Wie haben sich die amerikanischen Präsidenten, die deutschen Bundeskanzler und Minister im Laufe des zurückliegenden Jahrhunderts geändert? Was ist in ihren Führungsstilen auszumachen? Halten sich wirklich alle Politiker immer an verfassungsrechtliche Prinzipien oder gibt es mehr eine individuelle Verfassungsinterpretation? Wie unterscheidet sich eigentlich das Amt des US-Präsidenten vom Amt des deutschen Bundeskanzlers? Wer hat wie viele Kompetenzen und Möglichkeiten in seiner Amtsausführung?
Die Hausarbeit durchleuchtet diese und einige andere Fragen und versucht, mit der Unterstützung der Ansichten verschiedener Politikwissenschaftler mögliche Antworten aufzuzeigen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Analyse der amerikanischen Exekutiven bzw. des US-Präsidenten und seiner Amtsausübung in Geschichte und Gegenwart.
Das Kapitel <Grundlagen der Verfassung> gibt einen kurzen Überblick über die Kernverfassungsprinzipien der USA. Es ist sicher hilfreich, einige Informationen der amerikanischen Verfassung zu kennen, bevor die Stellung der Exekutiven untersucht wird. Das Kapitel <US-Präsident> führt von einer Einführung über historische politikwissenschaftliche Ansätze zur Analyse der US-Präsidenten zu den Funktionen, welche die Verfassung dem amerikanischem Präsidenten zuschreibt und deren tatsächlicher Wahrnehmung und Ausübung in der Praxis.
Vertieft wird dieses Thema im weiteren Unterkapitel über die <Kompetenzen und Amtsausübung – historisch betrachtet>, welches zusätzlich einige konkrete Beispiele auflistet. Nachdem wir schließlich das Amt des US-Präsidenten und die Kernexekutive der USA besser einordnen und verstehen können, ist es spannend, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der amerikanischen Exekutiven und der deutschen Exekutiven im Kapitel <Exekutive in der BRD und den USA – ein Vergleich> zu durchleuchten, wobei darauf Wert gelegt wird, auch das Amt des Bundeskanzlers und dessen Auslegung in der (Nachkriegs-)Geschichte zu betrachten.
Abschließend werden die zentralen Aspekte dieses Vergleichs in einer kurzen Zusammenfassung festgehalten und direkt gegenübergestellt, so dass gegen Ende die Bedeutung der vergleichenden Politikwissenschaft in Bezug auf verschiedene Demokratien deutlich wird.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Grundlagen der Verfassung
Der US-Präsident
Eine Einführung
Die Funktionen des Präsidenten in Theorie und Praxis
chief of state
chief diplomat
commander-in-chief
chief executive
chief legislator
party leader
Kompetenzen und Amtsausübung –historisch betrachtet
Exekutive in der BRD und in den USA – ein Vergleich
Zusammenfassung: US-Präsident vs. Bundeskanzler und Minister
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Exekutivgewalten in den USA und Deutschland, wobei der Fokus auf den Führungsstilen und den Amtsausübungen von US-Präsidenten sowie deutschen Bundeskanzlern im historischen und gegenwärtigen Kontext liegt. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie sich die Kompetenzen und Möglichkeiten der Amtsinhaber unterscheiden und inwiefern individuelle Interpretationen der Verfassung sowie institutionelle Rahmenbedingungen diese beeinflussen.
- Vergleichende Analyse der Regierungsstrukturen (Präsidentielles vs. parlamentarisches System)
- Die Rolle und Funktionen des US-Präsidenten in der Theorie und Praxis
- Einfluss von persönlichen Führungsstilen und Amtsausübungen auf die Exekutivmacht
- Entwicklung und Bedeutung der Kernexekutive in der deutschen Nachkriegsgeschichte
- Gegenüberstellung von US-Präsident und Bundeskanzler hinsichtlich Machtbefugnissen und parlamentarischer Kontrolle
Auszug aus dem Buch
Die Funktionen des Präsidenten in Theorie und Praxis
Im Unterschied zu europäischen Ämtertrennungen ist der US-Präsident Staats- und Regierungschef (chief of state) zugleich, d.h. der Präsident repräsentiert den Staat nach außen, hält Reden und Ansprachen oder macht Ankündigungen wie zur nationalen Fischfangwoche für Kabeljau (vgl. Filzmaier/ Plasser 1997, 107f.) und übernimmt als Parteiführer (dazu später mehr) führende Regierungsaufgaben.
Als oberster Diplomat (chief diplomat) hat der Präsident die Aufgaben, nach der Zustimmung ( 2/3 Mehrheit) des Senats Verträge zu schließen, Botschafter, Gesandte, Konsuln und die Richter des Obersten Bundesgerichts zu ernennen. Er pflegt ferner die Beziehungen zu ausländischen Regierungen und hat für seine außenpolitischen Pflichten und Kompetenzen einen großen Interpretations- und Handlungsspielraum. „Im Vergleich zur Innenpolitik (domestic policy) ist das System der gegenseitigen Kontrolle (checks and balances) deutlich geringer ausgeprägt.“(Filzmaier, Plasser, 1997, 107) Es ist hierbei beachtlich, dass es keinen linearen Zusammenhang gibt zwischen den Erfolgen (den Kriegserfolgen ) der Außenpolitik und der Unterstützung in der Innenpolitik. (vgl. Filzmaier, Plasser 1997, 109). Ohne Senatszustimmung hat der Präsident das Recht, Staaten und Regimes anzuerkennen, was Präsident Washington bereits 1793 ausnutze, indem er die französische Republik nach einem Besuch von Citoyen Edmond Genê anerkannte.
Zusammenfassung der Kapitel
Grundlagen der Verfassung: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Säulen der US-Regierung, insbesondere die horizontale und vertikale Gewaltenteilung sowie die Grundprinzipien wie Föderalismus und Rechtsschutz.
Der US-Präsident: Hier wird das Amt des Präsidenten in seine verschiedenen theoretischen und praktischen Funktionen unterteilt, wobei auch die historische Entwicklung und die Rolle des Executive Office of the President beleuchtet werden.
Kompetenzen und Amtsausübung –historisch betrachtet: Dieser Abschnitt analysiert den Wandel der präsidialen Machtbefugnisse anhand konkreter Beispiele starker und schwacher Präsidenten im historischen Verlauf.
Exekutive in der BRD und in den USA – ein Vergleich: Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die strukturellen Unterschiede zwischen dem präsidentiellen Regierungssystem der USA und dem parlamentarischen System der Bundesrepublik Deutschland.
Zusammenfassung: US-Präsident vs. Bundeskanzler und Minister: Das abschließende Kapitel führt die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Exekutivorgane zusammen und ordnet sie in den Kontext der vergleichenden Politikwissenschaft ein.
Schlüsselwörter
Exekutive, US-Präsident, Bundeskanzler, Gewaltenteilung, Checks and Balances, Regierungsstil, Amtsausübung, parlamentarisches System, präsidentielles System, politische Führung, Verfassungsrecht, Regierungsmehrheit, Kabinett, Machtbefugnisse, Politikwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Exekutivgewalten in den USA und Deutschland, wobei die Führungsstile der Amtsträger sowie ihre verfassungsrechtlichen Spielräume im Vordergrund stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen, die spezifischen Funktionen des US-Präsidenten, der historische Wandel der Machtbefugnisse sowie ein systemischer Vergleich mit dem deutschen Regierungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Regierungssysteme zu entwickeln und aufzuzeigen, wie persönliche Führungsstile die formale Amtsausübung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf politikwissenschaftlichen Ansätzen und der Auswertung bestehender Fachliteratur zu den jeweiligen Regierungssystemen basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Analyse der Funktionen des US-Präsidenten, historische Fallbeispiele zur Machtausübung und den direkten Vergleich zwischen der präsidentiellen Struktur der USA und der Kanzlerdemokratie in Deutschland.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gewaltenteilung, Exekutivmacht, präsidentielles System, Kanzlerprinzip und politischer Führungsstil charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die Rolle des Kabinetts in den USA und Deutschland?
In Deutschland fungiert das Kabinett als wichtiges politisches Kollegialorgan unter Führung des Bundeskanzlers, während es in den USA eher eine untergeordnete, teils symbolische Rolle einnimmt und primär aus Beratern des Präsidenten besteht.
Welchen Einfluss hatte der 11. September auf den Führungsstil von George W. Bush?
Nach den Anschlägen veränderte sich der Führungsstil dahingehend, dass der Präsident verstärkt Kabinettssitzungen einberief und die Kontakte zwischen dem Weißen Haus und dem Kabinett deutlich vertiefte.
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- Lars Braun (Author), 2005, Exekutive in den USA und in Deutschland in Theorie und Praxis Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52313