Homo oeconomicus? - Theorien zur Rolle des Unternehmers für Unternehmensgenese und -wandel


Hausarbeit, 2001
25 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Konzept von Richard Cantillon
2.1 Der Markt
2.2 Die Rolle des Unternehmers auf dem ökonomischen Markt
2.3 Risiko und Unsicherheit
2.4 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von Cantillon

3. Das Konzept von Jean-Baptiste Say
3.1 Die drei Operationen bzw. Schritte der „human industry“
3.2 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von Say

4. Exkurs: Die Phase der Neoklassik: Der Unternehmer verliert an Bedeutung

5. Das Konzept von Carl Menger („Principles of Economies“, 1871)
5.1 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von Menger

6. Die Unternehmertheorie von Knight (1921)
6.1 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von Knight

7. „Schumpeterscher Unternehmer“ - Die Theorie von Joseph Alois Schumpeter
7.1 Der Unternehmer: Der „Innovator“ bzw. „Erneuerer“
7.2 Verdienste und Gewinne des Unternehmers
7.3 Soziologische und psychologische Aspekte des Unternehmers
7.4 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von
Schumpeter

8. Die Unternehmertheorie von Mark Casson (1982, reprint 1992)
8.1 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von Casson

9. Schlußbemerkungen

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Referatsausarbeitung wird Theorien und Konzepte über den Unternehmer und dessen Rolle für die Unternehmensgenese und den -wandel, die in den letzten Jahrhunderten erschienen sind, darstellen.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Theorien und Konzepte über den Entrepreneur (englisch für Unternehmer), aus denen wiederum verschiedene Definitionen und Definitionsansätze resultieren.

Ich kann hier keinen Gesamtüberblick ermöglichen, sondern werde vielmehr auf einzelne, ausgewählte Theorien eingehen und aus diesen die einzelnen Linien bzw. Schwerpunkte aufzeichnen. Diese Referatsausarbeitung versucht, die Positionen der verschiedenen Theorien im Zusammenhang mit meinem Thema „Die Rolle des Unternehmers für die Unternehmensgründung und den Unternehmenswandel zu diskutieren.

Bis heute existiert keine allgemeingültige Definition des Unternehmers bzw. des Entrepreneurs:

„Indeed, there are almost as many defintions of entrepreneurship as there are students of the field.“[1]

2. Das Konzept von Richard Cantillon

Der Ire Richard Cantillon (ca. 1680 bis 1755) und war der Erste, der dem Unternehmer eine zentrale Rolle in der Wirtschaft zugesprochen hat. Er gilt als Schöpfer des Begriffes „Entrepreneur“ bzw. versah er diesen erstmals mit Inhalten.[2]

Die für diese Ausarbeitung relevanten Teile der Theorie sollen im Folgenden näher dargestellt werden.

2.1 Der Markt

Cantillon sieht den Unternehmer als jemanden, der in einem ökonomischen Markt arbeitet. Der Markt erklärt sich für ihn als ein sich selbst regulierendes Netzwerk, in dem Austausch zwischen mehr als einer Partei in Form von Absprachen bzw. Abkommen stattfindet. Der Markt umfaßt neben dem Unternehmer weitere Gruppen bzw. Systeme: u.a. die Kunden, die Gesetze und die Handelsbeziehungen. Der Markt - wie Cantillon ihn sieht - ist ein System, das sich über Zeiträume entwickelt und auf Angebot und Nachfrage reagiert.

2.2 Die Rolle des Unternehmers auf dem ökonomischen Markt

Cantillon beschreibt die Gruppe von Unternehmern, die jeweils aus Eigeninteresse handeln, als die treibende Kraft des ökonomischen Marktes; sie sind für den Austausch von Waren und Produkten verantwortlich. Der Unternehmer ist - durch die gegenseitigen Austauschbeziehungen - Nachfrager und Anbieter zugleich.

Für Cantillon war es wichtig, die Funktion des Unternehmers darzustellen, denn auf die Funktion begründet sich für ihn das Unternehmertum. Die Persönlichkeit wird dabei nicht näher betrachtet; aus welcher sozialen Schicht der Unternehmer stammt, ist für seine Theorie irrelevant.

Auszeichnen tut sich der Unternehmer durch Voraussicht und Risikoübernahme. Risiko entsteht dadurch, daß der Unternehmer auf einem unsicheren Markt agiert, um Profit zu erwirtschaften.

Auf die Begriffe Unsicherheit und Risiko, die das Zentrum von Cantillons Theorie über den Unternehmer bilden, soll im Folgenden Abschnitt näher eingegangen werden.

2.3 Risiko und Unsicherheit

Der Unternehmer übernimmt Risiko, Cantillon bezeichnet ihn als „Risk taker“.

Er unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen zwei verschiedenen wirtschaftlichen Gruppen: 1.) den Unternehmern (als Risk Taker) und 2.) denjenigen, die ansonsten an ökonomischen Aktivitäten beteiligt sind.

Risiko liegt für Cantillon in der Natur jedes Handels, das durch Konkurrenz geprägt ist. Der Unternehmer kauft für einen festgesetzten Preis Waren bzw. Güter und ist sich über die Unsicherheit bewußt, die dem Preis anhaftet, für den er die Waren an einem anderen Ort in der Zukunft wieder verkaufen will.

Der Unternehmer muß sich durch Voraussicht auszeichnen. Mangelnde Voraussicht sieht Cantillon allerdings nicht im Markt begründet, sondern vielmehr in der menschlichen Natur. Menschen, die in einem wirtschaftlichen Markt ständig mit Unsicherheit umgehen müssen, werden von Cantillon als Unternehmer bezeichnet.

Die Funktion des Unternehmers liegt für Cantillon nicht darin, innovativ zu wirken. Der Unternehmer ist jemand, der die richtigen Produkte am richtigen Platz anbietet, um bestehende Nachfrage zu befriedigen. Neben der bereits genannten Voraussicht muß der Unternehmer sich auch durch Flexibilität auszeichnen, gerade wenn sich Profitmöglichkeiten aufgrund von Produktionsänderungen ergeben.

Flexibilität wird durch ein Beispiel verdeutlicht, indem der Unternehmer Preisdifferenzen bzw. Kostendifferenzen auf dem Beschaffungsmarkt zwischen Paris und der Provinz berücksichtigt:

„(...) entrepreneurs...will buy at a low price the products of the villages and will transport them to the Capital to be sold there at a higher price; and this price difference will of necessity pay for the upkeep of the horses and drivers, as well as the profit of the entrepreneur, without which he would terminate his enterprise.“[3]

Der Unternehmer muß sicherstellen bzw. durch seine Entscheidungen absichern, daß der von ihm erwartete Profit in der Realität nicht nur seine Kosten deckt, sondern auch den sog. Unternehmergewinn ermöglicht, ohne den sein Unternehmen nicht lebensfähig wäre. Cantillon legitimiert hiermit den Unternehmerprofit und erkennt dessen Wichtigkeit für die Handlungsfähigkeit des Unternehmers bzw. des Unternehmens an.

In fast allen Unternehmertheorien wird die Frage des Zusammenhangs zwischen Kapital und Unternehmertum aufgeworfen.

Cantillon geht nicht direkt auf den Bereich Kapital und Unternehmer ein, allerdings setzt er indirekt mit der Bezeichnung des Unternehmers als „Risk taker“ voraus, das der Unternehmer entweder Gewinn oder aber auch Verlust machen kann, der Unternehmer kann durch eine falsch getroffene Entscheidung, durch mangelnde Voraussicht, etwas verlieren. Dies ist das Risiko, welches er als wirtschaftliches Subjekt eingeht. Cantillon bringt hier indirekt Kapital mit dem Begriff Unternehmer in Verbindung, allerdings nicht im üblichen Sinne des Kapitalisten. Das Kapital bezeichnet er das „human capital“, das bei Verlust (durch eine Fehlentscheidung) unwiederbringlich verloren ist - während dieses „human capital“, wäre es in eine andere Tätigkeit (bspw. als ein Festangestellter mit sicherem Lohn) zur gleichen Zeit eingesetzt worden, nicht unter dem Risiko des unternehmerischen Handels gestanden hätte.

2.4 Zusammenfassung der zentralen Punkte der Theorie von Cantillon

- Der Unternehmer schafft Gleichgewicht zwischen Anbieter und Nachfrage in einem

statischen System.

- Er handelt unter Risiko und Unsicherheit, die in der menschlichen Natur begründet

ist.

- Er muß Voraussicht besitzen, um Entscheidungen unter Risiko zu treffen, deren

Basis ist: die richtigen Produkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort anzubieten.

- Der Unternehmerprofit, ohne den ein Unternehmen nicht existieren würde, ist die

treibende Kraft des Unternehmertums.

- Der Unternehmer ist kein Kapitalist im herkömmlichen Sinne, sondern läuft bei

Fehlentscheidungen Gefahr sein sog. „human capital“ zu verlieren, welches zur

gleichen Zeit bei einer anderen Tätigkeit hätte eingesetzt werden können, die sich

durch Sicherheit auszeichnet (bspw. als Festangestellter mit vereinbarter

Lohnzahlung). Der Unternehmer setzt sich ständig der Gefahr bzw. dem

Risiko von Verlust aus.

3. Das Konzept von Jean-Baptiste Say

Der Franzose Jean-Baptiste Say (1767-1832) gilt als derjenige Wirtschaftswissenschaftler des 19. Jahrhunderts, der am intensivsten mit einer Unternehmertheorie in Verbindung gebracht wird. Says Theorie des Unternehmers hat wenig mit Cantillons gemeinsam, der, wie im o.g. Abschnitt dargestellt, das Hauptelement des Entrepreneurs darin sah, das dieser Risiko trägt, indem er unter Unsicherheit handelt.

Says Analyse sieht den Entrepreneur vielschichtiger. Er beschäftigt sich mit den Funktionen Planung und Organisation, der Funktionen Innovation und Kapitalbeschaffung. Says wichtigste Werke über das Unternehmertum sind „Traite d´économie politique“ (1. Auflage 1803) und „Cours complet d´économie politique practique“ (1. Auflage, 1828-1829).

3.1 Die drei Operationen bzw. Schritte der „human industry

Says Theorie beginnt mit der Unterscheidung von drei Tätigkeiten, die die „human industry“ ausmachen.[4]

1. Die wissenschaftliche Operation, d.h. es muß Fachwissen über ein bestimmtes

Produkt vorhanden sein. Dieses Fachwissen umfaßt v.a. die Inhaltsstoffe eines

Produktes

2. Der unternehmerische Schritt. Dieser Schritt umfaßt die Umsetzung bzw.

Zusammensetzung des Fachwissens zu einem Ganzen, d.h. die Entwicklung eines

sinnvollen Produktes unter Einbeziehung des Wissens über die einzelnen

Inhaltsstoffe.

3. Der dritte und letzte Schritt ist die eigentliche Herstellung des Produktes, die im

Allgemeinen durch den Arbeiter durchgeführt wird.

In den o.g. drei Operationen ist der Unternehmer von größter Bedeutung, „denn in dem Say´schen Modell ist das Wissen der Wissenschaftler (Information) ein freies Gut und die Aufgabe des Unternehmers bestand darin, das Wissen mit der Arbeitskraft zu kombinieren.“[5]

[...]


[1] Hébert/Link, S. 8

[2] Grundlage dieses Abschnitts bildet Hébert/Link, S. 14 - 22

[3] Cantillon in: Hébert/Link, S. 18

[4] vgl. hierzu Hébert/Link, S. 31 ff.

[5] Ripsas, S. 6

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Homo oeconomicus? - Theorien zur Rolle des Unternehmers für Unternehmensgenese und -wandel
Hochschule
Universität Lüneburg  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Entstehung und Wandel von Unternehmen
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V5246
ISBN (eBook)
9783638131971
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homo, Theorien, Rolle, Unternehmers, Unternehmensgenese, Entstehung, Wandel, Unternehmen
Arbeit zitieren
Maike Schnell (Autor), 2001, Homo oeconomicus? - Theorien zur Rolle des Unternehmers für Unternehmensgenese und -wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5246

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Homo oeconomicus? - Theorien zur Rolle des Unternehmers für Unternehmensgenese und -wandel


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden