Einleitung
Carl Schmitts Politische Romantik befasst sich mit dem Phänomen der Romantik, dass sich im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte und bedeutende kulturelle Wirkung entfaltete. Schmitt nimmt nicht eine bloß kunst- oder geisteshistorische Nachzeichnung dieser Epoche vor. Er arbeitet in seinem Buch vielmehr Einstellungsmuster der Romantiker zu ihrer Umwelt heraus und leitet von diesen Konsequenzen für das politische Handeln der Romantiker und ihrem Verhältnis zum Staat ab. Es geht also um die Beschreibung einer Politischen Romantik. Die Arbeit beginnt mit einer überblickartigen Hinführung zu der Person Schmitts, zu seinem Werk und dem historischen Kontext des Buches. Danach soll eine grundlegende Darstellung der Epoche der Romantik vorgenommen werden, bevor die Arbeit sich Schmitts Verständnis der Romantik annähert. Dabei sollen vor allem zusammengefasst werden, welche Ursachen Schmitt für die Entstehung der Romantik nennt, was den romantischen Geist auszeichnet und welche Konsequenzen dies für die politische Ebene hat. Eine Schlussbetrachtung fasst danach die wesentlichen Ergebnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorbemerkungen zu Carl Schmitt
2.1. Carl Schmitt als politischer Denker
2.2. Politische Romantik: Historischer Kontext und Bedeutung im Werk Carl Schmitts
3. Die Romantik: Begriff und Inhalt
4. Carl Schmitts Verständnis der Romantik
4.1.Romantisierung, Subjektivierung, Formlosigkeit, Ästhetizismus
4.2. Romantik als Reaktion auf die Moderne
4.3.Romantik als subjektivierter Occasionalismus
4.4.Schmitts Kritik an der romantischen Haltung
4.5.Schmitts verdeckte Kritik am liberalen Bürgertum
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Carl Schmitts Auseinandersetzung mit der Politischen Romantik, mit dem zentralen Ziel, die von Schmitt formulierte Kritik am romantischen Denken und dessen Unvereinbarkeit mit politischer Handlungsfähigkeit aufzuzeigen.
- Carl Schmitt als politischer Denker und sein historischer Kontext
- Begriffsbestimmung und Merkmale der Romantik
- Schmitts Analyse der Romantik als „subjektivierter Occasionalismus“
- Die Unfähigkeit zur politischen Dezision im romantischen Denken
- Kritik an der Romantik als apolitische, ästhetisierte Lebenshaltung
Auszug aus dem Buch
4.3. Romantik als subjektivierter Occasionalismus
Wie bereits erwähnt, endete mit der Moderne das tradierte ontologische Denken. Der Platz des letzten Legitimationsgebers schien vakant und seine Stelle galt als neu zu besetzen. Es wurde bereits angedeutet, dass sich nach Schmitts Verständnis die Romantiker als Werkzeuge einer höheren Kraft verstanden, also Mitglieder eines großen Organismus, der im Verborgenen durch den Weltgeist gesteuert werde und dessen Funktionsweise sich dem menschlichen Erfassen entziehe. Damit kommt Schmitt zu einer fundamentalen Feststellung über sein Verständnis von Romantik: „Wenn nämlich etwas die Romantik total definiert, so ist es der Mangel jeglicher Beziehung zu einer causa. Sie wehrt sich nicht nur gegen die absolute Kausalität, d.h. gegen ein absolut berechenbares, adäquates Verhältnis von Ursache und Wirkung.“ Da die Ursache also nicht klar zu erfassen sei, da es ja eine höhere Macht sei, die verborgen und nicht nachvollziehbar steuere, könne es auch keine logische Konsequenz für ein entsprechendes Handeln geben.
Nun kehrt Schmitts Argumentation zur Romantik zurück und markiert dabei einen eminent wichtigen Punkt, der sein zentrales Bild der Romantik enthüllt. Schmitt behauptet, die Romantik sei gar keine eigenständige Bewegung. Sie sei nur eine Spielart des oben beschriebenen Occasionalismus, nämlich ein subjektivierter Occasionalismus. An Stelle Gottes als letzte Instanz könne auch der Mensch, ein Staat oder ein Volk gesetzt werden. Die Romantiker setzten aber den Menschen, also das Subjekt, an die Stelle Gottes, was zu einer Verabsolutierung des Subjekts und des subjektiven Empfindens führe. Im eigentlichen Occasionalismus habe zumindest noch Gott eine letzte Ordnung und Form garantiert, doch im romantischen Occasionalismus sei dieses letzte Strukturprinzip, also Gott, auch noch beseitigt worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Carl Schmitts Werk „Politische Romantik“ vor und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, Schmitts Analyse der Romantik und deren Konsequenzen für das politische Handeln darzulegen.
2. Vorbemerkungen zu Carl Schmitt: Dieses Kapitel zeichnet den Werdegang Schmitts als umstrittenen politischen Denker nach und ordnet sein Werk in den historischen Kontext der Weimarer Republik ein.
3. Die Romantik: Begriff und Inhalt: Das Kapitel liefert eine allgemeine, kulturhistorische Definition der Epoche der Romantik, um die Grundlage für Schmitts spezifische Auseinandersetzung zu schaffen.
4. Carl Schmitts Verständnis der Romantik: In diesem zentralen Teil wird Schmitts fundamentale Kritik entwickelt, die Romantik als subjektivierten Occasionalismus, als formlos und als politisch handlungsunfähig zu entlarven.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Schmitts Kritik an der Romantik aus seiner dezisionistischen Sicht konsequent ist, während gegenläufige Ansätze ebenfalls Beachtung finden.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Politische Romantik, Subjektivierter Occasionalismus, Dezisionismus, Ästhetizismus, Politische Theorie, Moderne, Individuum, Handlungsfähigkeit, Staat, Weltgeist, Subjektivität, Formlosigkeit, Kausalität, Politische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der „Politischen Romantik“ durch den Rechtsphilosophen Carl Schmitt und dessen Kritik am romantischen Weltverständnis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die historische Einordnung Carl Schmitts, eine allgemeine Definition der Romantik, sowie Schmitts spezifische Kritik am romantischen Subjektivismus und dessen Unfähigkeit zur politischen Entscheidung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, nachzuvollziehen, warum Carl Schmitt die Romantik als politisch handlungsunfähig einstuft und wie er diesen Umstand theoretisch herleitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird hier angewendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Schmitts Werk „Politische Romantik“ und ergänzender Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung der Romantik sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Schmitts Thesen zur Romantisierung, zum Occasionalismus und zur Kritik an der liberalen bürgerlichen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Carl Schmitt und Politische Romantik vor allem der Occasionalismus, das Ästhetische, die Dezision und die politische Handlungsunfähigkeit.
Warum ordnet Schmitt die Romantik dem Occasionalismus zu?
Weil Schmitt argumentiert, dass das romantische Subjekt die Welt lediglich als Anlass für seine eigene ästhetische Produktion nutzt, ohne dabei eine logische Ursache-Wirkungs-Struktur oder politische Verantwortung anzuerkennen.
Was ist Schmitts Kritik an der romantischen Staatsauffassung?
Schmitt kritisiert, dass Romantiker den Staat lediglich als ästhetisches „Kunstwerk“ betrachten, anstatt ihn als reale politische Ordnung zu begreifen, für die verbindliche Entscheidungen getroffen werden müssen.
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- Jochen Steinkamp (Author), 2005, Carl Schmitt und die Politische Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52203