung einer eingeschränkten Kontrolle unterliegen. Fehlt beispielsweise bei der Internetnutzung die Kompetenz mit dem Computer umzugehen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Internet überhaupt genutzt wird, eher als gering einzustufen.

Nach dieser allgemeinen Einführung in die TPB, werden die theoretischen Komponenten im Folgenden näher betrachtet.

Die Einstellungskomponente in Bezug auf das Internetverhalten

Die Einstellung (A) gegenüber einem Verhalten bezieht sich auf die allgemeine Überzeugung (belief) ein bestimmtes Verhalten auszuführen. Von Bedeutung sind neben den Überzeugungen (bi) bezüglich des Verhaltens auch die subjektiven Bewertung (ei) dieser Überzeugungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7. Die Einstellung im TPB; A: Einstellung; bi: Überzeugung; ei: Bewertung Quelle: Aizen, 1991

Ist der Internetnutzer beispielsweise der Meinung, dass er im Internet die aktu- ellsten Nachrichten findet und bewertet diese Aktualität als positiv, dann hat diese Überzeugung, multipliziert mit der Bewertung, insgesamt einen positiven Einfluss auf die Einstellungsbildung. Das Produkt der gesammelten Informatio- nen bildet die Einstellung einer Person bezüglich des Internets. Die Einstellungskomponente in der TPB wurde in zahlreichen Studien als ein wichtiger Faktor zur Verhaltensvorhersage bestätigt (Aizen, 1991; Armitage & Conner, 2001). Nach Pavlou (2002) wird die Absicht, das Internet zu nutzen, stark durch die positive oder negative Bewertung des Internets determiniert. Eine positive Einstellung zum Verhalten erleichtert dessen Ausführung und mögliche Einschränkungen und Hindernisse werden schneller beseitigt. Doll, Petersen und Rudolf (2000) konnten in ihrer Studie zur Internetnutzung von Gymnasiasten und Studierenden nachweisen, dass die Einstellungskom- ponente bei Studierenden einen starken Beitrag zur Intentionsbildung leistet. Auch Welker (2000) untersuchte anhand der TPB die Determinanten der Inter- netnutzung, konnte aber nur einen sehr geringen Einfluss auf die Intention nachweisen. Dieses Ergebnis bezog er auf die Art der erhobenen Handlungen,

die nur eine kurzfristige Tragweite aufwiesen und zeitlich nicht überdauerten, wodurch ihre Relevanz geschmälert wurde.

Die subjektive Normkomponente in Bezug auf das Internetverhalten

Bei der subjektiven Normkomponente (SN) handelt es sich um die normative Überzeugung (ni) einer Person, inwieweit eine Bezugsgruppe ein bestimmtes Verhalten begrüßt oder ablehnt. Wenn eine Person bemerkt, dass die Bezugs- personen ein Verhalten befürworten (oder missbilligen), dann ist sie mehr (oder weniger) daran interessiert, das Verhalten auch auszuführen. Zusätzlich ist die Bewertung dieser Erwartung (mi) wichtig, d.h. die Motivation dieser Person, sich den Erwartungen entsprechend zu verhalten (motivation to comply).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8. Die subjektive Norm im TPB;

SN: subjektive Norm; ni: normative Überzeugungen; mi: motivation to comply Quelle: Aizen, 1991

Ist der Vater des Internetnutzers beispielsweise der Meinung, dass das Internet dazu beiträgt, die Berufschancen zu verbessern, und ist der Internetnutzer be- reit, sich der normativen Überzeugung anzupassen, dann hat die subjektive Norm einen positiven Einfluss auf die Verhaltensintention. Ist die Bereitschaft jedoch gering, die normative Überzeugung zu übernehmen, dann hat auch die subjektive Norm nur eine geringe Bedeutung für die Verhaltenstendenzen.

Die Bedeutung der subjektiven Norm als Prädiktor für die Verhaltensintention wurde neben den Ergebnissen von Aizen (1987, 1991, 2002) u.a. in Studien zur Mobiltelefonnutzung, zum Umweltverhalten und zum sexuellen Verhalten nach- gewiesen (Wiese & Schmitz, 2002; Steinheider et al., 1991; White, et al., 1994). Die empirischen Ergebnisse zur subjektiven Norm in Bezug auf neue Medien sind bis dato widersprüchlich. Welker (2000) fand in seiner Studie über die De- terminanten der Internetnutzung nicht nur einen geringen Einfluss der subjekti- ven Norm auf die Absicht, dieser Einfluss war sogar leicht negativ. Der wahrge- nommene soziale Druck hemmte eher die Nutzungsabsicht, als sie zu erhöhen, was Welker auf eine Trotzreaktion der Probanden zurückführte. Auch bei Doll et al. (2000) stellte sich die subjektive Norm eher als eine unbedeutende Determi- nante zur Vorhersage der Internetnutzung dar (β=-.16). Doll und seine Kollegen machten eine ungenaue Konzeptualisierung der Komponente für die Ergebnis- se verantwortlich.

Eine Studie von Wiese und Schmitz (2002) dagegen untersuchte den Einfluss wichtiger Bezugspersonen auf die Konsumeinstellung Jugendlicher bezüglich Mobiltelefone. Der soziale Einfluss konnte hierbei bestätigt werden. Die Einstel- lung der Jugendlichen zum Mobiltelefon wurde beeinflusst von der Meinung ihrer Freunde bzw. ihrer Eltern. Zudem konnte die subjektive Norm als Prädiktor für den Wunsch, ein Mobiltelefon zu besitzen, nachgewiesen werden.

In dieser Diplomarbeit werden die unterschiedlichen Ergebnisse zur subjektiven Norm aufgegriffen und in Bezug auf das Internet untersucht. Die genaue Be- trachtung der subjektiven Norm, mit einer Untersuchung möglicher Moderator- variablen, die die subjektive Norm beeinflussen könnten, stellt die dritte Zielset- zung dieser Diplomarbeit dar. Eimeren et al. (2002) fand heraus, dass neue Internetseiten durch die Empfehlung von Bekannten oder Freunden aufgerufen werden. Die Meinung anderer Personen hat wohl doch einen Einfluss auf die Handlungsausführung - konsistent mit der Theorie des geplanten Verhaltens. Auf die beschriebenen Mängel in der Konzeptualisierung soll ebenso eingegan- gen werden, wie auf mögliche Moderatorvariablen, die bei der Vorhersage der Verhaltensintention von Bedeutung sein können. Wiese et al. (2002) konnte drei Moderatorvariablen der subjektiven Norm nachweisen - das Alter der Bezugs- person, die Beziehungsqualität und die Wertschätzung der Meinung - und somit eine genauere Darstellung des sozialen Einflusses erreichen. Auf die differen- ziertere Operationalisierung der subjektiven Norm wird später in Abschnitt 3.1.2 ff. genauer eingegangen.

Die wahrgenommene Verhaltenskontrolle in Bezug auf das Internetverhalten

Die wahrgenommene Verhaltenskontrolle (WVK) stellt die erweiterte Kompo- nente der TPB im Vergleich zur TRA dar. Sie wird konzeptualisiert durch die Kontrollüberzeugung (pi) einer Person, und der Bewertung dieser Überzeugung

(ci) wie leicht oder wie schwierig ein Verhalten für sie auszuüben ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9. Die wahrgenommene Verhaltenskontrolle im TPB;

WVK: wahrgenommene Verhaltenskontrolle; pi: Kontrollüberzeugung; ci: Bewertung Quelle: Aizen, 1991

Diese Komponente wird umso größer ausfallen, je mehr Ressourcen, Fertigkei- ten und Verhaltensmöglichkeiten der Person zur Verfügung stehen. Sie beein- flusst einerseits die Verhaltensabsicht einer Person, andererseits kann sie das Verhalten auch direkt beeinflussen, wenn die wahrgenommene Kontrolle mit der tatsächlichen Kontrolle in Verbindung steht (wenn eine Person keinerlei Computerkenntnisse besitzt, wird sie auch nicht ständig im Internet surfen, auch wenn die Absicht groß ist).

Aizen und Madden (1986) haben herausgefunden, dass die wahrgenommene Verhaltenskontrolle zu einer genaueren Vorhersage des Verhaltens führt. Und auch Armitage und Conner (2001) konnten in ihrer Metaanalyse zeigen, dass die wahrgenommene Verhaltenskontrolle neben der Einstellung und der subjek- tiven Norm im Durchschnitt noch mal 6 Prozent zur Vorhersage der Intention beiträgt. Zudem konnte ihr neben dem indirekten Einfluss über die Verhaltensin- tention auch ein direkter Einfluss auf das tatsächliche Verhalten nachgewiesen werden (Armitage & Conner, 2001).

Welker (2000) konnte die wahrgenommene Verhaltenskontrolle als entschei- denden Faktor für die Vorhersage der Intention aufzeigen, die anders als die Einstellung und die subjektive Norm einen positiven Einfluss auf die Intention hatte. Besonders bei der Internetnutzung spielen wohl die Ressourcen, Fertig- keiten und Verhaltensmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Neben der schnellen Internetverbindung gehören auch gute Computerkenntnisse zu einer häufigen Internetnutzung. Vowe und Wolling (2001) fanden in ihrer Studie zur unter- schiedlichen Internetnutzung bei Studierenden heraus, dass Personen mit einer hohen Internetkompetenz und einer Affinität zu Computern auch häufiger das Internet nutzen, weil sie sich gerne in ihrer Freizeit mit Computern auseinander- setzen und daran interessiert sind ihre Kenntnisse fortlaufend zu erweitern. Diese Ergebnisse werden später in Kapitel 3.1.2 ff. bei der Operationalisierung entsprechend berücksichtigt.

Absicht (Intention) in Bezug auf das Internetverhalten

In der Verhaltensintention sind die motivationalen Faktoren enthalten, die das Verhalten beeinflussen. Sie weisen darauf hin, inwieweit die Person gewillt ist bzw. wie viel Einsatz sie aufbringen will, damit das Verhalten ausgeführt werden kann. Die Intention ist, neben der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle, ein direkter Prädiktor für die tatsächliche Verhaltensausführung.

Nach der TPB sagt aber die Intention nicht notwendigerweise die tatsächliche Verhaltensausführung voraus. Wenn ein Verhalten letztendlich nicht ausgeführt wird, kann es entweder daran liegen, dass sich die Intention (nach der Mes- sung) geändert hat, oder dass die Verhaltensausführung nicht mehr unter der Kontrolle der Person liegt. Die Kontrolle über das Verhalten wird in der Theorie mit der Komponente der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle abgedeckt. Mit dieser Komponente werden in der TPB auch die nicht-motivationalen Faktoren, wie der Zugriff auf vorhandene Möglichkeiten und Ressourcen (z.B. Geld, Zeit, Fähigkeiten) beachtet, die die Verhaltensausführung beeinflussen können.

Je nach Stärke der Intention kann es zu Unterschieden in der Verhaltensaus- führung kommen. Steht die Absicht, ein bestimmtes Verhalten, auszuführen bereits mit großer Sicherheit fest, dann werden auch neue Informationen das geplante Verhalten nicht ändern. Ist eine Verhaltensintention jedoch noch nicht gefestigt, dann kann sie leicht beeinflusst und sogar geändert werden. Auch wenn die Einstellung gegenüber einem Verhalten besonders positiv, aber die

Intention noch nicht gefestigt ist, ist die tatsächliche Verhaltensausführung nicht gesichert.

Die Verhaltensintention zur Internetnutzung ist abhängig von der Einstellung zum Internet, vom Einfluss Anderer in Bezug auf das Internet und von der wahrgenommenen Verhaltenkontrolle, also die nötigen Fähigkeiten und Res- sourcen zu besitzen, das Internet in den nächsten Wochen nutzen zu können. In dieser Untersuchung werden allgemeine und studienrelevante Internetan- wendungen nach Hanekop (2003) und Eimeren et al. (2003) verwendet, um die Intention und die tatsächliche Verhaltensausführung der Internetnutzung zu er- heben. Auf deren Operationalisierung wird in Kapitel 3.1.2 ff. genauer einge- gangen.

Das tats ä chliche Internetverhalten

Nach Aizen (1991) ist ein Verhalten eine Funktion von salienten Überzeugun- gen, die dem Verhalten zugrunde liegen. Wie bereits erwähnt werden in der TPB drei Arten von salienten Überzeugungen unterschieden: die Überzeugung bezüglich des Verhaltens, die normative Überzeugung und die Kontrollüberzeu- gung.

Wie das zu interessierende Verhalten definiert wird, kann laut Aizen (2002) mit Hilfe von vier Elementen des Verhaltens erfolgen: Target, Action, Context und Time (TACT). Action bezieht sich auf ein bestimmtes Verhalten, wie die Nut- zung des Internets, Target verweist auf relevante Zielobjekte, wie die allgemei- nen und studienrelevanten Internetanwendungen, der Context enthält den Ver- haltenskontext, also z.B. der akademische Kontext, und Time bezieht sich auf die Zeit, in der das Verhalten gezeigt wird. Demnach ist das Verhalten, das in dieser Diplomarbeit relevant ist, die Nutzung von allgemeinen und studienrele- vanten Internetanwendungen im akademischen Kontext in einem Zeitraum von 2 Wochen.

Zusammengefasst stellt die TPB ein breit einsetzbares Modell zur Verhaltens- vorhersage dar. Die Vorhersagekraft der drei Komponenten Einstellung, subjek- tive Norm und wahrgenommene Verhaltenskontrolle wurde in verschiedenen Studien mehr oder weniger bestätigt, und soll nun auf der Grundlage der beste- henden Ergebnisse in Bezug auf das Internetverhalten angewendet werden. Als nächstes wird ein weiteres Modell zur Verhaltensvorhersage betrachtet, das zwei neue Komponenten als bedeutend erachtet: die wahrgenommene Nütz- lichkeit und die wahrgenommene Einfachheit der Anwendung. Wie in diesem Modell, dem Technologie-Akzeptanz-Modell, die Komponenten konzeptualisiert werden und welche Forschungsergebnisse bereits vorliegen, ist Thema des folgenden Abschnitts. Anschließend werden die beiden Theorien im Vergleich dargestellt, bevor die Hypothesen abgeleitet werden und die Untersuchung die- ser Diplomarbeit vorgestellt wird, die Informationen darüber geben soll, welches der beiden Modelle in Bezug auf das Internetverhalten eine bessere Vorhersa- gekraft hat und welche Komponenten das Internetverhalten besser erklären können.

2.3.2 Das Technologie-Akzeptanz-Modell nach Davis

Das Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM) von Davis (1986) hat seine Wurzeln in der Theorie des überlegten Handelns (TRA) von Aizen & Fishbein 1980. Im Gegensatz zur TRA, bei der versucht wird, das menschliche Verhalten im Allgemeinen zu erklären, betrachtet das TAM das Verhalten speziell im Umgang mit Computertechnologien und innovativen Technologien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10. Das Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM) Quelle: Mathieson, 1991

[...]

Ende der Leseprobe aus 135 Seiten

Details

Titel
Internetnutzung im Studium - Erklärung und Vorhersage der Internetnutzung von Studierenden in Deutschland und Österreich
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Psychologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
135
Katalognummer
V52199
ISBN (eBook)
9783638479745
Dateigröße
1498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
An der Universität Göttingen, Deutschland (N=180) und an der Universität Wien, Österreich (N=177) werden anhand einer Fragebogenuntersuchung aktuelle Daten zur Internetnutzung im Studium gesammelt. Dabei geht es um die Frage, wie Studierenden das Internet nutzen und ob sich die Internetnutzung von deutschen und österreichischen Studierenden unterscheidet. Darüber hinaus werden die Einflussfaktoren betrachten, die die Ausführung des Internetverhaltens determinieren.
Schlagworte
Internetnutzung, Studium, Erklärung, Vorhersage, Studierenden, Deutschland
Arbeit zitieren
Diana Weiß (Autor), 2005, Internetnutzung im Studium - Erklärung und Vorhersage der Internetnutzung von Studierenden in Deutschland und Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52199

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