Das Thema dieser Arbeit ist aktuell und dabei ist es egal, wann sie gelesen wird, denn die zentrale Frage nach dem Verhältnis zwischen der Türkei und der Europäischen Union verliert weder an Gewichtigkeit noch an Brisanz. Nach inzwischen vier Jahrzehnten Anwartschaft auf den EU-Mitgliedstatus drängt die Türkei, nicht zuletzt auf Grund der Ereignisse im Irak und die Zwangsabsetzung Saddam Husseins durch die USA und ihre Verbündeten, mit Vehemenz in das europäische Bündnis, das ihr nicht nur militärische, sondern vor allem wirtschaftlichen und politischen Fortschritt sowie Hilfe verspricht. Es heißt, man selbst kann sich nur anhand anderer identifizieren. Wie sehr trifft dieser Spruch auf das Verhältnis zwischen Europa und dem Orient zu, dessen Vorposten die Türkei war und ist? Weder das heutige Europa noch die Türkei sind Kunststaaten neuester Zeit, sondern Folgen einer langen und wechselhaften Geschichte, hauptsächlich mit- beziehungsweise gegeneinander. Weiterhin wird die Frage nach einem gewissem Dualismus aufgeworfen. Europa auf der einen Seite und der Orient auf der anderen Seite. Es lässt sich vermuten, dass beide Regionen vernetzt sind, beispielsweise aus historischer Sicht durch Kreuzzüge, Kriege und Kolonisierung und aus kultureller Sicht durch religiöse Einflüsse beider Seiten. Wie sinnvoll ist eine Trennung zwischen Kultur und Entwicklung? Wie groß ist der Unterschied zwischen Christentum und Islam wirklich? Auch die abendländische Kirche ist nicht immer einheitlich vertreten gewesen und oft kämpften auch Christen um des Glaubens willen gegeneinander. Schon damals und heute immer noch war Europa religiös geteilt zwischen römisch-katholischer und griechisch-orthodoxer Kirche.
Inhaltsverzeichnis
1. Europa und die Türkei – Eine ewige Geschichte
2.1. Die Zeit bis zu den Kreuzzügen
2.2. Das Osmanische Reich im Mittelalter
2.3. Die Türkei ab 1923
2. Der Wunsch eines gemeinsamen Europa
3.1. Die Geschichte der Beitrittsbemühungen
3.2. Der aktuelle Stand der Beitrittsverhandlungen
3.3. Die differierenden Meinungen in der EU
3.4. Die entstehenden Schwierigkeiten
4. Was ist europäische Identität?
5. Die Möglichkeiten der EU - und deren Folgen
5.1. Ein Ja zum endgültigen Beitritt
5.2. Die Ablehnung
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis zwischen der Türkei und der Europäischen Union unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen, kultureller Prägungen sowie geopolitischer Interessen, um die Chancen und Risiken eines möglichen EU-Beitritts zu analysieren.
- Historische Beziehungen und wechselseitige Beeinflussung von Europa und der Türkei.
- Analyse des aktuellen Stands der EU-Beitrittsverhandlungen.
- Diskussion der Identitätsfragen innerhalb der EU und des Begriffs der "europäischen Identität".
- Bewertung der ökonomischen und sicherheitspolitischen Konsequenzen einer positiven oder negativen Beitrittsentscheidung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Der aktuelle Stand der Beitrittsverhandlungen
„Jeder europäische Staat [...] kann beantragen, Mitglied der Union zu werden“19. Dies hat die Türkei getan und durch die Akzeptanz dieses Antrages ist eigentlich die Frage nach europäisch oder nicht schon erledigt. Stillschweigend wird mit der nicht erfolgten Zurückweisung des Antrags, die auf Grund der fehlenden Berechtigung als nicht europäischer Staat hätte erfolgen können, die Türkei als Teil Europas anerkannt.20 Eine jetzt folgende Ablehnung kann aus diesem Grund nicht akzeptiert werden, auch wenn damit Staaten wie der Ukraine und Russland der Weg frei gehalten wird. Ferner verbietet sie sich, da die EU ihr Gesicht verlieren würde und inkonsequent würde.
Es existieren ebenfalls schwere Befürchtungen: „Die großen europäischen Kulturzusammenbrüche des 20. Jahrhunderts – Marxismus, Faschismus und Nationalsozialismus – waren zuerst und zuletzt Auflehnung gegen die Moderne, die Märkte und die Entfremdung. Warum sollte die Türkei, so wie der Iran die weiße Revolution des Schahs auch nicht aushielt, die europäische Revolution, die der Eintritt unausweichlich bringt, verkraften?“21 Hintergründig wird immer wieder mit einem Zusammenbrechen der Europäischen Union argumentiert, die an ihren eigenen Zielen scheitert, auch wenn es vorbehaltlich immer die Türkei ist, die sehr großen Problemen ausgesetzt zu werden scheint.
Aber andererseits ist die Aufnahme der Türkei der Schritt zu einer größeren Sicherheit in der Welt: „Ohne die Integration des Beitrittskandidaten Türkei in die Europäische Union ist ein Dialog Europas mit den islamischen Ländern nicht möglich. Das Modell der laizistisch - republikanischen Türkei, die als einziges Land mit muslimischer Bevölkerung in einer politisch instabilen Region demokratisch geführt wird, hat eine Vorbildfunktion. Sie zu fördern heißt die Stabilität in einer ganzen Region vom Balkan bis zum Nahen Osten zu fördern. Und auf diese Stabilität ist die Europäische Union mindestens genauso viel angewiesen wie die USA.“22
Zusammenfassung der Kapitel
1. Europa und die Türkei – Eine ewige Geschichte: Dieses Kapitel beleuchtet die langjährige, wechselhafte Historie der Beziehungen zwischen europäischen Mächten und Anatolien, von der Antike bis zum Ende des Osmanischen Reiches.
2. Der Wunsch eines gemeinsamen Europa: Hier werden die konkreten Schritte der EU-Annäherung seit 1959, der aktuelle Verhandlungsstatus sowie die internen Kontroversen und politischen Schwierigkeiten innerhalb der EU erörtert.
4. Was ist europäische Identität?: Dieser Abschnitt untersucht die Herausforderungen bei der Definition einer gemeinsamen europäischen Identität und wie sich die Türkei in diesen Kontext einfügt.
5. Die Möglichkeiten der EU - und deren Folgen: Das Kapitel analysiert hypothetische Szenarien bei einer Aufnahme oder Ablehnung der Türkei und bewertet die daraus resultierenden globalen und regionalen Konsequenzen.
6. Schlussbemerkung: Ein kurzes Fazit, das betont, dass die Entscheidung über den Beitritt eine fundamentale Weichenstellung für die supranationale Organisation der Zukunft darstellt.
Schlüsselwörter
Türkei, Europäische Union, EU-Beitritt, Beitrittsverhandlungen, Europäische Identität, Osmanisches Reich, Zollunion, Laizismus, Geopolitik, Sicherheitspolitik, Migration, Kulturraum, Reformen, Globalisierung, Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen der Türkei und der Europäischen Union und erörtert die Hintergründe sowie die möglichen Auswirkungen eines EU-Beitritts der Türkei.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung, die EU-Beitrittsgeschichte, die Identitätsdebatte innerhalb Europas sowie ökonomische und sicherheitspolitische Aspekte der Mitgliedschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis historischer Fakten und aktueller politischer Entwicklungen darzulegen, wie sich die Beziehung zwischen der EU und der Türkei auf die Entscheidungsfindung für einen Beitritt auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische und politikwissenschaftliche Analyse der Beziehungen zwischen Europa und der Türkei, ergänzt durch aktuelle Dokumente und Expertenberichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte, den Verlauf der Beitrittsbemühungen, die Debatte um europäische Werte und Identität sowie die Analyse der Folgen einer positiven oder negativen Entscheidung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Türkei, Europäische Union, EU-Beitritt, Geopolitik, kulturelle Identität, Laizismus und Stabilität.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Geschichte auf die heutige Entscheidung?
Der Autor argumentiert, dass Europa und die Türkei durch eine wechselhafte, oft durch Gegensätze geprägte Geschichte verbunden sind, die das heutige gegenseitige Verständnis und die politischen Vorurteile maßgeblich beeinflusst.
Welche Bedeutung hat das Modell der Türkei für die Region?
Die Arbeit hebt hervor, dass die Türkei als demokratisch geführtes Land in einer politisch instabilen Region eine wichtige Vorbildfunktion für den Dialog mit islamischen Ländern einnehmen könnte.
- Quote paper
- B.A. Stephan Mehlhorn (Author), 2003, Die Türkei als Identitätsfrage Europas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52474