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Misshandlung in der frühen Kindheit und ihre Sozialisationswirkungen

Title: Misshandlung in der frühen Kindheit und ihre Sozialisationswirkungen

Intermediate Examination Paper , 2004 , 42 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Philine Neitzel (Author), Susanne Steckel (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Misshandlung von Kindern ist ein heikles und komplexes Thema. Umstritten ist nach wie vor die Frage, wo Kindesmisshandlung anfängt: während der Eine die Ohrfeige für eine gewöhnliche Erziehungsmaßnahme hält, verurteilt der Andere jegliche Art von körperlichen Übergriffen gegenüber Kindern. Gesetze darüber wurden erst in den letzten Jahrzehnten verschärft, wobei die Schwierigkeit in der Definition der Formen von (Kindes-) Misshandlung liegt.
Vielen Berichten zufolge sind Misshandler häufig in ihrer Kindheit selbst Opfer von Gewalt gewesen. Inwieweit diese Beobachtung auf die (Sozialisations-)Wirkung des „misshandelten Misshandlers“ zurückgeführt werden kann, soll u. a. in dieser Arbeit überprüft werden.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Misshandlung in der frühen Kindheit und ihre (Sozialisations-)Wirkungen“. Hierbei wird nicht Sozialisation als Ganzes betrachtet, sondern als Teilaspekt der Gesamtheit aller Umweltbedingungen, die auf die Entwicklung des Menschen Einfluss nehmen können. Es wird ausschließlich der Aspekt der Kindesmisshandlung durch die Eltern und die daraus folgenden Wirkungen behandelt. Bei der Betrachtung weiterer Misshandlungssituationen (Misshandlung durch Bekannte, Freunde, in der Schule etc.) würde dieses bereits sehr komplexe Thema auf allen Ebenen der Betrachtung um weitere Gesichtspunkte erweitert werden müssen. Es soll dargestellt werden, inwieweit Misshandlung in der frühen Kindheit die weitere Entwicklung des Kindes bishin zum Erwachsenenalter prägen kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen

2.1 Kindesmisshandlung

2.1.1 Physische Misshandlung

2.1.2 Sexuelle Misshandlung

2.1.3 Psychische Misshandlung

2.1.4 Vernachlässigung

2.2 Formen von Misshandlung

2.2.1 Physische Misshandlung

2.2.2 Sexuelle Misshandlung

2.2.3 Psychische Misshandlung

2.2.4 Vernachlässigung

3 Theorie zum Bindungsverhalten

4 Mögliche Sozialisationswirkungen

4.1 Interaktion zwischen dem Kind und seiner Umwelt

4.1.1 Wie sieht das Kind sich selbst?

4.1.2 Wie sieht das Kind seine Umwelt?

4.1.3 Wie verhält sich das Kind der Umwelt gegenüber?

4.2 Wie gehen misshandelte Personen in ihrer Entwicklung mit dem Erlebten um?

4.2.1 Verdrängen der Ausmaße

4.2.2 „Vergessen“/Amnesie

4.2.3 Emotionale Reaktionen

4.2.4 Interpersonelle Beziehungen

4.2.5 Borderline-Persönlichkeit

5 Theorien zur Erklärung von Kindesmisshandlung

6 Vom Opfer zum Täter?

7 Prävention

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Kindesmisshandlung in der frühen Kindheit auf die weitere Entwicklung der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter, wobei insbesondere die (Sozialisations-)Wirkungen, theoretische Erklärungsmodelle und die Frage nach dem Kreislauf der Gewalt im Fokus stehen.

  • Formen der Kindesmisshandlung und ihre Definitionen
  • Bindungstheoretische Aspekte misshandelter Kinder
  • Psychische, soziale und psychosomatische Folgen der Misshandlung
  • Theoretische Erklärungsansätze für missbräuchliches Elternverhalten
  • Präventions- und Interventionsmöglichkeiten in Bildung und Beratung

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Wie sieht das Kind sich selbst?

Ausgehend von der Bewertung des Kindes durch die Eltern, bewertet das Kind häufig sein Verhalten sowie sich selbst. Indem die misshandelnden Eltern ihren Kindern immer wieder vor Augen führen, sie seien „böse, nicht liebenswert, wertlos“, akzeptieren die Kinder mit der Zeit diese Bewertung. Sie beginnen, die elterliche Bewertung für richtig zu halten und übernehmen sie in ihre Selbsteinschätzung. Damit werten sie ihr Verhalten, ihren Charakter und alles, was sie ausmacht, ab. Sie nehmen sich nun von sich aus negativ wahr. Je länger diese negative Bewertung auf dem Kind lastet, desto intensiver verankert es das negative Selbstbild in seiner Psyche und verinnerlicht die Werte und Moralvorstellungen der Eltern: „Ich bin schlecht! Ich bin böse! Ich mache alles falsch! Ich bin dumm! So wie ich bin, kann mich keiner lieben!“ Es kommt zu der Überzeugung, dass es an dem Geschehen schuld ist und versucht, die Handlung durch die Eltern mit seinem eigenen „Versagen“ zu begründen. Das kann so weit führen, dass körperliche Verletzungen bei ärztlichen Untersuchungen auf die Unvorsichtigkeit des Kindes zurückgeführt wird. Begründungen wie „das Kind ist die Treppe hinuntergefallen/mit dem Fahrrad gestürzt“ Solche Begründungen werden von den Eltern, häufig aber auch von den Kindern selbst angegeben (Kastner 1998: 19 ff; Wegner 1997: 122).

Besonders bei sexueller Misshandlung leidet das Kind zusätzlich unter starken Schamgefühlen. Seine eigene Schamgrenze wird durch die fortwährende Misshandlung kontinuierlich weiter gesteckt. Auch Kinder, die physisch misshandelt werden, schämen sich einerseits dafür, dass sie sich gegen die Misshandlung nicht gewehrt haben, andererseits, dass andere die Folgen der Misshandlung und somit die eigene Wehrlosigkeit erkennen/sehen können.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert das komplexe Thema der Kindesmisshandlung, grenzt den Fokus auf elterliche Gewalt ein und beschreibt die vier Hauptformen der Misshandlung sowie das methodische Vorgehen.

2 Begriffserklärungen: Dieses Kapitel liefert Definitionen für physische, sexuelle und psychische Misshandlung sowie Vernachlässigung und illustriert diese anhand verschiedener Fallbeispiele.

3 Theorie zum Bindungsverhalten: Hier werden die Bindungsmuster nach Ainsworth erläutert und deren Bedeutung für misshandelte Kinder sowie die Entstehung des desorganisierten Bindungsmusters diskutiert.

4 Mögliche Sozialisationswirkungen: Das Kapitel analysiert die unmittelbaren Folgen der Misshandlung auf das Selbstbild des Kindes, seine Umweltwahrnehmung und Interaktionsfähigkeit sowie langfristige Auswirkungen wie Dissoziation, Depressionen und Borderline-Syndrom.

5 Theorien zur Erklärung von Kindesmisshandlung: Es werden psychopathologische, soziologische und sozial-situationale Erklärungsmodelle vorgestellt und hinsichtlich ihrer Aussagekraft kritisch beleuchtet.

6 Vom Opfer zum Täter?: Dieses Kapitel diskutiert kritisch die psychodynamische Annahme, dass misshandelte Kinder zwangsläufig zu eigenen Misshandlern werden, und führt Fallbeispiele zur Veranschaulichung an.

7 Prävention: Hier werden präventive und interventive Maßnahmen in Schulen und Beratungsstellen dargestellt, um das Risiko von Misshandlung zu mindern und betroffenen Familien Hilfestellung zu leisten.

8 Fazit: Das Fazit reflektiert den gesamten Arbeitsprozess, diskutiert die Herausforderungen der Literaturrecherche und betont die Wichtigkeit einer opferzentrierten Betrachtungsweise.

Schlüsselwörter

Kindesmisshandlung, Sozialisation, Physische Misshandlung, Sexuelle Misshandlung, Psychische Misshandlung, Vernachlässigung, Bindungstheorie, Trauma, Depressionsrisiko, Reviktimisierung, Prävention, Intervention, Borderline-Persönlichkeit, Psychodynamik, Erziehungsberatung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Definition, den Ursachen und den schwerwiegenden (Sozialisations-)Folgen von Kindesmisshandlung, wobei der Fokus auf dem Erleben der betroffenen Kinder liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zentrale Themen sind die verschiedenen Formen elterlicher Misshandlung, Bindungstheorien, die psychischen und psychosomatischen Langzeitfolgen sowie Möglichkeiten der Prävention.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit zielt darauf ab, ein tieferes Verständnis für die Auswirkungen von Misshandlung in der frühen Kindheit zu entwickeln und zu untersuchen, wie diese die weitere Persönlichkeitsentwicklung prägen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende Forschungsergebnisse und psychologische Modelle zusammenführt und kritisch reflektiert.

Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen auf die Interaktion zwischen Kind und Umwelt, die psychologischen Bewältigungsmechanismen der Kinder sowie verschiedene wissenschaftliche Erklärungsmodelle für Misshandlung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern gehören Kindesmisshandlung, Sozialisation, Trauma, Bindungstheorie, Prävention und die verschiedenen Formen der Gewalt wie psychische oder physische Misshandlung.

Wie gehen misshandelte Kinder laut der Arbeit oft mit dem Erlebten um?

Kinder entwickeln häufig Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Amnesie oder die "Flucht in die Krankheit", um mit dem enormen psychischen Druck und den Loyalitätskonflikten gegenüber den Eltern fertig zu werden.

Gibt es einen automatischen Übergang vom Opfer zum Täter?

Die Arbeit zeigt auf, dass dies zwar eine weitverbreitete Annahme ist, empirische Studien jedoch belegen, dass die Mehrheit der ehemals misshandelten Personen ihre eigenen Kinder nicht misshandelt.

Warum wird die Rolle der Schule für die Prävention hervorgehoben?

Die Schule bietet durch gezielte Projekte und als Ort der sozialen Interaktion wichtige Möglichkeiten zur Aufklärung, zur Stärkung des Selbstwertgefühls und zur Vermittlung von Konfliktfähigkeit.

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Details

Title
Misshandlung in der frühen Kindheit und ihre Sozialisationswirkungen
College
University of Göttingen
Grade
1,0
Authors
Philine Neitzel (Author), Susanne Steckel (Author)
Publication Year
2004
Pages
42
Catalog Number
V52278
ISBN (eBook)
9783638480345
ISBN (Book)
9783656789178
Language
German
Tags
Misshandlung Kindheit Sozialisationswirkungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philine Neitzel (Author), Susanne Steckel (Author), 2004, Misshandlung in der frühen Kindheit und ihre Sozialisationswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52278
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