Die internationale Verschuldungskrise beschäftigt die internationale Staatengemeinschaft bereits seit mehreren Jahrzehnten. Es geht dabei um die am höchsten verschuldeten, aller ärmsten Länder der Welt, die sich in einem Teufelskreis zwischen Neuverschuldung und Rückzahlung der alten Schulden bzw. deren Zinsen befinden. Der offene Ausbruch der Schuldenkrise wird mit dem Jahr 1982 datiert, jenem Jahr, als der Staat Mexiko zahlungsunfähig wurde. Nach einigen gescheiterten Lösungsversuchen in der Vergangenheit (Baker-Plan, Brady-Plan) wurde von der Weltbank und dem IWF (Internationaler Währungsfond) die HIPC-Initiative beschlossen. HIPC steht für Heavily Indebted Poor Countries und meint damit jene Länder, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zur Gänze zurück zu zahlen. Mit Hilfe dieser Initiative soll es in Zukunft möglich sein, die Schulden der betroffenen Länder auf ein tragfähiges Niveau zu senken. Um dies zu erreichen, sollen Strukturanpassungsprogramme durchgeführt und Armutsstrategiepapiere erarbeitet werden.
In dieser Arbeit wird es darum gehen, wie es zur HIPC bzw. HIPC II Initiative kam und ob diese Initiative nach den zahlreichen, gescheiterten Lösungsversuchen endlich jene Strategie ist, die in jener Hinsicht Wirkung zeigt, dass die zu entschuldenden Länder ihren Schuldendienst auf ein tragfähiges Niveau senken können. Im Zusammenhang mit der HIPC-Initiative möchte ich auch die Rolle von Nonprofit Organisationen (NPOs) in der internationalen Verschuldungskrise thematisieren. Dabei wird zuerst der Begriff der Nonprofit Organisation zu klären sein, anschließend werde ich die Organisation WEED (World Economy, Ecology and Development) vorstellen, kurz auf ihre Arbeitsbereiche eingehen, ihre Schwerpunktthemen beschreiben und ihre Rolle und Tätigkeiten im Bereich der Verschuldung analysieren. Des Weiteren werde ich versuchen zu klären, inwieweit es solchen Organisationen möglich ist, Veränderungen und Reformen zu bewirken beziehungsweise politische Entscheidungsträger zu beeinflussen. Im Anschluss daran werde ich auf die Problematik der internationalen Verschuldungskrise der ärmsten Länder eingehen, ich möchte klären, wo die Ursachen dafür liegen, welche Lösungsvorschläge bisher unterbreitet und zum Teil auch durchgeführt wurden und wie sich diese auf die Problematik auswirkten.
Inhaltsübersicht
1 EINLEITUNG
2 NONPROFIT ORGANISATIONEN
2.1 Die Rolle von NPOs
2.2 Definition von NPOs
2.3 Spezifische Charakteristika von NPOs:
3 WEED – WORLD ECONOMY, ECOLOGY AND DEVELOPMENT
3.1 Die Aufgaben von WEED
3.2 Die Schwerpunktthemen von WEED
3.2.1 Internationales Finanzsystem und Verschuldung
3.2.2 Internationale Handels- und Investitionspolitik
3.2.3 Europäische und internationale Umwelt- und Entwicklungspolitik
4 DIE INTERNATIONALE VERSCHULDUNGSKRISE
4.1 Geschichte der Verschuldungkrise
4.2 Ursachen für die internationale Verschuldungskrise:
4.2.1 Externe Faktoren
4.2.2 Interne Faktoren
4.3 Lösungsversuche der Verschuldungskrise
5 DIE HIPC-ENTSCHULDUNGSINITIATIVE
5.1 Entstehung der HIPC-Initiative
5.2 Das Konzept der HIPC-Entschuldungsinitiative
5.3 Die erweiterte HIPC-Initiative – HIPC II
5.3.1 Die Armutsstrategiepapiere (PRSP)
5.4 Kritik an der HIPC-Initiative
5.5 Die Wirkung der HIPC-Initiative
5.5.1 Fallbeispiel Uganda
5.6 WEED und die Verschuldungskrise
6 SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zielsetzung und thematischer Fokus
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Wirksamkeit der HIPC-Initiative als Lösungsansatz für die internationale Verschuldungskrise der ärmsten Länder unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Nonprofit Organisation WEED und der Implementierung von Armutsstrategiepapieren (PRSP).
- Analyse der Ursachen und Lösungsversuche der internationalen Verschuldungskrise.
- Untersuchung des Konzepts, der Umsetzung und der Kritik an der HIPC- sowie HIPC II-Initiative.
- Darstellung der Rolle und Arbeitsweise von Nonprofit Organisationen, speziell der Organisation WEED.
- Evaluierung der Auswirkungen der HIPC-Initiative am Fallbeispiel Ugandas.
- Reflexion über den tatsächlichen Einfluss von zivilgesellschaftlichen Akteuren auf internationale Finanzinstitutionen.
Auszug aus dem Buch
Die internationale Verschuldungskrise
Seit den 70er Jahren hat die Verschuldung von vielen Entwicklungsländern rasant zugenommen, so dass Anfang der 80er Jahre eine Reihe dieser Länder nicht mehr in der Lage war, ihre Auslandskredite zurück zu zahlen (Andersen 2000, 203). Zeitlich wird der offene Ausbruch der Verschuldungskrise auf 1982 datiert, nämlich, mit der Zahlungsunfähigkeit Mexikos. Im Laufe der Jahre hat sich die Krise verschärft und das nicht nur auf Seiten der Schuldner sondern auch auf Seiten der Gläubiger, insbesondere des internationalen Bankensystems – mit Schwerpunkt bei den US-amerikanischen Banken – als Hauptgläubiger der Großschuldner in Südamerika (ebd.).
Die Verschuldung ist in den 70er Jahren förmlich explodiert, in den 80er-Jahren um das 1,6fache angestiegen und auch in den 90ern (bis 1996) um weitere 44% angewachsen (ebd.). Die absolute Höhe der Auslandsverschuldung ist allerdings wenig aussagekräftig, zur Messung der Tragfähigkeit der Schuldenlast werden verschiedene Relationen herangezogen, wobei vor allem die unmittelbare Zahlungsfähigkeit als auch die Fristenstruktur und die Höhe der Währungsreserven eine wichtige Rolle spielen (ebd. 204).
Die Weltbank bildet anhand bestimmter Schwellenwerte verschiedene Belastungsgruppen und unterschied in zwei Gruppen nach der Höhe des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens, die Severely Indebted Low-Income countries (SILIC) und die Severely Indebted Middle Income countries (SIMIC) (ebd.).
Kapitelzusammenfassungen
1 EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die globale Verschuldungsproblematik und führt in die zentrale Forschungsfrage zur Wirksamkeit der HIPC-Initiative sowie die Rolle der Organisation WEED ein.
2 NONPROFIT ORGANISATIONEN: Dieses Kapitel definiert Nonprofit Organisationen, klassifiziert ihre verschiedenen Typen und beleuchtet ihre gesellschaftliche Funktion sowie ihre Rolle als politischer Akteur.
3 WEED – WORLD ECONOMY, ECOLOGY AND DEVELOPMENT: Hier werden die Aufgaben, Schwerpunktthemen und die methodische Arbeitsweise der Nichtregierungsorganisation WEED im Bereich der internationalen Finanzpolitik detailliert vorgestellt.
4 DIE INTERNATIONALE VERSCHULDUNGSKRISE: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung, die externen sowie internen Ursachen der Verschuldungskrise und diskutiert bisherige, oft gescheiterte Lösungsversuche.
5 DIE HIPC-ENTSCHULDUNGSINITIATIVE: Der Hauptteil analysiert das Konzept der HIPC-Initiative, deren Erweiterung zu HIPC II, die Bedeutung von Armutsstrategiepapieren, Kritikpunkte sowie die Wirksamkeit anhand des Fallbeispiels Uganda.
6 SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Fazit bewertet die HIPC-Initiative als einen notwendigen ersten Schritt, betont jedoch die Notwendigkeit weiterführender Maßnahmen und reflektiert die begrenzten Einflussmöglichkeiten von NPOs auf internationale Institutionen.
Schlüsselwörter
HIPC-Initiative, Verschuldungskrise, WEED, Nonprofit Organisationen, Entwicklungsländer, Schuldentragfähigkeit, Armutsstrategiepapiere, PRSP, Weltbank, IWF, Schuldenerlass, Strukturanpassungsprogramme, Uganda, Globalisierung, internationale Finanzpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der internationalen Verschuldungskrise der ärmsten Länder und untersucht, inwieweit die HIPC-Initiative der Weltbank und des IWF als Lösungsstrategie wirksam ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursachen der globalen Verschuldung, dem Konzept des Schuldenerlasses (HIPC), der Einbindung von Armutsbekämpfungsstrategien (PRSP) und der Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen bei diesem Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die HIPC-Initiative die Schuldentragfähigkeit der betroffenen Länder nachhaltig verbessert hat und welche Rolle die NGO WEED bei der politischen Einflussnahme spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse entwicklungspolitischer Publikationen, Berichten der Weltbank und des IWF sowie der Auswertung von Arbeitspapieren der Organisation WEED.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Verschuldungskrise, die detaillierte Beschreibung der HIPC-Initiative und ihrer Kritik, sowie eine praxisnahe Analyse am Beispiel Ugandas.
Was charakterisiert die in der Arbeit untersuchte Organisation WEED?
WEED ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich kritisch mit der Weltwirtschaft auseinandersetzt, Reformvorschläge erarbeitet und durch Lobbyarbeit sowie Netzwerkarbeit Einfluss auf politische Prozesse nimmt.
Warum wurde Uganda als Fallbeispiel ausgewählt?
Uganda gilt innerhalb der HIPC-Initiative als Vorzeigestaat, da es als erstes Land den "completion point" erreichte und eine eigene Armutsbekämpfungsstrategie (PEAP) mit dem Schuldenerlass verband.
Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft bei der HIPC-Initiative?
Laut der Arbeit ist die Mitwirkung der Zivilgesellschaft an der Erstellung von Armutsstrategiepapieren essenziell, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und die Nachhaltigkeit der Reformen zu sichern.
Was sind die Hauptkritikpunkte an der HIPC-Initiative?
Kritisiert werden vor allem die optimistischen Annahmen bei der Berechnung der Schuldentragfähigkeit, die Anfälligkeit der Länder für externe Schocks (z.B. Rohstoffpreise) und die teils unzureichende Entlastung.
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- Regina Bianchi (Author), 2005, Nonprofit-Organisationen und die internationale Verschuldungskrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52287